Die letzten Monate waren für Christian Wulff ein wahrer Spießrutenlauf. Immer wieder wurden neue Verdächtigungen gegen den Bundespräsidenten laut. Erst kürzlich forderte die Staatsanwaltschaft die Aufhebung seiner Immunität, um gegen ihn ermitteln zu können. Dies war wohl der Grund, warum der Politiker am Freitagmorgen kurzfristig zu einer Erklärung in sein Schloss Bellevue einlud, um seinen Rücktritt zu verkünden.
Doch was führte zu Wulffs tiefem Absturz? Wir blicken zurück!
Im Dezember des vergangenen Jahres veröffentlichte eine große deutsche Tageszeitung einen Bericht, in dem es um einen Hauskredit des Politikers ging. Die Ehefrau von Unternehmer Egon Geerkens soll dem Ex-Bundespräsidenten angeblich einen Kredit über 500.000 Euro eingeräumt haben. Wulff hatte immer wieder betont, keine geschäftlichen Beziehungen zu dem Unternehmer gehabt zu haben, schließlich müsse er als Politiker Neutralität bewahren. In einer offiziellen Stellungnahme räumte er zwar im Nachhinein den Hauskredit ein, erklärte aber, es habe nie einen Amtsbezug gegeben und wäre marktüblich verzinst worden.
Vor allem für seinen Anruf beim »BILD«-Chefredakteur Kai Diekmann hagelte es massive Kritik an Christian Wulff. Der Politiker wollte nach eigenen Angaben durch die Androhung einer Strafanzeige die Berichterstattung verzögern. Die Tageszeitung fühlte sich allerdings in ihrer Pressefreiheit beschnitten und sah in der Angelegenheit einen Versuch, den Artikel komplett zu verbieten.
Hat er durch sein Amt Vorteile erschlichen?
Der Vorwurf der Vorteilnahme ließ Christian Wulff in den vergangenen Wochen nicht mehr los. So wurde er beschuldigt, neben dem Amt des Bundespräsidenten weiterhin in einer Kanzlei als Rechtsanwalt gearbeitet zu haben. Wulff gab zwar zu, dass sein Name noch immer in den Briefköpfen und den Namensschildern zu finden sei, er habe aber seit seiner politischen Karriere keine Zahlungen mehr erhalten.
Im Rahmen seiner Kreditaffäre gab Wulff auch zu, dass er insgesamt sechs Einladungen zu einem kostenlosen Urlaub angenommen habe. Diese seien allerdings vor seiner Karriere als Bundespräsident gewesen und hätten niemals mit seinen öffentlichen Ämtern zu tun gehabt. Auch Filmproduzent David Groenewold soll Wulff mehrere Reisen bezahlt haben. Allerdings habe der Politiker stets alle Kosten in bar wieder zurückgezahlt.
Das Vertrauen in den Bundespräsidenten bröckelte
Viele deutsche Bürger, die Opposition und hochrangige Politiker forderten nach der Kreditaffäre Christian Wulffs Rücktritt. Keiner wollte sich leisten, das Vertrauen in das höchste Amt Deutschlands aufs Spiel zu setzen. Immer wieder betonte Wulff, dass er im Amt bleibe und nichts zu verbergen habe. Doch letztendlich wurde der Druck auf ihn zu groß, so dass er am 17. Februar 2012 um 11:05 Uhr von seinen Ämtern zurücktrat. Horst Seehofer wird bis zur Wahl des neuen Bundespräsidenten das Amt von Christian Wulff vertreten.
