»Real Steel«: Rocky mit Robotern

Kinoexperte Söhnlein B. erklärt, warum der Film funktioniert - obwohl er es gar nicht dürfte

Rocky mit Robotern! So einfach lässt sich Shawn Levys Action/ScienceFiction/Sport/Vater-Sohn/Drama »Real Steel« am besten und schnellsten beschreiben. Es geht um den ehemaligen »Contender« Charlie. Der ist in einer nicht all zu fernen Zukunft nach einer anständigen Pechsträhne im Boxsport mit altersschwachen Boxrobotern unterwegs, um sich mit illegalen Untergrund-Kämpfen über Wasser zu halten.

Griesgrämiger Vater erzieht widerwillig übermotivierten Sohn

In ein paar Jahren werden nämlich menschliche Fighter durch Kampfmaschinen ersetzt, weil die ja nichts spüren und keine Gefühle haben die man verletzten könnte! Oder? Charlie ist nicht nur ein runtergekommener Boxer, sondern auch ein lausiger Vater. Durch einen schweren Schicksalsschlag muss er sich eines Tages um seinen Sohn Max kümmern und tut dies - milde ausgedrückt - widerwillig.
 
Gemeinsam stoßen sie auf den schrottreifen Boxroboter »Atom« - und auf Max' Drängen hin formt und fordert Charlie das Blechgerüst, um mit ihm in der Roboter-Box-Liga nach ganz oben zu kommen. Ob es gelingt?

Die Story von »Real Steel« ist wenig innovativ und die Charaktere direkt aus dem Buch für Kino-Stereotypen entsprungen. »Griesgrämiger Vater/Trainer« und »übermotivierter Sohn«. Die Idee Roboter als Boxer gegen einander antreten zu lassen ist hanebüchen und irgendwie sogar lächerlich. Dieser Film dürfte gar nicht funktionieren. Aber er tut es. Und wie!

Kurz vorm Kitsch-Overkill wird das Steuer rumgerissen

Hugh Jackman als Charlie versucht nicht, einen Oscar zu erschleichen, Dakota Goyo als sein Sohn Max schliddert immer knapp am Kitsch vorbei - wenn er zum Beispiel mit »Atom« tanzt - mag man erst im Kinosessel zusammensinken oder wenn am Ende eine überraschende Wende kommt, reißt Dakota seine Augen zum ultimativen Welpenblick auf...

Regisseur Shawn Levy (»Nachts im Museum 1 und 2«) reißt aber immer kurz vorm Kitsch-Overkill das Ruder herum und macht sich über sich selbst lustig! Das ist erfrischend und unterhaltend und verhilft dem Film zu dem was er ist: Pures Unterhaltungskino!

Die Roboterkämpfe sind mitreißend. Metall kracht scheppernd auf Metall. Die seelenlosen Blechdosen haben Seele. Vor allem »Atom« - mit einem Molekül-großen Hinweis auf Künstliche Intelligenz - ist ein Held, auf dessen gesichtsloses Antlitz jeder Zuschauer seine eigene Version projizieren kann.
 
»Real Steel« macht Spaß! Männern. Frauen. Kindern. Hochmodern und Altmodisch.
 
4 von 5 möglichen Popcorntüten. (Bilder: © DreamWorks II Distributiuon Co., LLC. All Rights reserved)
 
S.B.  



 

Dienstag, 01. November 2011, avo

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