ENERGY Traveller

Hi, ich bin Chris... und habe gerade meinen Job an den Nagel gehängt, meine Möbel verkauft und das erste Oneway-Tickets in meinem Leben gebucht. Gute Idee? Keine Ahnung! Verfolge es in meinem ENERGY Traveller Blog - wöchentlich neu bei "Karens Nacht Ab Acht" und natürlich HIER.

Aktuell: Zu Besuch im Königreich von Swaziland...ähm, eSwatini!

Auf meinem Weg zurück nach Südafrika habe ich für ein paar Tage einen Zwischenstopp in Swaziland eingelegt. Also nicht Swaziland, sondern eSwatini. Denn der König hat sich letztes Jahr zu seinem Geburtstag selbst ein Geschenk gemacht und kurzerhand das Land einfach mal in eSwatini unbenannt... geiler Typ!

 

Also das Königreich, wie auch immer es heißt, ist schon etwas eigenartig... aber ich finde es großartig. Die Swasi sind wohl die freundlichsten Menschen, die ich bisher in Afrika getroffen habe. Immer lachend, extrem hilfsbereit und sehr naturverbunden. Kein Wunder, denn das kleine Land ist wunderschön. Der kleine, monarchische Binnenstaat ist durchzogen von langen, grünen Hügelketten und saftigen Weiden, die gespickt sind von Felsbrocken, als wenn vor ein paar Jahren hier ein Vulkan ausgebrochen wäre und diese im gesamten Land verteilt hätte.

 

Der Großteil der Leute lebt im ländlichen Bereich. Die Städte sind zum schmunzeln, da die Hauptstadt Mbabane nicht einmal 100.000 Einwohner fasst. Ich hatte während meiner Reise eher das Gefühl durch ein einziges großes Dorf zu fahren - vermutlich sind die Leute deshalb auch so naturverbunden und entspannt. Mal wieder ein Beweis, dass eine Stadt halt doch eher stresst. Gerade hier in Afrika merke ich oft, dass ich auf dem Land, am Strand oder in den Bergen einfach viel entspannter bin. Vielleicht sollte ich das im Hinterkopf behalten, wenn ich zurück in Deutschland bin.

 

  • ENERGY Traveller Chris in Swaziland
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  • ENERGY Traveller Chris in Swaziland

 

Es ist schon komisch, wenn ich mir überlege, dass es hier noch einen richtigen König gibt, der die absolute Macht über alles im Land hat. Auch wenn das Volk im ersten Moment einen sehr glücklichen Eindruck hinterlässt, habe ich hier und da schon rausgehört, dass die Meinungen bezüglich des Königs eher gespalten sind, es aber natürlich problematisch ist, das Oberhaupt offiziell zu kritisieren. Trotz großer wirtschaftlicher Probleme im Land, werden laut einiger Einwohner immer noch prunkvolle Paläste gebaut, Personen werden enteignet oder einfach ungerecht behandelt, was logischerweise wiederum für eine schlechte Grundstimmung im Volk sorgt. Auch mit der Pressefreiheit wird es hier nicht so genau gehalten. Unabhängige Reporter werden immer wieder inhaftiert und auf der Rangliste der Pressefreiheit belegte eSwatini 2017 den 152. von 180 Plätzen.

 

Das wohl größte Problem hier im Land ist jedoch HIV. Offiziell sind rund 30 Prozent aller Einwohner im Land mit dem Erreger infiziert. In meinen Gesprächen mit den Einheimischen hier, gab es kaum jemanden, der nicht einen seiner Verwandten aufgrund von AIDS verloren hat. Zeitweise hatte folglich eSwatini mit circa 50 Jahren die niedrigste Lebenserwartung auf der gesamten Welt.

 

Aber ich will ja hier jetzt nicht nur von negativen Sachen berichten, denn neben den tollen Menschen gibt es auch noch eine andere tolle Nachricht, zumindest für uns Männer. Hier im Königreich herrscht nämlich Polygamie - sprich: Jeder Mann darf so viele Frauen haben, wie er will, so lange er für sie sorgen kann. In meinem Fall könnte ich mir nicht mal eine Frau leisten, aber es ist schon verrückt was sich so alles ändert, wenn eine Landesgrenze überschritten wird.

 

Ihr merkt schon: Während der kurzen Zeit hier im Königreich habe ich extrem viele Infos mitnehmen können und mehr als interessante Gespräche mit den Leuten geführt. Es ist einfach eine andere Welt und ich tue mich ehrlich gesagt im Moment schwer, mir eine konkrete Meinung über eSwatini zu bilden. Fünf Tage sind einfach viel zu kurz, um eine Kultur und eine gesamte Nation zu verstehen. Jedoch werde ich die Geschehnisse in Zukunft hier definitiv weiter verfolgen und hoffe, dass die Swazis ihre Probleme bald in den Griff bekommen. Fingers crossed!

 

Der Podcast

 

Meine Erlebnisse hört ihr jetzt auch als Podcast - jeden Donnerstag neu. Einfach hier hören oder auf deinem Lieblingsportal abonnieren:

 

 

 

 

WAS CHRIS BISHER ERLEBT HAT:

 

1:  Die richtige Entscheidung?

Um ehrlich zu sein, mache ich mir gerade kurz vor der Reise ziemlich in die Hose und frage mich täglich, ob das die richtige Entscheidung war. Aber meist bereut man ja doch diejenigen Sachen in seinem Leben, die man nicht gemacht hat. Also auf geht's zur Weltreise!

 

Die Entscheidung, irgendwann mal eine Weltreise zu unternehmen, ist bereits vor einigen Jahren gefallen. Es war schon immer ein Lebenstraum von mir länger zu verreisen, jedoch gab es in der Vergangenheit immer genügend Gründe die Reise zu verschieben. Entweder eine Beförderung im Job oder ich war der Meinung, dass ich mir solch eine Auszeit nicht leisten kann. Jetzt im Nachhinein muss ich sagen, dass es sich meist doch um Ausreden gehandelt hat. Ich bin nämlich mittlerweile davon überzeugt, dass jeder solch eine Reise machen kann - man muss nur den ersten Schritt wagen.

  • Chris in Bangkok (Thailand)
  • Chris beim Glacier Gray (Chile)
  • Chris in Torbole (Italien)
  • Chris beim feiern in Buenos Aires (Argentinien)
  • Chris in Paris (Frankreich)

 

 

Es bedarf sicherlich einiger Vorbereitung und man sollte eine Weltreise nicht übers Knie brechen. Meine Entscheidung, diese Reise zu begehen, ist Anfang des Jahres gefallen, als ich mich überwunden hatte zur ersten Impfberatung zu gehen. Einige Impfungen dauern bis zu sechs Monate, weshalb eine vernünftige Vorbereitung auf jeden Fall von Nöten ist. Nachdem ich jetzt wirklich auch Job und Wohnung gekündigt und die ersten Nächte in Belgrad und Johannesburg gebucht habe, kann ich es kaum erwarten endlich loszulegen!

 

Auch wenn es nicht ganz ohne Vorbereitungen geht, habe ich, was die Reiseroute angeht, jegliche Flexibilität offen gelassen. Bis auf die ersten zwei Flüge und Hotelübernachtungen ist noch nichts gebucht. Ich will mich treiben lassen, spontane Möglichkeiten und Gelegenheiten wahrnehmen, Land und Leute kennenlernen.

 

Der erste Schritt ist also gemacht und ich freue mich tierisch euch an meinen Abenteuern und Erfahrungen teilhaben zu lassen. Falls ihr Fragen zu meiner Weltreise oder den damit verbundenen Vorbereitungen habt, dann schaut doch gerne mal wieder vorbei oder schreibt auf Instagram (@waibelschrischtian).

 

Ihr hört von mir...

Chris

2:  Ich packe meinen Koffen und nehme mit...

Ich persönlich mag es nicht, sonderlich für den Urlaub zu packen und meist passiert das bei mir auf den letzten Drücker. Diesmal dachte ich mir aber, es wäre sicherlich nicht verkehrt bei einer Weltreise mit ungewisser Route ein bisschen mehr Vorlauf einzuplanen. Also habe ich schon einmal eine Probe-Pack-Action gestartet.

