ENERGY Traveller

Hi, ich bin Chris... und habe gerade meinen Job an den Nagel gehängt, meine Möbel verkauft und das erste Oneway-Ticket in meinem Leben gebucht. Gute Idee? Keine Ahnung! Verfolge es in meinem ENERGY Traveller Blog - wöchentlich neu bei "Karens Nacht Ab Acht" und natürlich HIER.

Aktuell: Huaraz (Peru) - Auf einen Pisco

Nach einem kurzen Aufenthalt in Lima hat es mich relativ schnell wieder in die Berge gedrückt. Mittlerweile bin ich im Herzen der Cordillera Blanca angekommen - Huaraz. Die Bergsteigerstadt ist der optimale Ausgangspunkt, um die verschiedenen Gipfel in der Umgebung zu erklimmen. Nach meinem ersten 6.000er in La Paz wollte ich unbedingt nochmals nachlegen und auch hier eine mehrtägige Tour starten. Nach einem kurzen Blick auf mein Bankkonto war jedoch klar, dass es dieses Mal zwar kein 6.000er wird, jedoch gibt es auch andere tolle Gipfel, die man hier für ein paar hundert Dollar besteigen kann - nur brauche ich trotzdem eine weitere Person, damit ich mir einen Bergführer und einen Träger beziehungsweise "Portero", wie sie hier genannt werden, leisten kann. 

 

Die ersten Tage waren etwas frustrierend, da es leider kaum Gruppen gab, denen ich mich anschließen konnte. Doch am dritten Tag in Huaraz kam dann der erlösende Anruf von einem Bergführer, der mich zu sich ins Büro zitierte. "Also wir hätten zwei Peruaner, die den Mount Pisco angreifen möchten - jedoch in nur zwei, statt planmäßig drei Tagen". Wow, an zwei Tagen so viel laufen, wie normalerweise für drei Tage eingeplant ist, ist schon eine Leistung. Aber wahrscheinlich sind das einfach junge, fitte Peruaner, die gut mit der Höhe klar kommen. Da ich aber keine Alternative hatte, habe ich einfach zugesagt und um ehrlich zu sein, fühlte ich mich fit und traute mir das auch zu. Außerdem würden bei drei Kunden zwei Bergführer mitkommen und im Notfall kann ein Bergführer wieder absteigen, falls man sich überschätzen sollte. Leicht nervös habe ich mich am Abend in mein Bett gelegt und war gespannt, meine Bergkumpanen am nächsten Tag kennenzulernen. 

 

Vollgepackt mit Proteinriegeln und warmen Klamotten stand ich pünktlich um 5 Uhr morgens voll motiviert und top fit im Bergführerbüro. Nachdem ich meine Gletscherausrüstung erhalten habe, habe ich meine Kollegen kennengelernt. Als die zwei Herren dann vor mir standen, habe ich gedacht mir haut es den Schalter raus. Alejandro war circa 70 Jahre alt, Brillenträger und atmete schon schwer, als er nur seinen Rucksack anprobierte. Niel war zwar etwas jünger, aber kam auch schon an die 50 Jahre ran. Dafür war aber sein Bauch umso größer. Mit offener Kinnlade stand ich vor den beiden und verstand die Welt nicht mehr. Also entweder unterschätze ich die zwei Herren maßlos oder ich überschätze den Berg. Ich war jedenfalls besorgt, dass wir den Gipfel nicht erreichen werden und ich in diesem Moment 250 Dollar aus dem Fenster geschmissen habe.

 

Auf der Autofahrt konnte ich Alejandro und Niel etwas besser kennenlernen und sie waren wirklich sehr lustig und wir haben uns auf Anhieb sehr gut verstanden und einen Witz nach dem anderen gerissen. "Zumindest lustig wird's.", dachte ich mir und stieg aus unserem Jeep. Doch dann wurde es ernst. Da wir den Gipfel in zwei Tagen machten, war der Plan direkt ins High Camp statt ins Base Camp aufzusteigen. Bis zum Base Camp hatten wir noch Esel, die unser Gepäck trugen, doch danach waren wir auf uns allein gestellt. Voll motiviert und mit dem Zeitdruck im Nacken lief ich unseren Bergführer hinterher. Nach zehn Minuten habe ich einmal einen Blick nach hinten geschmissen und dort war... niemand! Der Bergführer und ich sahen uns etwas verwirrt an und warteten kurz, damit die anderen zwei etwas aufschließen konnten. Nach zehn Minuten kam dann auch Niel, schon deutlich außer Atem, aber er meinte, dass er es nur langsam angehen möchte. Nach weiteren fünf Minuten kam dann Alejandro, der schon nach zehn Minuten etwas zu kämpfen hatte, ohne Gepäck, im einfachen Gelände. In diesem Moment wurde mir klar, dass ich zumindest den Berg nicht unterschätzt habe...

 

Entsprechend war mir klar, dass wir das High Camp in diesem Tempo nicht erreichen werden. Und wenn's scheiße kommt, kommt's meistens richtig scheiße. Wir sind keine 20 Minuten unterwegs und es setzte einer heftiger Regenschauer ein, der uns das Leben nicht unbedingt leichter machte. Als wir dann nach einigen Stunden die höheren Ebenen erreicht haben, ist der Regen in Schnee übergegangen, so dass wir gegen 16 Uhr durchnässt und leicht unterkühlt das Base Camp erreichten. 

 

Im Camp angekommen, hatten wir ein kurzes Krisengespräch. Unsere Bergführer erklärten uns, dass wir es nicht vor Einbruch der Dunkelheit ins High Camp schaffen und wir zunächst hier im Base Camp übernachten müssen. Wir haben überlegt, ob wir den Gipfel vielleicht doch lieber in drei Tagen machen, jedoch hatten wir nicht genügend Proviant dabei und unser Portero hatte auch nur zwei Tage Zeit. Entsprechend stand fest, dass wir den Gipfelversuch in der Nacht direkt vom Base Camp versuchen müssen. Was bedeutet, dass wir entsprechend früher, in diesem Fall so gegen 23 Uhr loslaufen müssen, um den Gipfel rechtzeitig zu erreichen. Aber uns war allen klar, dass wir das in dem Tempo, in dem wir gegangen sind, nicht schaffen werden.

 

Nachdem wir unser Zelt aufgebaut und zusammen gespeist hatten, sind wir um 19 Uhr ins Bett, um noch ein paar Stunden zu schlafen. Die Zelte waren jedoch sehr eng und da Niel schnarcht und Alejandro immer schön in meinen Nacken hauchte, habe ich in den vier Stunden keine einzige Sekunde geschlafen. Als um 23 Uhr der Wecker klingelte, ging ich raus und war einfach nur froh, dass ich die Sterne und den Mond sehen konnte. So langsam kam Hoffnung auf, dass wir den Mount Pisco doch noch irgendwie bezwingen können. Doch dann erinnerte ich mich, dass wir ja nun die ganze Ausstattung selbst tragen müssen, was meine anfängliche Hoffnung doch wieder etwas dämmte. Nachdem wir den ersten Anstieg in Angriff nahmen und deutlich zu langsam waren, kamen wir zu einer Stelle, wo wir uns etwas abseilen mussten. Nachdem wir zehn Mintuen auf Alejandro gewartet haben, starrte er uns an und meinte: "PUTA MADRE, ich dreh um!" Einerseits fand ich es sehr schade, dass Alejandro uns verlässt, aber andererseits waren wir so nahe am Base Camp, so dass er alleine zurück konnte und folglich Niel und ich mit zwei Bergführern weiterlaufen konnten. Entsprechend war ich nicht mehr auf die anderen angewiesen und wusste, dass es nun nur mehr an mir liegt, ob ich den Gipfel schaffe oder nicht. 

 

Nach weiteren drei Stunden sind wir dann im High Camp angekommen. Niel machte einen richtig guten Eindruck, aber er hatte sehr mit der Kälte zu kämpfen. Als wir dann am Anfang der Gletscherzunge ankamen und unsere Steigeisen und Helme anzogen, resignierte auch er. Der Portero, der sein Gepäck trug und einer der Bergführer machten sich also mit ihm auf den Rückweg und ich und André versuchten uns auf dem Weg über den Gletscher zum Gipfel. Über surreale Eislandschaften im Mondlicht kämpften wir uns über den Neuschnee, der während des Vortages hier gefallen ist. Schritt für Schritt gingen wir an tiefen Gletscherspalten vorbei, bestiegen verschneite Hänge und blickten auf imposante Bergketten, die uns gegenüberlagen. Unter anderem hatten wir einen einmaligen Blick auf den Artesonrayu, der aus dem Vorspann von Paramount Pictures bekannt ist. Langsam ging auch die Sonne auf, und die ganze Umgebung wurde nochmals spektakulärer anzusehen. Um circa 7 Uhr war es dann soweit. Ich stand auf dem Pisco Nevado und hätte noch vor 24 Stunden nicht wirklich daran geglaubt, dass das machbar sein wird. Doch irgendwie hat sich dann doch noch alles zum Guten gewendet und sogar das Wetter hat perfekt mitgespielt. Es war nicht mal windig auf dem Gipfel, was wirklich außergewöhnlich ist. So konnten wir das 360-Grad-Bergpanorama voll genießen. Aber seht selbst...

 

  • ENERGY Traveller in Huaraz (Peru)
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  • ENERGY Traveller Chris in Huaraz (Peru)

 

Aber ich sag euch eins. Mir reicht's jetzt erstmal mit der Kälte. Ich will jetzt ins Warme, ans Meer, will Boardshorts tragen und Mojito schlürfen. Werd mich morgen hier in Huaraz mal schlau machen, wo der nächste Bus ins Warme hingeht und melde mich dann wieder bei euch.

 

 

 

 
 

Der Podcast

 

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WAS CHRIS BISHER ERLEBT HAT:

 

1:  Die richtige Entscheidung?

Um ehrlich zu sein, mache ich mir gerade kurz vor der Reise ziemlich in die Hose und frage mich täglich, ob das die richtige Entscheidung war. Aber meist bereut man ja doch diejenigen Sachen in seinem Leben, die man nicht gemacht hat. Also auf geht's zur Weltreise!

 

Die Entscheidung, irgendwann mal eine Weltreise zu unternehmen, ist bereits vor einigen Jahren gefallen. Es war schon immer ein Lebenstraum von mir länger zu verreisen, jedoch gab es in der Vergangenheit immer genügend Gründe die Reise zu verschieben. Entweder eine Beförderung im Job oder ich war der Meinung, dass ich mir solch eine Auszeit nicht leisten kann. Jetzt im Nachhinein muss ich sagen, dass es sich meist doch um Ausreden gehandelt hat. Ich bin nämlich mittlerweile davon überzeugt, dass jeder solch eine Reise machen kann - man muss nur den ersten Schritt wagen.

  • Chris in Bangkok (Thailand)
  • Chris beim Glacier Gray (Chile)
  • Chris in Torbole (Italien)
  • Chris beim feiern in Buenos Aires (Argentinien)
  • Chris in Paris (Frankreich)

 

 

Es bedarf sicherlich einiger Vorbereitung und man sollte eine Weltreise nicht übers Knie brechen. Meine Entscheidung, diese Reise zu begehen, ist Anfang des Jahres gefallen, als ich mich überwunden hatte zur ersten Impfberatung zu gehen. Einige Impfungen dauern bis zu sechs Monate, weshalb eine vernünftige Vorbereitung auf jeden Fall von Nöten ist. Nachdem ich jetzt wirklich auch Job und Wohnung gekündigt und die ersten Nächte in Belgrad und Johannesburg gebucht habe, kann ich es kaum erwarten endlich loszulegen!

 

Auch wenn es nicht ganz ohne Vorbereitungen geht, habe ich, was die Reiseroute angeht, jegliche Flexibilität offen gelassen. Bis auf die ersten zwei Flüge und Hotelübernachtungen ist noch nichts gebucht. Ich will mich treiben lassen, spontane Möglichkeiten und Gelegenheiten wahrnehmen, Land und Leute kennenlernen.

 

Der erste Schritt ist also gemacht und ich freue mich tierisch euch an meinen Abenteuern und Erfahrungen teilhaben zu lassen. Falls ihr Fragen zu meiner Weltreise oder den damit verbundenen Vorbereitungen habt, dann schaut doch gerne mal wieder vorbei oder schreibt auf Instagram (@waibelschrischtian).

 

Ihr hört von mir...

Chris



2:  
Ich packe meinen Koffen und nehme mit...

Ich persönlich mag es nicht, sonderlich für den Urlaub zu packen und meist passiert das bei mir auf den letzten Drücker. Diesmal dachte ich mir aber, es wäre sicherlich nicht verkehrt bei einer Weltreise mit ungewisser Route ein bisschen mehr Vorlauf einzuplanen. Also habe ich schon einmal eine Probe-Pack-Action gestartet.

 

Das Ergebnis war sehr ernüchternd... die Hälfte hat nicht reingepasst und der Backpack war knallvoll. Aber als ich mir dann den Inhalt genauer betrachtete, habe ich festgestellt, dass ich doch auf einige Sachen, wie zum Beispiel dünne Handschuhe oder spezielle Trekkinghosen verzichten kann.

Der Backpack von Chris

Einzelteile für den Backpack von Chris

Im zweiten Versuch bin ich etwas anders vorgegangen und habe zunächst die unerlässlichen Sachen eingepackt (Kulturbeutel, 5 Shirts, 4 Hosen, Taschenmesser, usw.) und von meinem Vielleicht-Stapel ergänzt. 

 

Generell habe ich die Erfahrung gemacht, dass ich bei jedem Urlaub doch viel zu viel Sachen mitnehme. Als ich beispielsweise 2012 für 6 Monate nach Südamerika gereist bin, hatte ich eine Skihose dabei, falls ich in den Anden zum Boarden gehen möchte.... was für ein Idiot bin ich denn? Ich habe 6 Monate eine Skihose durch halb Südamerika getragen, die ich genau zwei Mal anhatte. 

Aber aus Fehlern lernt man ja, weshalb ich dieses Mal nur die essenziellen Sachen mitnehmen werde. Man muss nicht für jede Situation gewappnet sein und alles was man braucht, bekommt man auch vor Ort oder es wird einfach (wie so oft) improvisiert.


3:  Belgrad - Die schwimmende Stadt der Jogginghosen

Meine eigene Weltreise sollte eigentlich in Johannesburg starten, jedoch haben einige meiner Freunde schon länger einen Trip nach Serbien geplant, weshalb ich mich spontan entschlossen habe mich dem Städtetrip nach Belgrad anzuschließen.  Auf den ersten Blick ist die Stadt nicht die Schönste. Es ist recht dreckig und das Stadtbild ist von vielen grauen und tristen Betonbunkern geprägt. Die Leute, die ich in den letzten Tagen hier kennenlernen durfte, sind zwar nicht unbedingt die freundlichsten, jedoch auf jeden Fall sehr authentisch.

 

Es kann also gut sein, dass der Kellner im Restaurant Jogginghose trägt, weil es einfach bequemer ist oder der Busfahrer an der Haltestelle vorbeifährt, wenn er jetzt keinen Bock auf eine Touristengruppe hat. Auch wenn es oft zu meinem Leidwesen war, finde ich so etwas ja schon fast wieder sympathisch. Die Menschen machen dir hier nichts vor und sind so, wie sie nun mal sind. 

 

Vorsicht ist außerdem bei den Taxifahrern geboten. Hier werden bei Touristen schnell einmal höhere Preise aufgerufen oder Geldscheine ausgetauscht. Wir haben beispielsweise dem Taxifahrer 2.000 Dinar gegeben und er hat danach felsenfest behauptet, dass es nur 200 waren. Nach längerer Diskussion haben wir dann den restlichen Betrag bezahlt, da wir wegen ein paar Euro jetzt kein Fass aufmachen wollten. 

 

Ein absolutes Highlight waren die Bars und Restaurants, die direkt in sogenannten Hausbooten auf der Donau gelegen sind. Hier den Sonnenuntergang bei einem kühlen Bier zu genießen bietet ein einmaliges Flair, welches ich so tatsächlich nur selten erlebt habe. Auch das Nachtleben hat einiges zu bieten. An jeder Ecke der Stadt und auf der Donau sind der Bass und Beats zu hören und wir mussten nur der Musik folgen, bis wir einen passenden Club gefunden haben. Für feierwütige Gruppen ist Belgrad also ein echter Geheimtipp.

  • Belgrad (Serbien)
  • Belgrad (Serbien)
  • Belgrad (Serbien)
  • Belgrad (Serbien)
  • Belgrad (Serbien)
  • Belgrad (Serbien)
  • Belgrad (Serbien)
  • Belgrad (Serbien)

 

Wer vor Ort Lust auf eine Bootstour hat, sollte auf ein kleines privates Boot gehen und nicht in die großen Touristenschiffe. Wir haben Milos kennengelernt, der uns direkt mit dem Boot von unserem Hausboot-Hostel abgeholt hat, was ziemlich cool war. Ich meine, wer wird schon mal mit dem Boot vom Hostel abgeholt?

 

Als Fazit kann ich sagen, das Belgrad sich für einen Zwischenstopp definitiv anbietet. Geschichtlich hat die durch zahlreiche Kriege geprägte Stadt einiges zu bieten, aber am besten eignet sich die Stadt letztendlich doch für einen Junggesellenabschied.

Mich persönlich hat die Stadt ehrlich gesagt nicht wirklich gepackt, aber wie so oft kommt es auf die Leute an, mit welchen man sich umgibt. Ich habe tolle Bekanntschaften vor Ort gemacht und hatte eine richtig gute Zeit mit meinen Jungs. Es war also ein gelungener Abschied von meinem Freundeskreis und der perfekte Übergang zur Weltreise.

 

Als nächstes geht's jetzt nach Johannesburg. Südafrika wird sicherlich nochmal eine ganz andere Nummer und ich bin schon sehr gespannt, was da auf mich zukommt.

 

Ihr hört von mir...


4:  Johannesburg - Schwarz und Weiß

Mittlerweile bin ich schon beim zweiten Stop meiner Weltreise angelangt: Johannesburg! Bevor ich hier herkam, habe ich viele Horrorstories über Johannesburg gehört. Die Stadt sei sehr gefährlich und es gäbe viel bessere Städte, die man besichtigen könne. Nachdem ich nun doch schon einige Tage hier bin, muss ich sagen: Bullshit! Johannesburg ist zwar nicht die klassische Touri-Stadt, aber man kann hier auf jeden Fall krasse Erfahrungen und Erlebnisse mitnehmen.

Aufgrund der hohen Kriminalität und Armut in Johannesburg war ich sehr verunsichert, inwieweit ich mich hier frei bewegen kann und wie ich mich verhalten soll. Ich war sehr froh, dass ich während meiner Zeit im Hostel Once in Joburg untergekommen war, welches ich euch sehr empfehlen kann. Die Angestellten nehmen dich wirklich an die Hand und zeigen dir, was es heißt in Joburg zu leben. Selbst wenn du einkaufen gehen möchtest, gehen sie mit dir dort hin und zeigen dir auf dem Weg Möglichkeiten auf, was man hier noch machen könnte. Ich hab mich zu keinem Zeitpunkt meiner Reise unsicher gefühlt, da stets Locals vom Hostel dabei waren, die wussten wie der Hase läuft.

Johannesburg Gruppe

Township Johannesburg

Johannesburg Township Kiosk

Die ersten Tage habe ich hier die Townships angeschaut. Ich war mir ehrlich gesagt anfangs nicht sicher, ob es eine tolle Erfahrung sein wird, die Armut anderer Leute anzuschauen. Dem war aber Gott sei Dank nicht so. Sbu und Amanda haben mir teils zu Fuß und teils mit dem Rad unterschiedliche Townships und Stadtviertel gezeigt und ich muss sagen, es war wirklich eine intensive Erfahrung.

 

Wir sind mit den Einheimischen ins Gespräch gekommen und die Bewohner der Slums waren sehr gastfreundlich und weltoffen. Viele Stadtviertel erleben derzeit eine Renaissance und öffnen sich auch für Touristen, weshalb ich auch zu keinem Zeitpunkt Sicherheitsbedenken hatte (zumindest unter der Begleitung von Amanda und Sbu).

 

Trotz allem war ich oft sehr überfordert mit der Armut und den vorherrschenden Lebensbedingungen und ich war sehr froh, die Leute vom Hostel Once dabei zu haben.

Aber genug von Armut und Kriminalität - denn die Südafrikaner können nämlich auch richtig gut feiern. Sbu hat mich am Samstagabend mit seinen Freunden zum Feiern mitgenommen. Alter Schwede... Wir sind nach Maboteng gefahren, wo wir zusammen mit Sbus Freunden den Club Shakkerz besucht haben. Ich war anfangs etwas verwirrt, dass man doch recht gründlich nach Waffen abgesucht wird, da diese scheinbar im Club nicht erlaubt sind... was für Spießer. ;-) Nachdem ich dann meine Knarren abgegeben habe, bin ich auf die Tanzfläche und wollte mit meinen Moves loslegen, bis ich dann bemerkt habe, dass ich der einzige weiße Typ im gesamten Laden war. Wow! Das war mal richtig komisch, wenn dich gefühlt der ganze Club angafft, nur weil du eine andere Hautfarbe hast. Entsprechend war ich am Anfang sehr verunsichert, wie ich mich verhalten soll und hab meine Robo-Moves erstmals für mich behalten. Sbu meinte aber es sei überhaupt kein Problem und ich soll einfach ein Bier trinken gehen und mich entspannen, was ich dann auch gemacht habe.

 

Und er hatte recht - die Leute waren echt locker drauf und es war null Problemo, dass ich Weiß bin. Die halbe Partycrowd ist sogar proaktiv auf mich zugekommen und war neugierig, was wohl eine Weißwurst wie ich hier bei ihnen im Club mache. Nachdem dann das Eis gebrochen war, haben wir dann auch europäische und afrikanische Dancemoves ausgetauscht und bis in den Morgengrauen gefeiert.

 

Johannesburg Stadt

 

Jetzt, da die Zeit hier in Johannesburg zu Ende geht, muss ich sagen, dass die Stadt viele positiven aber auch negativen Seiten hat. Einerseits gibt es immer noch große Probleme, was Kriminalität und Armut angeht, andererseits sind die Leute sehr gastfreundlich und weltoffen. Auch das Rassenproblem ist noch nicht ganz vom Tisch und ich merke auch im Gespräch, dass es hier für die Südafrikaner noch einiges aufzuarbeiten gibt. Jedoch wurde ich hier als Weißer zu keinerlei Zeitpunk angefeindet oder ähnliches. Ich kann jedem nur empfehlen Johannesburg zu besuchen. Natürlich ist es keine klassische touristische Stadt mit vielen Sehenswürdigkeiten, jedoch macht man hier kulturelle und persönliche Erfahrungen, die ich nicht vergessen werde. 

Nächste Woche geht es dann mit Bazbus weiter zu den Drakenbergs. Ich bin froh endlich aus der überfüllten Stadt raus zu kommen und die einzigartige Natur von Südafrika zu erkunden.

 

Ich hört von mir!

Datei ENERGYTraveller_IV_AmandlaMaphalala_Webseite.mp4
Interview mit Amandla Maphalala vom Hostel Once in Johannesburg


5:  Südliche Drakensberge  -  der Lehrer lernt am meisten!

Seit einigen Tagen befinde ich mich in der Sani Lodge, die sich auf meiner letzten Station in den Drachenbergen befindet. Die Lodge liegt am Fuße des massiven Sanipasses, der seinesgleichen sucht. Die Natur ist auch hier unglaublich schön, überall sind Affen zu sehen, Bergkatzen laufen über die Straßen und das Alles in einer saftig grünen Berglandschaft.

 

  • Sani Lodge
  • Aussicht Sani Lodge vom Fahrzeug aus
  • Chris im Auto
  • Kwapitela Primary School Hof
  • Kwapitela Primary School Container
  • Gruppenbild Kwapitela Primary School

Da es außer Bergen und ein paar Affen hier nicht viel gibt, unterstützt die Sani Lodge die naheliegenden Dörfer und bietet auch den Gästen an, ein paar Tage in der Kwapitela Primary School zu arbeiten. Russel, der Besitzer der Lodge, hat auch mich gefragt, ob ich nicht an diesem Projekt teilnehmen möchte, um für ein paar Tage Englisch zu unterrichten. Natürlich war ich am Start. 

 

Etwa sechs Kilometer von der Lodge entfernt, ist die Schule von einer unglaublich schönen Kulisse umgeben, gelegen. Die Schule ansich, ist leider sehr runtergekommen. Die Fenster sind eingeschlagen, wenn es denn überhaupt Fenster gibt. Die Schüler haben kaum Unterrichtsmaterial - und einen Lehrplan oder ähnliches scheint es hier nicht wirklich zu geben. 

 

Als ich das Schulgelände betreten habe, wurde mir die Lehrerin vorgestellt. Sie meinte einfach nur: "Hi Chris, dort hinten im Klassenzimmer warten deine Kinder. Ciao." Und ich dachte mir: "Was???" Natürlich war ich nicht vorbereitet, 10 Schüler ganz alleine für drei Tage zu betreuen. Naja, als ich dann das Klassenzimmer betreten habe, fand ich reinstes Chaos vor. Die Schüler waren zwischen 11 und 15 Jahre alt, tanzten auf den Schulbänken und waren nur sehr schwer zu bändigen. ;-)

 

Nach einigen strengen Worten meinerseits, habe ich gemerkt, dass sich die Kids sehr schwer tun, sich länger als 30 Minuten zu konzentrieren. Aber mir ist auch aufgefallen, dass die Kinder während Stillarbeit immer wieder gesungen haben. Also habe ich entschlossen, immer nach 30 Minuten eine kurze Singpause einzulegen, was ziemlich cool war. Auf einmal waren die Kids wie ausgetauscht: konzentriert, organisiert und hatten richtig Bock mitzumachen.

 

Datei Drachenbergen_MandelaSong_KwapitelaPrimarySchool.mp4
Chris singt mit den Schülern der Kwapitela Primary School

 

Ich war am Ende des Tages fix und fertig. Meine Stimme war kaum mehr existent und ich bin um 19:30 Uhr tot ins Bett gefallen. ;-)

Dennoch möchte ich diese Erfahrung wirklich nicht missen. Die Kids sind einfach nur der Hammer, wenn man mal berücksichtigt, unter was für Bedingungen sie hier aufwachsen. Ich glaube, dass ich in diesen drei Tagen mehr von den Kids gelernt habe, als sie von mir. Ich sage an dieser Stelle einfach nur Danke an die Sani Lodge und der Kwapitela Primary School!


6:  Lesotho - Mythen und Traditionen

Noch nicht einmal zwei Wochen in Südafrika, betrete ich schon wieder ein neues Land: Lesotho! "Where the fuck is Lesotho???", hab ich mich zumindest gefragt, als ich das erste Mal von diesem Land gehört habe. Lesotho ist eines der ursprünglichsten und ärmsten Länder der Welt und liegt als Enklave eingebettet in Südafrika. Außerdem ist Lesotho, ausgehend vom niedrigsten Punkt des Landes, welches auf ca. 1.400 Meter liegt, das höchstgelegende Land der Welt. Logischerweise liegt das Land mitten in den Bergen und die Landschaft ist der Hammer, vorausgesetzt man steht auf Berge.

 

Chris in Lesotho an einer Klippe

Als ich die Landesgrenze überschritten habe, wenn man das überhaupt Grenze nennen kann, hatte ich das Gefühl, ich betrete eine andere Welt. Es gibt kaum mehr Strom oder fließend Wasser und ohne Allrad brauchst du hier gar nicht erst aufmarschieren, weil du dir nach spätestens zwei Kilometern die Ölwanne aufgerissen hast.

