Bei den Frauen wird es in diesem Jahr spannend, wer den wichtigsten Award der Filmwelt mit nach Hause nehmen wird. Insgesamt lässt sich feststellen, dass alle nominierten Frauenrollen sehr starke Figuren sind und alle, bis auf eine, in einem geschichtlichen Kontext stehen. Historienfilme und Portraits über große Frauen wie Marilyn Monroe oder Margaret Thatcher sind 2012 offenbar besonders en Vogue.
Hier findest du die Frauenrollen 2012 und eine kurze Einschätzung zu den Oscar-Chancen der Nominierten:
Glenn Close in »Albert Nobbs«:
Glenn Close spielt in »Albert Nobbs« eine Frau, die vorgibt ein Mann zu sein. Die Geschichte spielt in Irland im 19. Jahrhundert. Hier schlüpft eine Frau in Männerkleidung, um sich in der Welt behaupten zu können. Schon in den 80er Jahren hat Glenn mit der Rolle Theaterbühnen unsicher gemacht. Deshalb ist sie mit der Materie bestens vertraut. Es geht um eine einfache Geschichte, die in ihrer Einzigartigkeit die Emotionen beim Publikum wecken kann.
Oscar-Chancen:
In der Vergangenheit war Glenn Close schon sechsmal für den Oscar nominiert, dreimal davon in der Kategorie als »Beste Hauptdarstellerin«. Bekommen hat sie ihn noch nie. Verdient hätte sie ihn also und vor allem mit der beindruckenden Leistung, die sie im Film abliefert. Doch die Konkurrenz wird in diesem Jahr wahrscheinlich zu groß für sie sein.
Viola Davis in »The Help«:
Viola Davis spielt in »The Help« Aibileen Clark, ein schwarzes Hausmädchen, das von einer weißen Journalistin dazu ermutigt wird, ein Enthüllungsbuch zu schreiben. Die Story findet Anfang der 60er Jahre statt, in der die weiße Oberschicht in Amerika noch daran gewöhnt ist, afroamerikanische Bedienstete zu haben. Aibileen Clark hat zu Beginn des Films jede Lebensfreude verloren. Doch mit der neuen Aufgabe wächst auch ihr Lebenswillen wieder.
Oscar-Chancen:
2009 war Viola Davis bereits als »Beste Nebendarstellerin« bei den Academy Awards nominiert und für ihre schauspielerische Leistung in »The Help« konnte sie bei den SAG-Awards abräumen. (Die gelten neben den Golden Globes als wichtige Vorboten für die Oscars.) Und auch das Thema des Films ist für Hollywood wahrscheinlich sehr interessant. Denn immerhin bildet die Story in »The Help« einen wichtigen Teil der amerikanischen Geschichte ab. Allerdings könnte es sein, dass Violas Film-Kollegin Octavia Spencer ihr bei den Oscars die Show stiehlt. Sie ist als »Beste Nebendarstellerin« nominiert und hat bessere Chancen, die Trophäe abzuräumen.
Rooney Mara in »The Girl with the Dragon Tattoo«:
In »The Girl with the Dragon Tattoo« spielt Rooney Mara die toughe Ermittlerin Lisbeth Salander. An der Seite von Daniel Craig macht sie eine gute Figur und stellt sogar fast ihre Vorgängerin Noomie Rapace in den Schatten - aber eben nur fast. Denn auch Noomie Rapace hat die Rolle in der schwedischen Verfilmung der Millennium-Trilogie von Stieg Larsson mehr als überzeugend dargestellt.
Oscar-Chancen:
Rooney Mara ist ein Oscar-Neuling. Auch wenn sie mit ihren 26 Jahren ganze zwanzig Jahre älter ist als die jüngste Oscar-Gewinnerin aller Zeiten, Shirley Temple. Mit ihrer Figur der Lisbeth Salander ist sie zum ersten Mal bei den Academy Awards nominiert. Ihre Chancen auf die Trophäe sind nahezu verschwindend gering. Doch für sie ist es wahrscheinlich aufregend genug, überhaupt unter den Nominierten zu sein. Und immerhin zeigt es, dass ihre Lisbeth nicht nur die billige Kopie vom Original ist.
Meryl Streep in »The Iron Lady«:
Als erste und einzige Premierministerin Englands macht Meryl Streep eine überzeugende Figur. Der Film zeigt das Leben und die politische Karriere der Margaret Thatcher. Die Rolle macht sich Meryl Streep so spielerisch zu eigen, dass es eine Freude ist, ihr dabei zuzuschauen. Und unter den starken Frauenrollen, die in diesem Jahr unter den Nominierten zu finden sind, ist Margaret Thatcher wahrscheinlich die größte und erfolgreichste Kämpferin.
Oscar-Chancen:
Meryl Streep war bereits insgesamt unglaubliche 17 Mal für den Oscar nominiert - allein 14 Mal davon als »Beste Hauptdarstellerin«. Unfassbarerweise hat sie die Trophäe aber nur zweimal gewonnen und nur einmal als »Beste Hauptdarstellerin«. Schon der Erfolg von »The Kings Speech« im vergangenen Jahr hat einmal mehr bewiesen, dass Hollywood Portraits aus der britischen Geschichte sehr ernst nimmt - vielleicht ja auch in diesem Jahr.
Michelle Williams in »My Week With Marilyn«:
In »My Week With Marilyn« schlüpft Michelle Williams in die Rolle der Filmlegende Marilyn Monroe. In der zarten Liebesgeschichte zeigt sie die zwei Gesichter der Hollywood-Diva. Nicht nur die unnahbare Schauspielerin bekommt der Kinobesucher zu sehen, sondern auch das normale Mädchen hinter der Fassade. Dabei gelingt der Schauspielerin die perfekte Verwandlung.
Oscar-Chancen:
Ebenso wie Meryl Streep hat Michelle Williams den »Golden Globe« als »Beste Hauptdarstellerin« in diesem Jahr abgeräumt. Im Gegensatz zu ihrer Konkurrentin in der Kategorie »Komödie oder Musical«. Außerdem war Michelle Williams 2011 ebenfalls für den Oscar als »Beste Hauptdarstellerin« nominiert. In Hollywood ist es immer ein gutes Zeichen, zwei Jahre nacheinander auf den begehrten Award zu hoffen. Ihre Chancen auf den Oscar sind damit ähnlich groß wie die von Meryl Streep.
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Bilder: PR Photos