 

Das Ergebnis war sehr ernüchternd... die Hälfte hat nicht reingepasst und der Backpack war knallvoll. Aber als ich mir dann den Inhalt genauer betrachtete, habe ich festgestellt, dass ich doch auf einige Sachen, wie zum Beispiel dünne Handschuhe oder spezielle Trekkinghosen verzichten kann.

Der Backpack von Chris

Einzelteile für den Backpack von Chris

Im zweiten Versuch bin ich etwas anders vorgegangen und habe zunächst die unerlässlichen Sachen eingepackt (Kulturbeutel, 5 Shirts, 4 Hosen, Taschenmesser, usw.) und von meinem Vielleicht-Stapel ergänzt. 

 

Generell habe ich die Erfahrung gemacht, dass ich bei jedem Urlaub doch viel zu viel Sachen mitnehme. Als ich beispielsweise 2012 für 6 Monate nach Südamerika gereist bin, hatte ich eine Skihose dabei, falls ich in den Anden zum Boarden gehen möchte.... was für ein Idiot bin ich denn? Ich habe 6 Monate eine Skihose durch halb Südamerika getragen, die ich genau zwei Mal anhatte. 

Aber aus Fehlern lernt man ja, weshalb ich dieses Mal nur die essenziellen Sachen mitnehmen werde. Man muss nicht für jede Situation gewappnet sein und alles was man braucht, bekommt man auch vor Ort oder es wird einfach (wie so oft) improvisiert.

3:  Belgrad - Die schwimmende Stadt der Jogginghosen

Meine eigene Weltreise sollte eigentlich in Johannesburg starten, jedoch haben einige meiner Freunde schon länger einen Trip nach Serbien geplant, weshalb ich mich spontan entschlossen habe mich dem Städtetrip nach Belgrad anzuschließen.  Auf den ersten Blick ist die Stadt nicht die Schönste. Es ist recht dreckig und das Stadtbild ist von vielen grauen und tristen Betonbunkern geprägt. Die Leute, die ich in den letzten Tagen hier kennenlernen durfte, sind zwar nicht unbedingt die freundlichsten, jedoch auf jeden Fall sehr authentisch.

 

Es kann also gut sein, dass der Kellner im Restaurant Jogginghose trägt, weil es einfach bequemer ist oder der Busfahrer an der Haltestelle vorbeifährt, wenn er jetzt keinen Bock auf eine Touristengruppe hat. Auch wenn es oft zu meinem Leidwesen war, finde ich so etwas ja schon fast wieder sympathisch. Die Menschen machen dir hier nichts vor und sind so, wie sie nun mal sind. 

 

Vorsicht ist außerdem bei den Taxifahrern geboten. Hier werden bei Touristen schnell einmal höhere Preise aufgerufen oder Geldscheine ausgetauscht. Wir haben beispielsweise dem Taxifahrer 2.000 Dinar gegeben und er hat danach felsenfest behauptet, dass es nur 200 waren. Nach längerer Diskussion haben wir dann den restlichen Betrag bezahlt, da wir wegen ein paar Euro jetzt kein Fass aufmachen wollten. 

 

Ein absolutes Highlight waren die Bars und Restaurants, die direkt in sogenannten Hausbooten auf der Donau gelegen sind. Hier den Sonnenuntergang bei einem kühlen Bier zu genießen bietet ein einmaliges Flair, welches ich so tatsächlich nur selten erlebt habe. Auch das Nachtleben hat einiges zu bieten. An jeder Ecke der Stadt und auf der Donau sind der Bass und Beats zu hören und wir mussten nur der Musik folgen, bis wir einen passenden Club gefunden haben. Für feierwütige Gruppen ist Belgrad also ein echter Geheimtipp.

  • Belgrad (Serbien)
  • Belgrad (Serbien)
  • Belgrad (Serbien)
  • Belgrad (Serbien)
  • Belgrad (Serbien)
  • Belgrad (Serbien)
  • Belgrad (Serbien)
  • Belgrad (Serbien)

 

Wer vor Ort Lust auf eine Bootstour hat, sollte auf ein kleines privates Boot gehen und nicht in die großen Touristenschiffe. Wir haben Milos kennengelernt, der uns direkt mit dem Boot von unserem Hausboot-Hostel abgeholt hat, was ziemlich cool war. Ich meine, wer wird schon mal mit dem Boot vom Hostel abgeholt?

 

Als Fazit kann ich sagen, das Belgrad sich für einen Zwischenstopp definitiv anbietet. Geschichtlich hat die durch zahlreiche Kriege geprägte Stadt einiges zu bieten, aber am besten eignet sich die Stadt letztendlich doch für einen Junggesellenabschied.

Mich persönlich hat die Stadt ehrlich gesagt nicht wirklich gepackt, aber wie so oft kommt es auf die Leute an, mit welchen man sich umgibt. Ich habe tolle Bekanntschaften vor Ort gemacht und hatte eine richtig gute Zeit mit meinen Jungs. Es war also ein gelungener Abschied von meinem Freundeskreis und der perfekte Übergang zur Weltreise.

 

Als nächstes geht's jetzt nach Johannesburg. Südafrika wird sicherlich nochmal eine ganz andere Nummer und ich bin schon sehr gespannt, was da auf mich zukommt.

 

Ihr hört von mir...


4:  Johannesburg - Schwarz und Weiß

Mittlerweile bin ich schon beim zweiten Stop meiner Weltreise angelangt: Johannesburg! Bevor ich hier herkam, habe ich viele Horrorstories über Johannesburg gehört. Die Stadt sei sehr gefährlich und es gäbe viel bessere Städte, die man besichtigen könne. Nachdem ich nun doch schon einige Tage hier bin, muss ich sagen: Bullshit! Johannesburg ist zwar nicht die klassische Touri-Stadt, aber man kann hier auf jeden Fall krasse Erfahrungen und Erlebnisse mitnehmen.

Aufgrund der hohen Kriminalität und Armut in Johannesburg war ich sehr verunsichert, inwieweit ich mich hier frei bewegen kann und wie ich mich verhalten soll. Ich war sehr froh, dass ich während meiner Zeit im Hostel Once in Joburg untergekommen war, welches ich euch sehr empfehlen kann. Die Angestellten nehmen dich wirklich an die Hand und zeigen dir, was es heißt in Joburg zu leben. Selbst wenn du einkaufen gehen möchtest, gehen sie mit dir dort hin und zeigen dir auf dem Weg Möglichkeiten auf, was man hier noch machen könnte. Ich hab mich zu keinem Zeitpunkt meiner Reise unsicher gefühlt, da stets Locals vom Hostel dabei waren, die wussten wie der Hase läuft.

Johannesburg Gruppe

Township Johannesburg

Johannesburg Township Kiosk

Die ersten Tage habe ich hier die Townships angeschaut. Ich war mir ehrlich gesagt anfangs nicht sicher, ob es eine tolle Erfahrung sein wird, die Armut anderer Leute anzuschauen. Dem war aber Gott sei Dank nicht so. Sbu und Amanda haben mir teils zu Fuß und teils mit dem Rad unterschiedliche Townships und Stadtviertel gezeigt und ich muss sagen, es war wirklich eine intensive Erfahrung.

 

Wir sind mit den Einheimischen ins Gespräch gekommen und die Bewohner der Slums waren sehr gastfreundlich und weltoffen. Viele Stadtviertel erleben derzeit eine Renaissance und öffnen sich auch für Touristen, weshalb ich auch zu keinem Zeitpunkt Sicherheitsbedenken hatte (zumindest unter der Begleitung von Amanda und Sbu).

 

Trotz allem war ich oft sehr überfordert mit der Armut und den vorherrschenden Lebensbedingungen und ich war sehr froh, die Leute vom Hostel Once dabei zu haben.

Aber genug von Armut und Kriminalität - denn die Südafrikaner können nämlich auch richtig gut feiern. Sbu hat mich am Samstagabend mit seinen Freunden zum Feiern mitgenommen. Alter Schwede... Wir sind nach Maboteng gefahren, wo wir zusammen mit Sbus Freunden den Club Shakkerz besucht haben. Ich war anfangs etwas verwirrt, dass man doch recht gründlich nach Waffen abgesucht wird, da diese scheinbar im Club nicht erlaubt sind... was für Spießer. ;-) Nachdem ich dann meine Knarren abgegeben habe, bin ich auf die Tanzfläche und wollte mit meinen Moves loslegen, bis ich dann bemerkt habe, dass ich der einzige weiße Typ im gesamten Laden war. Wow! Das war mal richtig komisch, wenn dich gefühlt der ganze Club angafft, nur weil du eine andere Hautfarbe hast. Entsprechend war ich am Anfang sehr verunsichert, wie ich mich verhalten soll und hab meine Robo-Moves erstmals für mich behalten. Sbu meinte aber es sei überhaupt kein Problem und ich soll einfach ein Bier trinken gehen und mich entspannen, was ich dann auch gemacht habe.