 

Chris in Lesotho mit GoPro und Ackerbau

Ich habe ein kleines Dorf im Norden des Landes besucht. Die meisten Einheimischen leben hier in traditionellen Rundhäusern, die sie meist selbst gebaut haben. Eigentlich ist ein rundes Haus mehr als unpraktisch, da man sehr viel Platz verschwendet, jedoch glauben die Menschen hier, dass sich in den Ecken eines Hauses böse Geister verstecken könnten.

 

Da ich einen Guide dabei hatte, sind wir relativ schnell mit den Einheimischen ins Gespräch gekommen. Nach einem kurzen Gespräch hat mich ein Dorfbewohner gefragt, ob ich nicht den Medizinmann namens Sejmo im Dorf kennenlernen möchte, was ich natürlich auf keinen Fall ausschlagen wollte.

 

Als ich in das Rundhaus von Sejmo gegangen bin, hat er schon sitzend auf dem Boden auf mich gewartet. Er hatte lauter kleine Glocken und einige Talismänner umgehangen, die ihn von bösen Geistern beschützen sollen. Mir ist außerdem aufgefallen das Sejmo barfuß unterwegs war, was mich etwas gewundert hat, da es ziemlich kalt war. Aber mein Guide hat mir dann erklärt, dass ein Heiler keine Schuhe tragen darf, da er immer mit der Erde und somit auch mit seinen Vorfahren in Kontakt bleiben muss.

 

Sejmo hat natürlich mitbekommen, dass ich etwas verwundert über sein Outfit war und hat mir daraufhin einen kleinen Einblick über das Dasein eines Medizinmannes in Lesotho gegeben.

Chris mit Medizinmann Sejmo

Dorf in Lesotho

Alles begann bei Sejmo mit einer Vision in der Schule, als er vorhersehen konnte, dass einer seiner Verwandten bald sterben wird. Seitdem wussten seine Familie und er, dass er die Gabe des Heilens in sich trägt. Folglich hat er seine Schule abgebrochen und hat das Praktizieren von anderen Medizinmännern erlernt. Das Ritual des Heilens beginnt immer mit dem Brauen eines Tranks, den der Heiler im Anschluss zu sich nimmt. Dabei fällt er in eine Art Trance, in der er die Schmerzen des Patienten nachfühlen kann. In diesem Zustand tritt er dann auch mit seinen Vorfahren in Kontakt, die ihm einen Rat geben, wie er den kranken Dorfbewohner behandeln soll.

 

Also wie ihr seht, brauchst du in Lesotho keine Überweisung, weil der Medizinmann genau weiß, was du hast. Blöd, wenn man mal blau machen will... ;-) Trotz dieser abgefahrenen Methoden, hat Sejmo einen recht seriösen Eindruck gemacht. Er hat auch klargestellt, dass er weder Tuberculose, HIV, Gelbfieber noch Knochenbrüche behandeln kann und schickt diese Fälle auch direkt ins Krankenhaus. Da aber das nächste Krankenhaus über vier Autostunden entfernt ist, wenden sich die Leute zunächst an Sejmo, was ja auch irgendwie nachvollziehbar ist...


7:  Plattelnde Afrikaner

Zurück in Südafrika, fühlt es sich so an als hätte ich ein neues Land betreten. Ich habe nämlich das Zulu-Land und somit auch die raue Berglandschaft verlassen und habe das Land des Xhosa Stammes betreten. Seit einige Tagen bin ich an der schroffen "Wild Coast" von Südafrika angekommen und lasse mich seitdem jeden Morgen vom Meeresrauschen und Vogelgezwitscher aufwecken. Neben der Vegetation und der Landschaft, hat sich auch die Kultur geändert, weshalb ich gerne auch hier mit den Einheimischen in Kontakt treten wollte, um mehr über die Xhosa zu erfahren.

 

Südafrika Wild Coast

Gestern bin ich also dann mit meinem Guide in ein kleines Dorf in der Nähe von Mthatha gefahren, um eine Familie zum Abendessen zu besuchen. Als ich in der Dämmerung im Dorf ankam, waren auch schon die Nachbarfamilien anwesend. Das Rundhaus war also recht voll und die Leute haben schon auf mich gewartet. Alle wussten Bescheid, dass heute der deutsche Tourist vorbeikommt und entsprechend wurde ich auch behandelt. Das Essen war schon fertig, ich wurde hofiert wie ein Prinz und musste natürlich keinen Finger rühren. Wir haben gemeinsam gegessen und nachdem wir fertig waren, sind einige Frauen aufgestanden und haben traditionelle Kleider und Schmuck angelegt, Trommeln geholt und für mich getanzt. Versteht mich jetzt nicht falsch, denn es war wirklich sehr schön und interessant, aber ich finds ja immer ein bisschen komisch, wenn die Einheimischen wegen eines Touristen anfangen zu tanzen und eine Show abziehen. Natürlich hab ich nichts gesagt, da ich jetzt auch nicht unhöflich rüberkommen wollte. Im Anschluss war die Stimmung recht steif und ich hatte auch null Zugang zu den Leuten, da ich das Gefühl hatte, dass der Dialog in diesem Moment nicht auf Augenhöhe war und ich einfach nur als Tourist angesehen wurde und nicht als Individuum. 

 

Dann habe ich mir gedacht: "Scheiß drauf! Du musst hier jetzt irgendwie das Eis brechen, wenn du heute noch mit den Familien connecten möchtest." Was ihr vielleicht nicht wisst, ist dass ich in meiner Kindheit einige Jahre im Trachtenverein war und dort das "Platteln" gelernt habe. Also bin ich aufgestanden, hab den Afrikanern in die Augen geschaut und gesagt: "If you dance for me, I dance for you!" Auf einmal war in der Hütte kein Ton mehr zu hören. 25 Afrikaner haben mich mit großen weißen Augen angeschaut und wussten gar nicht was jetzt abgeht. Mein Guide hat entsprechend übersetzt, dass ich nun gerne im Gegenzug auch meine Kultur und meine traditionellen Tänze zeigen möchte, was sie glaube ich ziemlich cool fanden. Also bin ich in die Mitte des Rundhauses gegangen und habe einen typisch bayerischen Plattler hingelegt.

 

Ich sag's euch... Als ich den letzten Schlag auf den Oberschenkel aufgesetzt habe, sind alle aufgestanden und wollten sofort mitmachen. The roof was on fire!!!! Und das war natürlich ein Bild für die Götter, 25 Afrikaner versuchen zusammen mit mir zu Platteln... in einem traditionellen Rundhaus... irgendwo in Afrika.

 

Wir haben im Anschluss getanzt bis die Oberschenkel gebrannt haben und das Eis war definitiv gebrochen! Wundert euch also bitte in Zukunft nicht, falls ihr hier in der Gegend sein solltet und an der einen oder anderen Ecke plattelnde Afrikaner antreffen solltet. Das geht auf meine Kappe! ;-)

 

Datei Platteln_GermanShow.mp4
Chris beim Platteln

 

Datei AfricanShow_Tanz.mp4
Afrikaner tanzen für Chris

Ihr hört von mir...

Chris

 


8:  True Colours - Arts to Uplift Project

Ich habe ja schon hin und wieder von der Armut hier in Südafrika berichtet, aber vor kurzem habe ich von einem Projekt erfahren, dass mit dem Thema Armut in Townships anders umgeht, als die meisten anderen Hilfsorganisationen. Meist werden Hilfsmittel, Lebensmittel oder sonstige materielle Dinge gespendet, damit die Leute im betroffenen Township ein bisschen besser leben können. Jedoch fand Luc, der Gründer von true colours - ART to uplift, das Ganze oft nicht besonders nachhaltig, weshalb er einen anderen Ansatz verfolgt.

 

Luc ist ein Künstler aus Südafrika, Surflehrer und Rastafari, der bereits in einigen Kinderhilfsorganisationen im Kongo und Syrien gearbeitet hat, bevor er das "true colours - ART to uplift Projekt" ins Leben rief. Die Idee, die Luc verfolgt, ist im ersten Moment nicht leicht nachzuvollziehen. Als ich ihn das erste Mal getroffen habe und er mit seinen langen blonden Dreadlocks vor mir stand und mir das Township gezeigt hat, hatte ich null Ahnung, was das Ganze eigentlich soll. Luc veranstaltet regelmäßig Workshops mit Kindern aus den Townships und bemalt dabei die Wände der Wellblechhütten mit Blumen. Im ersten Moment hatte ich kein besonders gutes Gefühl, als ich mit den Kids gemalt habe. Klar, es war lustig und schön, aber als ich die zum Teil sehr dünnen Kinder mit löchrigen Klamotten gesehen habe, hätte ich das investierte Geld lieber für Essen und Klamotten ausgegeben, statt für Farben zum Malen. Umso mehr Zeit ich jedoch mit Luc, den Bewohnern des Slums und den Kindern verbracht habe, umso klarer wurde mir, was Luc mit seinem Projekt eigentlich bezwecken will.

 

Viele soziale Projekte haben einen tollen Ansatz, sind jedoch nicht sonderlich nachhaltig. Das "true colours"-Projekt soll hingegen der Funke sein, der das Feuer entzündet. Ich stand ewig auf dem Schlauch, wie Luc mit ein paar Blumen an Hauswänden nachhaltig den Bewohnern des Slums helfen will, aber als ich dann die leuchtenden Augen der Kinder gesehen habe, die so stolz waren, ein Kunstwerk zu malen - als ich die Leute gesehen habe, die jeden Tag an den Häusern vorbeigingen und die bunten Farben in dem tristen Umfeld betrachteten und lächelten, hab sogar ich irgendwann verstanden, was das Projekt bezwecken soll. Es geht im Kern gar nicht darum, die Kinder zu beschäftigen oder die Umgebung zu verschönern, sondern vielmehr darum, Freude, Stolz und ein Gemeinschaftsgefühl im Township zu schaffen, sodass Leute beginnen, Initiative zu ergreifen und zu sehen, dass man mit kleinen Mitteln den Kindern und der gesamten Community helfen kann.

In den letzten Tagen, als ich im Township war, haben sich einige Einheimische bei Luc und seinen Freunden gemeldet, die sich auch mehr in die Gemeinschaft einbringen wollen. Unter anderem hat ein Supermarktbesitzer angeboten, täglich eine warme Mahlzeit an die Kinder auszugeben oder andere Künstler wie Sakumzi vom "Hand in Hand"-Projekt, möchten weitere Kunstprojekte mit den Kindern umsetzen. Genau das ist es, was Luc mit seinen Projekten bezwecken wollte - ein Gemeinschaftsgefühl zu schaffen.

 

Nachdem ich nun Port Elisabeth verlassen habe und weiter darüber nachdenke, finde ich das Projekt richtig klasse und hoffe, dass Luc, Nwabisa und Sakumzi auch in Zukunft weitere Blumen in den verschieden Vierteln von Motherwell pflanzen können, die dann hoffentlich weiterhin wachsen und gedeihen werden.

  •  true colours – ART to uplift
  •  true colours – ART to uplift
  •  true colours – ART to uplift
  •  true colours – ART to uplift

 

Leider muss man sagen, dass das ganze Projekt im Moment noch auf sehr kleiner Flamme läuft, da Luc außer von Spenden der Reisenden keinerlei finanzielle Unterstützung erhält. Den Rest bezahlt er aus eigener Tasche. Falls aber ihr aktiv werden wollt und das Projekt kennenlernen oder gar besuchen wollt, dann kontaktiert Luc, der euch gerne unter luc.truecolours@gmail.com oder auf facebook all eure Fragen beantworten wird und für jegliche Hilfe mehr als dankbar ist. Um euch einen noch besseren Eindruck vom Projekt zu geben, habe ich ein kleines Interview mit Nwabusi und Sakumzi geführt, welches du dir hier gerne mal reinziehen kannst:

Videoteaser

Datei Interview - Nwabisa Badis true colours.mp4
Interview: Nwabisa Badis von True Colours


9:  Bucket List Ist Bucket List - Momente, die einem den Atem rauben

Vor meiner Reise habe ich mir eine kleine Bucket List zusammengeschrieben, was ich gerne so erleben möchte. Natürlich dürfen da Sachen wie Fallschirmsprung, Cage Diving, Shark Diving oder Bungee Jumping nicht fehlen. So eine Bucket List ist ehrlich gesagt recht schnell geschrieben, aber diese dann umzusetzen ist nochmal ein ganz anderes Ding. Es gibt ja keinen konkreten Plan, wann man was machen möchte, aber hin und wieder ergeben sich dann doch spontane Möglichkeiten, gewisse Punkte der Bucket List in die Realität umzusetzen.

 

Vor kurzem habe ich einen kleinen Trip in den Tsitiskamma National Park unternommen. Eigentlich wollte ich nur 'ne Runde wandern und kajaken gehen... Also eigentlich nur ein paar entspannte Tage in der Natur verbringen. Doch dann hat sich das Ganze doch recht schnell anders entwickelt. Nachdem ich den Tag im Nationalpark verbracht habe, habe ich mir nichtsahnend mein wohlverdientes Feierabendbier im Hostel gegönnt und dabei ein paar Franzosen kennengelernt. Nachdem ich mich nach ihren Plänen in den kommenden Tagen erkundigt habe, haben sie mir erzählt, dass sie eigentlich nur wegen einer Sache hier sind: Sie wollen einen Bungee Jump von der Bloukrans Bridge machen. Okay... ich mein, man packt ja so einige Sachen auf seine Bucket List, aber als ich dann gecheckt habe, dass jetzt die Möglichkeit besteht, an einem Seil von einer Brücke zu springen, bin ich doch nochmal ganz schön ins hadern gekommen. Aber Bucket List ist Bucket List und ich wollte das auf jeden Fall durchziehen... also Bungee Jump gebucht, Taxi bestellt, Tequila getrunken und circa zehn Stunden später stand ich dann auf einer 216 Meter hohen Brücke mitten in Südafrika.

 

Weil ich ja noch nicht aufgeregt genug war, kam dann gleich der nächste Schock. Mir hat nämlich niemand gesagt, dass das die höchste Bungee Jump Brücke der ganzen verdammten WELT ist. Alter Verwalter, da musste ich erstmal schlucken. Aber Bucket List ist Bucket List und da musste ich dann wohl durch. Die Aussicht von dort oben war wirklich einmalig: Ein breites Tal aus dichtem, grünen Wald, in der Mitte ein dunkelblauer Fluss, der sich durch das Gebirge schlängelt und langsam ins Meer mündet. Aber all das konnte ich gar nicht so richtig wahrnehmen, weil ich wusste, dass ich da jetzt gleich runter springen muss. Und dann interessiert dich ehrlich gesagt die wunderschöne Landschaft erstmals einen Scheißdreck.

 

Dann stehst du da, deine Beine an ein Seil gebunden, deine Zehenspitzen schon über der Absprungkante und du bei weitem noch nicht bereit, über 200 Meter in die Tiefe zu springen. Aber wenn du einmal da oben stehst gibt es kein zurück mehr. 3, 2, 1... Sprung! Ich kann mich nicht mehr an alles erinnern, aber die ersten Sekunden im freien Fall konnte ich keinen einzigen Laut aus meiner Kehle pressen. Du denkst dir einfach nur SCHEISSSSSEEE. Bis zu dem Moment der Erleichterung, als du dann das Seil an deinen Beinen spürst, dass dich langsam abfängt. Dann habe ich einfach nur gebrüllt, was das Zeugt hält. 

 

Nach wenigen Minuten war ich dann wieder oben auf der Brücke, aber ein ganz anderer Mensch als zuvor. Erleichtert, zufrieden, voller Glücksgefühle und mit einem Lächeln im Gesicht, dass mir an diesem Tag keiner mehr nehmen konnte. Wir sind anschließend sofort wieder in die Bar und haben uns auf diesen Schock nochmals einen Tequila gegönnt.

 

Datei ENERGYTraveller_BungeeJump.mp4
ENERGY Traveller Chris beim Bungee Jump

 

Also Jungs und Mädels.... Bucket List ist Bucket List. Also zieht es durch, es lohnt sich! Ich check jetzt erstmal, wo ich hier in der Nähe Sharkdiving gehen kann. ;-)

 

Wir hören uns....

 


10:  Life is a beach

Mittlerweile bin ich schon fast einen Monat in Südafrika. Jeder Tag war bisher einmalig, aber die ganzen Eindrücke, die man erlebt, können auf Dauer auch schon mal etwas schlauchen. Derzeit bin ich in Jeffreys Bay, dem Surferparadies in Südafrika. Es ist offensichtlich, dass sich hier alles ums Surfen dreht - jeder läuft in Boardshorts durch die Gegend, ist braun gebrannt und gut gelaunt. Aber auch kein Wunder: Wenn du täglich vom Rauschen der Wellen geweckt wirst, ständig eine leichte salzige Meeresbrise in der Luft hängt und du schon vor dem Frühstück den Sand zwischen den Zehen spürst, kann dir keiner mehr den Tag versauen.

Jeffreys Bay in Südafrika

Jeffreys Bay in Südafrika

Um ein bisschen Kohle zu sparen, habe ich in einem Hostel angefragt für Kost und Logis zu arbeiten. Gemacht, getan... ab sofort der neue Mann an der Rezeption! Unterkunft und Surfboard for free und ein paar Stunden Arbeit haben ja noch keinem geschadet. Es fühlt sich gut an, endlich mal Freundschaften für länger als nur 3 - 4 Tage zu schließen, Locals besser kennenzulernen und bekannte Gesichter auf der Straße zu treffen. Auch wenn ich vermutlich nur ein paar Wochen hier bin, ist es top, endlich mal wieder eine Base zu habe, von der man die Umgebung erkunden kann.

 

Natürlich hab auch ich meinen Hintern aufs Surfbrett geschwungen und die verschiedenen Spots hier in Jeffreys Bay ausprobiert. Auch wenn ich nicht der beste Surfer bin, macht es unglaublich Laune, den ganzen Tag am Meer und im Wasser zu verbringen. Eines lässt mir jedoch keine Ruhe - und zwar das Thema Haie. Jedes Mal, wenn ich ins Wasser gehe und einen dunklen Schatten sehe, habe ich im irgendwo im Hinterkopf, dass das eventuell ein Hai sein könnte. Zu 99 Prozent sind es zwar nur Steine, trotzdem stresst mich das Ganze schon hin und wieder ein bisschen. Vorgestern hatte ich dann kurzzeitig tatsächlich eine kleine Panikattacke. Ich saß auf meinem Surfbrett und habe mal wieder einen relativ großen Schatten im Wasser gesehen. Diesmal hat er sich aber ziemlich schnell bewegt. Offensichtlich war es ein großer Fisch und natürlich bin ich davon ausgegangen, dass es ein Hai war! FUCK! Als dann auch noch eine Flosse aus dem Wasser ragte, wusste ich wirklich nicht mehr was ich machen soll. Paddeln?? Aufs Brett und nicht bewegen? Kämpfen? Keine Ahnung! Gott sei Dank waren auch noch ein paar andere Surfer im Wasser, die relativ schnell gecheckt haben, dass ich mehr als nur unentspannt war und haben dann einfach nur geschrien: "Dude, just dolphins, bru!"

Chris beim surfen am Jeffreys Bay

Shark Rescue Kit

Was, Delfine? Beim Surfen? Dann habe ich bemerkt, dass wir in diesem Moment mitten in einem Schwarm Delfine auf unsere nächste Welle warteten. Natürlich war ich erstmal erleichtert, war aber immer noch ziemlich überfordert mit der Gesamtsituation. Nach einigen Minuten kam dann die Euphorie - surfen mit Delfinen - wie geil ist das denn? Die Delfine waren sicherlich eine halbe Stunde bei uns und haben mit uns gechillt. Es war schon fast eine surreale Situation, aber eine ziemlich geile Nummer muss ich sagen. Also wie ihr seht, kann man es hier ganz gut aushalten. Ich werde die nächsten zwei bis drei Wochen vorerst hier bleiben und vermutlich die unzähligen Nationalparks in der Umgebung unter die Lupe nehmen! Und hoffentlich mal wieder mit meinen neuen Delfinbuddys abhängen.

 

Ich melde mich auf jeden Fall nächste Woche wieder! Haut rein!

 


11:  Zeit für eine Safari!

Ja, was soll ich sagen...jetzt bin ich schon seit fast zwei Monaten hier in Afrika und habe noch keine einzige Safari gemacht. Das muss sich natürlich ändern. Darum habe ich mal gecheckt, was man hier in der Nähe so anstellen kann und bin dabei auf den Addo Elephant Park gestoßen. Der Park ist zwar recht klein, aber man darf die Safari auf eigene Faust machen, was ich ja schon wieder ganz cool fand.

 

Da ich kein Auto habe, musste ich mir hier erstmal was mieten. Natürlich hätte ich mir gerne einen Geländewagen ausgeliehen, aber das mit dem Reisebudget ist ja immer so ne Sache, weshalb es leider nur für 'nen Kleinwagen gereicht hat. Aber wer kann schon behaupten, eine richtige Safari mit einer Knutschkugel gemacht zu haben. Ich fand mein Auto auf jeden Fall super und hab ihm auch gleich einen Namen gegeben: Herbert. Am nächsten Tag habe ich dann Herbert vollgetankt und im Morgengrauen ging's dann auch schon los.

 

Pünktlich zum Sonnenaufgang bin ich im Nationalpark angekommen. Als erstes bekommt man eine kleine Einweisung vom Ranger, was man machen kann und was man eher lassen sollte. Um ehrlich zu sein, hab ich nur die Hälfte verstanden, aber es hat sich sowieso eher angefühlt wie die Sicherheitseinweisungen im Flugzeug. Weder die Stewardessen noch die Passagiere haben Bock drauf, aber Vorschrift ist nun mal Vorschrift. Jedes Fahrzeug wird im Anschluss auch auf Waffen kontrolliert, da Wilderei leider immer noch ein großes Problem in Südafrika ist. Als wir dann aber vor die Tür gingen und der Ranger meinen kleinen Flitzer gesehen hat, hat er gelächelt und gemeint, dass er keine Bedenken habe, dass ich auf Großwildjagd gehen werde. Also durfte ich endlich in den Park fahren.

 

Ziemlich geil... Da saß ich nun in meinem Gefährt, im Rückspiegel der Sonnenaufgang, der den Horizont rot einfärbte, vor mir die unendlich weiten, grünen Ebenen von Südafrika und eine vielfältige Tierwelt, die nur darauf gewartet hat, von Herbert und mir erkundet zu werden. 

 

Ich habe ja noch nie eine Safari gemacht und dementsprechend saß ich dann auch im Auto wie ein aufgeregtes Kleinkind am ersten Schultag. Hektisch habe ich alle paar Sekunden rechts und links aus dem Fenster geschaut und nach exotischen Tieren Ausschau gehalten. Leider war es in der ersten halbe Stunde sehr ernüchternd... Außer ein paar Vögel und Warzenschweine hab ich nichts gesehen. Die Büsche und der Wald wurden zudem immer dichter, weshalb man außer der Straße eigentlich kaum etwas erkenne konnte, was bei einer Safari ja eher nicht so geil ist. Naja, Herbert und ich sind aber tapfer immer weiter durch die Büsche von Südafrika getuckert, bis ich einen kleinen Seitenpfad entdeckt habe, in den wir dann auch abgebogen sind. Direkt nach der Kurve stand dann auf einmal tatsächlich eine fette Herde Elefanten direkt vor meiner Stoßstange. 

 

Ich sag's euch: Es ist echt ein krasses Gefühl, wenn du in 'nem verrosteten alten Kleinwagen sitzt und neben dir ein sechs Tonnen schwerer und drei Meter hoher Elefant vorbeiläuft. Die 1cm Zentimeter dicke Glasscheibe, die dich von diesem gigantischen Tier trennt, vermittelt dir in diesem Moment nicht unbedingt das Gefühl von Sicherheit. Du schaust aus dem Fenster und kannst sogar die feinen Falten in der ledrige Haut erkennen und das tiefe Atmen der Kollose hören. Trotz der Größe schleichen die Elefanten schon fast geräuschlos über den Boden und strahlen eine unglaubliche Ruhe aus. Es war einfach nur beeindruckend einem solch imposanten Tier so nahe zu kommen. 

 

Im Laufe des Tages habe ich dann auch noch die restliche Tierwelt vom Addo Elephant Park begutachten können. Für mich war die Vielfalt und die Harmonie, die die Tiere ausstrahlen, einfach wahnsinnig faszinierend. Es ist schwierig, das Ganze in Worte zu fassen, aber ich kann euch garantieren, dass das nicht die letzte Safari war, die ich hier in Afrika gemacht habe. 

 

Bevor es jetzt aber zur nächste Wildtiersafari geht, mach ich mich erstmals langsam wieder mit dem Bazbus auf den Weg. Ihr hört von mir!

  • ENERGY Traveller Chris im Addo Elephant Park
  • ENERGY Traveller Chris im Addo Elephant Park
  • ENERGY Traveller Chris im Addo Elephant Park
  • ENERGY Traveller Chris im Addo Elephant Park
  • ENERGY Traveller Chris im Addo Elephant Park
  • ENERGY Traveller Chris im Addo Elephant Park
  • ENERGY Traveller Chris im Addo Elephant Park
  • ENERGY Traveller Chris im Addo Elephant Park
  • ENERGY Traveller Chris im Addo Elephant Park
  • ENERGY Traveller Chris im Addo Elephant Park
  • ENERGY Traveller Chris im Addo Elephant Park
  • ENERGY Traveller Chris im Addo Elephant Park
  • ENERGY Traveller Chris im Addo Elephant Park
  • ENERGY Traveller Chris im Addo Elephant Park
  • ENERGY Traveller Chris im Addo Elephant Park
  • ENERGY Traveller Chris im Addo Elephant Park
  • ENERGY Traveller Chris im Addo Elephant Park
  • ENERGY Traveller Chris im Addo Elephant Park
  • ENERGY Traveller Chris im Addo Elephant Park
  • ENERGY Traveller Chris im Addo Elephant Park
  • ENERGY Traveller Chris im Addo Elephant Park
  • ENERGY Traveller Chris im Addo Elephant Park

 


12:  Fischfutter

Nachdem ich jetzt fast einen Monat hier in Jeffreys Bay beim Surfen war, mache ich mich langsam über die Garden Route auf den Weg nach Namibia. Ich habe euch ja schon das eine oder andere Mal erzählt, dass ich ziemlich Schiss vor Haien hab und dass das ja hier beim Surfen eher suboptimal ist. Gott sei Dank ist ja bisher eine Begegnung mit einem Hai ausgeblieben, aber das hat sich diese Woche geändert.

 

Es gibt ja diese Theorie, die besagt, dass man sich seinen Ängsten stellen muss, um diese zu überwinden. Deshalb dachte ich mir, dass mir gegebenenfalls so eine Konfrontationstherapie ganz gut tun würde. Ich habe nämlich mitbekommen, dass man hier in der Nähe von Kapstadt mit Haien tauchen kann. Das wollte ich mir natürlich genauer anschauen und hab mich auf zum Diving Center in Hermanus gemacht und mich tatsächlich angemeldet.

 

Shark Diving war ja auch so ein Punkt, den ich leichtfertig auf meine Bucket List gepackt habe. Aber wenn man dann so an der Küste steht und das kleine Boot mit dem Käfig sieht, der Tauchmaster dir 'nen Neoprenanzug in die Hand drückt, realisiert man eigentlich erst, für was für 'ne Scheiße man sich da jetzt angemeldet hat. Aber wenn du einmal in diesem Neoprenanzug steckst, kommst du aus der Nummer nicht mehr raus.

 

Da saß ich dann also, auf dem kleinen Boot, welches sich immer weiter von der Küste entfernt hat. Vor mir der unendliche, tiefblaue Ozean und hinter mir die typische felsige Küste, die immer kleiner wurde. Nach einer guten halben Stunde hat der Skipper den Motor abgestellt und geankert. Im Gegensatz zu meiner ersten Safari habe ich diesmal die Sicherheitseinweisung mehr als ernst genommen. Und dann ging es eigentlich recht schnell: Nachdem sich der Käfig in der richtigen Position befand, hat der Tauchmaster einen Eimer Fischblut ins Wasser gekippt und einen Köder aus frischen Fischköpfen an einer Leine ausgelegt. Dann sah er mich an und meinte, dass ich jetzt in den Käfig steigen soll. Wenn dann das 13 Grad kalte Wasser in deinen Neoprenanzug fließt, der Käfig sich über dir verschließt, vor dir abgetrennte Fischköpfe rumschwimmen und du weißt, dass gleich Haie wenige Zentimeter vor dir rumschiwmmen, dann ist das Ganze erstmal eher nicht so geil. Aber gut, ich hab's mir ja selber ausgesucht...

 

Die Sicht war an diesem Tag nicht die Beste, weshalb ich unter Wasser maximal fünf Meter weit sehen konnte. Nach circa drei Minuten im Wasser habe ich bereits die ersten Flossen im entfernten, trüben Wasser erkennen können und keine zehn Sekunden später kam dann tatsächlich ein drei Meter langer Hai direkt auf mich zugeschwommen und hat circa 50 Zentimerter vor mir die Fischköpfe mit einem heftigen Ruck von der Leine gerissen. Ihr könnt euch nicht vorstellen, was für eine Power so ein Hai hat. Das war mit Abstand das Spektakulärste, was ich bisher in der Tierwelt erleben durfte. Ich war dann circa eine halbe Stunde zusammen mit den Haien im Wasser, aber war danach mehr als froh, als ich endlich wieder festen Boden unter den Füßen hatte. Auch wenn es eine unglaubliche Erfahrung für mich war, muss ich sagen, dass es jetzt nicht unbedingt die cleverste Entscheidung war, wenn man eh schon Schiss vor Haien hat. Ich glaub, ich kann jetzt wahrscheinlich gar nicht mehr ins Wasser gehen, nachdem ich gesehen habe, wir der Hai diesen Köder einfach nur vernichtet hat... Der Tauchmaster meinte schlussendlich, dass ich einfach in Zukunft immer mit einer Gruppe ins Wasser gehen soll, damit die Wahrscheinlichkeit geringer ist, dass der Hai mich angreift. Sehr beruhigend!

 

Datei Traveller_SharkDiving.mp4
ENERGY Traveller Chris beim Shark Diving

 

Aber das Thema Haie kann ich jetzt sowieso erstmal abhaken, da ich mich jetzt auf den Weg in die Wüste Namibias mache und dort dann eher mit Skorpionen und Schlangen klar kommen muss.

 


13:  Namibia Calling - die ersten Nächte in der Namib Wüste 

Nachdem ich jetzt doch ein bisschen in Südafrika hängen geblieben bin, musste ich mich schon fast losreißen, damit ich hier endlich mal weiter komme. Aber Afrika hat noch viel zu bieten, weshalb ich mein Kraffel zusammengepackt habe, um die nächsten Wochen mit dem Zelt durch Namibia zu reisen. Ich war ja anfangs ein bisschen skeptisch, da es dort außer Wüste scheinbar nicht viel geben soll, aber jetzt nach den ersten Tagen muss ich sagen, dass Namibia richtig stark performt.

 

Falls ihr mal keinen Bock auf andere Leute haben solltet, dann macht euren nächsten Urlaub einfach hier. Ihr könnt hier stundenlang mit dem Auto durch diese trockene, karge Wüstenlandschaft fahren, ohne eine einzige Menschenseele anzutreffen. Das ist aber auch irgendwie nachvollziehbar, da die Lebensbedingungen einfach zu extrem sind. Die Sonne ballert hier jeden Tag mit 40 Grad auf die Namib Wüste runter, man schwitzt ohne Ende und jede Bewegung ist einfach nur sau anstrengend. Aber wenn du dann diese unglaublich schöne Wüstenlandschaft und die vielfältige Tierwelt siehst, dann entschädigt das für jeden Tropfen Schweiß, den du vergossen hast. 

 

Trotz der extremen Hitze und den widrigen Lebensbedingungen gibt es hier an jeder Ecke Zebras und verschiedenste Arten von Antilopen. Es ist für mich ehrlich gesagt unerklärlich, wie die Tiere bei diesen Temperaturen überhaupt überleben können. Ich klapp' hier jedenfalls schon fast zusammen, sobald ich mal ein paar hundert Meter eine Sanddünen hochlaufen muss, aber vielleicht liegt das auch einfach nur an meinem derzeitigen Fitnesslevel... wer weiß!

  • ENERGY Traveller Chris in der Namib Wüste
  • ENERGY Traveller Chris in der Namib Wüste
  • ENERGY Traveller Chris in der Namib Wüste
  • ENERGY Traveller Chris in der Namib Wüste
  • ENERGY Traveller Chris in der Namib Wüste
  • ENERGY Traveller Chris in der Namib Wüste
  • ENERGY Traveller Chris in der Namib Wüste
  • ENERGY Traveller Chris in der Namib Wüste
  • ENERGY Traveller Chris in der Namib Wüste
  • ENERGY Traveller Chris in der Namib Wüste

 

 

Neben der Tierwelt ist auch die Landschaft unglaublich beeindruckend. Du hast ständig einen Blick auf die massiven, schon fast roten Sanddünen, die hier bis zu 400 Meter aus dem Boden ragen und sich direkt von der Küste bis ins Landesinnere auftürmen. Natürlich habe ich es mir nicht nehmen lassen, auf eine der größten Sanddünen hier in der Wüste zu klettern, um die Namib Wüste nochmal aus einem anderen Blickwinkel zu betrachten.

 

Was mich aber in Namibia mit Abstand am meisten beeindruckt hat, ist der Sternenhimmel. Nachdem sich die Sonne mit einem intensiven Abendrot verabschiedet hat, die trockene Luft ein wenig abkühlt und ein leichter Wind anfängt zu wehen, hole ich hier jeden Abend meinen Schlafsack raus und leg mich für ein paar Stunden vor das Zelt. Sobald ich dann am Boden liege, nur noch die Grillen zirpen höre, den warmen Wind auf der Haut spüre und in den Himmel schau, denk ich mir einfach nur: What the fuck! Ich habe in meinem Leben noch nie so einen klaren und intensiven Sternenhimmel gesehen wie hier in der Wüste. Man kann mit dem bloßen Auge andere Galaxien und sämtliche Sternbilder erkennen. Ich habe mal versucht, das Ganze irgendwie mit der Kamera festzuhalten, was natürlich kaum möglich ist. Trotzdem hoffe ich euch zumindest einen Eindruck vermitteln zu können, wie extrem klar die Sicht auf die Sterne hier in der Namib Wüste ist. 

ENERGY Traveller Chris in der Namib Wüste bei Nacht

 

ENERGY Traveller Chris in der Namib Wüste bei Nacht

ENERGY Traveller Chris in der Namib Wüste bei Nacht

 

ENERGY Traveller Chris in der Namib Wüste bei Nacht

Wir ihr also seht, hat mich Namibia nach den ersten Tagen schon ziemlich gepackt und ich bin gespannt, was das Land noch so zu bieten hat. Ich mache mich jetzt weiter Richtung Norden, um Swakopmund, Spitzkoppe und den Etosha Nationalpark zu erkunden. 

 

Ich melde mich dann nächste Woche wieder mit den weiteren Eindrücken aus Namibia.

 

Schaut euch hier gerne noch zwei Videos von mir an:

Datei Traveller_Namib_01.mp4
ENERGY Traveller Chris in der Namib Wüste - Teil 1

Datei Traveller_Namib_02.mp4
ENERGY Traveller Chris in der Namib Wüste - Teil 2


14:  Little Germany - Action in Swakopmund

Da fahr' ich dann also so durch die Wüste in Namibia. Um der Hitze etwas zu entfliehen, habe ich einen kleinen Zwischenstopp an der Küste in Swakopmund eingelegt. Die Stadt, die zwischen den unendlichen Sanddünen der Namib Wüste und dem tiefblauen Atlantik angesiedelt ist, hat mir endlich wieder das Gefühl von Zivilisation gegeben. Es war einfach schön, anderen Menschen über den Weg zu laufen, Leute in den Bars und Restaurants zu sehen und die kalte Meeresbrise auf der Haut zu spüren.

 

Als ich dann so durch die Straßen von Swakopmund gelaufen bin, hab ich sehr viel deutschsprachige Leute gehört. Ich meine, man trifft ja mittlerweile überall deutsche Touristen, aber hier war es schon wirklich extrem. "Ganz schön touristisch hier", dachte ich mir, als ich dann auch noch die ins Deutsche übersetze Speisekarte im Restaurant gesehen habe. Nachdem ich dann aber auch noch Schnitzel mit Pommes und Schweinshaxe in der Speisekarte entdeckt habe, musste ich doch mal den Reiseführer aufschlagen. Namibia war lange Zeit durch deutsche Missionare und Kolonien geprägt, weshalb hier nach wie vor sehr viel Deutsch gesprochen wird und natürlich auch alles etwas deutsch geprägt ist. Ich sag's euch, es ist schon ein bisschen komisch, wenn du bei 30 Grad in der Sonne 'ne Schweinshaxe mit Sauerkaut isst. Aber gut... was es nicht alles gibt.

 

So, was kann man denn hier so an einem Tag in 'ner Wüstenstadt wie Swakopmund machen? Dünen und Tiere hab ich mittlerweile ehrlich gesagt genug gesehen, aber den ganzen Tag nur in der Sonne bruzzeln wollte ich dann auch nicht. Gut, dass Swakopmund als Action-Sport-Mekka bekannt ist, was ich natürlich nutzen wollte. Also auf zum nächsten Action-Sport-Center: Quad ausgeliehen, Sandboard auf den Gepäckträger geschnallt und auf geht’s.

 

Ich hab mich gefühlt wie ein kleiner Junge, der das erste Mal auf 'nem Traktor mitfahren durfte. Mit einem breiten Grinsen im Gesicht bin ich dann also durch das Hinterland geheizt. Der Sand wird dir ins Gesicht geschleudert, der Fahrtwind bläst dir um die Ohren und mein Schweiß tropft auf das aufgeheizte Quad - also an Testosteron hat es an diesem Tag auf keinen Fall gefehlt. Nachdem wir dann ein paar Stunden die Wüste erkundet haben, haben wir uns eine der größten Dünen ausgesucht und unsere Sandboards ausgepackt. Wir haben ja an diesem Tag noch nicht genug Sand gefressen.... Spätestens nachdem wir zweimal diese Düne kopfüber runtergerutscht sind, war auch die letzte Ritze meines Körpers voller Sand.

 

Also wie ihr seht, kann man es hier in der Wüste recht gut aushalten und es wird garantiert nicht langweilig. Aber Namibia hat noch viel zu bieten, weshalb ich mich mich jetzt wieder auf den Weg mache, um den Norden des Landes weiter zu entdecken... The show must go on!

Datei Traveller_ActionInSwakopmund.mp4
ENERGY Traveller Chris in Swakopmund

 

 


15: Campen in Botswana -  National Geographic in Live

Ich weiß ja nicht wie es euch geht, aber gerade zur Winterzeit kann ich zum Teil stundenlang vorm Fernseher sitzen und mir eine Doku von National Geographic nach der anderen reinziehen. Die Tierwelt und Natur hat mich schon immer fasziniert, weshalb ich mir hier in Afrika auf jeden Fall noch ein paar Safaris geben wollte - und hierfür gibt es vermutlich kaum einen besseres Land als Botswana. 

 

Also auf ins nächste Land auf meiner Weltreise. Nach der heißen und trockenen Wüste in Namibia, bin ich froh, endlich mal wieder eine saftig grüne Landschaft zu sehen - das Okovango Delta. Da ich jetzt eh schon seit einigen Wochen mit dem Zelt unterwegs war, wollte ich diesmal auch mitten im Nationalpark übernachten, um das meiste aus der Safari rauszuholen. Bereits die Anreise zum Camp ist einfach nur beeindruckend. Du siehst eine der vielfältigsten Tierwelten auf dieser Erde. Elefanten überqueren das überflutete Delta, Giraffen pflücken die saftig grünen Blätter von den Bäumen, Löwen chillen in der Sonne und ich mittendrin. Es ist schon fast surreal... 

 

Einige unserer Camps waren direkt am Wasserloch gelegen und eingezäunt, so dass ich die ganze Nacht die Tiere beobachten konnte, die ihren Durst am Wasser stillen wollten. Ich sag's euch, das ist besser als jede Doku bei National Geographic. Die meisten Tiere sind nämlich nachtaktiv und entsprechend tummelt sich hier alles am Wasserloch. Vor einigen Tagen hat sich beispielsweise ein Rudel Löwen direkt vor meinen Augen auf die Lauer gelegt und abgewartet, welche Tiere so ans Wasserloch kommen. Nach einiger Zeit kamen dann einige Elefanten, Nashörner und Giraffen zum Schauplatz und haben dort nichtsahnend ihren Durst gestillt. Und dann ging's ab: Mehrere Löwen springen wie abgesprochen aus dem Busch und greifen die gleiche Giraffe an! Ich hab wirklich keine Ahnung, wie sich diese Tiere absprechen können, aber es war faszinierend, wie impulsiv und instinktiv das ganze Rudel agiert hat. Es hat auf jeden Fall 'ne Weile gedauert, bis ich meine Kinnlade wieder zumachen konnte. Die Löwen sind samt der Giraffe in der Dunkelheit verschwunden und leider kann ich euch nicht sagen, ob die Giraffe die Nacht überlebt hat. Aber so eine Show bekommt man jedenfalls nicht täglich zu sehen.

 

Ein paar Tage später war ich erneut auf Safari und habe erneut im Busch gepennt. Wir haben wieder ein Rudel Löwen in der Abenddämmerung gefunden, die gerade noch die Reste einer Antilope verspeist haben. Nachdem wir dann schon fast routiniert unsere Bilder gemacht haben, sind wir weiter gefahren. Nach einer fünfminütigen Fahrt hält plötzlich unser Guide an und meinte, dass wir hier jetzt unser Camp aufschlagen sollen. Ich musste nochmals nachfragen, ob er das jetzt wirklich ernst meint, da ich immer noch die Bilder von der Giraffe und der zerfetzten Antilope im Kopf hatte und jetzt nicht unbedingt ein paar hundert Meter entfernt von Löwen schlafen wollte. Aber der Guide meinte, dass das kein Problem sei und ich einfach in der Nacht das Zelt nicht verlassen soll, wenn ich draußen etwas höre.

 

Da liegst du dann in deinem Zelt, die Augen auf die Decke gerichtet und im Hintergrund das Gebrüll der Hyänen und Löwen. Ihr könnt euch sicherlich vorstellen, dass ich in den letzten Nächten nicht unbedingt besonders tief geschlafen habe. Ich hab mir auf jeden Fall meinen Hahndrang bis zum Morgengrauen verdrückt, weil alleine vors Zelt treten war absolut keine Option für mich. 

 

Andererseits ist hier jeder Tag extrem aufregend. Insbesondere wenn man sich außerhalb vom Fahrzeug bewegt, mit Kajaks durch den Nationalpark fährt und die Tiere zum Teil zu Fuß beobachtet. Über die Zeit habe ich einen extremen Respekt vor jedem einzelnen Tier entwickelt und hoffe, dass ich keinem der Tiere jemals zu nahekomme. 

 

 

 

  • ENERGY Traveller Waibel in Botswana
  • ENERGY Traveller Waibel in Botswana
  • ENERGY Traveller Waibel in Botswana
  • ENERGY Traveller Waibel in Botswana
  • ENERGY Traveller Waibel in Botswana
  • ENERGY Traveller Waibel in Botswana
  • ENERGY Traveller Waibel in Botswana
  • ENERGY Traveller Waibel in Botswana
  • ENERGY Traveller Waibel in Botswana
  • ENERGY Traveller Waibel in Botswana
  • ENERGY Traveller Waibel in Botswana
  • ENERGY Traveller Waibel in Botswana
  • ENERGY Traveller Waibel in Botswana
  • ENERGY Traveller Waibel in Botswana
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  • ENERGY Traveller Waibel in Botswana
  • ENERGY Traveller Waibel in Botswana
  • ENERGY Traveller Waibel in Botswana

 

 


16: SImbabwe - Rafting unter den victoria falls

Die Victoria Falls waren wahrscheinlich einer der Orte, auf die ich mich vorab am meisten gefreut habe. Neben dem unglaublichen Naturspektakel, welches sich hier in Simbabwe abspielt, muss es wohl auch recht gute Outdoor-Abenteuer geben, was ich mir natürlich auf keinen Fall entgehen lassen wollte. Also raus aus Botswana und nach dreieinhalb Stunden an der Grenze war ich dann auch schon in Simbabwe.

 

Bereits mehrere Kilometer entfernt habe ich schon ein Art Sprühnebel erkennen können, der von den Victoria Falls in die Luft geschleudert wird und sich langsam in der Umgebung niederlässt. Als ich dann im Bus saß, diesen Nebel gesehen habe, das Rauschen des Wassers erahnen konnte, konnte ich es kaum erwarten, die Victoria Falls endlich live zu sehen. Kurz im Camp eingecheckt und nach einem kurzen Fußmarsch war ich dann auch schon dort... Und da stehst du dann und kannst es kaum glauben, was sich vor dir abspielt. Man könnte meinen, dass jemand Sambia und Simbabwe auseinanderreißen wollte und dadurch diese massive, über 100 Meter tiefe Schlucht entstanden ist. Hinter dem Geländer geht es senkrecht runter und die Wassermassen schlagen mit einer unglaublichen Wucht auf. Es ist unvorstellbar laut und man kann sich kaum mit anderen Leuten unterhalten und ja, es ist feucht... sehr feucht. Nachdem die Kameras in Sicherheit gebracht wurden, konnte ich dann das volle Ausmaß der Wasserfälle anschauen, aber wie so oft muss man dieses Spektakel selbst erlebt haben, um nachzuvollziehen was ich meine.

 

ENERGY Traveller Chris bei den Victoria Falls in Simbabwe

 

Leider bin ich gerade zur Trockenzeit hier in Simbabwe, weshalb ich quasi nur einen Teil der Fälle sehen konnte, jedoch hat es den Vorteil, dass das Rafting besser ist, je weniger Wasser im Sambesi ist. Also auf zum Rafting! Ich habe bereits vor einigen Jahren eine Dokumentation übers raften im Sambesi gesehen und dachte mir schon damals, dass ich das unbedingt einmal in meinem Leben gemacht haben muss. Entsprechend habe ich mich gefreut wie ein Schnitzel, dass dieser kleine Traum jetzt wirklich in Erfüllung geht. Ich wusste ja schon, dass es recht wild wird, aber was dort dann abging, war einfach nur krass.

 

Als ich die Stromschnellen von oben gesehen habe, wusste ich schon, dass das jetzt kein Zuckerschlecken wird, aber wenn du dann in deinem Schlauchboot sitzt und geradezu auf diese massiven Wasserwalzen zufährst, dann geht dir schon mal die Pumpe. Aber so nach drei oder vier Stromschnellen kommt schon eine gewisse Routine rein und man hat das Gefühl das Ganze doch halbwegs unter Kontrolle zu haben. Aber genau DANN zeigt dir Mutter Natur, dass du doch nur eine kleine Spielfigur auf dieser Erde bist. Als wir nämlich in die nächste Sektion eingefahren sind, hat es unser Boot um 90 Grad gedreht und aufgestellt. Ich bin über das komplette Boot ins Wasser geflogen und wusste in diesem Moment überhaupt nicht was abgeht. Nach ein paar Sekunden unter Wasser wusste ich zumindest wo oben und unten ist und wollte möglichst schnell auftauchen... aber immer als ich kurz vor der Oberfläche war, hat es mich wieder in die nächste Wasserwalze reingezogen. Wenn du dann fast zehn Sekunden unter Wasser bist und versuchst aufzutauchen und das nicht möglich ist, bekommst du einfach nur Panik. Panik!!! Diese paar Sekunden haben sich angefühlt wie Minuten und ich hab innerlich schon mit meinem Dasein abgeschlossen. Nach einigen Sekunden war dann aber Gott sei Dank die Sektion zu Ende und ich konnte endlich wieder auftauchen, um nach Luft zu ringen und mir ein Bild von der Umgebung machen.

 

Was ich aber vorfand war reinstes Chaos. Überall sind Paddel rumgeschwommen, Leute waren zum Teil noch im Wasser, manche wurden von anderen Booten aufgenommen und jeder schreit dich an, was du machen sollst und wo du hinschwimmen sollst. Nach ein paar Minuten waren wir dann aber wieder organisiert, denn die nächste Stromschnelle hat schon auf uns gewartet.

 

Nach acht Stunden Rafting, Adrenalin und Action war ich dann einfach nur durch mit der Welt. In dieser Nacht hab ich geschlafen wie ein kleines Baby und war froh, dass ich endlich wieder festen Boden unter den Füßen hatte. Im Nachhinein muss ich sagen, dass es eines der geilsten Action-Abenteuer war, die ich je gemacht habe und muss das erstmal Revue passieren lassen. Also wenn ihr mal richtig Raften gehen wollt, dann kommt nach Simbabwe - der Sambesi ist auf jeden Fall eine Challenge.

 

Schaut euch hier noch das krasse Video an:

Datei Traveller_VictoriaFalls.mp4
ENERGY Traveller Chris beim Raften bei den Victoria Falls


17:  Simbabwe - auf der Suche nach Geld und Benzin

Bereits an der Grenze zu Simbabwe hab ich gemerkt, dass hier die Uhren etwas anders ticken. Es hat mich einige Tage und einige US-Dollar gekostet, bis ich gecheckt habe, was hier eigentlich abgeht. Als ich vor einigen Tagen eingereist bin und in den Supermarkt gegangen bin, um ein paar Lebensmittel zu kaufen, musste ich erstmal kräftig schlucken. Fünf Dollar für 'ne Dose Thunfisch, zwei Dollar für 'nen Apfel, zwei Dollar für 'nen Bier... Zwei Dollar für ein BIER??? Aber ich dachte mir schon, dass das nicht sein kann und hab mich mal schlau gemacht, was es mit den hohen Preisen so auf sich hat.

 

Vor einigen Jahren wurden aufgrund einer Hyperinflation sogenannte Bond Notes eingeführt, die den gleichen Wert wie US-Dollar haben sollen. Sprich an der Bank, im Supermarkt oder an der Tankstelle kann eins zu eins entweder mit US-Dollar oder mit Bond Notes bezahlt werden. Jedoch hat natürlich niemand Vertrauen in die neuen Bond Notes und aufgrund ein paar anderer Gründe ist die offizielle, neue Währung viel weniger Wert, als der US-Dollar. So, jetzt steh ich da mit meinen US-Dollar, die ich Gott sei Dank mitgebracht habe, da man hier nirgends Geld abheben kann und brauche lokale Währung, damit ich mir was zu Essen kaufen kann. An der Bank oder in der Wechselstube bekomme ich aber genau so viele Bond Notes wie US-Dollar. Ein paar Locals haben mir dann aber erklärt, dass ich auf den Schwarzmarkt gehen muss, um Geld zu wechseln. Die Kurse wechseln täglich, aber in der Regel bekomme ich für einen US-Dollar drei Bonds und zack, kostet das Bier im Supermarkt nur mehr 70 Cent.

 

Nach ein paar Bier war ich dann schon wieder beruhigt und habe mich mit einem Freund aus Harare getroffen, der zur selben Zeit auch die Victoria Falls besucht hat. Er hat mir angeboten mit nach Harare, der Hauptstadt zu fahren, aber zuvor müssen wir noch irgendwo Benzin auftreiben. Ich schaute ihn kurz an und meinte: "Ok, dann lass uns zur Tanke fahren." Danach lachte er kurz, klopfte mir auf die Schulter und meinte, dass ich noch einiges über Simbabwe lernen müsse. Das Land ist wirklich pleite und alles andere als liquide. Entsprechend gibt es kaum Benzin, Medikamente oder Cash bei den Banken. Sobald es also Benzin gibt, stürmen alle Einwohner zur jeweiligen Tankstelle und warten Stunden, manchmal sogar über Nacht an der Tankstelle, damit sie Treibstoff bekommen. Wir hatten Glück, da mein Freund gut vernetzt war und nach drei Tagen hatten wir unser Auto und einige zusätzliche Kanister vollgetankt.

 

ENERGY Traveller Chris in Simbabwe

 

Wie ihr seht, ist es ein echtes Abenteuer hier einkaufen zu gehen bzw. an Geld zu kommen. Anfangs ist es ja recht lustig und spannend sich hier durchzuschlagen, aber nach einigen Tagen wird es dann doch eher mühsam, immer wieder neu um den US-Dollar-Kurs zu verhandeln oder nach Benzin Ausschau zu halten. Es ist einfach alles sehr kompliziert und ehrlich gesagt hab ich das ganze System immer noch nicht so ganz verstanden.

 

Simbabwe - Eastern Highlands

Wie ich schon mehrmals erwähnt habe, ist Simbabwe vermutlich bisher das spannendste, komplizierteste und auch eines der schönsten Länder, welches ich auf meiner Weltreise bisher besucht habe. Aufgrund der wirtschaftlichen und sozialen Anspannungen im Land, ist der Tourismus hier auch noch nicht wirklich angekommen (abgesehen von den Victoria Falls), was man auch anhand der touristischen Infrastruktur merkt. Aber genau das gibt dem Land diesen "unberührten" Charakter.

 

Nach Harare, der Hauptstadt von Simbabwe, habe ich mich weiter auf den Weg nach Mosambik gemacht. Auf den Weg zur Grenze muss ich jedoch die Berglandschaften im Osten des Landes durchqueren, weshalb ich mich entschlossen habe ein paar Tage in Mutare zu bleiben, um ein paar Bergtouren zu unternehmen. Das Ganze war aber mal wieder ein bisschen komplizierter als angenommen. Da meine Freunde in Simbabwe geblieben sind, musste ich wieder auf die Öffentlichen umschwenken und rausfinden, wie ich in die Berge komme. Das Internet, falls man mal Empfang hat, bietet kaum Informationen, weshalb man sich durchfragen muss, wie und wo man am besten hinfährt. Das meistgenutzte öffentliche Transportmittel sind die sogenannten Chapas (Minibusse) und das ist beim besten Willen kein Spaß. Die Minibusse sind alt, dreckig, überfüllt und unbequem. Aber mangels Alternativen musste ich da dann mal wieder durch. Nach einer Stunde Suche am "Busbahnhof" habe ich dann endlich den richtigen Minibus gefunden. Es gibt keinen Fahrplan, da die Chapas erst losfahren, sobald sie voll sind. Und mit voll ist nicht gemeint, sobald alle Sitzplätze belegt sind, sondern sobald jeder Kubikzentimeter mit Gepäck und Personen gefüllt ist. Sprich dein Backpack und ggf. zusätzliches Gepäck wird auf deinem Schoß verstaut und im Gang sitzen mindestens noch fünf weitere Personen und ggf. ein paar Hühner. Zusammengefasst, saß ich dann also mal wieder in einem alten, rostigen Chapa...., das Innenfutter meines Sitzes war quasi nicht mehr vorhanden, meine Knie auf der Höhe meiner Ohren, mein Backpack und mein Rucksack auf meinem Schoß, mein Kopf gegen die Fensterscheibe gedrückt, extrem laute Musik (nach der Auswahl der Fahrers) und fünf Stunden katastrophale Straßen vor mir... Na Bravo!