 

Und er hatte recht - die Leute waren echt locker drauf und es war null Problemo, dass ich Weiß bin. Die halbe Partycrowd ist sogar proaktiv auf mich zugekommen und war neugierig, was wohl eine Weißwurst wie ich hier bei ihnen im Club mache. Nachdem dann das Eis gebrochen war, haben wir dann auch europäische und afrikanische Dancemoves ausgetauscht und bis in den Morgengrauen gefeiert.

 

Johannesburg Stadt

 

Jetzt, da die Zeit hier in Johannesburg zu Ende geht, muss ich sagen, dass die Stadt viele positiven aber auch negativen Seiten hat. Einerseits gibt es immer noch große Probleme, was Kriminalität und Armut angeht, andererseits sind die Leute sehr gastfreundlich und weltoffen. Auch das Rassenproblem ist noch nicht ganz vom Tisch und ich merke auch im Gespräch, dass es hier für die Südafrikaner noch einiges aufzuarbeiten gibt. Jedoch wurde ich hier als Weißer zu keinerlei Zeitpunk angefeindet oder ähnliches. Ich kann jedem nur empfehlen Johannesburg zu besuchen. Natürlich ist es keine klassische touristische Stadt mit vielen Sehenswürdigkeiten, jedoch macht man hier kulturelle und persönliche Erfahrungen, die ich nicht vergessen werde. 

Nächste Woche geht es dann mit Bazbus weiter zu den Drakenbergs. Ich bin froh endlich aus der überfüllten Stadt raus zu kommen und die einzigartige Natur von Südafrika zu erkunden.

 

Ich hört von mir!

Datei ENERGYTraveller_IV_AmandlaMaphalala_Webseite.mp4
Interview mit Amandla Maphalala vom Hostel Once in Johannesburg

5:  Südliche Drakensberge  -  der Lehrer lernt am meisten!

Seit einigen Tagen befinde ich mich in der Sani Lodge, die sich auf meiner letzten Station in den Drachenbergen befindet. Die Lodge liegt am Fuße des massiven Sanipasses, der seinesgleichen sucht. Die Natur ist auch hier unglaublich schön, überall sind Affen zu sehen, Bergkatzen laufen über die Straßen und das Alles in einer saftig grünen Berglandschaft.

 

  • Sani Lodge
  • Aussicht Sani Lodge vom Fahrzeug aus
  • Chris im Auto
  • Kwapitela Primary School Hof
  • Kwapitela Primary School Container
  • Gruppenbild Kwapitela Primary School

Da es außer Bergen und ein paar Affen hier nicht viel gibt, unterstützt die Sani Lodge die naheliegenden Dörfer und bietet auch den Gästen an, ein paar Tage in der Kwapitela Primary School zu arbeiten. Russel, der Besitzer der Lodge, hat auch mich gefragt, ob ich nicht an diesem Projekt teilnehmen möchte, um für ein paar Tage Englisch zu unterrichten. Natürlich war ich am Start. 

 

Etwa sechs Kilometer von der Lodge entfernt, ist die Schule von einer unglaublich schönen Kulisse umgeben, gelegen. Die Schule ansich, ist leider sehr runtergekommen. Die Fenster sind eingeschlagen, wenn es denn überhaupt Fenster gibt. Die Schüler haben kaum Unterrichtsmaterial - und einen Lehrplan oder ähnliches scheint es hier nicht wirklich zu geben. 

 

Als ich das Schulgelände betreten habe, wurde mir die Lehrerin vorgestellt. Sie meinte einfach nur: "Hi Chris, dort hinten im Klassenzimmer warten deine Kinder. Ciao." Und ich dachte mir: "Was???" Natürlich war ich nicht vorbereitet, 10 Schüler ganz alleine für drei Tage zu betreuen. Naja, als ich dann das Klassenzimmer betreten habe, fand ich reinstes Chaos vor. Die Schüler waren zwischen 11 und 15 Jahre alt, tanzten auf den Schulbänken und waren nur sehr schwer zu bändigen. ;-)

 

Nach einigen strengen Worten meinerseits, habe ich gemerkt, dass sich die Kids sehr schwer tun, sich länger als 30 Minuten zu konzentrieren. Aber mir ist auch aufgefallen, dass die Kinder während Stillarbeit immer wieder gesungen haben. Also habe ich entschlossen, immer nach 30 Minuten eine kurze Singpause einzulegen, was ziemlich cool war. Auf einmal waren die Kids wie ausgetauscht: konzentriert, organisiert und hatten richtig Bock mitzumachen.

 

Datei Drachenbergen_MandelaSong_KwapitelaPrimarySchool.mp4
Chris singt mit den Schülern der Kwapitela Primary School

 

Ich war am Ende des Tages fix und fertig. Meine Stimme war kaum mehr existent und ich bin um 19:30 Uhr tot ins Bett gefallen. ;-)

Dennoch möchte ich diese Erfahrung wirklich nicht missen. Die Kids sind einfach nur der Hammer, wenn man mal berücksichtigt, unter was für Bedingungen sie hier aufwachsen. Ich glaube, dass ich in diesen drei Tagen mehr von den Kids gelernt habe, als sie von mir. Ich sage an dieser Stelle einfach nur Danke an die Sani Lodge und der Kwapitela Primary School!


 

6:  Lesotho - Mythen und Traditionen

Noch nicht einmal zwei Wochen in Südafrika, betrete ich schon wieder ein neues Land: Lesotho! "Where the fuck is Lesotho???", hab ich mich zumindest gefragt, als ich das erste Mal von diesem Land gehört habe. Lesotho ist eines der ursprünglichsten und ärmsten Länder der Welt und liegt als Enklave eingebettet in Südafrika. Außerdem ist Lesotho, ausgehend vom niedrigsten Punkt des Landes, welches auf ca. 1.400 Meter liegt, das höchstgelegende Land der Welt. Logischerweise liegt das Land mitten in den Bergen und die Landschaft ist der Hammer, vorausgesetzt man steht auf Berge.

 

Chris in Lesotho an einer Klippe

Als ich die Landesgrenze überschritten habe, wenn man das überhaupt Grenze nennen kann, hatte ich das Gefühl, ich betrete eine andere Welt. Es gibt kaum mehr Strom oder fließend Wasser und ohne Allrad brauchst du hier gar nicht erst aufmarschieren, weil du dir nach spätestens zwei Kilometern die Ölwanne aufgerissen hast.

 

Chris in Lesotho mit GoPro und Ackerbau

Ich habe ein kleines Dorf im Norden des Landes besucht. Die meisten Einheimischen leben hier in traditionellen Rundhäusern, die sie meist selbst gebaut haben. Eigentlich ist ein rundes Haus mehr als unpraktisch, da man sehr viel Platz verschwendet, jedoch glauben die Menschen hier, dass sich in den Ecken eines Hauses böse Geister verstecken könnten.

 

Da ich einen Guide dabei hatte, sind wir relativ schnell mit den Einheimischen ins Gespräch gekommen. Nach einem kurzen Gespräch hat mich ein Dorfbewohner gefragt, ob ich nicht den Medizinmann namens Sejmo im Dorf kennenlernen möchte, was ich natürlich auf keinen Fall ausschlagen wollte.

 

Als ich in das Rundhaus von Sejmo gegangen bin, hat er schon sitzend auf dem Boden auf mich gewartet. Er hatte lauter kleine Glocken und einige Talismänner umgehangen, die ihn von bösen Geistern beschützen sollen. Mir ist außerdem aufgefallen das Sejmo barfuß unterwegs war, was mich etwas gewundert hat, da es ziemlich kalt war. Aber mein Guide hat mir dann erklärt, dass ein Heiler keine Schuhe tragen darf, da er immer mit der Erde und somit auch mit seinen Vorfahren in Kontakt bleiben muss.