 

Gegen Mittag bin ich dann endlich angekommen. Nach kurzer Orientierung habe ich auch das einzige Guest House in der Stadt gefunden. Ich war der einzige Gast dort, aber die Familie der Haushälterin war sehr nett und hat mich auch gleich zum Abendessen eingeladen. Dort habe ich einen sehr interessanten Menschen kennengelernt: Takunda. Er ist der Sohn der Haushälterin und organisiert hin und wieder Bergtouren für die Gäste im Hostel. Folglich hat er auch mich mit in die Berge genommen und am nächsten Tag sind wir in die Bvumba Mountains (Nebelberge) aufgebrochen. Die Tour durch die sanften, grünen Hügellandschaften hat richtig gut getan, nach den recht komplizierten Tagen in Harare. Die Umgebung ist geprägt von zahlreichen Wasserfällen, wo wir uns immer wieder abgekühlt haben - Mangobäumen, von welchen wir uns bedient haben und unglaublich schönen Aussichten auf die verschiedenen Täler der Eastern Highlands.

 

Datei Video_1_Bvumba_Mountains_Webseite.mp4
ENERGY Traveller Chris bei den Bvumba Mountains

 

Mit Abstand am interessantesten waren jedoch die Gespräche mit meinem Guide. Takunda ist 25 Jahre alt und muss mit den täglichen Herausforderungen in Simbabwe klar kommen. Er kommt aus schwierigen Verhältnissen, da er ohne Vater aufgewachsen ist, seine Onkel waren Alkoholiker und er selbst ist Legastheniker und hat entsprechend kaum Schulbildung genossen und wurde oft von seinem Umfeld als "dumm" angesehen. Das alles ist natürlich ein großes Problem in einem Land, in welchem eine Arbeitslosenquote von über 90% besteht.

 

Nichtsdestotrotz ist Takunda in meinen Augen ein sehr intelligenter Typ. Er reflektiert sich unglaublich viel und möchte von jeder Erfahrung und von jedem Touristen lernen. Er trinkt keinen Alkohol, da er nicht so sein will, wie seine Onkel und möchte auch seinen Nachnamen nicht verraten, da er den Namen seines Vaters nicht weiterführen möchte. Er will in Zukunft für seine Familie da sein, Verantwortung übernehmen und sich besser verhalten, als es sein Vater getan hat. Er hat sich in den letzten Jahren selbst Englisch beigebracht und verdient mit seinen geführten Touren mehr Geld als viele seiner ehemaligen Schulkollegen. Jedoch ist ihm Geld nicht besonders wichtig. Er will einfach nur glücklich sein, was er allem Anschein nach auch ist.

Hier ein kurzes Interview mit Takunda:

 

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ENERGY Traveller Chris interviewt Takunda

Leider gab es in den letzten Tagen vermehrt Unruhen und Demonstrationen in Simbabwe, da die Benzinpreise stark angestiegen sind, was wiederum zu einer starken Unzufriedenheit in der Bevölkerung geführt hat. Da ich sowieso kaum mehr Bargeld habe und ich hier auch keins mehr bekommen werde, mach ich mich nun auf den Weg nach Mosambik. Ich wünsche Takunda und seiner Familie alles Gute für die Zukunft und werde mit Sicherheit weiterhin mit ihm in Kontakt bleiben.

 


18:  Mosambik - schnorcheln im paradies

Endlich wieder Meer! Das letzte Mal, als ich in die Wellen springen konnte, war in Kapstadt. Und jetzt steh ich hier auf der anderen Seite des Kontinents und blicke auf den türkisblauen, warmen indischen Ozean und kann es irgendwie kaum glauben, dass ich schon so weit gereist bin. Die letzten Wochen und Monate waren sehr intensiv. Ich habe extrem viel unternommen, war Surfen in Südafrika, bin durch die Wüsten von Namibia gereist, habe exotische Tiere in Botswana beobachtet und die beeindruckenden Wasserfälle, Schluchten und Berglandschaften in Simbabwe besucht. Zeit, endlich mal wieder ein bisschen zu entspannen und zu entschleunigen. Und dafür gibt es vermutlich kein besseres Land als Mosambik.

 

Ich bin seit mittlerweile einer Woche in einem kleinen Fischerdorf Namens Vilankulos. Im Gegensatz zu Südafrika ist das Meer hier sehr warm und man kann auch ohne Neoprenanzug ins Wasser. Wenn ich hier in der Hängematte liege und die Landschaft betrachte, kommt es mir fast so vor, als würde ich das Motiv einer Postkarte anschauen. Der weiße feine Strand, die Palmen mit den Kokosnüssen und die unzähligen alten Fischerboote aus Holz am Horizont, die täglich aufs Meer fahren. Es ist wirklich idyllisch und bereits nach einer Woche sind meine Batterien schon wieder voll aufgetankt.

 

Während meiner Zeit hier in Afrika habe ich bereits viele Orte besucht. Viele waren sehr touristisch und etwas anstrengend, wie beispielsweise die Garten Route, andere Orte waren hingegen unberührt und schwierig zu bereisen, wie teilweise in Simbabwe. Hier in Mosambik ist meiner Meinung nach die perfekte Mischung vorhanden. Es gibt teils touristische Strukturen, aber man hat immer noch authentischen Kontakt mit den Einheimischen, kauft den Fisch direkt vom Boot und handelt auf dem Markt die Preise für das Gemüse. Auch wenn du kein Portugiesisch redest, sind die Locals super geduldig und mit Händen und Füßen hat man sich ja schon immer am besten verstanden. Ich fühl mich hier auf jeden Fall pudelwohl und werde mein Visa für diese Land definitiv ausreizen, um möglichst viel von diesem schon fast karibischen Flair mitzunehmen.

 

 

 

  • ENERGY Traveller Chris in Mosambik
  • ENERGY Traveller Chris in Mosambik
  • ENERGY Traveller Chris in Mosambik
  • ENERGY Traveller Chris in Mosambik

 

Natürlich habe ich es mir nicht nehmen lassen, die verschiedenen Inseln und Archipels zu erkunden. Hierfür haben wir uns ein Boot und einen Skipper gemietet, Fisch eingepackt und sind losgefahren. Es hat schon was, wenn man an einem einsamen Strand liegt, den Duft des gegrillten, frischen Fischs in der Nase hat und im Anschluss in den farbenfrohen Riffs zwischen den Inseln schnorchelt. Die Unterwasserlandschaft hier in Mosambik ist wirklich einmalig. Wenn du hier schnorcheln gehst und deinen Kopf unter Wasser hältst, betrittst du eine andere Welt. Auf einmal ist alles leiser und langsamer und man checkt erstmals, was unter seinen Füßen so alles passiert. Ich hab in meinem Leben noch nie so viele unterschiedliche Lebensformen unter Wasser gesehen. Ich könnte stundenlang die farbenprächtigen Fische beobachten, die sich durch die unendlichen Korallen schlängeln. Besser als jedes Aquarium und die perfekte Gelegenheit, sich einen satten Sonnenbrand auf dem Rücken einzufangen. ;-)

 

Wie ihr also seht, ist es hier gerade recht gechillt und ich kann mich nicht beklagen. In den nächsten Tagen werde ich weiter in den Süden an der Küste entlang reisen und weil ich so angetan von der Unterwasserwelt war, spiele ich mit dem Gedanken hier in der Nähe einen Tauchschein zu machen. Ich halte euch auf jeden Fall auf dem Laufenden....

Hier noch ein paar Eindrücke von der Unterwasserwelt:

 

 

 

  • ENERGY Traveller Chris beim tauchen in Mosambik
  • ENERGY Traveller Chris beim tauchen in Mosambik
  • ENERGY Traveller Chris beim tauchen in Mosambik
  • ENERGY Traveller Chris beim tauchen in Mosambik
  • ENERGY Traveller Chris beim tauchen in Mosambik
  • ENERGY Traveller Chris beim tauchen in Mosambik
  • ENERGY Traveller Chris beim tauchen in Mosambik
  • ENERGY Traveller Chris beim tauchen in Mosambik

19: Tofo - Surfen, schnorcheln und Kokosnuss schlürfen

 

Ich muss ja schon sagen, dass mir der Abschied von Vilankulos recht schwer gefallen ist. Die Leute, die Natur und die Erlebnisse, die ich dort hatte, waren schon einmalig, aber der nächste Küstenort hat ja schon auf mich gewartet. Hört sich alles super an, wenn da nicht das altbekannte Problem gewesen wäre: Öffentliche Transportmittel. Leider ist es meist recht kompliziert von A nach B zu kommen, wenn man nicht ein Vermögen für ein privates Shuttle ausgeben möchte. Tofo und Vilankulos sind circa sechs Stunden voneinander entfernt, man muss zwei Minibusse und eine Fähre nehmen, um dort endlich anzukommen.

 

Wäre eigentlich alles nicht so dramatisch, wenn ich Trottel nicht verschlafen hätte, um meinen Bus zu erwischen, was das Ganze nochmals etwas komplizierter machte. Aber wie so oft beim reisen, muss man dann einfach ein bisschen improvisieren. Als ich mit meinem gesamten Gepäck an der Bushaltestelle stand, wollte ich zunächst anfangen zu trampen, aber hab das dann relativ schnell aufgegeben, da mein Ziel doch zu spezifisch und die Distanz einfach zu groß ist, um vor Anbruch der Dunkelheit anzukommen. Scheinbar muss ich recht hilflos und verzweifelt ausgeschaut haben, da nach einigen Minuten bereits einige Leute auf mich zukommen und mir ihre Hilfe angeboten haben. Nach einer Stunde standen sicher zehn Afrikaner um mich rum und haben versucht einen Transfer zu organisieren. Das passiert dir in Deutschland auf jeden Fall nicht. Und tatsächlich kannte einer meiner Helfer jemanden, der wiederum Carlos kannte, der am selben Tag noch nach Tofo musste und mich entsprechend für ein kleines Entgelt (sogar weniger als der Bus) mitgenommen hat.

 

ENERGY Traveller Chris in der Mitfahrgelegenheit nach Tofo

Gegen 23 Uhr kam ich dann auch endlich im Hostel an und konnte noch gar nicht so richtig wahrnehmen, wo ich mich gerade befinde. Als ich dann aber am nächsten Tag vom Vogelgezwitscher aufgewacht bin und das Rauschen der Wellen schon hören konnte, hat sich sofort ein großes Grinsen in meinem Gesicht breit gemacht. Ich also auf in die Boardshorts und bin vor die Tür getreten. Als sich dann endlich meine Augen an das Licht gewöhnt hatten und ich massive Wellen vor mir sah, Locals mit großen Obstkörben an mir vorbeiliefen und der Typ von der Beachbar einfach nur meinte, dass ich aussehe, als könne ich einen Kaffee vertragen, wusste ich, dass das hier eine ziemlich gute Zeit wird.

 

Nach einigen Tagen hat hier schon fast ein Tagesrhythmus eingesetzt: Aufstehen, Kaffee, surfen, Mangos essen, surfen, schnorcheln und danach jeden Tag eine Kokosnuss beim Marktstand meines Vertrauens. Also 'ne richtig gute Nummer, was dazu geführt hat, dass ich mich noch mehr in Mosambik verliebt habe. Tofo ist darüber hinaus sehr bekannt für Walhaie, die ich unbedingt sehen wollte, weshalb ich auch fast täglich beim schnorcheln war. Leider habe ich nach nun fast einer Woche hier keine Wale gesehen, aber vielleicht muss ich einfach nur ein bisschen hartnäckiger bleiben. Ich bin jedenfalls extrem fasziniert von dieser Unterwasserwelt, den farbenfrohen Fischen, der Vielfältigkeit und der Ruhe, die unter der Wasseroberfläche herrscht.

 

 

 

  • ENERGY Traveller Chris am Tofo Beach - Mosambik
  • ENERGY Traveller Chris am Tofo Beach - Mosambik
  • ENERGY Traveller Chris am Tofo Beach - Mosambik
  • ENERGY Traveller Chris am Tofo Beach - Mosambik
  • ENERGY Traveller Chris am Tofo Beach - Mosambik

Nach drei Tagen hier in Tofo hatte ich mal wieder ein altbekanntes Problem: Kein Cash mehr! Natürlich gibt es hier keinen Bankautomaten und nur an sehr ausgewählten Plätzen kann man mit Kreditkarte zahlen, die einem natürlich auch satte Gebühren aufschlagen, sollte man mit Plastik zahlen. Sprich ich musste in den nächsten Ort fahren, um wieder flüssig zu werden. Ich hab natürlich (mal wieder) den Bus verpasst und musste notgedrungen (mal wieder) trampen. Da ich ein bisschen Zeit hatte, habe ich euch einen kleinen Ratgeber fertig gemacht, was man beim Trampen so alles beachten sollte. ;-)

Datei Traveller_Hitchhiking_Guide.mp4
ENERGY Traveller Chris - Hitchhiking Guide

Nach einer Woche hier in Tofo muss ich sagen: Sensationell!!! Ich möchte die Wellen unbedingt noch ein bisschen nutzen und den Ozean noch genauer entdecken. Deshalb werde ich noch eine Woche hier bleiben und habe mich zudem gestern für einen Tauchkurs angemeldet. Ich bin gespannt, was ich dort so alles erleben werde und melde mich dann hoffentlich nächste Woche als qualifizierter "Open Water Taucher" bei euch.

 

 

 

  • ENERGY Traveller Chris in Tofo
  • ENERGY Traveller Chris in Tofo
  • ENERGY Traveller Chris in Tofo

     


20: Tofo - Unterwasserwelten

Wie schon im letzten Artikel angekündigt, war ich diese Woche das erste Mal in meinem Leben beim Tauchen. Also ich hatte ja von Anfang an ziemlichen Respekt vor diesem Sport, was sicherlich auch berechtigt ist, aber jetzt nach dieser Woche bin ich richtig angefixt und die Tauchlehrer tun sich schwer mich jeden Tag aus dem Wasser zu bekommen!

 

Gerade in Afrika hatte ich zunächst bedenken, was das Material und die Sicherheitsvorkehrungen angeht, aber ich muss sagen, dass das mal wieder nur eines meiner Vorurteile war. Ich habe meinen Tauchkurs hier mit der Liquid Dive Family gemacht und war wirklich mehr als zufrieden. Natürlich ist der Tauchsport nach wie vor ein absolutes Abenteuer, dennoch würde ich behaupten, dass es trotz allem ein Sport für jedermann ist. Das vermutlich schwierigste an dem Ganzen ist zu jeden Zeitpunkt cool zu bleiben und überlegt zu handeln, worauf mich die Liquid Dive Family aber mehr als gut vorbereitet hat.

 

Die letzten Tagen waren recht intensiv. Mein Tagesrhythmus hat sich von Surfen, Schnorcheln und Kokosnuss schlürfen zu Theorie lernen, Tauchen, Theorie lernen geändert. Aber ohne Theorie geht es nun mal nicht... Nachdem ich die ersten Theorieeinheiten hinter mir hatte, ging es zunächst in den Pool, wo ich den Umgang mit dem kompletten Equipment gelernt habe. Bereits hier werden erste Notfallsituationen und Prozedere durchgespielt und verschiedenste Übungen absolviert. Und dann war es so weit: Mein erster Tauchgang auf dem Meer....

 

5 Uhr Morgens klingelte mein Wecker und ich war bereits seit 10 Minuten vorher wach. Das ist wirklich was Außergewöhnliches für mich, das ich alles andere als ein Morgenmensch bin. Leise kroch ich aus meinem Stockbett und hab meine fertig gepackte Tasche umgehangen und bin zur Tauchschule gelaufen. Neoprenanzug an, Tauchzeug vorbereitet und einige Minuten später waren wir dann schon im Boot auf den Weg zum Tauchspot. Anfangs ist die Stimmung auf unserem Schlauchboot immer noch gelassen – der Wind weht dir um die Ohren, die Sauerstoffflaschen liegen vor dir und die ersten Sonnenstrahlen wärmen dein Gesicht. Doch sobald der Skipper dann den Motor abstellt und das Boot langsam zum Stillstand kommt, weiß jeder was er zu tun hat. Du holst deine Flossen und Maske, deine Tauchweste und Sauerstoffflasche wird angezogen und alle Instrumente werden nochmals gecheckt. Jeder ist ruhig und konzentriert. Nach wenigen Minuten sitzen dann zehn Leute, still sitzend auf dem Schlauchboot und die Stimmung ist angespannt. Der Skipper startet erneut die Motoren und bringt uns direkt über den geplanten Tauchspot. Alle Taucher starren auf den Boden und warten bis wir die richtige Stelle erreicht haben. Dann das Kommando: "Masks on... Regulators in... 3...2...1...GO! Ich lass mich nach hinten fallen und schlage mit meinem Stahlzylinder als erstes auf der Wasseroberfläche auf und betrete im selben Moment für eine knappe Stunde eine neue Welt.

 

Mein Tauchlehrer Andre hat mich und die anderen Tauchschüler sofort eingesammelt und wir sind gemeinsam circa 20 Meter in die Tiefe getaucht. Es ist ein komisches Gefühl sich so tief am Meeresgrund aufzuhalten, mit dem Wissen, dass du nicht einfach sofort auftauchen kannst, da es ansonsten zu gravierenden Lungenverletzungen kommen kann. Also cool bleiben und langsam und gechillt weiteratmen. Andre hat immer via Zeichensprache klare und konkrete Ansagen gemacht, was zu tun ist und was wir in diesem Tauchgang üben werden, was dazu führte, dass ich nach der ersten viertel Stunde komplett entspannt im Wasser getrieben bin und auch erstmals meine Umgebung bewusst wahrnehmen konnte. Bis auf dein Atmen und das dumpfe Motorgeräusch vom Boot, hörst du nichts. Um dich rum ist ein unglaublich farbenfrohes Ökosystem mit Korallen, Fischschwärme und Schildkröten und ich mitten drin, schwerelos im Wasser und überblicke all diese unglaublich faszinierenden Dinge. Bei meinem ersten Tauchgang war ich viel zu aufgeregt und fand alles so toll und beeindruckend, dass mein Sauerstoff nach einer halben Stunde fast schon leer war und wir dann entsprechend rechtzeitig auftauchen mussten.

Obwohl es für den ein oder anderen erfahrenen Taucher vermutlich ein eher normaler, vielleicht sogar unterdurchschnittlicher Tauchgang war,  kam ich hingegen mit weit aufgerissen Augen und einem großen Lachen zurück ins Liquid Dive Center und konnte es nicht erwarten auf den nächsten Tauchgang zu gehen. Ich war einfach nur fasziniert, was da gerade passiert ist und fand es einfach nur geil!

 

Das Prozedere haben wir für die folgenden Tagen wiederholt und gestern habe ich auch meine Theorieprüfung erfolgreich abgelegt. Ich könnte mir also ab jetzt offiziell als Open Water Taucher ansprechen. ;-)

 

Tofo ist wirklich ein toller Ort zum Tauchen, aber auch um einfach zu entspannen und seinen  Urlaub zu genießen. Falls ihr euch als entscheiden solltet, einmal nach Mosambik zu reisen, dann kann ich euch nur empfehlen, euch ebenfalls von der Liquid Dive Family die Unterwasserwelten Afrikas zeigen zu lassen. Es lohnt sich!

 

 

 

  • ENERGY Traveller
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21: Ponta do Ouro - Mein Frieden mit den Haien!

In meinen vergangenen Beiträgen habe ich ja schon mehrmals über meine Ängste und Erfahrungen mit Haien berichtet. Da ich ja seit letzter Woche sehr viel am Tauchen bin, ist mir natürlich bewusst, dass ich durchaus einem Hai unter Wasser begegnen könnte, was auch der Fall war...
 
Nach einer unglaublichen Zeit, tollen Bekanntschaften und vielen Tauchgängen in Tofo war es Zeit weiterzuziehen... mal wieder mit den öffentlichen Verkehrsmitteln. Nachdem ich dann nach zehn Stunden eingepfercht im Minibus ankam, musste ich erstmals einen Tag ruhen, da ich weder meine Beine noch meinen Arsch spüren konnte, da ich das Glück hatte neben drei Big Mamas im Minibus zu sitzen.


Kleiner Fun Fact am Rande: Die Minibusse oder Chapas werden meist aus Japan importiert und die Sitzreihen bieten normalerweise Platz für drei Asiaten. Ich als 1,86m großer Europäer muss hier quer sitzen, da die Beinfreiheit nicht ausreicht, um meine Knie direkt vor mir zu positionieren und mein Kopf hat einen ständigen Kontakt mit der Decke des Busses. Die Minibusse werden hier deshalb auch als "My Love" bezeichnet, da sie so voll gepackt werden, also mindestens mit vier Personen pro Reihe, so dass man eine Person zumindest in den Arm oder auf den Schoß nehmen muss, damit alle reinpassen.

 

 

 

  • Foto_Ponta-do-Ouro_1
  • Ponta-do-Ouro
  • Ponta-do-Ouro
  • Ponta-do-Ouro


Wie auch immer bin ich letztendlich doch noch in Ponta do Ouro angekommen und hab mir am nächsten Tag erstmal ein Bild von dem kleinen Dorf gemacht. Auch wenn es sehr klein ist, ist hier einiges los! Hunderte Südafrikaner kommen hier nämlich jedes Wochenende zum feiern, weshalb es schon fast einen Mallorca-Charakter am Strand hat. Beachbars, knappe Bikinis, viel Alkohol und laute Musik. Also definitiv anders als Vilankulos oder Tofo. Außer Party kann man hier jedoch auch surfen und tauchen, was mir natürlich mal wieder sehr getaugt hat. Nachdem ich ja letzte Woche erst meinen Tauchkurs fertig gemacht habe, dachte ich mir, ich vertiefe das Ganze bei dieser Gelegenheit gleich und geh nochmal mit dem ansässigen Tauchcenter ins Wasser. Aber was mich hier erwartet, hätte ich nicht für möglich gehalten: Shark Diving - aber diesmal nicht im Käfig, sondern direkt im Wasser mit den Haien. Ich mein, ich hatte ja schon die eine oder andere Erfahrung mit Haien, aber immer noch einen Heidenrespekt (und vielleicht auch ein bisschen Schiss) vor diesen Tieren. Der Gedanke, direkt neben so einem Hai zu schwimmen hat mir im ersten Moment schon ein mulmiges Gefühl gegeben, aber die Neugier vor dieser Erfahrung war dann doch einfach zu groß.
 
Also ab aufs Boot, Sauerstoffflasche umgeschnallt, Taucherbrille und Finnen an und 3, 2, 1, go! Da war ich nun mit meinem Divemaster mitten im indischen Ozean und dem Wissen, dass hier ziemlich viele Haie rumschwimmen. Als wir circa 30 Meter in die Tiefe getaucht sind, war aber zunächst nicht viel zu sehen. Ein Rochen und zwei, drei Fischschwärme, was mir erstmal die Möglichkeit gab, mit der Gesamtsituation klarzukommen. Nach circa 20 Minuten unter Wasser deutete plötzlich mein Tauchlehrer in die Ferne, wo ich schon einen sehr sehr großen Schatten erahnen konnte und wusste, dass es jetzt so weit ist. Ich also die Kamera ausgepackt und gewartet, dass der Schatten immer größer und größer wird. Als sich der massive Bullenhai dann einige Meter vor uns befand, konnte ich seine Augen, seine Zähne und zum Teil vernarbte Haut im Detail erkennen: Leck mich Jackson!
 
Widererwartend war die Gesamtsituation sehr entspannt. Nach einigen Minuten sind noch weitere Haie vorbeigekommen und haben uns umkreist und waren einfach nur neugierig was hier so los ist. Ich hatte zu keinem Zeitpunkt das Gefühl, dass uns gleich ein Hai angreifen wird. Es war vielmehr ein gegenseitiges Inspizieren und Beobachten. Scheinbar war es für die Tiere recht klar, dass wir kein Futter sind.
 
Alles in allem war es ein außergewöhnliches Erlebnis, was meine Ansicht auf Haie definitiv geändert hat. Haie sind generell friedfertige Tiere, die prinzipiell keine Gefahr für Menschen darstellen. Selbst als ich aufgetaucht bin und noch einige Minuten an der Wasseroberfläche verbrachte, rumpaddelte und meine Tauchsachen auszog, hatte ich keine Angst (okay vielleicht ein bisschen), dass mich gleich ein Hai am Fuß packt, da ich wusste, dass sie mir gar nichts antun wollen... ich habe also definitiv meinen Frieden mit diesen Tieren gemacht.
 
Nach nun einem Monat hier in Mosambik läuft mein Visa leider aus, weshalb es nun Zeit ist, das nächste Land auf meiner Reise zu erkunden: Das Königreich Swaziland! Ihr hört von mir...


22: Zu Besuch im Königreich von Swaziland...ähm, eSwatini!

Auf meinem Weg zurück nach Südafrika habe ich für ein paar Tage einen Zwischenstopp in Swaziland eingelegt. Also nicht Swaziland, sondern eSwatini. Denn der König hat sich letztes Jahr zu seinem Geburtstag selbst ein Geschenk gemacht und kurzerhand das Land einfach mal in eSwatini unbenannt... geiler Typ!

 

Also das Königreich, wie auch immer es heißt, ist schon etwas eigenartig... aber ich finde es großartig. Die Swasi sind wohl die freundlichsten Menschen, die ich bisher in Afrika getroffen habe. Immer lachend, extrem hilfsbereit und sehr naturverbunden. Kein Wunder, denn das kleine Land ist wunderschön. Der kleine, monarchische Binnenstaat ist durchzogen von langen, grünen Hügelketten und saftigen Weiden, die gespickt sind von Felsbrocken, als wenn vor ein paar Jahren hier ein Vulkan ausgebrochen wäre und diese im gesamten Land verteilt hätte.

 

Der Großteil der Leute lebt im ländlichen Bereich. Die Städte sind zum schmunzeln, da die Hauptstadt Mbabane nicht einmal 100.000 Einwohner fasst. Ich hatte während meiner Reise eher das Gefühl durch ein einziges großes Dorf zu fahren - vermutlich sind die Leute deshalb auch so naturverbunden und entspannt. Mal wieder ein Beweis, dass eine Stadt halt doch eher stresst. Gerade hier in Afrika merke ich oft, dass ich auf dem Land, am Strand oder in den Bergen einfach viel entspannter bin. Vielleicht sollte ich das im Hinterkopf behalten, wenn ich zurück in Deutschland bin.

 

 

 

  • ENERGY Traveller Chris in Swaziland
  • ENERGY Traveller Chris in Swaziland
  • ENERGY Traveller Chris in Swaziland
  • ENERGY Traveller Chris in Swaziland
  • ENERGY Traveller Chris in Swaziland
  • ENERGY Traveller Chris in Swaziland
  • ENERGY Traveller Chris in Swaziland
  • ENERGY Traveller Chris in Swaziland

 

Es ist schon komisch, wenn ich mir überlege, dass es hier noch einen richtigen König gibt, der die absolute Macht über alles im Land hat. Auch wenn das Volk im ersten Moment einen sehr glücklichen Eindruck hinterlässt, habe ich hier und da schon rausgehört, dass die Meinungen bezüglich des Königs eher gespalten sind, es aber natürlich problematisch ist, das Oberhaupt offiziell zu kritisieren. Trotz großer wirtschaftlicher Probleme im Land, werden laut einiger Einwohner immer noch prunkvolle Paläste gebaut, Personen werden enteignet oder einfach ungerecht behandelt, was logischerweise wiederum für eine schlechte Grundstimmung im Volk sorgt. Auch mit der Pressefreiheit wird es hier nicht so genau gehalten. Unabhängige Reporter werden immer wieder inhaftiert und auf der Rangliste der Pressefreiheit belegte eSwatini 2017 den 152. von 180 Plätzen.