 

Sejmo hat natürlich mitbekommen, dass ich etwas verwundert über sein Outfit war und hat mir daraufhin einen kleinen Einblick über das Dasein eines Medizinmannes in Lesotho gegeben.

Chris mit Medizinmann Sejmo

Dorf in Lesotho

Alles begann bei Sejmo mit einer Vision in der Schule, als er vorhersehen konnte, dass einer seiner Verwandten bald sterben wird. Seitdem wussten seine Familie und er, dass er die Gabe des Heilens in sich trägt. Folglich hat er seine Schule abgebrochen und hat das Praktizieren von anderen Medizinmännern erlernt. Das Ritual des Heilens beginnt immer mit dem Brauen eines Tranks, den der Heiler im Anschluss zu sich nimmt. Dabei fällt er in eine Art Trance, in der er die Schmerzen des Patienten nachfühlen kann. In diesem Zustand tritt er dann auch mit seinen Vorfahren in Kontakt, die ihm einen Rat geben, wie er den kranken Dorfbewohner behandeln soll.

 

Also wie ihr seht, brauchst du in Lesotho keine Überweisung, weil der Medizinmann genau weiß, was du hast. Blöd, wenn man mal blau machen will... ;-) Trotz dieser abgefahrenen Methoden, hat Sejmo einen recht seriösen Eindruck gemacht. Er hat auch klargestellt, dass er weder Tuberculose, HIV, Gelbfieber noch Knochenbrüche behandeln kann und schickt diese Fälle auch direkt ins Krankenhaus. Da aber das nächste Krankenhaus über vier Autostunden entfernt ist, wenden sich die Leute zunächst an Sejmo, was ja auch irgendwie nachvollziehbar ist...


 

7:  Plattelnde Afrikaner

Zurück in Südafrika, fühlt es sich so an als hätte ich ein neues Land betreten. Ich habe nämlich das Zulu-Land und somit auch die raue Berglandschaft verlassen und habe das Land des Xhosa Stammes betreten. Seit einige Tagen bin ich an der schroffen "Wild Coast" von Südafrika angekommen und lasse mich seitdem jeden Morgen vom Meeresrauschen und Vogelgezwitscher aufwecken. Neben der Vegetation und der Landschaft, hat sich auch die Kultur geändert, weshalb ich gerne auch hier mit den Einheimischen in Kontakt treten wollte, um mehr über die Xhosa zu erfahren.

 

Südafrika Wild Coast

Gestern bin ich also dann mit meinem Guide in ein kleines Dorf in der Nähe von Mthatha gefahren, um eine Familie zum Abendessen zu besuchen. Als ich in der Dämmerung im Dorf ankam, waren auch schon die Nachbarfamilien anwesend. Das Rundhaus war also recht voll und die Leute haben schon auf mich gewartet. Alle wussten Bescheid, dass heute der deutsche Tourist vorbeikommt und entsprechend wurde ich auch behandelt. Das Essen war schon fertig, ich wurde hofiert wie ein Prinz und musste natürlich keinen Finger rühren. Wir haben gemeinsam gegessen und nachdem wir fertig waren, sind einige Frauen aufgestanden und haben traditionelle Kleider und Schmuck angelegt, Trommeln geholt und für mich getanzt. Versteht mich jetzt nicht falsch, denn es war wirklich sehr schön und interessant, aber ich finds ja immer ein bisschen komisch, wenn die Einheimischen wegen eines Touristen anfangen zu tanzen und eine Show abziehen. Natürlich hab ich nichts gesagt, da ich jetzt auch nicht unhöflich rüberkommen wollte. Im Anschluss war die Stimmung recht steif und ich hatte auch null Zugang zu den Leuten, da ich das Gefühl hatte, dass der Dialog in diesem Moment nicht auf Augenhöhe war und ich einfach nur als Tourist angesehen wurde und nicht als Individuum. 

 

Dann habe ich mir gedacht: "Scheiß drauf! Du musst hier jetzt irgendwie das Eis brechen, wenn du heute noch mit den Familien connecten möchtest." Was ihr vielleicht nicht wisst, ist dass ich in meiner Kindheit einige Jahre im Trachtenverein war und dort das "Platteln" gelernt habe. Also bin ich aufgestanden, hab den Afrikanern in die Augen geschaut und gesagt: "If you dance for me, I dance for you!" Auf einmal war in der Hütte kein Ton mehr zu hören. 25 Afrikaner haben mich mit großen weißen Augen angeschaut und wussten gar nicht was jetzt abgeht. Mein Guide hat entsprechend übersetzt, dass ich nun gerne im Gegenzug auch meine Kultur und meine traditionellen Tänze zeigen möchte, was sie glaube ich ziemlich cool fanden. Also bin ich in die Mitte des Rundhauses gegangen und habe einen typisch bayerischen Plattler hingelegt.

 

Ich sag's euch... Als ich den letzten Schlag auf den Oberschenkel aufgesetzt habe, sind alle aufgestanden und wollten sofort mitmachen. The roof was on fire!!!! Und das war natürlich ein Bild für die Götter, 25 Afrikaner versuchen zusammen mit mir zu Platteln... in einem traditionellen Rundhaus... irgendwo in Afrika.

 

Wir haben im Anschluss getanzt bis die Oberschenkel gebrannt haben und das Eis war definitiv gebrochen! Wundert euch also bitte in Zukunft nicht, falls ihr hier in der Gegend sein solltet und an der einen oder anderen Ecke plattelnde Afrikaner antreffen solltet. Das geht auf meine Kappe! ;-)

 

Datei Platteln_GermanShow.mp4
Chris beim Platteln

 

Datei AfricanShow_Tanz.mp4
Afrikaner tanzen für Chris

Ihr hört von mir...

Chris


 

8:  True Colours - Arts to Uplift Project

Ich habe ja schon hin und wieder von der Armut hier in Südafrika berichtet, aber vor kurzem habe ich von einem Projekt erfahren, dass mit dem Thema Armut in Townships anders umgeht, als die meisten anderen Hilfsorganisationen. Meist werden Hilfsmittel, Lebensmittel oder sonstige materielle Dinge gespendet, damit die Leute im betroffenen Township ein bisschen besser leben können. Jedoch fand Luc, der Gründer von true colours - ART to uplift, das Ganze oft nicht besonders nachhaltig, weshalb er einen anderen Ansatz verfolgt.

 

Luc ist ein Künstler aus Südafrika, Surflehrer und Rastafari, der bereits in einigen Kinderhilfsorganisationen im Kongo und Syrien gearbeitet hat, bevor er das "true colours - ART to uplift Projekt" ins Leben rief. Die Idee, die Luc verfolgt, ist im ersten Moment nicht leicht nachzuvollziehen. Als ich ihn das erste Mal getroffen habe und er mit seinen langen blonden Dreadlocks vor mir stand und mir das Township gezeigt hat, hatte ich null Ahnung, was das Ganze eigentlich soll. Luc veranstaltet regelmäßig Workshops mit Kindern aus den Townships und bemalt dabei die Wände der Wellblechhütten mit Blumen. Im ersten Moment hatte ich kein besonders gutes Gefühl, als ich mit den Kids gemalt habe. Klar, es war lustig und schön, aber als ich die zum Teil sehr dünnen Kinder mit löchrigen Klamotten gesehen habe, hätte ich das investierte Geld lieber für Essen und Klamotten ausgegeben, statt für Farben zum Malen. Umso mehr Zeit ich jedoch mit Luc, den Bewohnern des Slums und den Kindern verbracht habe, umso klarer wurde mir, was Luc mit seinem Projekt eigentlich bezwecken will.

 

Viele soziale Projekte haben einen tollen Ansatz, sind jedoch nicht sonderlich nachhaltig. Das "true colours"-Projekt soll hingegen der Funke sein, der das Feuer entzündet. Ich stand ewig auf dem Schlauch, wie Luc mit ein paar Blumen an Hauswänden nachhaltig den Bewohnern des Slums helfen will, aber als ich dann die leuchtenden Augen der Kinder gesehen habe, die so stolz waren, ein Kunstwerk zu malen - als ich die Leute gesehen habe, die jeden Tag an den Häusern vorbeigingen und die bunten Farben in dem tristen Umfeld betrachteten und lächelten, hab sogar ich irgendwann verstanden, was das Projekt bezwecken soll. Es geht im Kern gar nicht darum, die Kinder zu beschäftigen oder die Umgebung zu verschönern, sondern vielmehr darum, Freude, Stolz und ein Gemeinschaftsgefühl im Township zu schaffen, sodass Leute beginnen, Initiative zu ergreifen und zu sehen, dass man mit kleinen Mitteln den Kindern und der gesamten Community helfen kann.

In den letzten Tagen, als ich im Township war, haben sich einige Einheimische bei Luc und seinen Freunden gemeldet, die sich auch mehr in die Gemeinschaft einbringen wollen. Unter anderem hat ein Supermarktbesitzer angeboten, täglich eine warme Mahlzeit an die Kinder auszugeben oder andere Künstler wie Sakumzi vom "Hand in Hand"-Projekt, möchten weitere Kunstprojekte mit den Kindern umsetzen. Genau das ist es, was Luc mit seinen Projekten bezwecken wollte - ein Gemeinschaftsgefühl zu schaffen.

 

Nachdem ich nun Port Elisabeth verlassen habe und weiter darüber nachdenke, finde ich das Projekt richtig klasse und hoffe, dass Luc, Nwabisa und Sakumzi auch in Zukunft weitere Blumen in den verschieden Vierteln von Motherwell pflanzen können, die dann hoffentlich weiterhin wachsen und gedeihen werden.

  •  true colours – ART to uplift
  •  true colours – ART to uplift
  •  true colours – ART to uplift
  •  true colours – ART to uplift

 

Leider muss man sagen, dass das ganze Projekt im Moment noch auf sehr kleiner Flamme läuft, da Luc außer von Spenden der Reisenden keinerlei finanzielle Unterstützung erhält. Den Rest bezahlt er aus eigener Tasche. Falls aber ihr aktiv werden wollt und das Projekt kennenlernen oder gar besuchen wollt, dann kontaktiert Luc, der euch gerne unter luc.truecolours@gmail.com oder auf facebook all eure Fragen beantworten wird und für jegliche Hilfe mehr als dankbar ist. Um euch einen noch besseren Eindruck vom Projekt zu geben, habe ich ein kleines Interview mit Nwabusi und Sakumzi geführt, welches du dir hier gerne mal reinziehen kannst:

Videoteaser

Datei Interview - Nwabisa Badis true colours.mp4
Interview: Nwabisa Badis von True Colours


9:  Bucket List Ist Bucket List - Momente, die einem den Atem rauben

Vor meiner Reise habe ich mir eine kleine Bucket List zusammengeschrieben, was ich gerne so erleben möchte. Natürlich dürfen da Sachen wie Fallschirmsprung, Cage Diving, Shark Diving oder Bungee Jumping nicht fehlen. So eine Bucket List ist ehrlich gesagt recht schnell geschrieben, aber diese dann umzusetzen ist nochmal ein ganz anderes Ding. Es gibt ja keinen konkreten Plan, wann man was machen möchte, aber hin und wieder ergeben sich dann doch spontane Möglichkeiten, gewisse Punkte der Bucket List in die Realität umzusetzen.

 

Vor kurzem habe ich einen kleinen Trip in den Tsitiskamma National Park unternommen. Eigentlich wollte ich nur 'ne Runde wandern und kajaken gehen... Also eigentlich nur ein paar entspannte Tage in der Natur verbringen. Doch dann hat sich das Ganze doch recht schnell anders entwickelt. Nachdem ich den Tag im Nationalpark verbracht habe, habe ich mir nichtsahnend mein wohlverdientes Feierabendbier im Hostel gegönnt und dabei ein paar Franzosen kennengelernt. Nachdem ich mich nach ihren Plänen in den kommenden Tagen erkundigt habe, haben sie mir erzählt, dass sie eigentlich nur wegen einer Sache hier sind: Sie wollen einen Bungee Jump von der Bloukrans Bridge machen. Okay... ich mein, man packt ja so einige Sachen auf seine Bucket List, aber als ich dann gecheckt habe, dass jetzt die Möglichkeit besteht, an einem Seil von einer Brücke zu springen, bin ich doch nochmal ganz schön ins hadern gekommen. Aber Bucket List ist Bucket List und ich wollte das auf jeden Fall durchziehen... also Bungee Jump gebucht, Taxi bestellt, Tequila getrunken und circa zehn Stunden später stand ich dann auf einer 216 Meter hohen Brücke mitten in Südafrika.

 

Weil ich ja noch nicht aufgeregt genug war, kam dann gleich der nächste Schock. Mir hat nämlich niemand gesagt, dass das die höchste Bungee Jump Brücke der ganzen verdammten WELT ist. Alter Verwalter, da musste ich erstmal schlucken. Aber Bucket List ist Bucket List und da musste ich dann wohl durch. Die Aussicht von dort oben war wirklich einmalig: Ein breites Tal aus dichtem, grünen Wald, in der Mitte ein dunkelblauer Fluss, der sich durch das Gebirge schlängelt und langsam ins Meer mündet. Aber all das konnte ich gar nicht so richtig wahrnehmen, weil ich wusste, dass ich da jetzt gleich runter springen muss. Und dann interessiert dich ehrlich gesagt die wunderschöne Landschaft erstmals einen Scheißdreck.

 

Dann stehst du da, deine Beine an ein Seil gebunden, deine Zehenspitzen schon über der Absprungkante und du bei weitem noch nicht bereit, über 200 Meter in die Tiefe zu springen. Aber wenn du einmal da oben stehst gibt es kein zurück mehr. 3, 2, 1... Sprung! Ich kann mich nicht mehr an alles erinnern, aber die ersten Sekunden im freien Fall konnte ich keinen einzigen Laut aus meiner Kehle pressen. Du denkst dir einfach nur SCHEISSSSSEEE. Bis zu dem Moment der Erleichterung, als du dann das Seil an deinen Beinen spürst, dass dich langsam abfängt. Dann habe ich einfach nur gebrüllt, was das Zeugt hält. 

 

Nach wenigen Minuten war ich dann wieder oben auf der Brücke, aber ein ganz anderer Mensch als zuvor. Erleichtert, zufrieden, voller Glücksgefühle und mit einem Lächeln im Gesicht, dass mir an diesem Tag keiner mehr nehmen konnte. Wir sind anschließend sofort wieder in die Bar und haben uns auf diesen Schock nochmals einen Tequila gegönnt.

 

Datei ENERGYTraveller_BungeeJump.mp4
ENERGY Traveller Chris beim Bungee Jump

 

Also Jungs und Mädels.... Bucket List ist Bucket List. Also zieht es durch, es lohnt sich! Ich check jetzt erstmal, wo ich hier in der Nähe Sharkdiving gehen kann. ;-)

 

Wir hören uns....


 

10:  Life is a beach

Mittlerweile bin ich schon fast einen Monat in Südafrika. Jeder Tag war bisher einmalig, aber die ganzen Eindrücke, die man erlebt, können auf Dauer auch schon mal etwas schlauchen. Derzeit bin ich in Jeffreys Bay, dem Surferparadies in Südafrika. Es ist offensichtlich, dass sich hier alles ums Surfen dreht - jeder läuft in Boardshorts durch die Gegend, ist braun gebrannt und gut gelaunt. Aber auch kein Wunder: Wenn du täglich vom Rauschen der Wellen geweckt wirst, ständig eine leichte salzige Meeresbrise in der Luft hängt und du schon vor dem Frühstück den Sand zwischen den Zehen spürst, kann dir keiner mehr den Tag versauen.

Jeffreys Bay in Südafrika

Jeffreys Bay in Südafrika

Um ein bisschen Kohle zu sparen, habe ich in einem Hostel angefragt für Kost und Logis zu arbeiten. Gemacht, getan... ab sofort der neue Mann an der Rezeption! Unterkunft und Surfboard for free und ein paar Stunden Arbeit haben ja noch keinem geschadet. Es fühlt sich gut an, endlich mal Freundschaften für länger als nur 3 - 4 Tage zu schließen, Locals besser kennenzulernen und bekannte Gesichter auf der Straße zu treffen. Auch wenn ich vermutlich nur ein paar Wochen hier bin, ist es top, endlich mal wieder eine Base zu habe, von der man die Umgebung erkunden kann.