 

Das wohl größte Problem hier im Land ist jedoch HIV. Offiziell sind rund 30 Prozent aller Einwohner im Land mit dem Erreger infiziert. In meinen Gesprächen mit den Einheimischen hier, gab es kaum jemanden, der nicht einen seiner Verwandten aufgrund von AIDS verloren hat. Zeitweise hatte folglich eSwatini mit circa 50 Jahren die niedrigste Lebenserwartung auf der gesamten Welt.

 

Aber ich will ja hier jetzt nicht nur von negativen Sachen berichten, denn neben den tollen Menschen gibt es auch noch eine andere tolle Nachricht, zumindest für uns Männer. Hier im Königreich herrscht nämlich Polygamie - sprich: Jeder Mann darf so viele Frauen haben, wie er will, so lange er für sie sorgen kann. In meinem Fall könnte ich mir nicht mal eine Frau leisten, aber es ist schon verrückt was sich so alles ändert, wenn eine Landesgrenze überschritten wird.

 

Ihr merkt schon: Während der kurzen Zeit hier im Königreich habe ich extrem viele Infos mitnehmen können und mehr als interessante Gespräche mit den Leuten geführt. Es ist einfach eine andere Welt und ich tue mich ehrlich gesagt im Moment schwer, mir eine konkrete Meinung über eSwatini zu bilden. Fünf Tage sind einfach viel zu kurz, um eine Kultur und eine gesamte Nation zu verstehen. Jedoch werde ich die Geschehnisse in Zukunft hier definitiv weiter verfolgen und hoffe, dass die Swazis ihre Probleme bald in den Griff bekommen. Fingers crossed!


23: Kenia - Couchsurfing in Nairobi

Nach meinem Aufenthalt in Swaziland bin ich wieder zu meinem Startpunkt in Afrika zurück gereist: Johannesburg. Unglaublich, dass ich wieder zurück bin, wo vor einigen Monaten meine Reise so richtig begonnen hat. Ich trinke hier in einem stylischen Café im Stadtviertel Maboneng ein Bier und blicke auf eine aufregende Zeit zurück: Die unendlichen Küsten Südafrikas, die heißen Dünen Namibias, die vielfältige Tierwelt Botswanas, mein chaotischer Weg durch Zimbabwe, die paradiesischen Strände Mosambiks und die herzliche Kultur Swazilands. Wow! Aber meine Reise wird hier in Johannesburg nicht enden. Der Start in meine lange Reise hätte nicht besser sein können, aber ich bin noch reisehungrig und möchte weitere Kulturen und Länder auf dieser Welt entdecken.

 

Entsprechend habe ich mal gecheckt, wo man so von Johannesburg aus hinfliegen kann und habe meine nächste Reise gebucht. Zunächst bleibe ich in Afrika, aber mich verschlägt es in den Osten des Kontinents - nach Nairobi. Also Bier zu Ende getrunken, Uber bestellt und ab in den Flieger. Nach fünf Stunden war ich dann schon in der pulsierenden Hauptstadt Kenias.

 

Mittlerweile betrete ich ein neues Land und merke, dass ich bereits bei der Ankunft am Flughafen viel routinierter bin, als noch vor vier Monaten.  Die 100 Taxifahrer am Flughafen werden freundlich vertröstet und nach fünf Minuten dann auch einfach ignoriert. Der erste Weg ist immer zur Bank, um erstmal flüssig zu werden. Dann geht es darum, eine lokale Sim-Karte zu organisieren, damit ich mir meinen Transport zur Unterkunft organisieren kann. Bereits während der Autofahrt fällt mir auf, dass hier im östlichen Afrika alles ein bisschen anders ist. Es ist viel mehr los auf den Straße - auch nachts, was mir gut gefällt. Ich liebe es, wenn es vor Menschen nur so wuselt, überall Musik zu hören ist und eine Stadt einfach pulsiert. 

 

Da ich einen möglichst authentischen Eindruck von Nairobi bekommen möchte, werde ich die nächsten Nächte nicht wie gewohnt in einem Hostel verbringen, sondern nach langer Zeit mal wieder Couchsurfen. Mein Gastgeber Rollings wohnt etwas außerhalb der Stadt in einem Randbezirk Nairobis.

 

Herzlich hat mich Rollings bei sich in seiner kleinen Zweizimmer-Wohnung empfangen. Alles ist sehr einfach gehalten. Die Küche hat keinen Herd, sondern eine Propangasflasche übernimmt hier den Job, die Matratzen liegen am Boden und gegessen wird entweder im Stehen oder sitzend im Flur. Als ich die Wohnung betrat, waren sechs weitere Freunde von Rollings am Start und ich war keine zehn Minuten angekommen, da stand bereits reichlich Essen auf dem Tisch oder besser gesagt auf dem Boden. Nach unserem Abendessen sind wir alle gemeinsam noch in eine lokale Bar gefahren und haben gemeinsam gefeiert. Als wir dann im Morgengrauen zurück zur Wohnung gingen, habe ich mich schon gewundert, dass alle Freunde von Rollings mit zu seiner Wohnung mitkommen. Ich war ehrlich gesagt ziemlich platt von der langen Anreise und hatte jetzt nicht unbedingt Bock auf eine After Hour in der Wohnung.

 

  • ENERGY Traveller Chris in Nairobi (Kenia)
  • ENERGY Traveller Chris in Nairobi (Kenia)
  • ENERGY Traveller Chris in Nairobi (Kenia)
  • ENERGY Traveller Chris in Nairobi (Kenia)
  • ENERGY Traveller Chris in Nairobi (Kenia)
  • ENERGY Traveller Chris in Nairobi (Kenia)
  • ENERGY Traveller Chris in Nairobi (Kenia)
  • ENERGY Traveller Chris in Nairobi (Kenia)

 

Doch relativ schnell habe ich gecheckt, dass es sich nicht nur um Rollings Freunde handelt, sondern auch um seine Mitbewohner! Im selben Moment wurde mir klar, dass es entsprechend sehr kuschelig in der Nacht wird, da die Wohnung sehr klein ist und ich keine Ahnung hatte, wo diese ganzen Leute schlafen sollen. Aber Rollings meinte, dass das Ganze kein Problem sei und teilte mir routiniert mit, mit wem ich meine Matratze teilen darf. Da lag ich nun in Nairobi in der Sandwich-Stellung mit zwei anderen Jungs. Ich habe an die Decke geschaut und musste innerlich sehr lachen. Ich als ahnungsloser Tourist bin es einfach gewohnt mein eigenes Bett, sogar mein eigenes Zimmer zu haben, aber für viele Afrikaner ist es mehr als normal, das Bett zu teilen, da es anders einfach nicht geht. Trotz des begrenzten Raums und Mitteln, die Rollings hat, hat er keine Sekunde gezögert, mich zu seinem Zuhause einzuladen, Essen auf den Tisch zu stellen und mir seine Gegend zu zeigen. Ziemlich cooler Typ auf jeden Fall. Nach zwei Nächten habe ich mich dann doch entschlossen in eine Hostel umzuziehen, da ich in diesen Nächsten doch nicht allzu viel Schlaf abbekommen habe. 

 

Nach wie vor war ich allerdings mit Rollings und seinen Freunden in Kontakt, die mir die Hotspots Nairobis gezeigt haben. Unter anderem haben sie mich dann zu einer Aufzucht-Station für Giraffen gebracht. Dort habe ich nicht nur Giraffen angeschaut, sondern habe mich zugleich auch in meine erste Afrikanerin verliebt. Ihr Name ist Linda, wunderschöne Wimpern, lange Beine und große volle Lippen. Linda ist leider kein Mensch, sondern eine der zehn Rotschildgiraffen in der Aufzuchtstation. Zumindest kann ich behaupten, eine echte Afrikanerin geküsst zu haben. ;-)

 

ENERGY Traveller Chris küsst eine Giraffe

 

Nach einer aufregenden Woche in Nairobi ist es nun Zeit, einmal die Landschaft des Landes zu erkunden. Leider ist es recht schwer mit öffentlichen Verkehrsmitteln in die Nationalparks zu kommen, aber irgendwie wird das schon auch noch klappen...


24: Kenia - Drifters: It's Not A Holiday, It's An Adventure

Letzte Woche hab ich ja schon erwähnt, dass es keine öffentlichen Verkehrsmittel gibt, um in die bekannten Nationalparks wie beispielsweise den Masai Mara zu reisen. Also wusste ich wirklich nicht, wie ich am besten hier in den ländlichen Bereich komme, um die berühmten Spots von Kenia und Tansania zu erkunden. Folglich habe ich das Reisebüro meines Vertrauens in Deutschland angerufen, die mich in der Vergangenheit immer top beraten haben. Afrika Tours (afrika-tours.de) hat mir mal wieder weitergeholfen, also nicht nur weitergeholfen, sondern genau das rausgesucht, was zu meinem Reisestil passt.

 

"Chris, du stehst doch auf Abenteuer und willst die Tierwelt und die Menschen möglichst intensiv erleben. Dann habe ich genau das Richtige für dich: Eine mehrtägige Campingtour durch die verschiedenen Nationalparks in Ostafrika in einem Campingtruck mit Drifters (https://www.drifters.co.za). Aber ich sag dir gleich: Das wird kein Urlaub, sondern ein Abenteuer!" Alles klar, dachte ich mir, ohne wirklich zu wissen, was da auf mich zukommt. 

 

Ein paar Tage später ging es dann auch schon von Nairobi aus los. Als ich zum besagten Treffpunkt kam, sah ich schon den massiven Truck von der Ferne, in welchem ich die nächsten Wochen verbringen werde.

 

  • ENERGY Traveller Chris mit Drifters auf Safari in Kenia
  • ENERGY Traveller Chris mit Drifters auf Safari in Kenia
  • ENERGY Traveller Chris mit Drifters auf Safari in Kenia
  • ENERGY Traveller Chris mit Drifters auf Safari in Kenia

Zunächst haben wir ein detailliertes Briefing von unserem Guide Albert bekommen, der uns schon einmal mental auf den kommenden Trip vorbereitet hat. Joa und dann ging's auch schon los und die ersten Tage hier in Kenia waren einfach nur gigantisch. Ich wusste ja schon, dass wir viel sehen werden und insbesondere auf den Safaris die Tierwelt Kenias und Tansanias betrachten können, aber die Art und Weise wie Drifters das macht ist schon ziemlich geil! In den ersten Tagen haben wir nämlich die Safaris nicht nur mit dem Truck gemacht, sondern zu Fuß, mit dem Boot und sogar mit dem Fahrrad.

 

Zu Beginn unserer langen Reise sind wir in den Hellsgate Nationalpark gefahren und haben dort von den Einheimischen Fahrräder ausgeliehen. Kaum in den Nationalpark gefahren, sieht man schon die ersten Tiere und ich muss wirklich sagen, dass es ein ganz anderes Gefühl ist, wenn man nicht im geschützten Fahrzeug sitzt, sondern auf einem Fahrrad Büffel, Zebras oder Giraffen begutachtet. Es ist schon fast surreal, wenn ich durch die Gegend radel, als wäre ich zurück in München an der Isar - nur mit dem kleinen Unterschied, dass alle paar Meter ein Zebra über Straße läuft. Zebrastreifen mal anders...

 

  • ENERGY Traveller Chris mit Drifters auf Bike-Safari in Kenia
  • ENERGY Traveller Chris mit Drifters auf Bike-Safari in Kenia
  • ENERGY Traveller Chris mit Drifters auf Bike-Safari in Kenia
  • ENERGY Traveller Chris mit Drifters auf Bike-Safari in Kenia
  • ENERGY Traveller Chris mit Drifters auf Bike-Safari in Kenia
  • ENERGY Traveller Chris mit Drifters auf Bike-Safari in Kenia

Wir haben die Nacht direkt am See Navasha verbracht und konnten richtig mit der Natur connecten. Du riechst das Lagerfeuer, auf welchem das Essen zubereitet wird, über uns springen die Affen von Baum zu Baum und im See hörst du die Nilpferde. Verrückt! Am nächsten Tag ging es weiter mit Boot, wo wir sehr nah an die massiven Nilpferde rankamen. Diese Tiere scheinen ja immer recht friedfertig und fast schon knuffig, wenn man die kurzen Beine mit dem rießigen Korpus sieht, allerdings sollte man Nilpferde niemals unterschätzen. Sie sind nicht nur sehr schnell sondern auch unberechenbar und gefährlich. Ich war jedenfalls froh, dass ein Elektrozaun um unseren Campingplatz  gespannt war, um die Nilpferde etwas auf Distanz zu halten.

 

  • ENERGY Traveller Chris mit Drifters auf Boat-Safari in Kenia
  • ENERGY Traveller Chris mit Drifters auf Boat-Safari in Kenia
  • ENERGY Traveller Chris mit Drifters auf Boat-Safari in Kenia
  • ENERGY Traveller Chris mit Drifters auf Boat-Safari in Kenia
  • ENERGY Traveller Chris mit Drifters auf Boat-Safari in Kenia

Nach der Bike- und Bootssafari sind wir weiter zum berühmten Masai Mara Nationalpark gefahren, um dort eine Walking-Safari zu unternehmen. Die Tage starten immer sehr früh morgens und die Stimmung an jedem Ort ist einzigartig, wie auch hier im Masai Mara. Als wir starteten, lag noch der Tau auf  den Gräsern und die Nebelschwaden sind am Horizont vorbeigezogen. In der Ferne waren Hyänen zu sehen, die uns beobachteten, wie wir durch die Savanne laufen und ich kam mir einfach permanent vor, als wäre ich in einem falschen Film.

 

  • ENERGY Traveller Chris mit Drifters auf Walking-Safari in Kenia

Alles im allen muss ich sagen, dass die ersten Tage mit Drifters genau mein Ding waren und ich richtig Bock auf die nächsten Tage habe. Was mir neben der Landschaft und der Tierwelt sehr positiv aufgefallen ist, ist dass die Locals bei jeder Gelegenheit integriert wurden. Die Fahrräder haben wir von den Einheimischen ausgeliehen, die Bootstour wurde mit den Fischern aus der Region unternommen und die Walking Safari von einem Masai vom Nachbardorf geführt. Jeder soll vom Tourismus profitieren und entsprechend wurden wir auch überall überaus freundlich und herzlich empfangen.

 

Jetzt gerade sitze ich bereits in Tansania am Lake Victoria und schreibe diesen Text. Vor mir geht gerade die Sonne unter und ich kann die Wellen hören, wie sie am Strand auf den Sand aufschlagen. Wie ihr merkt, bin ich jetzt bereits von den ersten Eindrücken der Tour total aus dem Häuschen, aber unser Guide Albert meinte, dass die nächsten Tage noch aufregender werden, was ich mir zwar kaum vorstellen kann, aber Albert hat bisher seine Versprechn immer stets eingehalten. Ich bin gespannt und melde mich nächste Woche aus der Savanne der Serengeti.

25: Tansania - Stuck in Serengeti

Wie letzte Woche bereits angekündigt, haben wir uns heute mit unserem Drifters-Truck auf dem Weg in die Serengeti gemacht. Der Park ist bekannt für seine Raubkatzen und ich war mehr als gespannt, Löwen, Geparde und Leoparden in der freien Natur zu beobachten.

 

Als wir im Nationalpark ankamen, haben wir unser Lager aufgeschlagen. Kein Zaun, keine Mauer, einfach nur unsere Zelte mitten in der Natur. Das Lagerfeuer hat gebrannt und wir haben jeden Abend das unglaublich gute Essen von Albert genossen und saßen noch lange nach dem Sonnenuntergang zusammen und haben das Knistern des Feuers gelauscht.

 

Jeden Morgen sind wir im Morgengrauen aufgewacht und haben uns auf den Weg gemacht, die Serengeti zu erkunden. Der Park ist extrem weitläufig und die Savanne erstreckt sich an allen Seiten bis zum Horizont. Ich kam mir vor wie in einem Boot auf einem Meer aus Gras. Der Wind zieht durch die offenen Fenster, der Blick immer an den Horizont gerichtet, um vielleicht das eine oder andere Tier zu entdecken.

 

In den letzten Tagen habe ich so unglaubliche Sachen gesehen, die man vermutlich erlebt haben muss, um zu verstehen wie beeindruckend sie sind. Wir haben gesehen wie ein Gepard eine Antilope verspeist hat, wie Löwenwelpen miteinander spielen oder sich ein Leopard geduckt an eine Gazelle heranschleicht.


Oft kommt es mir ein wenig grausam vor, wenn ich sehe, wie eine junge Gazelle um ihr Leben kämpft und letztendlich von den Wildkatzen verspeist wird, jedoch ist es irgendwo auch natürlich und vielleicht habe ich mich hier auch einfach zu weit von der Natur entfernt, so dass es mir unnatürlich oder grausam vorkommt. Für den Fleischeintopf, den ich am Abend gegessen habe, musste letztendlich ja auch ein Tier sterben. Vielleicht sollte ich mir das etwas öfters vor Augen halten.

 

  • Serengeti in Tansania
  • Serengeti in Tansania
  • Serengeti in Tansania
  • Serengeti in Tansania
  • Serengeti in Tansania
  • Serengeti in Tansania
  • Serengeti in Tansania
  • Serengeti in Tansania
  • Serengeti in Tansania
  • Serengeti in Tansania
  • Serengeti in Tansania

Die Serengeti hat auf jeden Fall einiges zu bieten... leider auch hin und wieder ein wenig Regen. Verwöhnt von dem guten Wetter hier in Afrika, habe ich Depp natürlich bei meinem Zelt immer alles offen gelassen, damit es schön durchziehen kann und es nicht zu sehr aufheizt. Dass es eventuell auch einmal regnen könnte, während wir auf Safari sind, hatte ich entsprechend nicht auf dem Schirm. Am zweiten Tag in der Serengeti war es dann so weit: Während wir in der weitläufigen Savanne unterwegs waren, ist ein Sturm aufgezogen und es hat nicht nur geregnet, sondern geschüttet! Und ich saß im Truck und wusste ganz genau, dass sich mein Zelt im selben Moment in einen kleinen Jacuzzi verwandelt. Einige Stunden später, als wir zurück zu unserem Camp gefahren sind, hat sich meine Vermutung bestätigt. Mein Schlafsack machte einen auf Luftmatratze, mein Backpack lag wie ein vollgesogener Schwamm in der Ecke und ich saß vor meinem Zelt und hab mir das Ganze erstmal ein paar Minuten angeschaut und war vielleicht auch ein wenig verzweifelt.

 

Aber hilft ja nix und von dem bisschen Wasser wollt ich mir jetzt auch nicht den Tag versauen lassen. Nach einer kurzen Kippe mit meinem Campingkollegen haben wir ein großen Feuer gemacht, so dass meine Sachen über die Nacht halbwegs trocknen konnten. In der Zwischenzeit haben mich die anderen mit Klamotten und Decken für die Nacht versorgt. An dieser Stelle nochmals VIELEN DANK Leute - ohne euch wäre ich echt aufgeschmissen gewesen!

 

Nach einer weiteren durchregneten Nacht sind wir auf unseren letzten Game-Drive in die Serengeti aufgebrochen. Die Straßen und die Umgebung wurden jedoch durch den starken Regen sehr in Mitleidenschaft gezogen und glichen einem einzigen Sumpf. Trotzdem hat uns unser tapferer Guide Albert zu den Topspots des Nationalparks gefahren, auch wenn die Straßen wirklich extrem schwer mit einem 13 Tonnen schweren Truck zu befahren waren. Aber Albert ist einfach eine Legende und hat uns an Orte gefahren, die ich vermutlich nicht einmal mit einem 4x4 Jeep erreicht hätte.

 

Nach einigen Stunden Safari kamen wir dann doch an eine Stelle, wo bereits einige Land Rover ihre Probleme hatten durchzukommen und letztendlich hat es uns dann doch auch erwischt. Wir sind in einer großen Matschpfütze stecken geblieben. Nichts ging mehr. Jedes mal wenn Albert versucht hat vorwärts oder rückwärts zu fahren, haben wir uns nur noch mehr in den Schlamm eingefahren. Weil das Ganze nicht schon genug Stress war, kam noch hinzu, dass wir in zwei Stunden aus dem Park fahren mussten, da wir ansonsten einen weiteren Tag Parkgebühren zahlen müssen (200 Euro pro Person), was wir natürlich alle nicht wollten.

 

  • Bei der Serengeti in Tansania stecken geblieben
  • Bei der Serengeti in Tansania stecken geblieben
  • Bei der Serengeti in Tansania stecken geblieben
  • Bei der Serengeti in Tansania stecken geblieben
  • Bei der Serengeti in Tansania stecken geblieben

 

Entsprechend sind die Männer aus dem Truck gesprungen, haben Schaufeln in die Hand genommen und verweifelt versucht, den Truck vom Schlamm zu befreien. Doch ohne fremde Hilfe haben wir hier kein Land gesehen. Aber in Afrika hilft man sich. Nach nicht mal zehn Minuten standen fünf 4x4 Jeeps um uns herum und haben versucht uns aus dem Schlammloch zu ziehen. Bei diesem Versuch haben sich zwischenzeitlich sogar zwei unserer Helfer-Jeeps festgefahren, jedoch waren nach circa einer Stunde buddeln, ziehen und drücken alle Fahrzeuge aus dem Schlamm befreit und wir konnten sogar sieben Minuten vor unserer Frist den Ausgang des Parks erreichen und haben uns die 200 Euro pro Person sparen können. Nochmal Glück gehabt würde ich sagen.

 

Wir werden uns nun auf den Weg zum Ngorongoro Krater machen. Albert meinte schon, dass mir das vermutlich noch besser als die Serengeti gefallen wird, was ich mir nun wirklich nicht vorstellen kann. Die Ausblicke auf 2.400 Meter Höhe sollen jedoch ziemlich beeindruckend sein und ich bin mehr als gespannt. Aber mehr vom Ngorongoro Krater gibt’s dann nächste Woche!


26: Tansania (Ngorongoro Krater) - Kuscheln mit den Büffeln

Wenn man glaubt, es geht nicht mehr besser, beweist mir Drifters (https://www.drifters.co.za) einfach mal wieder das Gegenteil. Albert hat ja letztes Mal schon angekündigt, dass es mir diese Woche den Schalter raushauen wird. Ich glaube, dass das hier ist einer der schönsten Orte, an dem ich je in meinem Leben gewesen bin: der Ngorongoro Krater!

 

Alleine die Anfahrt dorthin war so spektakulär, dass ich meinen Finger nicht vom Auslöser meiner Kamera lassen konnte. Die letzten Tage hier in Kenia und Tansania waren wirklich sehr intensiv. Wir sind durch den Hellsgate Nationalpark geradelt, mit dem Boot über den Lake Navasha getuckert, haben zu Fuß den Masai Mara Nationalpark erkundet und jagende Leoparden in der Serengeti beobachtet. Aber der Anblick, der sich hier auftut, toppt einfach alles.

 

Der Ngorongoro Krater ist ein inaktiver Vulkan, der über 2.400 Meter hoch ist. Entsprechend hat man einerseits einen unglaublichen Ausblick auf die benachbarte Serengeti und eine Art Gehege für die Tiere im Krater selbst, der sich über die Jahre zu einer einzigen saftig grünen Weide mit mehreren Seen formiert hat. Es ist schon sehr skurril, wenn du den Pass zum Gipfel eines ehemaligen Vulkans fährst und auf über 2.000 Meter Giraffen die Blätter von den Sträuchern pflücken und im Hintergrund die weitläufigen Ebenen der Serengeti zu sehen sind. Ziemlich strange!

 

  • ENERGY Traveller Chris beim Ngorongoro Krater (Tansania)
  • ENERGY Traveller Chris beim Ngorongoro Krater (Tansania)
  • ENERGY Traveller Chris beim Ngorongoro Krater (Tansania)
  • ENERGY Traveller Chris beim Ngorongoro Krater (Tansania)
  • ENERGY Traveller Chris beim Ngorongoro Krater (Tansania)
  • ENERGY Traveller Chris beim Ngorongoro Krater (Tansania)
  • ENERGY Traveller Chris beim Ngorongoro Krater (Tansania)
  • ENERGY Traveller Chris beim Ngorongoro Krater (Tansania)

Unser Camp war genau am Grad des Vulkans gelegen, wo wir schon routiniert unsere Zelte aufgeschlagen und unser Lagerfeuer entfacht haben. Der Blick vom Camp war sensationell und ich war schon fast traurig, als am Abend die Dämmerung einsetzte und die Bergkette des Vulkans in der Dunkelheit verschwand. Nach Einbruch der Dunkelheit bin ich meist auch schon ins Bett gegangen, da die Tage bekannterweise sehr lang sind und immer zum Sonnenaufgang starten. Vorgestern jedoch habe ich mich dazu entschlossen noch etwas alleine am Lagerfeuer zu sitzen und den Moment zu genießen....naja, also nicht ganz alleine!

 

Mein Blick war auf das Feuer gerichtet und fast schon in Trance saß ich auf meinem Campingstuhl am Grad des Vulkans und habe die Stille der Nacht genossen. Langsam waren am Kraterrand die Sterne zu erkennen und bis auf das Knistern des Lagerfeuers habe ich nichts gehört. Es war ein toller Moment, der sich perfekt dazu eignete über Gott und die Welt nachzudenken... wenn da nicht dieser Typ wäre, der so laut atmete, dass man Angst hatte, dass er gleich zu schnarchen anfängt. Genervt hab ich immer wieder über meine Schulter in die Dunkelheit geschaut, wo ich jedoch kaum etwas erkennen konnte, da die Zelte doch einige Meter weg standen. Nach weiteren fünf Minuten jedoch war das atmen und räuspern noch lauter und dann hab auch ich gecheckt, dass dieses atmen so intensiv und laut ist, dass es eigentlich nicht von einem Menschen stammen kann.

 

Als ich das realisiert habe, saß ich immer noch auf meinem Campingstuhl, allerdings nicht mehr im Trancezustand, sondern mit weit aufgerissen Augen und einem Puls von 180. Denn ich wusste, dass hinter mir irgendein sehr großes Tier steht und immer näher kommt. Mit langsamen Bewegungen habe ich dann mein Handy aus der Tasche geholt, bin langsam aufgestanden, habe mich umgedreht und mit der Taschenlampe meines Handys in die Dunkelheit geleuchtet. Und da standen sie.... zwei voll ausgewachsene, 500 Kilogramm schwere und mit Testosteron vollgepumpte Büffel, die mich anstarrten. Jeder Guide, den ich bisher befragt habe, hatte mir gesagt, dass Büffel ihrer Meinung nach die gefährlichsten aller Tiere sind, da sie keine Vorzeichen eines Angriffs oder ähnliches zeigen.

 

Da stand ich also am Lagerfeuer mit meinem Handy in der Hand, 20 Meter entfernt von zwei Büffeln und ich hatte keine Ahnung, wie ich mich verhalten sollte. Totstellen? Wegrennen? Lärm machen? Ich hab mich nach ein bis zwei Minuten Totenstarre dann doch entschlossen, mich auf den Weg Richtung Zelt zu machen, langsam den Reißverschluss zu öffnen und mich möglichst unauffällig aus dem Staub zu machen. Zähneputzen habe ich in dieser Nacht ausnahmsweise mal ausfallen lassen.