 

Natürlich hab auch ich meinen Hintern aufs Surfbrett geschwungen und die verschiedenen Spots hier in Jeffreys Bay ausprobiert. Auch wenn ich nicht der beste Surfer bin, macht es unglaublich Laune, den ganzen Tag am Meer und im Wasser zu verbringen. Eines lässt mir jedoch keine Ruhe - und zwar das Thema Haie. Jedes Mal, wenn ich ins Wasser gehe und einen dunklen Schatten sehe, habe ich im irgendwo im Hinterkopf, dass das eventuell ein Hai sein könnte. Zu 99 Prozent sind es zwar nur Steine, trotzdem stresst mich das Ganze schon hin und wieder ein bisschen. Vorgestern hatte ich dann kurzzeitig tatsächlich eine kleine Panikattacke. Ich saß auf meinem Surfbrett und habe mal wieder einen relativ großen Schatten im Wasser gesehen. Diesmal hat er sich aber ziemlich schnell bewegt. Offensichtlich war es ein großer Fisch und natürlich bin ich davon ausgegangen, dass es ein Hai war! FUCK! Als dann auch noch eine Flosse aus dem Wasser ragte, wusste ich wirklich nicht mehr was ich machen soll. Paddeln?? Aufs Brett und nicht bewegen? Kämpfen? Keine Ahnung! Gott sei Dank waren auch noch ein paar andere Surfer im Wasser, die relativ schnell gecheckt haben, dass ich mehr als nur unentspannt war und haben dann einfach nur geschrien: "Dude, just dolphins, bru!"

Chris beim surfen am Jeffreys Bay

Shark Rescue Kit

Was, Delfine? Beim Surfen? Dann habe ich bemerkt, dass wir in diesem Moment mitten in einem Schwarm Delfine auf unsere nächste Welle warteten. Natürlich war ich erstmal erleichtert, war aber immer noch ziemlich überfordert mit der Gesamtsituation. Nach einigen Minuten kam dann die Euphorie - surfen mit Delfinen - wie geil ist das denn? Die Delfine waren sicherlich eine halbe Stunde bei uns und haben mit uns gechillt. Es war schon fast eine surreale Situation, aber eine ziemlich geile Nummer muss ich sagen. Also wie ihr seht, kann man es hier ganz gut aushalten. Ich werde die nächsten zwei bis drei Wochen vorerst hier bleiben und vermutlich die unzähligen Nationalparks in der Umgebung unter die Lupe nehmen! Und hoffentlich mal wieder mit meinen neuen Delfinbuddys abhängen.

 

Ich melde mich auf jeden Fall nächste Woche wieder! Haut rein!


 

11:  Zeit für eine Safari!

Ja, was soll ich sagen...jetzt bin ich schon seit fast zwei Monaten hier in Afrika und habe noch keine einzige Safari gemacht. Das muss sich natürlich ändern. Darum habe ich mal gecheckt, was man hier in der Nähe so anstellen kann und bin dabei auf den Addo Elephant Park gestoßen. Der Park ist zwar recht klein, aber man darf die Safari auf eigene Faust machen, was ich ja schon wieder ganz cool fand.

 

Da ich kein Auto habe, musste ich mir hier erstmal was mieten. Natürlich hätte ich mir gerne einen Geländewagen ausgeliehen, aber das mit dem Reisebudget ist ja immer so ne Sache, weshalb es leider nur für 'nen Kleinwagen gereicht hat. Aber wer kann schon behaupten, eine richtige Safari mit einer Knutschkugel gemacht zu haben. Ich fand mein Auto auf jeden Fall super und hab ihm auch gleich einen Namen gegeben: Herbert. Am nächsten Tag habe ich dann Herbert vollgetankt und im Morgengrauen ging's dann auch schon los.

 

Pünktlich zum Sonnenaufgang bin ich im Nationalpark angekommen. Als erstes bekommt man eine kleine Einweisung vom Ranger, was man machen kann und was man eher lassen sollte. Um ehrlich zu sein, hab ich nur die Hälfte verstanden, aber es hat sich sowieso eher angefühlt wie die Sicherheitseinweisungen im Flugzeug. Weder die Stewardessen noch die Passagiere haben Bock drauf, aber Vorschrift ist nun mal Vorschrift. Jedes Fahrzeug wird im Anschluss auch auf Waffen kontrolliert, da Wilderei leider immer noch ein großes Problem in Südafrika ist. Als wir dann aber vor die Tür gingen und der Ranger meinen kleinen Flitzer gesehen hat, hat er gelächelt und gemeint, dass er keine Bedenken habe, dass ich auf Großwildjagd gehen werde. Also durfte ich endlich in den Park fahren.

 

Ziemlich geil... Da saß ich nun in meinem Gefährt, im Rückspiegel der Sonnenaufgang, der den Horizont rot einfärbte, vor mir die unendlich weiten, grünen Ebenen von Südafrika und eine vielfältige Tierwelt, die nur darauf gewartet hat, von Herbert und mir erkundet zu werden. 

 

Ich habe ja noch nie eine Safari gemacht und dementsprechend saß ich dann auch im Auto wie ein aufgeregtes Kleinkind am ersten Schultag. Hektisch habe ich alle paar Sekunden rechts und links aus dem Fenster geschaut und nach exotischen Tieren Ausschau gehalten. Leider war es in der ersten halbe Stunde sehr ernüchternd... Außer ein paar Vögel und Warzenschweine hab ich nichts gesehen. Die Büsche und der Wald wurden zudem immer dichter, weshalb man außer der Straße eigentlich kaum etwas erkenne konnte, was bei einer Safari ja eher nicht so geil ist. Naja, Herbert und ich sind aber tapfer immer weiter durch die Büsche von Südafrika getuckert, bis ich einen kleinen Seitenpfad entdeckt habe, in den wir dann auch abgebogen sind. Direkt nach der Kurve stand dann auf einmal tatsächlich eine fette Herde Elefanten direkt vor meiner Stoßstange. 

 

Ich sag's euch: Es ist echt ein krasses Gefühl, wenn du in 'nem verrosteten alten Kleinwagen sitzt und neben dir ein sechs Tonnen schwerer und drei Meter hoher Elefant vorbeiläuft. Die 1cm Zentimeter dicke Glasscheibe, die dich von diesem gigantischen Tier trennt, vermittelt dir in diesem Moment nicht unbedingt das Gefühl von Sicherheit. Du schaust aus dem Fenster und kannst sogar die feinen Falten in der ledrige Haut erkennen und das tiefe Atmen der Kollose hören. Trotz der Größe schleichen die Elefanten schon fast geräuschlos über den Boden und strahlen eine unglaubliche Ruhe aus. Es war einfach nur beeindruckend einem solch imposanten Tier so nahe zu kommen. 

 

Im Laufe des Tages habe ich dann auch noch die restliche Tierwelt vom Addo Elephant Park begutachten können. Für mich war die Vielfalt und die Harmonie, die die Tiere ausstrahlen, einfach wahnsinnig faszinierend. Es ist schwierig, das Ganze in Worte zu fassen, aber ich kann euch garantieren, dass das nicht die letzte Safari war, die ich hier in Afrika gemacht habe. 

 

Bevor es jetzt aber zur nächste Wildtiersafari geht, mach ich mich erstmals langsam wieder mit dem Bazbus auf den Weg. Ihr hört von mir!

  • ENERGY Traveller Chris im Addo Elephant Park
  • ENERGY Traveller Chris im Addo Elephant Park
  • ENERGY Traveller Chris im Addo Elephant Park
  • ENERGY Traveller Chris im Addo Elephant Park
  • ENERGY Traveller Chris im Addo Elephant Park
  • ENERGY Traveller Chris im Addo Elephant Park
  • ENERGY Traveller Chris im Addo Elephant Park
  • ENERGY Traveller Chris im Addo Elephant Park
  • ENERGY Traveller Chris im Addo Elephant Park
  • ENERGY Traveller Chris im Addo Elephant Park
  • ENERGY Traveller Chris im Addo Elephant Park
  • ENERGY Traveller Chris im Addo Elephant Park
  • ENERGY Traveller Chris im Addo Elephant Park
  • ENERGY Traveller Chris im Addo Elephant Park
  • ENERGY Traveller Chris im Addo Elephant Park
  • ENERGY Traveller Chris im Addo Elephant Park
  • ENERGY Traveller Chris im Addo Elephant Park
  • ENERGY Traveller Chris im Addo Elephant Park
  • ENERGY Traveller Chris im Addo Elephant Park
  • ENERGY Traveller Chris im Addo Elephant Park
  • ENERGY Traveller Chris im Addo Elephant Park
  • ENERGY Traveller Chris im Addo Elephant Park

 

12:  Fischfutter

Nachdem ich jetzt fast einen Monat hier in Jeffreys Bay beim Surfen war, mache ich mich langsam über die Garden Route auf den Weg nach Namibia. Ich habe euch ja schon das eine oder andere Mal erzählt, dass ich ziemlich Schiss vor Haien hab und dass das ja hier beim Surfen eher suboptimal ist. Gott sei Dank ist ja bisher eine Begegnung mit einem Hai ausgeblieben, aber das hat sich diese Woche geändert.