 

Büffel in Tansania

 

Nachdem ich im Zelt war, habe ich mich in meinem Schlafsack gepackt und habe erstmal eine Stunde gebraucht um irgendwie wieder klar zu kommen. Die Büffel kamen während der Nacht noch näher an die Zelte ran und ich konnte hören, wie sie neben mir gegrast und sich später sogar zwischen die Zelte gelegt haben. Jetzt weiß ich auch was afrika tours individuell (afrika-tours.de) meinte, als sie gesagt haben, dass dieser Trip kein Urlaub wird, sondern eine Abenteuer.

 

Am nächsten Morgen habe ich vorsichtig den Reißverschluss geöffnet und war mehr als erleichtert, als kein Büffel mehr in Sicht war. Als ich dann die Umgebung abgesucht habe und wirklich keinen Büffel gesehen habe, konnte ich erstmals den Sonnenaufgang am Ngorongoro Krater genießen. Ich habe ja hier in Afrika schon einige Sonnenaufgänge gesehen, aber das hier hat mal wieder alles andere in den Schatten gestellt. Aber seht selbst:

 

  • Sonnenaufgang beim Ngorongoro Krater (Tansania)
  • Sonnenaufgang beim Ngorongoro Krater (Tansania)
  • Sonnenaufgang beim Ngorongoro Krater (Tansania)
  • Sonnenaufgang beim Ngorongoro Krater (Tansania)

Also ich muss ja schon sagen: Tansania hat es einfach drauf und Drifters hat mal wieder alle meine Erwartungen übertroffen. Heute verlassen wir leider schon den Nationalpark und machen uns auf zum letzten Highlight der Drifters Tour: ein Besuch im Masai Dorf.

Datei Traveller_Interview_AlbertAmoni_Webseite.mp4
Interview mit Drifters-Guide Albert Amoni

27: Tansania - Zu Besuch bei den Masai

Diese Woche haben wir mit Drifters die letzte Station unserer Campingsafari angefahren: Arusha! Wir haben diesmal unser Lager etwas außerhalb der Stadt bei einer Schlangenfarm aufgeschlagen. Die Temperaturen sind wieder deutlich wärmer als auf dem Ngorongoro Krater und der Schweiß läuft wieder wie gewohnt von früh bis spät die Stirn herunter.

 

Herzlich wurden wir von den Eigentümern der Farm empfangen, die uns auch gleich sämtliche afrikanische Schlangen gezeigt haben. Die Farm dient hauptsächlich zur Aufklärung für Touristen und auch der einheimischen Bevölkerung und ich habe auf jeden Fall gelernt, dass ich mich hier besser nicht von einer Black oder Green Mamba beißen lassen sollte.


Natürlich hat es sich damals hier in Arusha und der Umgebung schnell rumgesprochen, dass hier eine Schlangenfarm entstanden ist. Entsprechend haben hilfesuchende Menschen nach kurzer Zeit immer wieder an der Tür geklopft, sobald sie von einer Schlange gebissen wurden. Deshalb haben sich die Gründer dazu entschlossen, ein kleines Krankenhaus zur Erstversorgung für Schlangenbisse zu gründen. Sämtliche Behandlungen sind hier kostenfrei und derzeit befinden sich fünf Kinder in der Klinik, die vermutlich gestorben wären, wenn ihnen Berry und Lynn nicht geholfen hätten. Um dieses Projekt zu unterstützen, haben wir uns gemeinsam am Abend in der dazugehörigen Bar getroffen und fleißig getrunken, damit der Umsatz an der Bar auch passt und die Eigentümer ein paar zusätzliche Ampullen Gegengift besorgen können.

 

Vorgestern haben wir uns dann mit unserem Truck auf den Weg zu einem Masai Dorf in der Nähe gemacht. In den vergangen Wochen habe ich bereits viele Masai in ihren traditionellen Gewändern am Straßenrand oder in der Natur mit ihrem Vieh gesehen. Für mich war es ehrlich gesagt nicht ganz nachvollziehbar, wie sie hier in der direkten Umgebung von sämtlichen Raubtieren Kühe oder Ziegen hüten können. Entsprechend hatte ich viele Fragen im Gepäck und mittlerweile bin ich auch schon etwas schlauer. Ich sag nur schon mal so viel: Die Masai haben nicht mehr alle Latten am Zaun!

 

Als wir im Dorf ankamen, wurden wir sehr herzlich vom Stammesführer empfangen, der uns stolz seine Kühe, sein Heim und seine Frauen gezeigt hat. Ja, auch als Masai kann man mehrere Frauen zur gleichen Zeit haben. Die Aufgaben sind hier klar verteilt. Der Mann kümmert sich um das Vieh und chillt hauptsächlich und die Frau kümmert sich um die Kinder, den Haushalt und was sonst noch so anfällt. Auch wenn alles im ersten Moment sehr konservativ scheint, hat uns der Stammesführer erzählt, dass die Masai nicht eifersüchtig sind und es nicht so schlimm sei, falls mal einer seiner Frauen mit einem anderen Mann schläft..... also doch liberaler als gedacht.

 

  • ENERGY Traveller Chris in einem Masai Dorf
  • ENERGY Traveller Chris in einem Masai Dorf
  • ENERGY Traveller Chris in einem Masai Dorf
  • ENERGY Traveller Chris in einem Masai Dorf
  • ENERGY Traveller Chris in einem Masai Dorf
  • ENERGY Traveller Chris in einem Masai Dorf
  • ENERGY Traveller Chris in einem Masai Dorf
  • ENERGY Traveller Chris in einem Masai Dorf
  • ENERGY Traveller Chris in einem Masai Dorf
  • ENERGY Traveller Chris in einem Masai Dorf
  • ENERGY Traveller Chris in einem Masai Dorf

Nach der Führung durch das Dorf haben wir uns in eine der Hütten begeben und ich konnte endlich all meine Fragen loswerden. Daraufhin hat mir der Stammesführer unter anderem erklärt, wie sie ihre Kuhherden vor den Löwen schützen. Und jetzt passt auf... ich konnte nämlich meinen Ohren nicht trauen, als ich das hörte. Scheinbar schleichen sich die Masai regelmäßig an junge Löwen ran und verscheuchen sie anschließend mit ihren Knüppeln und Speeren. Dieses Prozedere wiederholen sie immer und immer wieder, bis die Raubtiere konditioniert sind und quasi die Masai das Fürchten gelernt haben. Also bei den Jungs hier mangelt es definitiv nicht an Mut. Hin und wieder jedoch soll es dann doch mal vorkommen, dass ein Löwe eine Kuh oder eine Ziege reißt. In diesem Fall verbarrikadieren sich die Masai in ihren Hütten, warten bis der Löwe seine Beute verspeist hat und sich in der Umgebung zum Schlafen hinlegt. Dann schleichen sie sich an den Löwen an und bringen ihn um... ohne Scheiß! Also Masai kämpfen mit Löwen!!

 

Vor zwei Wochen ist hier außerdem ein Masai gestorben, als er versucht hat einen Büffel vom Wasserloch zu verscheuchen, damit die Kuhherde dort trinken kann. So wie die Masai zum Teil mit den wilden Tieren hier umgehen, macht es manchmal den Eindruck als wären es ihre Haustiere. Ich musste bei dieser Geschichte jedenfalls an meine Begegnung mit dem Büffel am Ngorongoro Krater denken...

 

Also wie ihr seht, war mein Besuch bei den Masai voller Überraschungen und wahnsinniger Storys. Ich habe jedenfalls einen unheimlichen Respekt vor diesem Volk und werde weiterhin ein Bewunderer der Masai sein! Ein Volk, dass in totalem Einklang mit der Natur lebt.

 

Wie bereits Anfangs erwähnt, endet hier nun auch mein Campingtrip mit Drifters (https://www.drifters.co.za). Ich blicke auf eine aufregende Zeit mit unvergesslichen Naturerlebnissen zurück und habe diese so gut es ging in ein kleines Video verpackt, damit ihr vielleicht nochmals ein besseren Eindruck von dem Ganzen Abenteuer bekommt. Viel Spaß! 

Datei Traveller_Drifters_Webseite.mp4
Chris' Campingtrip mit Drifters

28: Tansania - Auf einen Kaffee zum Kilimanjaro

Nach meinem organisierten Campingtrip durch Kenia und Tansania war ich nun wieder hier in Arusha auf mich alleine gestellt. Es war einfach ziemlich cool, sich in den letzten Wochen keine Gedanken darüber zu machen, wo man die nächste Nacht verbringt, was man isst oder wo man hinfährt. Aber jetzt will ich auch mal nicht jammern - gibt ja Schlimmeres, als mit einem Rucksack durch Afrika zu reisen. 

 

Arusha befindet sich nur wenige Kilometer vom höchsten Berg Afrikas entfernt: dem Kilimanjaro! Klar, dass ich mir das dort mal anschaue und den Berg vielleicht sogar besteige. Jedoch habe ich schon gehört, dass das keine billige Angelegenheit werden soll. "Wie auch immer", habe ich mir gedacht und hab mich in den nächsten Bus nach Moshi gesetzt. Moshi befindet sich quasi direkt am Fuße des Berges, weshalb sich dort auch zahlreiche Wanderbüros , die die entsprechenden fünf- bis siebentägigen Touren zum Kilimanjaro organisieren. Als ich jedoch gesehen habe, was für Preise hier aufgerufen wurden, war ich dann doch wieder ganz schnell aus dem Laden draußen. Sicherheitshalber habe ich nochmals im Geldbeutel nachgeschaut, ob irgendwo 1.500 Dollar rumliegen, aber so langsam musste ich mir wohl oder übel eingestehen, dass diese Bergtour diesmal für mich leider flach fällt.

 

Aber so schnell gebe ich in der Regel nicht auf und bin nochmals auf die Straße gegangen, um bei den Locals rumzufragen, ob mich vielleicht nicht ein "semi-professioneller" Guide auf den Kilimanjaro führen kann. An einem Straßenstand habe ich dann Rasta Carlos kennengelernt, der auch hin und wieder Touristen in der Gegend rumführt. Er hat mir erklärt, dass die Gebühren vonm Nationalpark bereits 800 US-Dollar betragen und deshalb jeder Guide solch hohe Preise aufrufen muss. Einerseits war somit der Traum, den Kilimanjaro zu besteigen, erstmal begraben, andererseits hatte ich jetzt Carlos an meiner Seite, der mir angeboten hat, für ein bisschen Trinkgeld die Gegend zu zeigen, um zumindest die Highlights rund um den Berg zu erkunden.

 

Am nächsten Morgen haben wir uns getroffen und wir haben eine Wanderung durch die Kaffee- und Bananenplantagen rund um den höchsten Bergs Afrikas unternommen. Nach einiger Zeit kamen wir an einen magischen Ort. Am Ende eines kleines Tals standen wir plötzlich an einem massiven, rund 80 Meter hohen Wasserfall. Unten ein kleiner See, in dem wir im kristallklaren Wasser gebadet haben und ein paar Früchte verspeisten. Die Sonne hat unsere Haut erwärmt und wir vergaßen für einige Stunden die Zeit und haben den Moment genossen.

 

  • ENERGY Traveller Chris in der Umgebung des Kilimanjaros
  • ENERGY Traveller Chris in der Umgebung des Kilimanjaros
  • ENERGY Traveller Chris in der Umgebung des Kilimanjaros
  • ENERGY Traveller Chris in der Umgebung des Kilimanjaros
  • ENERGY Traveller Chris in der Umgebung des Kilimanjaros
  • ENERGY Traveller Chris in der Umgebung des Kilimanjaros
  • ENERGY Traveller Chris in der Umgebung des Kilimanjaros
  • ENERGY Traveller Chris in der Umgebung des Kilimanjaros
  • ENERGY Traveller Chris in der Umgebung des Kilimanjaros
  • ENERGY Traveller Chris in der Umgebung des Kilimanjaros

Auf dem Rückweg haben wir dann noch Freunde von Carlos besucht. Es gab noch mehr Essen und wir haben uns viel über deutschen Fußball unterhalten. Manchmal hatte ich das Gefühl, dass die Jungs hier mehr Ahnung vom FC Bayern haben als ich. Es war wirklich sehr cool, hier so ungezwungen zusammen zu sitzen, zu quatschen und zu essen. Nach unserem Mahl fragte mich dann Carlos, ob ich Lust auf einen Kaffee hätte. "Klar", sagte ich und er meinte dann nur, dass er schon mal anfängt, die Bohnen zu schälen. Carlos ging um die Ecke und holte einen kleinen Eimer voller getrockneten Kaffeebohnen, schälte, röstete, zermahlte und kochte sie.

 
Ich weiß ja nicht wie es euch geht, aber ich habe noch nie in meinem Leben selber Kaffee gemacht und entsprechend fand ich es auch mega spannend, was da gerade geschah. Aber nicht nur was sie gemacht haben, sondern auch wie sie es gemacht haben, war einfach nur sensationell. Im afrikanischen Style haben sie bei jedem Arbeitsschritt mitgesungen und Stimmung gemacht. Aber seht selbst...

Datei Traveller_FreshCoffee.mp4
Kaffee zubereiten

 

Auch wenn es letztendlich mit dem Besteigen des Kilimanjaros nicht geklappt hat, war meine Zeit hier mit Carlos und seinen Freunden einfach nur cool. Ich bin ihm sehr dankbar, dass er mir sein Dorf und seine Kultur gezeigt hat und verlasse Moshi mit einem sehr guten Gefühl. 


 

29: Sansibar - Kite The Vibe

Alter Schwede - Sansibar hat's echt drauf. Mein lieber Scholli! Der Name Sansibar kommt aus dem arabischen und bedeutet soviel wie "schön ist die Insel" - was ich mehr als nur bestätigen kann. Weiße unberührte Strände, die nostalgische, verwinkelte Altstadt von Stonetown, der Geruch von Nelke, Zimt und Kardamom, der allgegenwärtig scheint, eine stylische Beachszene mit vielen Strandbars und Partys, der Muezzin, der in der ganzen Stadt zu hören ist und vermutlich mit die spektakulärsten Sonnenuntergänge, die ich je gesehen habe. Kann man also mal machen!

 

Nach einem kurzem Aufenthalt in Dar es Sallam bin ich mit der Fähre nach Stonetown auf Sansibar aufgebrochen. Nach der aufregenden Zeit im Landesinneren bin ich froh, endlich wieder am Strand zu sein und einfach mal nichts zu machen. Die ersten Tage habe ich direkt in Stonetown, der "Hauptstadt" der Insel verbracht. Ich habe mich sofort verliebt. Die Altstadt besteht aus lauter engen und verwinkelten Gassen, in denen man sich stundenlang aufhalten kann und sich gerne mal verliert. Überall gibt es kleine Souvenirs-Shops und Essensstände. Die Insel ist sehr sicher und man kann sich auch zur späteren Stunde noch ohne Probleme frei bewegen.

 

Die Tage vergehen wie im Flug. Wie gewohnt gibt es jeden Tag eine Kokosnuss, ich spüre den Sand zwischen meinen Zehen und genieße mein Feierabendbier bei den orangefarbigen Sonnenuntergängen. Doch nach einigen Tagen chillen am Strand fehlt mir dann doch irgendwann die Action, weshalb ich mich auf den Weg nach Paje an die Ostküste der Insel gemacht habe. Paje ist der Hotspot fürs Kiten und da meine Kitesurfkünste schon seeehhhrrr eingerostet sind, wollte ich die Gunst der Stunde nutzen und hier mal wieder aufs Brett steigen.

 

Angekommen in dem kleinen Dorf fühlte ich mich sofort wie in einem Film. Beachboys in Boardshort, fleißig am Kiten, Musik, Hängematten und alle Sorgen waren für einen Moment vergessen. Nach einem Tag Akklimatisation habe ich mir dann ein paar Kitesurfstunden gebucht. Selbstbewusst bin ich an die Sache rangegangen, aber der Schirm gepaart mit Mutter Natur hat mich dann doch relativ schnell wieder auf den Boden der Tatsachen gebracht. Nachdem ich mich zwei Stunden lang, meist Kopf voraus von dem Kite unkontrolliert durch die Gegend hab ziehen lassen, konnte ich nach drei Tagen dann doch endlich wieder halbwegs vernünftig durch die Gegend fahren. Auch wenn ich gefühlt täglich zwei Liter Salzwasser verschluckt habe, hat es richtig Laune gemacht.

 

Das Flair und die Stimmung sind hier wirklich phänomenal. Stellt euch mal vor, wie ihr bei 25 Gad morgens aufwacht und schon die Wellen hört. Ihr euch erstmal mit Meerblick einen Kaffee reinzieht, eine Runde Kiten geht, danach mit Kokosnuss in die Hängematte legt und abends mit den anderen Surfern den Sonnenuntergang mit einem kalten Bier genießt und vor euch die traditionellen Fischerboote vorbeitukkern. Ich weiß nicht, was man sich hier noch mehr wünschen könnte.

 

Auch wenn die Insel etwas touristischer ist und man sich öfters mit den Strandverkäufern auseinandersetzen muss, ist Sansibar auf jeden Fall eine Reise wert. Es wird viel geboten, es ist sicher und die Strände insbesondere im Norden der Insel, wie in Kendwa oder Nungwi, sind einfach nur der Hammer.

 

Für mich geht es allerdings nun wieder auf das Festland. Seit einigen Wochen bin ich nämlich mit einer Schule für benachteiligte Kinder und Waisen in Kontakt, die jede helfende Hand brauchen können. Entsprechend werde ich in den nächsten Wochen dort vorbeischauen und hoffentlich noch einen tieferen Einblick vom Leben auf dem Land bekommen. Ich bin gespannt.

  • ENERGY Traveller Chris auf Sansibar
  • ENERGY Traveller Chris auf Sansibar
  • ENERGY Traveller Chris auf Sansibar
  • ENERGY Traveller Chris auf Sansibar
  • ENERGY Traveller Chris auf Sansibar
  • ENERGY Traveller Chris auf Sansibar
  • ENERGY Traveller Chris auf Sansibar
  • ENERGY Traveller Chris auf Sansibar
  • ENERGY Traveller Chris auf Sansibar
    ENERGY Traveller Chris auf Sansibar
    ENERGY Traveller Chris auf Sansibar

 

30: Tansania - KibaHa: Schule mal anders

Vor einigen Wochen habe ich Kontakt mit Obedy aufgenommen, der vor einigen Jahren eine Schule für benachteiligte Kinder hier in Kibaha gegründet hat. Obedy selbst stammt aus einer einfachen Familie, die sich schwer tat ihm eine Schulbildung zu ermöglichen. Doch Obedy hatte Glück, da eine deutsche Familie eine Patenschaft für ihn übernommen hat und ihm die Schule finanzierte. Nach seiner Rückkehr in sein Heimatdorf hat er allerdings die selbe Situation wie damals vorgefunden. Viele Familien sind einfach nicht in der Lage, ihre Kinder auf eine öffentliche Schule zu schicken. Generell sind öffentliche Schulen zwar umsonst, jedoch sind die Aufwendungen für Schuluniform, Bücher und Lernmaterial einfach für viele Familien zu groß. Entsprechend bleiben viele Kinder einfach Zuhause und Obedy wollte das ändern.

 

Folglich hat Obedy die "Myoda Pre- and Primary School" gegründet. Er steckt sehr viel Herzblut und Geld in das Projekt. Die komplette Schule finanziert sich ausschließlich aus Spenden. Die Kinder bekommen hier täglich von 7:30 bis 14 Uhr Unterricht. Außerdem werden täglich zwei Mahlzeiten ausgegeben, da viele Familien sich oft nur eine Mahlzeit pro Tag leisten können. Des Weiteren wird sämtliches Lernmaterial und Schuluniformen zur Verfügung gestellt.

 

Für mich hörte es sich also nach einem spannenden und sinnvollen Projekt an und ich war sehr neugierig, was mich in den kommenden Tagen hier in Kibaha erwarten wird. Ich habe im Haus von Obedy geschlafen und wurde sehr herzlich von der gesamten Familie empfangen. Jeden Tag haben wir Abends gemeinsam gekocht und ich habe selten solch eine Gastfreundschaft wie bei Obedy und seiner Familie genießen dürfen.

 

Montag, 6:30 Uhr. Ich lag schon wach im Bett, weil mein Freund, der Muezzin, wie gewohnt zum Sonnenaufgang sein Mikro fürs Gebet eingeschalten hat. Meinen Schulranzen habe ich gepackt und die Kinder von Obedy an die Hand genommen. Dann sind wir mit dem Motorradtaxi zusammen zu meinem ersten Schultag in der Myoda Pre- and Primery School gefahren. Vermutlich war ich aufgeregter als alle anderen. In der Schule angekommen, wurde ich zunächst rumgeführt und mir ist gleich aufgefallen, dass hier viele Dinge anders laufen und viel improvisiert werden muss. Rund die Hälfte der Kinder sitzen auf dem Boden, da nicht genügend Tische und Stühle vorhanden sind. Die Küche wurde in ein Klassenzimmer umfunktioniert, damit noch mehr Kinder in der Schule untergebracht werden können. Die Küche ist folglich draußen unter einer selbstgebauten Wellblech-Vorrichtung untergebracht. Es herrscht ein ständiger Mangel an Kreide, Büchern und Stiften. 

 

Nachdem ich alles gesehen hatte, wurde ich in die Klasse von Selena eingeteilt. Selena unterrichtet bereits seit drei Jahren an der Schule. Sie hat immer ein Lachen im Gesicht, hat die Kids voll im Griff und gibt mir das Gefühl, dass ich tatsächlich helfen kann. Unsere Klasse besteht aus 40 Kindern zwischen fünf und sieben Jahren. Die Tage sind extrem lang, es ist heiß und sogar ich habe große Schwierigkeit mich länger als ein paar Stunden zu konzentrieren. Insbesondere die Kinder, die auf dem Boden sitzen, lassen sich sehr leicht ablenken und ehrlich gesagt habe ich keine Ahnung, wie Selena hier normalerweise alleine unterrichten kann. Ich fand es jedenfalls schon zu zweit eine Mammutaufgabe hier den Kindern etwas zu vermitteln.

  • ENERGY Traveller Chris in Tansania in einer Schule
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Die Kinder sind jedoch einfach nur der Hammer. Man merkt, dass sie richtig Bock auf Schule haben und gefördert werden wollen. Mit weit aufgerissen Augen werde ich immer an der Tafel angeschaut und manchmal bin ich mir nicht sicher, ob sie auch zuhören oder einfach nur staunend nach vorne blicken und sich Fragen, was der weiße Mann da jetzt will. Gut, mein Suaheli besteht nur aus ein paar Worten und die Kids können auch nur sehr einfaches Englisch, jedoch bin ich mir sicher, dass meine Schüler und auch Selena ihren Spaß mit mir hatten.

 

Nach meiner ersten Woche hier auf dem Land muss ich wirklich meinen Hut vor allen Angestellten in der Schule ziehen. Ich bin jeden Tag einfach nur platt und falle spätestens um halb 9 ins Bett, weil das Unterrichten und das Spielen mit den Kindern einfach alles von mir abverlangt.

 

Ich bin der Meinung, dass Bildung eines der wichtigsten Dinge ist, um eine vernünftige Zukunft einer jungen Generation zu schaffen. Deshalb finde ich dieses Projekt sehr sinnvoll, da auch hier Kinder eine Chance im Leben bekommen, die nicht aus guten Verhältnissen kommen. Hier ist jedes Kind gleich, egal ob Waise oder aus armen Verhältnissen. Sie kommen jeden Tag hier in die Schule und sind mit 100% dabei. Das ist schön zu sehen und macht umso mehr Spaß hier mitzuhelfen.

 

Wie anfangs erwähnt, wird das Projekt rein durch Spenden finanziert. Hin und wieder können die Lehrer nicht bezahlt werden oder den Kindern kein Essen gekocht werden, da es einfach an Hilfsmittel mangelt. Andererseits kann mit wenig Geld hier schon viel geholfen werden. Falls also auch ihr mithelfen oder spenden möchtet, könnt ihr euch hier weiter informieren und direkt mit Obedy Kontakt aufnehmen. Er wird euch mit Freude alle eure Fragen beantworten.

 

Spenden dürft ihr gerne hier tätigen - jeder Euro zählt:

Mkuza youth development association
Bank: CRDB Bank Limited
Number of Account: 0152253701900
SWIFT: CORUTZTZ

 

Danke für eure Hilfe!

 

31: Kibaha - Das Leben auf dem Land

Letzte Woche habe ich euch ja schon von meinen ersten Erfahrungen in der Myoda Pre- and Primary School berichtet. Nicht nur die Schule läuft hier etwas anders ab als in Deutschland, sondern eigentlich alles. Kochen, shoppen, Transport und auch die Ausübung der verschiedenen Glaubensrichtungen sind hier ein absolutes Erlebnis für mich - sprich ich bekomme hier fast täglich eine richtig schöne Kulturwatschen. 

 

Generell passiert hier auf dem Land nicht allzu viel. Insbesondere am Wochenende sitze ich mit der Familie von Obedy auf der Terrasse und unterhalte mich über Gott und die Welt. Das, was am meisten Zeit in Anspruch nimmt, ist eigentlich das Kochen. Victoria, die Frau von Obedy, kocht jeden Tag für uns und das auch sehr gut. In der Küche gibt es zwar einen Elektroherd, der wurde jedoch kein einziges Mal benutzt seit ich dort bin. Stattdessen wird draußen auf der Terrasse täglich ein kleines Feuer gemacht, worauf dann das Essen zubereitet wird. Als Nachtisch gibt es Früchte direkt aus dem Garten. Papaya, Ananas, Bananen, Orangen, Avocados... alles, was das Herz begehrt. Ziemlich fett auf jeden Fall. Ich glaube, die meiste Zeit hier habe ich im Garten beim Essen verbracht.

 

Letztens bin ich zudem vom Markt heimgekommen, als ich auf der Terrasse plötzlich einen großen Eimer voller Blut vorgefunden habe. Als ich die Kinder gefragt habe, was das ganze Blut hier soll, haben sie mir ganz selbstverständlich erklärt, dass sie eine Ziege geschlachtet haben, da ich ja in zwei Tagen Kibaha verlasse und sie noch eine gute Mahlzeit kochen wollten. What the fuck! Als ich dann um die Ecke ging, hing dort eine gehäutete und ausgenommene Ziege und die erste Suppe war sogar schon fürs Mittagessen fertig. Einerseits fühlte ich mich geehrt, dass extra für mich eine Ziege geschlachtet wurde, andererseits war ich etwas schockiert, dass das hier so normal zu sein scheint. Natürlich bekam ich auch etwas von der Suppe angeboten, jedoch bestand diese aus den Eingeweiden der Ziegen, weshalb das eher eine zähe Angelegenheit für mich war - auf den Nachschlag habe ich dann gerne verzichtet.

 

Hin und wieder kam auch der Vater von Obedy vorbei und gesellte sich zu uns auf die Terrasse. Sein Name ist John und er ist der ortsansässige Pfarrer und hat mich natürlich am Sonntag zum Gottesdienst eingeladen. Natürlich konnte ich diese Einladung nicht ausschlagen. Am Sonntagvormittag habe ich mich mit der gesamten Familie gemeinsam rausgeputzt und uns anschließend auf den Weg zur Kirche gemacht. Naja... also Kirche ist vielleicht übertrieben, da das Gebäude eher einem ehemaligen Rohbau eines Hauses ähnelte, aber die Plastikstühle und der Glastischaltar haben ihren Job erledigt. Nach wenigen Minuten war die Kirche knallvoll und der Pfarrer hat seine Predigt begonnen. Anfangs etwas zäh um ehrlich zu sein, da ich kein Wort Suaheli verstehe, aber das sollte nicht lange so bleiben. Als der Pfarrer verstummte, die Musik aufgelegt wurde, ist es ziemlich schnell in der Kirche eskaliert. Die halbe Kirche ist aufgestanden und hat sich vorne rund um den Altar versammelt und die Leute haben einfach nur gerockt. Jesus! Jesus! Hallelulja! Jesus! Es wurde gejuchzt, die Musik wurde immer lauter, jeder tanzte und schrie was das Zeug hält. Und ich natürlich mittendrin ohne einen Auftrag, was jetzt eigentlich gerade abgeht. Nachdem die erste Party zu Ende war haben wir uns wieder auf unsere Plätze bewegt. John hat uns aufgefordert individuell zu beten... aber auch das war etwas anders als bei uns. Statt leise vor sich hinzumurmeln, wie ich es kenne, haben die Leute hier alles laut rausgeschrien, was auch immer sie ihrem Herrn mitteilen wollten. Viele Leute knieten auf dem Boden und fingen plötzlich neben mir an zu weinen und mal wieder war ich einfach nur mit der Gesamtsituation überfordert. Nach sechs Stunden war die Messe dann vorbei und ich musste erstmal verarbeiten, was da eigentlich gerade abging.