 

Es gibt ja diese Theorie, die besagt, dass man sich seinen Ängsten stellen muss, um diese zu überwinden. Deshalb dachte ich mir, dass mir gegebenenfalls so eine Konfrontationstherapie ganz gut tun würde. Ich habe nämlich mitbekommen, dass man hier in der Nähe von Kapstadt mit Haien tauchen kann. Das wollte ich mir natürlich genauer anschauen und hab mich auf zum Diving Center in Hermanus gemacht und mich tatsächlich angemeldet.

 

Shark Diving war ja auch so ein Punkt, den ich leichtfertig auf meine Bucket List gepackt habe. Aber wenn man dann so an der Küste steht und das kleine Boot mit dem Käfig sieht, der Tauchmaster dir 'nen Neoprenanzug in die Hand drückt, realisiert man eigentlich erst, für was für 'ne Scheiße man sich da jetzt angemeldet hat. Aber wenn du einmal in diesem Neoprenanzug steckst, kommst du aus der Nummer nicht mehr raus.

 

Da saß ich dann also, auf dem kleinen Boot, welches sich immer weiter von der Küste entfernt hat. Vor mir der unendliche, tiefblaue Ozean und hinter mir die typische felsige Küste, die immer kleiner wurde. Nach einer guten halben Stunde hat der Skipper den Motor abgestellt und geankert. Im Gegensatz zu meiner ersten Safari habe ich diesmal die Sicherheitseinweisung mehr als ernst genommen. Und dann ging es eigentlich recht schnell: Nachdem sich der Käfig in der richtigen Position befand, hat der Tauchmaster einen Eimer Fischblut ins Wasser gekippt und einen Köder aus frischen Fischköpfen an einer Leine ausgelegt. Dann sah er mich an und meinte, dass ich jetzt in den Käfig steigen soll. Wenn dann das 13 Grad kalte Wasser in deinen Neoprenanzug fließt, der Käfig sich über dir verschließt, vor dir abgetrennte Fischköpfe rumschwimmen und du weißt, dass gleich Haie wenige Zentimeter vor dir rumschiwmmen, dann ist das Ganze erstmal eher nicht so geil. Aber gut, ich hab's mir ja selber ausgesucht...

 

Die Sicht war an diesem Tag nicht die Beste, weshalb ich unter Wasser maximal fünf Meter weit sehen konnte. Nach circa drei Minuten im Wasser habe ich bereits die ersten Flossen im entfernten, trüben Wasser erkennen können und keine zehn Sekunden später kam dann tatsächlich ein drei Meter langer Hai direkt auf mich zugeschwommen und hat circa 50 Zentimerter vor mir die Fischköpfe mit einem heftigen Ruck von der Leine gerissen. Ihr könnt euch nicht vorstellen, was für eine Power so ein Hai hat. Das war mit Abstand das Spektakulärste, was ich bisher in der Tierwelt erleben durfte. Ich war dann circa eine halbe Stunde zusammen mit den Haien im Wasser, aber war danach mehr als froh, als ich endlich wieder festen Boden unter den Füßen hatte. Auch wenn es eine unglaubliche Erfahrung für mich war, muss ich sagen, dass es jetzt nicht unbedingt die cleverste Entscheidung war, wenn man eh schon Schiss vor Haien hat. Ich glaub, ich kann jetzt wahrscheinlich gar nicht mehr ins Wasser gehen, nachdem ich gesehen habe, wir der Hai diesen Köder einfach nur vernichtet hat... Der Tauchmaster meinte schlussendlich, dass ich einfach in Zukunft immer mit einer Gruppe ins Wasser gehen soll, damit die Wahrscheinlichkeit geringer ist, dass der Hai mich angreift. Sehr beruhigend!

 

Datei Traveller_SharkDiving.mp4
ENERGY Traveller Chris beim Shark Diving

 

Aber das Thema Haie kann ich jetzt sowieso erstmal abhaken, da ich mich jetzt auf den Weg in die Wüste Namibias mache und dort dann eher mit Skorpionen und Schlangen klar kommen muss.

 

13:  Namibia Calling - die ersten Nächte in der Namib Wüste 

Nachdem ich jetzt doch ein bisschen in Südafrika hängen geblieben bin, musste ich mich schon fast losreißen, damit ich hier endlich mal weiter komme. Aber Afrika hat noch viel zu bieten, weshalb ich mein Kraffel zusammengepackt habe, um die nächsten Wochen mit dem Zelt durch Namibia zu reisen. Ich war ja anfangs ein bisschen skeptisch, da es dort außer Wüste scheinbar nicht viel geben soll, aber jetzt nach den ersten Tagen muss ich sagen, dass Namibia richtig stark performt.

 

Falls ihr mal keinen Bock auf andere Leute haben solltet, dann macht euren nächsten Urlaub einfach hier. Ihr könnt hier stundenlang mit dem Auto durch diese trockene, karge Wüstenlandschaft fahren, ohne eine einzige Menschenseele anzutreffen. Das ist aber auch irgendwie nachvollziehbar, da die Lebensbedingungen einfach zu extrem sind. Die Sonne ballert hier jeden Tag mit 40 Grad auf die Namib Wüste runter, man schwitzt ohne Ende und jede Bewegung ist einfach nur sau anstrengend. Aber wenn du dann diese unglaublich schöne Wüstenlandschaft und die vielfältige Tierwelt siehst, dann entschädigt das für jeden Tropfen Schweiß, den du vergossen hast. 

 

Trotz der extremen Hitze und den widrigen Lebensbedingungen gibt es hier an jeder Ecke Zebras und verschiedenste Arten von Antilopen. Es ist für mich ehrlich gesagt unerklärlich, wie die Tiere bei diesen Temperaturen überhaupt überleben können. Ich klapp' hier jedenfalls schon fast zusammen, sobald ich mal ein paar hundert Meter eine Sanddünen hochlaufen muss, aber vielleicht liegt das auch einfach nur an meinem derzeitigen Fitnesslevel... wer weiß!


  • ENERGY Traveller Chris in der Namib Wüste
  • ENERGY Traveller Chris in der Namib Wüste
  • ENERGY Traveller Chris in der Namib Wüste
  • ENERGY Traveller Chris in der Namib Wüste
  • ENERGY Traveller Chris in der Namib Wüste
  • ENERGY Traveller Chris in der Namib Wüste
  • ENERGY Traveller Chris in der Namib Wüste
  • ENERGY Traveller Chris in der Namib Wüste
  • ENERGY Traveller Chris in der Namib Wüste
  • ENERGY Traveller Chris in der Namib Wüste

 

 

Neben der Tierwelt ist auch die Landschaft unglaublich beeindruckend. Du hast ständig einen Blick auf die massiven, schon fast roten Sanddünen, die hier bis zu 400 Meter aus dem Boden ragen und sich direkt von der Küste bis ins Landesinnere auftürmen. Natürlich habe ich es mir nicht nehmen lassen, auf eine der größten Sanddünen hier in der Wüste zu klettern, um die Namib Wüste nochmal aus einem anderen Blickwinkel zu betrachten.

 

Was mich aber in Namibia mit Abstand am meisten beeindruckt hat, ist der Sternenhimmel. Nachdem sich die Sonne mit einem intensiven Abendrot verabschiedet hat, die trockene Luft ein wenig abkühlt und ein leichter Wind anfängt zu wehen, hole ich hier jeden Abend meinen Schlafsack raus und leg mich für ein paar Stunden vor das Zelt. Sobald ich dann am Boden liege, nur noch die Grillen zirpen höre, den warmen Wind auf der Haut spüre und in den Himmel schau, denk ich mir einfach nur: What the fuck! Ich habe in meinem Leben noch nie so einen klaren und intensiven Sternenhimmel gesehen wie hier in der Wüste. Man kann mit dem bloßen Auge andere Galaxien und sämtliche Sternbilder erkennen. Ich habe mal versucht, das Ganze irgendwie mit der Kamera festzuhalten, was natürlich kaum möglich ist. Trotzdem hoffe ich euch zumindest einen Eindruck vermitteln zu können, wie extrem klar die Sicht auf die Sterne hier in der Namib Wüste ist. 