 

Auch auf den Märkten hier auf dem Land werde ich als Weißer extrem wahrgenommen. Überall höre ich das Wort "Mzungu", was so viel heißt wie "Weißer". Oft ist es irgendwie komisch ständig so im Mittelpunkt zu stehen, jedoch versuche ich immer zu lächeln und meist bekomme ich ein Lächeln zurück. Manchmal stelle ich mir dann vor, wie es wohl in Deutschland wäre, wenn ein Schwarzer im Supermarkt läuft und die Mitarbeiter in anlachen und "Schwarzer, Schwarzer" zu ihm schreien und dabei den Käse von der Theke hochhalten. Aber das ist nur einer meiner zahlreichen Tagträume, die ich hier so habe.

 

Naja, meine Zeit hier in Kibaha neigt sich jedenfalls schon wieder dem Ende zu und es war jedenfalls eines der intensivsten Erlebnissen hier in Afrika. Zeitgleich endet auch meine Reise durch Afrika. Ich werde morgen nach Dar es Sallam fahren, um meinen Flieger zum nächsten Abenteuer zu erwischen.  Wohin? Das seht ihr dann nächste Woche!

 

  • ENERGY Traveller Chris in Kibaha
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Datei Traveller_GottesdienstKibaha.mp4
Chris beim Gottesdienst in Kibaha

32: Rio de Janeiro: Neuer Kontinent - Neues Abenteuer

Unglaublich - jetzt bin ich schon über ein halbes Jahr in Afrika und die Zeit ist förmlich verflogen. Neun Länder und unendlich viele neue Erfahrungen habe ich hier erleben dürfen und werde diese Zeit mit Sicherheit niemals vergessen. Bereits jetzt habe ich das Gefühl so viel mitgenommen zu haben und bin einfach nur glücklich, diese Reise angetreten zu haben, auch wenn es oft nicht ganz einfach war. Meist erzähle ich nur von meinen tollen und abenteuerlichen Momenten, aber es gibt auch viele Momente auf dieser Reise, wo ich an mir zweifle, einsam bin oder einfach nur Heimweh habe. Das Leben im Dorm mit bis zu 13 anderen Leuten im selben Raum bringt mich oft an meine Toleranzgrenze. Bis zu 15 Stunden Schulter an Schulter neben verschwitzen Leuten im eingeengten Minibus zu sitzen ist auch nicht so geil und wenn dann auch noch ein korrupter Polizist kommt und jetzt irgendwie fünf Euro aus dir rausquetschen will, dann frag ich mich schon manchmal: Wieso mache ich das Ganze eigentlich? Wieso fliege ich jetzt nicht einfach nach Hause, hol mir wieder einen normalen Job und geh samstags mit meinen Jungs zum Fußball schauen.

 

Aber dann überlege ich mir wiederum, was ich bisher so alles erlebt habe. Ich bin von der höchsten Bungee Brücke auf der Welt gesprungen, ich war mit Haien tauchen. Habe tage- und nächtelang Tiere in der freien Wildbahn beobachtet, die ich noch nie in meinem Leben gesehen habe. Habe irgendwo mitten in Südafrika Einheimischen gezeigt, wie man Schplattelt. Ich habe viele soziale Kinderprojekte besucht und habe unglaublich viel Freude und Gastfreundschaft geschenkt bekommen. Vermutlich habe ich deshalb immer noch richtig Bock weiterzureisen und mich genau deshalb auf dem Weg nach Südamerika gemacht - und zwar direkt in eine pulsierende Metropole: Rio de Janeiro!

 

Ich komme früh morgens am Flughafen an. Bin fertig mit der Welt und einfach nur froh, dass ich endlich angekommen bin und will nur noch ins Hostel. Ich warte am Gepäckband, ein Koffer nach dem anderen läuft an mir vorbei und ich falle fast schon in einen Trancezustand. Nach circa 15 Minuten hält das Gepäckband an, die Leute um mich rum sind gegangen. Ich kann dumpf meinen Namen durch die Lautsprecher hören. "Unfortunately your luggage did not arrive!" "Shit!", dachte ich mir und mache mich mit meinem verranzten Kapuzenpulli und langen, durchgeschwitzten Jeans auf dem Weg... bei 30 Grad. Ich komme im Hostel an - ich muss mein Bett selbst beziehen, was generell kein Problem ist, jedoch musste ich mir die Matratze ansehen, auf der ich diese Nacht schlafen muss. Da schauen manche Matratzen auf dem Wertstoffhof besser aus... aber die Müdigkeit überwiegt und ich lege mich schlafen und hoffe, dass ich nicht von Bettwanzen gestochen werde.

 

Der Start war also eher suboptimal! Mal wieder kommen Zweifel auf, ob das Ganze wirklich das Richtige ist. Wiedermal erinnere ich mich an die positiven Ereignisse, duschte mich und zog mich an. Also die gleichen Klamotten wie davor, da mein Rucksack ja noch nicht da war, aber hilft ja nichts. Schnell habe ich neue Leute im Hostel kennengelernt und wir machten uns auf dem Weg zum Zuckerhut. Es war gut raus zu kommen und die Meeresluft zu riechen. Wir sind auf den Berg hochgelaufen und haben dann die Gondel zum zweiten Gipfel genommen. Und als ich dann dort oben stand, mit dem Blick über ganz Rio de Janeiro, die Favelas im Hintergrund und den geankerten Booten an der Küste, den hügeligen Berglandschaften und der weltberühmten Copacabana, wo sich unzählige Leute befinden, die Fußball spielen und Caipis schlürfen, war ich schon wieder gut drauf.

 

  • ENERGY Traveller Chris in Rio de Janeiro (Brasilien)
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  • ENERGY Traveller Chris in Rio de Janeiro (Brasilien)
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Rio de Janeiro hat unglaublich viel zu bieten. Gefühlt kann man hier jeden Tag feiern gehen, täglich eine andere Attraktion besichtigen oder durch ein anderes, angesagtes Viertel spazieren. Ich bin jetzt schon seit einigen Tagen hier und ich habe nicht annähernd das Gefühl, dass ich alles gesehen habe. Rio pulsiert Tag und Nacht. Ich besichtige die Jesus Statue, laufe durch die verschiedenen Stadtteile und komme einfach mit den Locals ins Gespräch. Die Südamerikaner taugen mir sehr - sie sind sehr offen und extrem hilfsbereit und ich bin auch froh, dass ich nicht sofort als Tourist wahrgenommen werde, wie es in Afrika allein wegen meiner Hautfarbe der Fall war. Ich verbringe viel Zeit am Strand und versuche in Südamerika anzukommen. Nach über einer Woche hier in der riesigen Stadt, habe ich aber das Gefühl, dass ich langsam wieder in die Natur muss. Es ist einfach ein neue, andere Welt, in der ich mich gerade befinde und ich bin gespannt, was die nächsten Wochen noch für mich bereits halten...


33: Paraty (BRasilien) - A Natural Playground

Nach der langen Zeit in Rio bin ich mittlerweile froh, wieder in einer kleineren Stadt zu sein, wo ein wenig Ruhe einkehrt. Die Zeit in der Großstadt war zwar sehr cool, doch der ständige Lärmpegel, die wilden Partys und das ganze Gewusel ist dann auf Dauer doch recht anstrengend.

 

Paraty ist eine kleine Kolonialstadt. Ruhig gelegen und direkt am Meer. Die Straßen sind gepflastert und Gitarristen sitzen am Straßenrand und spielen entspannende Musik zum Sonnenuntergang. Also perfekt, um mal wieder etwas runterzufahren und die Sonne zu genießen.

 

Ich will möglichst schnell wieder raus in die Natur und fahre mit dem Bus ins Hinterland. Die Gegend ist ziemlich cool, der Dschungel ist dicht, die Luftfeuchtigkeit hoch und man schwitzt permanent. Jedoch gibt es genügend Flüsse und Wasserfälle, an denen man sich regelmäßig abkühlen kann. Als ich so durch den Dschungel laufe, höre ich auf einmal einige Leute ziemlich laut lachen im Wald und mache mich logischerweise auf den Weg dorthin. Was ich vorfinde, ist wohl jedermanns Kindheitstraum. Ein sonniger Flussabschnitt mit Wasserfall, einer Ausbuchtung zum Baden und einer langen bewässerten Felswand, die als natürliche Steinrutsche für die Kinder dient - quasi ein gratis Freizeitbad. Ziemlich fett auf jeden Fall. Den ganzen Tag habe ich mit 12-jährigen Kiddies verbracht, bin mindestens 30 Mal die Steinrutsche runtergerutscht und hab mir richtig schön die Sonne auf den Bauch scheinen lassen. Ich hab mich sehr an meine Kindheit zurückerinnern müssen.

 

Im Hostel lerne ich weitere sehr nette Traveller kennen. Damit wir die Gegend noch weiter erkunden können, haben wir eine Bootstour unternommen. Was mir hier in Brasilien generell auffällt, ist, dass viele Brasilianer hier auch innerhalb ihres Landes Urlaub zu machen. Das taugt mir sehr, da ich einen guten Eindruck über die Kultur und Politik hier in Südamerika erfahre. Die Bootsfahrt ist der Hammer... die Küstenlandschaft ist gespickt mit kleinen Inseln, die wild vom dichten Dschungel bewachsen sind. Wir liegen alle auf dem Dach des Bootes, der Fahrtwind bläst uns um die Ohren und wir genießen die Sonne. Wir fahren verschiedene Inseln und Strände an, springen von dem Boot ins Wasser, klettern auf Klippen, essen Fisch und gönnen uns den einen oder anderen Caipirinha. Was will man mehr!

 

Obwohl Paraty eine kleine Stadt ist, ist hier abends trotzdem einiges los. In den Bars und Restaurants ist überall Musik zu hören. Die Leute tanzen auf dem Gehsteig Samba und Forró und es macht mega Laune sich einfach nur einen Drink zu bestellen und den rhythmischen Tänzen der Brasilianer zuzuschauen... Ich muss neidlos anerkennen, dass die Jungs und Mädels hier das Tanzen einfach im Blut haben. In diesem Fall bin ich sehr froh ein Mann zu sein, da ich die Frauen zum Tanzen auffordern muss. Sprich: Ich kann mich ganz gut vor der Blamage auf dem Dancefloor drücken.

 

Wie ihr seht, ist es hier sehr entspannt und ich bin froh, dass ich einige Tage in Paraty verbracht habe. Doch so langsam hab ich schon wieder Bock auf ein wenig mehr Action. Im Gespräch mit den Locals höre ich immer wieder, dass es im Landesinneren eine Region gibt, die sich Pantanal schimpft. Eine Art Dschungel-Sumpflandschaft, wie in den Everglades in Florida. Nur zehn Mal größer und mit einer unglaublichen Tierwelt. Jaguare, Pumas und Krokodile sollen alle dort vorzufinden sein. Ich bin sofort angefixt und recherchiere am gleichen Abend noch, wie ich dort hinkomme. Tatsächlich ist es auf der Karte nicht weit entfernt, dennoch brauche ich circa 15 Stunden mit dem Bus dort hin. Aber gut... Ich hab ja Zeit. Also ab ins Pantanal!

 

  • ENERGY Traveller Chris in Paraty (Brasilien)
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34: Pantanal - Auf der Suche nach dem Jaguar

Pantanal - eine Dschungel-Sumpflandschaft weit im Landesinneren Brasiliens. Nach 20 Stunden im Bus bin ich endlich in der Jungle Lodge mitten im Nirgendwo angekommen. Die Lodge liegt direkt am Fluss Miranda.

 

Ich treffe mich mit Gil, der bereits seit einigen Jahrzehnten mit seinem Reisebüro Pantanal Discovery täglich Touren in den Dschungel organisiert und mit mir in den nächsten Tagen die Landschaft und die Tierwelt von Pantanal erkunden wird. Er hat bereits Transfers und einige Aktivitäten für mich rausgesucht und eines ist sicher: es wird nicht langweilig. Die Region ist dafür bekannt, dass es dort den majestätischen Jaguar gibt, den ich natürlich unbedingt in der freien Wildbahn antreffen möchte. Gil stellt mir Paulo vor, mein persönlicher Guide für die nächsten Tage. Paulo redet nicht besonders viel. Er kommt aus einer indigenen Familie 1,5 Tage Flussaufwärts (so hat er mir es zumindest beschrieben). Er trägt einen Cowboyhut, hat stets eine Machete in der Hose stecken und ist gerade heraus.

 

Als ich ihn in der Lodge antreffe, gab er mir einen kräftigen Händedruck. Im Vergleich zu seiner Hand, sah meine aus, wie die Hand eines Kindes. Außerdem fiel mir auf, dass ihm ein Finger fehlt und ein weiterer Finger sehr ramponiert aussah. Ich hab mich aber nicht getraut zu fragen, was da passiert ist. Obwohl Paulo eher einer der Ruhigeren ist, mag ich ihn irgendwie - vermutlich weil er ein authentischer und einfach gestrickter Typ ist.

 

Die Tage hier im Pantanal sind sehr lang. Um 6 Uhr morgens gibt es bereits Frühstück und um 7 Uhr sitzen wir im Boot und machen uns auf den Weg, die Gegend zu erkunden. Wir unternehmen eine Bootssafari und meine Augen sind weit aufgerissen, da ich versuche den gepunkteten Jaguar zu erspähen. Nach einigen Minuten hält Paulo an und ich schau mich ganz aufgeregt um und sehe auch einige Wasserschweine, die wie erstarrt am Flussufer stehen. Wir fahren weiter und erspähen viele weitere Tiere: Alligatoren, Riesenotter, Tucane, Geier, Papageien und zahlreiche weitere extrem farbenfrohe Tiere - nur leider keinen Jaguar.

 

In den folgenden Tagen haben wir jede freie Minute in der Wildnis verbracht. Wir waren fischen, Kanu fahren, haben Safaris auf Wasser und auf Land gemacht, waren zu Fuß und mit dem Jeep unterwegs. Die Landschaft ist einzigartig, es ist alles extrem grün, wild bewachsen und sprüht vor Leben. Insbesondere die Vögel stechen hier besonders heraus. Ein farbenfroher und exotischer Vogel reiht sich nach dem anderen und ich komme aus dem Schauen gar nicht raus.

 

Ein weiteres Highlight, welches auf mich wartete, war der Besuch einer Pferderanche, auf der Paulo vor einigen Jahren noch gearbeitet hat. Er wollte mir die Sumpfgegend, die wir weder mit dem Jeep noch mit dem Boot erreichen können, mit dem Pferd zeigen. Um alle Sicherheits- und Hygienebedingungen zu erfüllen, um den Ausritt mitmachen zu dürfen, habe ich entsprechend ein sehr stylisches Outfit verpasst bekommen. Nachdem ich ausgestattet war, hat sich Paulo gekonnt auf sein Pferd geschwungen und es ging los. Idyllisch und fast schon kitschig sind wir dann dem Sonnenuntergang entgegen geritten. Ich habe zwar schon mal auf so einem Gaul gesessen, aber so ganz wohl fühle ich mich ja ehrlich gesagt dabei nicht. Die Tiere machen nie so richtig, was ich will und sobald das Pferd etwas schneller trabt, hab ich Angst jeden Moment runterzufallen. Paulo kann sich hin und wieder ein Schmunzeln nicht verkneifen, versucht aber gefasst zu bleiben... wie ein richtiger Cowboy halt.

 

Leider ist morgen bereits mein letzter Tag hier im Pantanal. Ursprünglich bin ich ja wegen des Jaguars hier hergekommen, den wir zwar nicht gesehen haben, aber umso länger ich hier bin, umso mehr habe ich realisiert, dass der Jaguar leidlich das i-Tüpfelchen dieses Trips gewesen wäre. Das eigentliche Highlight ist hier nämlich die gesamte Artenvielfalt dieser Gegend. Ich sitze hier gerade auf der Terrasse am Ufer des Flusses, sehe wie Alligatoren im Fluss ihre Kreise ziehen, gegenüber Brüllaffen von Ast zu Ast springen - alle paar Minuten Adler, Papageien oder Tucane über mich hinwegfliegen. Den Jaguar muss ich dann wohl einfach beim nächsten Mal begutachten... weil das letzte Mal war ich hier vermutlich nicht.

 

  • ENERGY Traveller Chris im Pantanal (Brasilien)
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35: Bonito - Ecotourism as its best

 

Grotten, Wasserfälle, Schnorcheln und die klarsten Flüsse, die ich je in meinem Leben gesehen habe. Welcome to Bonito!

 

Während meiner Zeit hier im Landesinneren habe ich so oft von diesem Ort gehört, weshalb ich mir unbedingt selbst ein Bild von Bonito machen musste. Das kleine Städtchen an der bolivianischen Grenze hat nämlich einiges zu bieten. Nach meiner Zeit im abgelegenen Pantanal ist es schön endlich wieder Bars und Cafés zu haben und andere Leute auf der Straße anzutreffen.

 

Relativ schnell habe ich gecheckt, dass hier die Dinge etwas anders laufen. Es wird hier nämlich extrem auf Nachhaltigkeit und Naturfreundlichkeit geschaut. Folglich ist es schwierig, hier etwas auf eigene Faust zu unternehmen, da jegliche Aktivität und jedes Naturschauspiel nur mit einem Guide erkundet werden kann. Dafür sind die Orte jedoch nie überlaufen und man hat immer eine tolles und einmaliges Erlebnis. Ich find's auf jeden Fall top!

 

Obwohl ich schon sehr verwöhnt vom Schnorcheln in Afrika bin, habe ich mich entschlossen eine Schnorcheltour hier in Bonito zu buchen. Ich habe mich nur gefragt: Wieso soll man hier schnorcheln gehen? Ich mein, es gibt nur Flüsse und die paar Fische dort werden jetzt so spektakulär auch nicht sein. Es werden hier jetzt keine Haie oder Rochen rumschwimmen, aber ich hab mich einfach mal drauf eingelassen.

 

Wir sind raus auf's Land gefahren und nach circa 30 Minuten an einem alten Hof angekommen. Dort hat uns bereits ein Guide begrüßt und uns gleich gebeten weder Insektenschutz noch Sonnencreme aufzutragen, damit wir keine Rückstände im Wasser hinterlassen. Da wir einen Neoprenanzug bekommen haben, hat das dann auch gepasst. Dennoch war ich erstaunt, wie ernst man es hier mit dem Naturschutz nimmt... hätte ich hier in Südamerika jedenfalls nicht erwartet. Anschließend haben wir ein detailliertes Briefing bekommen, wie wir uns im Fluss verhalten sollen und dann ging es bereits los. Anfangs war das Ganze ehrlich gesagt etwas komisch, da ich mir wie ein Voll-Touri vorkam, dem man alles erklären muss. Aber jetzt im Nachhinein muss ich sagen, dass das alles vermutlich schon seine Daseinsberechtigung hat. Das Naturerlebnis, welches ich in Bonito hatte, war jedenfalls einmalig.

 

Nach einem 15 minütigen Fußmarsch durch den Dschungel waren wir am Fluss angekommen. Schon jetzt konnte ich sehen, dass das Wasser unglaublich klar war...also so etwas habe ich noch nie gesehen. Es war fast so, als wenn es sich nicht um Wasser handelt, sondern um eine andere Flüssigkeit. Die Fische waren in ihrer vollen Farbenpracht zu erkennen und als ich dann mein Kopf unter Wasser hielt, konnte ich nicht mehr aufhören Bilder zu machen. Jede Schuppe der Fische und die gesamte Umgebung war unheimlich detailgetreu zu erkennen. Ich war noch nie in einem Fluss schnorcheln, aber es ist echt cool, das man ja nicht schwimmen muss, sondern sich einfach ganz gechillt von der Strömung treiben lassen kann. Der Fluss verändert sich unter der Wasseroberfläche ständig, mal ist er tief, voller Fische und Steine, dann führt er mal an einer Quelle vorbei, die den Sand ständig aufwühlt, dann ist er mal ganz seicht und man muss aufpassen, dass man nicht in einem Stein oder Baumstamm hängen bleibt. Es war wie eine kleine Achterbahn durch die Natur und unerwartet spannend.

 

Bonito hat aber noch viel mehr zu bieten: Uralte Grotten, unzählige Wasserfälle im Dschungel, die zum Baden einladen, sowie verzweigte Höhlengänge, die man erkunden kann. Ich bin mir sicher, dass auch in einigen Jahrzehnten all diese Dinge hier noch unverändert vorhanden sein werden und von jedem von euch genau so erlebt werden können, wie ich es erlebt habe. Viel Spaß dabei!

 

Nach einigen Wochen hier in Brasilien, geht es nun weiter für mich über die Grenze nach Bolivien. Ich war vor einigen Jahren bereits dort und war damals schon von der Kultur und der extremen Natur begeistert. Ich melde mich dann nächste Woche direkt aus La Paz und wünsche euch bis dahin alles Gute! Cheers...

 

  • Unterwasser_Taucher
  • Unterwasser_Fische
  • Wald_Affe

35: La Paz (Bolivien) - In neuen Sphären

Neues Land, neues Glück! Nach der ausgelassenen Zeit im Dschungel und am Strand von Brasilien ist es nun an der Zeit, ein neues Land und gleichzeitig neue Sphären zu erkunden. Also habe ich mich auf den Weg nach La Paz gemacht. Nicht nur kulturell unterscheidet sich das Land extrem zu Brasilien, sondern auch landschaftlich hat sich einiges geändert.

 

Die Hauptstadt Boliviens liegt auf 3.700 Meter Höhe und entsprechend karg erscheint die Hauptstadt im ersten Augenblick. Bäume wachsen hier kaum mehr und auch die Sträucher und das Gras scheinen zu verblassen. Alle Häuser sind aus Backstein gebaut und wurden nicht verputzt, was im ersten Moment extrem komisch aussieht, aber irgendwie passt es zur gesamten Umgebung. Allein die Ankunft in der Stadt ist schon sensationell. Der Bus fährt von der Hocheben in ein Tal, welches komplett mit Häusern zugebaut ist. Wie ein Fluss aus Häusern schlängelt sich die Stadt das Tal hinab, im Hintergrund sind verschneite Berggipfel zu sehen, der Großteil der Bewohner sind traditionell gekleidet, Verkaufs- und Essensstände gibt es an jeder Ecke und ich habe das Gefühl, dass es hier einiges zu entdecken gibt.

 

Wenn ich hier durch das Stadtzentrum laufe, fallen mir als erstes die zahlreichen verschiedenen Gondeln auf, die hier durch die Gegend "fliegen". Natürlich will ich sofort mit den Gondeln, die hier scheinbar die U-Bahn ersetzen, die Stadt erkunden. Allein die Aussicht auf die Stadt ist sensationell, wenn ich hier über die Stadt schwebe. Bisher mein absolutes Lieblingstransportmittel.

 

Es macht richtig Spaß durch La Paz zu schlendern, da die Stadt einfach nur authentisch ist. Klar, sie ist jetzt nicht sonderlich hübsch oder farbenfroh, dennoch merkt man sofort, das Traditionen und Kultur hier einen sehr hohen Stellenwert haben. Viele Bewohner laufen in der bolivianischen Tracht durch die Gegend, regelmäßig finden religiöse Feste statt und an jeder Ecke gibt es etwas Neues zu erkunden. Am zweiten Tag hier in La Paz ist mir beispielsweise aufgefallen, dass an vielen kleinen Verkaufsständen getrocknete Lamaföten hängen, was mich einerseits etwas verstört, aber gleichzeitig auch neugierig macht. Entsprechend habe ich einer der Verkäuferinnen gefragt, weshalb sie denn diese toten Tiere verkauft. Scheinbar handelt es sich hierbei um einen Kult, der besagt, das diese Föten Glück und Wohlstand bringen, falls man diese bei sich zu Hause vergräbt. "Ahhhh ja", denke ich mir und laufe etwas verlegen weiter, da ich nicht wusste, wie ich dieses Gespräch weiterführen soll.

 

  • ENERGY Traveller Chris in Bolivien
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  • ENERGY Traveller Chris in Bolivien
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Nach einigen Tagen in der Stadt muss ich langsam mal raus, da ich die Berge die ganze Zeit in Sicht habe und jetzt auch endlich mal auf einen hoch möchte. Innerhalb von einer Stunde bin ich mit einem Minibus fast auf dem Gipfel des Chacaltaya gefahren. Nach einer weiteren Stunde Fußmarsch befinde ich mich dann auch schon auf dem Gipfel des Berges mit einem unglaublichen Blick auf die Stadt. Ich war noch nie in meinem Leben so hoch auf dem Berg - 5.421 Meter! Das atmen fällt einem auf jeden Fall schon schwerer, aber der Blick auf die Landschaft und auf La Paz ist das auf jeden Fall wert.

 

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Ein weiteres absolutes Highlight hier in La Paz ist die weltberühmte Todesstraße, der "Camino de la Muerte"! Bis 2007 handelte es sich um einen Pass, der für den normalen Straßenverkehr zugelassen war. Die Straße beginnt im bolivianischen Dschungel auf 1.300 Meter und schlängelt sich bis in das Hochgebirge auf über 4.500 Meter. Aufgrund der zahlreichen Todesfälle wurde die Straße zur "Death Road" erklärt. Mittlerweile wurde jedoch eine sichere Umfahrungsroute gebaut. Da die Death Road für den normalen Straßenverkehr mittlerweile gesperrt ist, kann man nun den alten Bergpass mit den Bike herunterfahren. Da wollte ich mich natürlich auch nicht lumpen lassen und habe eine Tour bei einer der zahlreichen Veranstalter gebucht. Morgens um 8 Uhr befinde ich mich auf dem höchsten Punkt des Passes. Helm und Schoner sind angezogen, mein Bike auf mich eingestellt und ich hab einfach nur Bock 40 Kilometer die Death Road runterzuheizen. Die ersten Kilometer sind noch auf der asphaltierten Straße und wir lassen es richtig laufen. Wir überholen viele andere Biker und Lastwagen, bevor es dann auf die richtige Death Road geht. Es ist faszinierend, wie schnell sich die Umgebung verändert. Wir fahren von den schroffen, grauen Bergen immer tiefer in den dichten und grünen Dschungel. Auf dem Weg radeln wir durch einige Wasserfälle und Flüsse und es wird alle paar hundert Höhenmeter heißer und heißer. Nach vier Stunden biken sind wir dann im Tal angekommen. Mir ist heiß, ich bin mit Dreck übersät, meine Hände schmerzen vom bremsen und meine Schuhe sind nass vom Fluss. 

 

Ihr seht also, die Death Road ist nicht nur ein Tag voller Action, sondern auch ein absolutes Naturerlebnis. Also schwingt eure Hintern nach Bolivien und gib ihm!

 

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36: Huayna Potosi (Bolivien) - Ein Berg, der mir den Atem raubt

Letzte Woche ging einer meiner Lebensträume in Erfüllung - mal wieder. Ich sitze hier gerade, schreibe diesen Text, meine Füße tun weh und sind mit Blasen übersät. Ich habe einen Muskelkater am ganzen Körper und bin froh, endlich wieder normal atmen zu können. Das hört sich jetzt alles erstmal wie eine Folter an, aber trotz all dieser Dinge bin ich vermutlich gerade einer der glücklichsten Menschen auf dieser Erde.

 

Einer der Hauptgründe wieso ich Bolivien - und später dann hoffentlich auch Peru - bereisen möchte, sind die Anden. Ich bin ein Bergmensch und jedes Mal, wenn ich mich in die Natur begebe und einen Gipfel besteige, fühle ich mich unglaublich gut dabei. Bevor ich nach La Paz kam, wusste ich bereits, dass es hier relativ einfache 6.000er gibt, die man sehr kostengünstig und einfach besteigen kann. Sprich: Das Geld sollte in diesem Fall nicht das Problem sein, wie es beispielsweise in Tansania beim Kilimanjaro der Fall war.

 

Dennoch weiß ich, dass man einen Berg niemals unterschätzen darf und rüste mich entsprechend mit sehr warmen Klamotten und der nötigen Ausstattung aus und mach mich auf dem Weg zum Fuße des Huayna Potosi. Laut meines Bergführers dauert der Aufstieg drei Tage, wobei der erste Tag zur Akklimatisierung und Orientierung gedacht ist.

 

Wir fahren mit unserem Jeep zum Base Camp und beziehen unsere einfach Hütte. Es ist bereits sehr kalt und die Fingerspitzen sind nach kurzer Zeit an der kalten Luft schon ein bisschen taub. Nach einem kurzen Snack und einer unglaublich geilen heißen Tasse Tee, geht es dann auch schon zur erste Akklimatisierungstour zum Gletscher, wo wir unser gesamtes Material nochmals durchgehen und checken. Wir besprechen die wichtigsten Sachen, wie man in der Seilschaft zu gehen hat, für was der Eispickel gedacht ist und wie man richtig mit den Steigeisen läuft. Danach wurde es schon ernst und ich durfte unter Beweis stellen, ob ich alles verstanden habe. Wir liefen los, über kleine Gletscherspalten, vor uns der massive Huayna Potosi und im Rücken ein Panorama, aufgrund welches ich mich alle fünf Minuten umdrehen musste. Nach einer kurzen Wanderung stehen wir plötzlich vor einem circa 20 Meter tiefen Abgrund. Odi, mein Bergführer, lächelt mich an und packt sein Seil aus. Er bohrt eine Eisschraube in den Boden, befestigt das eine Ende des Seils an seinem Klettergurt, zieht es durch den Karabiner an der Eisschraube und drückt mir das andere Ende in die Hand und meinte trocken: :You told me that you have already climbed - so tie the rope to your harnest." Manchmal ist es halt dann doch besser, wenn man hin und wieder einfach mal die Fresse hält und nicht immer gleich großkotzig rumlabert, was man denn schon alles so in seinem Leben gemacht hat. Naja... nach einigen Minuten habe ich das Seil an meinem Klettergurt festgeknotet und Odi seilte mich ab. Die Steigeisen kratzen an der Eiswand entlang, in der einen Hand der Eispickel, in der anderen Hand das Seil! Ich kam mir vor wie Reinhold Messner. Nachdem wir die Wand dann wieder hochgeklettert und zurück ins Basislager sind, war ich eher verunsichert, was denn da oben alles auf mich zukommt und fing an etwas zu zweifeln, ob ich es wirklich schaffen werde, den Gipfel zu besteigen.

 

Am nächsten Tag packten wir unser komplettes Material, welches wir selbst zum High Camp tragen mussten. Das Camp befindet sich auf 5.150 Meter und ich bemerkte schnell, dass sich die Lunge nicht mehr hundertprozentig mit Sauerstoff füllt, wenn ich einatme. Mit jedem Höhenmeter wird der Backpack schwerer und der Respekt vor dem letzten Tag wuchs weiter und weiter. Fokussiert setze ich einfach nur einen Fuß nach dem anderen und am frühen Nachmittag war dann endlich die letzte Etappe vor dem Gipfelversuch geschafft. Als ich meinen Rucksack befreiend ablege und mich umdrehe, kann ich meinen Augen kaum trauen. Gefühlt nahm ich mit dem Backpack auch gleichzeitig meine Scheuklappen ab und konnte endlich das unglaubliche Bergpanorama um mich herum wahrnehmen.

 

Nachdem langsam die Dunkelheit hereinbricht und die funkelnden Sterne am Himmel zu sehen sind, begeben wir uns ins Bett. Es ist zwar erst 18 Uhr, aber um 0 Uhr klingelt ja schon der Wecker, damit wir dann hoffentlich pünktlich zum Sonnenaufgang am Gipfel stehen. Wie ihr euch vorstellen könnt, habe ich keine Sekunde geschlafen. Ich liege wach im Bett und bin einfach zu aufgeregt und wollte jetzt endlich auf diesen blöden Gipfel. Nachdem ich sechs Stunden im Bett verweilt habe, klingelt endlich der Wecker und wir machen uns fertig, um loszulaufen. Die Stirnlampen leuchten, das Seil sitzt am Klettergurt, die Spitzen der Steigeisen bohren sich ins Eis - Schritt für Schritt. Wir gehen langsam, da wir unseren Puls möglichst niedrig halten möchten, was aufgrund des mangelnden Sauerstoffs nicht besonders leicht ist. Es ist Vollmond und wir können immer noch das Panorama um uns herum erahnen. In der Entfernung sind die Lichter von La Paz zu sehen und ich laufe mit einem breiten Grinsen meinem Guide hinterher.

 

Nach vier Stunden kommen uns die ersten Seilschaften entgegen, die aufgrund der Kälte, des mangelnden Sauerstoffs oder einfach wegen der körperlichen Erschöpfung umdrehen müssen. Ich fühle mich jedoch gut und nach einer weiteren Stunde sind wir bereits am Gipfelhang. Die letzten 100 Höhenmeter... Es ist steil, aber ich kann den Gipfel bereits sehen und keine zehn Pferde können mich jetzt noch zurückhalten diesen allerletzten Hang in Angriff zu nehmen. Für die letzten 100 Höhenmeter haben wir fast eine Stunde benötigt - jeder Schritt ist anstrengend und ich konzentriere mich einfach nur, gleichmäßig zu atmen und einen Schritt nach dem anderen zu setzen. Langsam merke ich, wie die aufgehende Sonne, die mein kaltes Gesicht wärmt, mir nochmals Kraft gibt die letzten Meter zum Gipfel zu steigen.

 

Und da stand ich, auf 6.088 Meter - vor mir einer der schönsten Sonnenaufgänge, die ich je gesehen habe und voller Glücksgefühle reiße ich die Arme in die Höhe, umarme meinen Guide und kann kaum glauben, wo ich mich gerade befinde und was ich gerade erlebe. Das Panorama ist einfach nur atemberaubend, und das nicht nur wegen des mangelnden Sauserstoffs. Alle andere Berge schauen plötzlich so klein aus, im Hintergrund ein Meer aus Wolken, durch welches sich in diesem Moment die Sonne ihren Weg bahnt. Unglaublich!

 

Auch wenn ich zahlreiche Blasen an meinen Füßen, leichte Erfrierungen vom fotografieren an den Händen und einen heftigen Muskelkater habe, würde ich diese Tour sofort wieder machen. Es war einer dieser Dinge, die ich mein Leben lang nicht vergessen werde und das sind genau diese Moment, wieso ich auf Reisen bin. Also auf zum nächsten Abenteuer!

 

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37: Rurrenabaque (Bolivien) - Meine Begegnung mit dem Alligator

Nachdem mein Muskelkater endlich nachlässt und die Blasen von meiner Bergtour langsam aber sicher verheilen, bin ich bereit für das nächste Abenteuer. Denn Bolivien hat mehr zu bieten als nur Berge - entsprechend hab ich mich in das nächste Propellerflugzeug gesetzt und bin mitten in den bolivianischen Dschungel geflogen.

 

Ich stiege aus dem Flieger aus, mit meiner Daunenjacke, langen Jeans und Mütze und war kurz davor zu sterben. Es war einfach nur heiß und es ist kaum zu glauben, wie krass sich das Klima während eines 30-minütigen Fluges ändern kann. Rurrenabaque ist ein kleines verschlafenes Dorf, welches der Ausgangspunkt jeglicher Dschungeltour ist. Nach einem kurzen Aufenthalt im Dorf, um nochmals wichtige Besorgungen (wie zum Beispiel Klopapier) für den Dschungeltrip zu machen, ging es am folgenden Morgen los, um die Tierwelt und die Natur Boliviens weiter zu erforschen.

 

Ein Jeep holte mich vom Hostel ab und wir fuhren drei Stunden lang auf holprigen und einsamen Straßen, bevor wir ein kleines Boot erreichten, welches mich in weiteren drei Stunden in eine einsame Hütte im dichten Regenwald brachte. Bereits der Weg zur Hütte war schon ziemlich cool. Alle paar hundert Meter entdeckten wir exotische Vögel, unzählige Schildkröten, Wasserschweine und sogar Delfine. Ja, richtig gehört - es gibt hier tatsächlich Delfine im Fluss - in einem Land, wo es kein Meer gibt. Ich musste auch erstmal googlen als ich wieder Internet hatte. Es handelt sich um sogenannte amazonische Flussdelfine, die es nur hier und im Südwesten Brasiliens gibt. Wie gesagt, ziemlich cool auf jeden Fall!

 

Aber neben Flussdelfinen und Wasserschweinen gibt es hier noch einige andere Tiere im Fluss. Ich glaube, ich habe in den drei Tagen im Dschungel noch nie so viele und vor allem so große Alligatoren gesehen. Bis zu vier Meter lang, liegen sie am Ufer oder lauern einfach nur unter der Wasseroberfläche. Ziemlich angsteinflößend und beeindruckend zugleich. Zudem gibt es noch unzählige Piranhas im Wasser. Wir sind am zweiten Tag fischen gegangen und haben mit kleinen Fleischködern über zehn Piranhas innerhalb einer Stunde rausgezogen. Wie ihr euch vorstellen könnt, hatte ich also nicht unbedingt das Verlangen am Abend meine Füße ins kalte Wasser zu halten.

 

  • ENERGY Traveller Chris in Rurrenabaque (Bolivien)
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Aber am nächsten Tag gab es dann eine kleine Überraschung für mich. Wie gewohnt fahren wir morgens mit unserem Boot raus und nach einigen Minuten haben wir wieder unsere Freunde, die Flussdelfine getroffen. Unser Guide schaute uns an und meinte: "Jump into the water". Ich mein, es wär ja schon cool mit den Delfinen hier im Fluss zu schwimmen, aber am Rand liegen halt immer noch die Alligatoren und seit gestern weiß ich auch, wie viele Piranhas hier so rumschwimmen. Nachdem ich gefühlt 25 Mal gefragt habe, ob es wirklich sicher sei und nichts passieren kann, habe ich dann bis auf die Boxershorts blank gezogen, meinen Mut zusammengenommen und bin ins Wasser gesprungen. Man muss dazu sagen, dass der Fluss extrem braun und dreckig ist und man eine Sichtweite von null...cero...niente hat. Entsprechend ist es dann schon ein komisches Gefühl, wenn du im komplett braunen Amazonas badest und keine Ahnung hast, was um dich so rumschwimmt. Aber ich muss sagen, anfangs war alles cool. Die Delfine umkreisten uns, die Alligatoren lagen immer noch unbeeindruckt am Ufer und nach fünf Minuten konnte ich immer noch keine Piranhas an meinen Füßen spüren. Die Delfine spritzten immer wieder Wasser in die Luft und kamen sehr nahe zu uns. Aufgrund des Wassers wussten wir nie, wo der Delfin als nächstes auftaucht. Aber andererseits ließ mich der Gedanke nicht los, dass ich jeden Moment auf so einen Alligator unter Wasser steigen könnte. Doch dann plötzlich bemerkte ich, dass die Alligatoren, die vorher noch am Ufer gechillt haben, nicht mehr da sind. Fuck! Wo sind die hin? Ich schau zu meinem Guide, der nach wie vor im Boot sitzt und fragte erneut, ob es wirklich sicher sei, was wir hier machen! "Tranquillo amigo", meinte er. Als dann aber circa fünf Meter von mir entfernt ein fetter Alligator auftauchte und rechts an mir vorbeischwamm, war bei mir gar nix mehr tranquillo. Da war es nämlich vorbei für mich. Ich mein, diese Dinger sind einfach nur massiv und angsteinflößend und ich konnte die Situation zu diesem Zeitpunkt nicht hundertprozentig einschätzen. Der Alligator interessierte sich zwar tatsächlich kein Stück für mich, aber ich wollte ehrlich gesagt nur noch zurück ins Boot. Ich versuchte möglichst leise und ohne Aufregung Richtung Boot zu schwimmen und nach einigen Minuten saß ich dann endlich wieder gesund und wohlauf im Boot. Boah... ich sag's euch! Ich war ja schon mit Haien schwimmen, aber das hier konnte ich nicht ansatzweise genießen. Für mich sind Alligatoren einfach nochmals unberechenbarer als Haie und entsprechend brauche ich diese Erfahrung wirklich kein zweites Mal haben.

 

Mittlerweile bin ich wieder zurück in La Paz und mache mir Gedanken über die weitere Reiseroute. Als nächstes steht Peru auf dem Programm und ich denke, niemand darf behaupten, dass er in Peru war, wenn er nicht die weltberühmte Inkastadt Machu Picchu besichtigt hat. Also auf geht’s...


38: Cusco (Peru) - Auf den Spuren der Inka

Nach fast zwei Monaten hier in Südamerika betrete ich bereits das dritte Land auf diesem Kontinent. Angekommen in Peru, fällt einem sofort auf, dass es hier doch schon etwas touristischer zugeht - aber das hat auch seine Gründe. Das absolute Highlight hier in Cusco bzw. in ganz Peru ist vermutlich die verborgene Inkastadt Machu Picchu, was übrigens übersetzt so viel heißt wie "der alte Berg". Allerdings wollte ich da jetzt nicht einfach nur mit dem Auto hinfahren und mir die Ruinen mit tausenden von anderen Touris anschauen, sondern schon irgendwie ein bisschen in die mystische Gegend eintauchen und etwas mehr von der Inkakultur erfahren. Entsprechend habe ich mich dazu entschlossen, mich einer mehrtägigen Wanderungen anzuschließen, die durch die verschiedenen Täler der Anden verlaufen und die alten Pfade der Inkas wiederbeleben.

 

Wir starteten früh morgens mit dem Auto in Richtung Salkantay, einer der höchsten Berge in Peru. Unser erstes Camp soll am Fuße des Berges liegen und unser Guide Edson (wir durften ihn auch "King of the mountains" nennen) meinte, dass wir warme Kleidung mitnehmen sollen, da es uns ansonsten in der Nacht den Hintern wegfriert.

 

Den Rucksack voll gepackt mit warmen Klamotten, sind wir mit dem Bus zunächst einige Stunden in die Berge gefahren, bis die Straße endete. Dort wartete bereits unser Eseltreiber Julio, der uns einen Teil unseres Gepäcks abnahm und es zusammen mit den Nahrungsmitteln und Kochequipment auf die Esel packte. Anschließend machten wir uns auf den Weg, um unser gemeinsames Ziel in den Bergen des heiligen Inka-Tales zu erreichen.

 

Die ersten Tage hatten wir etwas Pech mit dem Wetter und Edson hatte Recht, was die Temperaturen anging. Am Abend saßen wir zusammen in einfachen Holzhütten und tranken mit beiden Händen unseren heißen Coca-Tee. Der eigene Atem war in der Stirnlampe zu sehen und jeder rückte noch etwas näher zum Nachbarn, damit es etwas wärmer wird. Neben Edson und unserem Eseltreiber waren noch zwei Köche dabei, die uns jeden Tag mit sensationellem Essen versorgten - für mich waren das die eigentlichen Helden der gesamten Reise. Sie haben uns wirklich von Anfang bis Ende mit heißen, köstlichen Suppen und Mahlzeiten verwöhnt. Manchmal komm ich mir ja schon ein bisschen blöd vor, wenn ich als kleiner verwöhnter Europäer in der Hütte sitze, der Koch mir mein Essen serviert und der Eseltreiber mir mit einem Lächeln mein Gepäck abnimmt. All diese Männer haben Familie zuhause, die sie für die nächsten Tage nicht sehen werden, um sich hier ein paar Euro dazuzuverdienen. Da es mir irgendwie ein komisches Gefühl gab, hab ich immer überall ein bisschen mitgeholfen (Geschirr wegräumen, Esel packen, etc.), damit ich mir nicht ganz so blöd vorkam. Bei dieser Gelegenheit bekam ich auch ein bisschen einen Einblick in die einzelnen Leben der einfachen Leute, die uns auf dieser Wanderung begleitet haben. Auch wenn die Peruaner anfangs etwas verschlossen sind, lassen sie einem gerne an ihrem Leben teilhaben, wenn man etwas Zeit mit ihnen verbringt und hin und wieder ein gemeinsames Feierabendbier zusammen trinkt - und das kann ich ja ganz gut! ;-)

 

Die Nächte waren sehr kurz - der Wecker klingelte täglich gegen 4:30 Uhr. Ich kroch widerwillig aus meinem Schlafsack, da es insbesondere in den ersten Nächten sehr kalt war. Im Morgengrauen haben uns die Jungs dann bereits das Frühstück serviert und gestärkt starteten wir gemeinsam unseren Tag. Der gesamte Trek erinnerte mich ein bisschen an die Death Road in La Paz. In den ersten Tagen sind wir noch hoch oben in den Gebirgsketten gewandert, doch am dritten Tag befanden wir uns schon mitten im Dschungel von Peru. Die Natur hat sich permanent verändert und es war einfach nur ein Naturspektakel hier um den Salkantay bis hin zum Machu Picchu zu wandern.

 

Am vierten Tag konnten wir dann von dem gegenüberliegenden Berg bereits die Inkastätte sehen. Die Lage dieser ehemaligen Stadt ist wirklich imponierend. Umgeben von unzähligen, dschungelbewachsenen Bergen liegt sie eingebettet im Wald und ist auf dem ersten Blick kaum zu erkennen. Mit jedem Tag wuchs die Vorfreude, endlich Machu Picchu von Nahen und mit den eigenen Augen zu erkunden.

 

Mal wieder klingelte der Wecker um 4 Uhr und wir machten uns auf den Weg, damit wir als einer der ersten um 6 Uhr die Ruinen besichtigen können. Doch als wir ankamen, war nichts zu sehen! Der Hochnebel hatte die Stadt voll im Griff. Da bin ich nun fünf drecks Tage zu diesem speziellen und einzigartigen Ort gelaufen, hab mir halb den Arsch abgefroren, ein Haufen Geld ausgegeben und dann ist es neblig - euer ernst? Natürlich war es im ersten Moment enttäuschend, aber als dann Edson versuchte, uns ein bisschen aufzumuntern, indem er uns die zahlreichen Hintergründe zu den Inkas erklärte, verwehte der Nebel und wir hatten einen Blick über die ganze Stadt. Im selben Moment spitzelte die Sonne über die Bergkette und löste den restlichten Hochnebel auf. Ein magischer und mystischer Moment zugleich. Einige Nebelschwaden zogen noch immer durch die historischen Ruinen der Inka-Tempel und wir standen am höchsten Punkt und konnten das Schauspiel mit unseren eigenen Augen betrachten. Ich verbrachte den ganzen Tag dort oben in den Ruinen und saugte die einzigartige Atmosphäre in mich auf und versuchte mich in die damalige Zeit hineinzuversetzen, als Machu Picchu noch von den Inkas bewohnt wurde.

 

Spät am Abend sind wir zurück in Cusco angekommen. Ich war froh, endlich wieder ein vernünftiges Bett zu haben und auszuschlafen. Ich bin super happy, dass ich diesen Trek und Machu Picchu erleben durfte. Normalerweise steh ich ja nicht so auf Ruinen, aber Machu Picchu ist wirklich speziell und kann ich nur empfehlen. So langsam muss ich aber wieder meine Sachen packen und werde mich in Richtung Lima aufmachen. Allerdings gibt es scheinbar auf dem Weg dorthin auch einiges zu entdecken - mal schauen, was da so auf mich zukommt.

 

39: Peru Hopping nach Lima

Wow - letzte Woche war einfach nur... Wow. Ich hatte ja keine Ahnung, was Peru alles zu bieten hat. Das war sicherlich einer der intensivsten Wochen hier in Südamerika und mittlerweile bin ich in Lima angekommen und bin einfach nur fix und fertig. Um ehrlich zu sein, wusste ich im Vorfeld nicht sonderlich viel über Peru. Machu Picchu im Süden, weiter oben irgendwo Lima und im Westen der Pazifik. Punkt. Entsprechend wollte ich nach Machu Picchu langsam Richtung Lima, wusste aber, dass es ein langer Weg ist und wollte entsprechend ein paar Zwischenstopps einplanen. Umso mehr ich dann aber recherchierte, umso länger wurde auch meine To-Do-Liste. Ich habe Peru ehrlich gesagt ganz schön unterschätzt.

 

Dadurch, dass meine Liste schon recht lang war und mit entsprechend vielen Busfahrten verbunden war, habe ich mich entschlossen, für die kommende Woche mit Peru Hop (https://www.peruhop.com) zu reisen. Für meinen Trip war es wie gemacht, da ich die meisten Orte, die ich besuchte, recht klein waren und ich mich nur kurz dort aufgehalten habe, um dann wieder in den Bus zu hoppen. Es war fast schon wie Urlaub, weil es einfach unkomplizierter ist und mich die Guides von Peru Hop sogar direkt vom Hostel abgeholt haben und ich mir dadurch auch die Taxifahrerei gespart habe. Richtiger Luxus also... Die Orga und Reiseplanung ist eh das, was mich mit am meisten nervt bei dieser ständigen Reiserer - schon echt anstrengend. Aber in den letzten Tagen konnte sich der feine Herr ja nicht beschweren. ;-)

 

Rainbow Mountains - Glücksbärchiwelt auf LSD
Naja, aber genug gejammert. Bevor es überhaupt los ging, wollte ich noch einen Abstecher zu den sogenannten Rainbow Mountains machen. Die Bergkette ist nur ein paar Stunden von Cusco entfernt und ist wirklich einen Ausflug wert. Ich verbringe ja wirklich viel Zeit in den Bergen, aber so etwas habe ich noch nie gesehen... auch wenn es schwierig ist vor lauter Touristen den Berg überhaupt zu sehen. Aber trotz der Scharen an Menschen sind die Farben und die gesamte Berglandschaft wirklich einzigartig und kann ich nur empfehlen. Die eigenen Gipfel strahlen aus allen möglichen Farben. Man könnte meinen, der Graffiti-Künstler Banksy hat hier mal wieder heimlich ein Kunstwerk in die Natur gezaubert. Ich lief hier jedenfalls den ganzen Tag mit einem Grinsen durch diese Glücksbärchiwelt und war mir nicht ganz sicher, ob mir vielleicht nicht doch jemand ein bisschen LSD ins Glas getan hat. Falls ihr es tatsächlich auch einmal dort hinschaffen solltet, dann macht auf jeden Fall einen kurzen Abstecher ins Red Valley. Dort sind kaum Leute und die Landschaft ist mindestens genauso schön. Aber seht selbst:

 

  • ENERGY Traveller Chris bei den Rainbow Mountains in Peru
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Calcon Canyon - Im Tal der Kondore
Steile Klippen, reißende Gewässer und kreisende Kondore in der Luft: Willkommen im Calcon Canyon. Der nächste Zwischenstopp auf meinem Weg nach Lima war Arequipa, von wo aus ich eine zweitägige Wanderung zum zweittiefsten Canyon der Welt unternommen habe. An manchen Stellen ist der Canyon 3.400 Meter tief... und ja, das ist viel. Die Wanderung durch diese beeindruckende Schlucht gepaart mit den größten Vögeln dieser Erde, den Kondoren, die regelmäßig zu sehen sind, war auf jeden Fall einen Abstecher war.

 

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Huacachina - Endlich wieder Skifahren
Der nächste Stopp auf meinem Trip war Huacachina. Mein persönliches Highlight. Bevor wir dort aber ankamen, haben wir mit Peru Hop noch einen Abstecher zu einer Aussichtsplattform gemacht, um die weltberühmten Nazca-Linien anzuschauen. Die zum Teil mehrere kilometerlangen Linien wurden vor den Inkas von der Paracas bzw. von der Nazca Kultur vermutlich für Rituale in Hinblick auf Wasser und Fruchtbarkeit in den Boden gegraben. Bis heute sind die Linien erhalten, was für mich wirklich unglaublich ist. Aber ich habe ja schon mal erwähnt, dass ich jetzt nicht so der Archäologe bin, sondern eher auf Action stehe und daher war Huacachina genau mein Ding. Hier konnte ich endlich den verpassten Winter in der Heimat etwas kompensieren und Skifahren gehen - halt nur nicht im Schnee, sondern im Sand. Als ich ankam, bin ich sofort zum ersten Skiverleih hier in der Oase, die am Rande der Ica Wüste liegt, gelaufen und hab mir schöne Dynastar-Ski ausgeliehen und bin mit meinem Skischuhen die nächst größere Düne hochgelaufen. Ich sag's euch, es ist einfach nur bizarr, wenn du auf dieser Düne stehst, vor dir der Abhang, deine Ski angeschnallt und du deine Schwünge in den Sand ziehst. Aber Laune hat es auf jeden Fall gemacht. Auch wenn ich nach der vierten Düne einfach nur fertig war, war es ein fantastischen Gefühl, endlich mal wieder auf den Skiern gestanden zu haben.

 

Datei Traveller_Summerskiing_Peru.mp4
Summer Skiing in Peru

Paracas - Small Galapagos
Ich habe gehört, dass die Ballestas Inseln bei Paracas die Galapagos Inseln für arme Leute sein sollen. Entsprechend wollte ich mir natürlich diesen Ort an der Küste auch nicht entgehen lassen. In meinen Peru Hop aufgesprungen, war ich zwei Stunden später aus der trockenen und heißen Wüsten entflohen und an der windigen und rauen Küste Paracas angekommen. Am nächsten Morgen ging's dann auch schon los. Ich glaube ich habe in meinem Leben noch nie so viele Vögel auf einem Haufen gesehen. Du siehst die riesigen Schwärme schon von mehreren Kilometern Entfernung und der Lärmpegel ist enorm wenn du erstmal bei den Inseln bist. Neben den zahlreichen Vögeln gibt es dort auch Pinguine und Seelöwen zu sehen, die fast schon für die Touristenboote posieren, sobald man ankommt.

 

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Bunte Bergketten, tiefe Schluchten, trockene Wüsten und raue Küsten - all das innerhalb von wenigen Tagen und Kilometern in Peru. Nach diesen actionreichen Tagen bin ich froh, dass ich nun in Lima angekommen bin und nun erstmal ein paar Tage ausspannen kann. Auch wenn der Süden von Peru recht touristisch ist, ist es unglaublich schön hier. Es kann hier extrem viel unternommen werden und die Gegend ist vermutlich einer der vielfältigsten auf dieser Erde. Um die ganzen Eindrücke der letzten Tage zu verarbeiten, hau ich mich jetzt erstmal an den Pool und lass mir ein bisschen die Sonne auf den Bauch scheinen - wir hören uns dann wieder nächste Woche.


 

 

Autor: 
kk--
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