ENERGY Traveller Chris in der Namib Wüste bei Nacht

 

ENERGY Traveller Chris in der Namib Wüste bei Nacht

ENERGY Traveller Chris in der Namib Wüste bei Nacht

 

ENERGY Traveller Chris in der Namib Wüste bei Nacht

Wir ihr also seht, hat mich Namibia nach den ersten Tagen schon ziemlich gepackt und ich bin gespannt, was das Land noch so zu bieten hat. Ich mache mich jetzt weiter Richtung Norden, um Swakopmund, Spitzkoppe und den Etosha Nationalpark zu erkunden. 

 

Ich melde mich dann nächste Woche wieder mit den weiteren Eindrücken aus Namibia.

 

Schaut euch hier gerne noch zwei Videos von mir an:

Datei Traveller_Namib_01.mp4
ENERGY Traveller Chris in der Namib Wüste - Teil 1

Datei Traveller_Namib_02.mp4
ENERGY Traveller Chris in der Namib Wüste - Teil 2


14:  Little Germany - Action in Swakopmund

Da fahr' ich dann also so durch die Wüste in Namibia. Um der Hitze etwas zu entfliehen, habe ich einen kleinen Zwischenstopp an der Küste in Swakopmund eingelegt. Die Stadt, die zwischen den unendlichen Sanddünen der Namib Wüste und dem tiefblauen Atlantik angesiedelt ist, hat mir endlich wieder das Gefühl von Zivilisation gegeben. Es war einfach schön, anderen Menschen über den Weg zu laufen, Leute in den Bars und Restaurants zu sehen und die kalte Meeresbrise auf der Haut zu spüren.

 

Als ich dann so durch die Straßen von Swakopmund gelaufen bin, hab ich sehr viel deutschsprachige Leute gehört. Ich meine, man trifft ja mittlerweile überall deutsche Touristen, aber hier war es schon wirklich extrem. "Ganz schön touristisch hier", dachte ich mir, als ich dann auch noch die ins Deutsche übersetze Speisekarte im Restaurant gesehen habe. Nachdem ich dann aber auch noch Schnitzel mit Pommes und Schweinshaxe in der Speisekarte entdeckt habe, musste ich doch mal den Reiseführer aufschlagen. Namibia war lange Zeit durch deutsche Missionare und Kolonien geprägt, weshalb hier nach wie vor sehr viel Deutsch gesprochen wird und natürlich auch alles etwas deutsch geprägt ist. Ich sag's euch, es ist schon ein bisschen komisch, wenn du bei 30 Grad in der Sonne 'ne Schweinshaxe mit Sauerkaut isst. Aber gut... was es nicht alles gibt.

 

So, was kann man denn hier so an einem Tag in 'ner Wüstenstadt wie Swakopmund machen? Dünen und Tiere hab ich mittlerweile ehrlich gesagt genug gesehen, aber den ganzen Tag nur in der Sonne bruzzeln wollte ich dann auch nicht. Gut, dass Swakopmund als Action-Sport-Mekka bekannt ist, was ich natürlich nutzen wollte. Also auf zum nächsten Action-Sport-Center: Quad ausgeliehen, Sandboard auf den Gepäckträger geschnallt und auf geht’s.

 

Ich hab mich gefühlt wie ein kleiner Junge, der das erste Mal auf 'nem Traktor mitfahren durfte. Mit einem breiten Grinsen im Gesicht bin ich dann also durch das Hinterland geheizt. Der Sand wird dir ins Gesicht geschleudert, der Fahrtwind bläst dir um die Ohren und mein Schweiß tropft auf das aufgeheizte Quad - also an Testosteron hat es an diesem Tag auf keinen Fall gefehlt. Nachdem wir dann ein paar Stunden die Wüste erkundet haben, haben wir uns eine der größten Dünen ausgesucht und unsere Sandboards ausgepackt. Wir haben ja an diesem Tag noch nicht genug Sand gefressen.... Spätestens nachdem wir zweimal diese Düne kopfüber runtergerutscht sind, war auch die letzte Ritze meines Körpers voller Sand.

 

Also wie ihr seht, kann man es hier in der Wüste recht gut aushalten und es wird garantiert nicht langweilig. Aber Namibia hat noch viel zu bieten, weshalb ich mich mich jetzt wieder auf den Weg mache, um den Norden des Landes weiter zu entdecken... The show must go on!

Datei Traveller_ActionInSwakopmund.mp4
ENERGY Traveller Chris in Swakopmund

 

 

15: Campen in Botswana -  National Geographic in Live

Ich weiß ja nicht wie es euch geht, aber gerade zur Winterzeit kann ich zum Teil stundenlang vorm Fernseher sitzen und mir eine Doku von National Geographic nach der anderen reinziehen. Die Tierwelt und Natur hat mich schon immer fasziniert, weshalb ich mir hier in Afrika auf jeden Fall noch ein paar Safaris geben wollte - und hierfür gibt es vermutlich kaum einen besseres Land als Botswana. 

 

Also auf ins nächste Land auf meiner Weltreise. Nach der heißen und trockenen Wüste in Namibia, bin ich froh, endlich mal wieder eine saftig grüne Landschaft zu sehen - das Okovango Delta. Da ich jetzt eh schon seit einigen Wochen mit dem Zelt unterwegs war, wollte ich diesmal auch mitten im Nationalpark übernachten, um das meiste aus der Safari rauszuholen. Bereits die Anreise zum Camp ist einfach nur beeindruckend. Du siehst eine der vielfältigsten Tierwelten auf dieser Erde. Elefanten überqueren das überflutete Delta, Giraffen pflücken die saftig grünen Blätter von den Bäumen, Löwen chillen in der Sonne und ich mittendrin. Es ist schon fast surreal... 

 

Einige unserer Camps waren direkt am Wasserloch gelegen und eingezäunt, so dass ich die ganze Nacht die Tiere beobachten konnte, die ihren Durst am Wasser stillen wollten. Ich sag's euch, das ist besser als jede Doku bei National Geographic. Die meisten Tiere sind nämlich nachtaktiv und entsprechend tummelt sich hier alles am Wasserloch. Vor einigen Tagen hat sich beispielsweise ein Rudel Löwen direkt vor meinen Augen auf die Lauer gelegt und abgewartet, welche Tiere so ans Wasserloch kommen. Nach einiger Zeit kamen dann einige Elefanten, Nashörner und Giraffen zum Schauplatz und haben dort nichtsahnend ihren Durst gestillt. Und dann ging's ab: Mehrere Löwen springen wie abgesprochen aus dem Busch und greifen die gleiche Giraffe an! Ich hab wirklich keine Ahnung, wie sich diese Tiere absprechen können, aber es war faszinierend, wie impulsiv und instinktiv das ganze Rudel agiert hat. Es hat auf jeden Fall 'ne Weile gedauert, bis ich meine Kinnlade wieder zumachen konnte. Die Löwen sind samt der Giraffe in der Dunkelheit verschwunden und leider kann ich euch nicht sagen, ob die Giraffe die Nacht überlebt hat. Aber so eine Show bekommt man jedenfalls nicht täglich zu sehen.

 

Ein paar Tage später war ich erneut auf Safari und habe erneut im Busch gepennt. Wir haben wieder ein Rudel Löwen in der Abenddämmerung gefunden, die gerade noch die Reste einer Antilope verspeist haben. Nachdem wir dann schon fast routiniert unsere Bilder gemacht haben, sind wir weiter gefahren. Nach einer fünfminütigen Fahrt hält plötzlich unser Guide an und meinte, dass wir hier jetzt unser Camp aufschlagen sollen. Ich musste nochmals nachfragen, ob er das jetzt wirklich ernst meint, da ich immer noch die Bilder von der Giraffe und der zerfetzten Antilope im Kopf hatte und jetzt nicht unbedingt ein paar hundert Meter entfernt von Löwen schlafen wollte. Aber der Guide meinte, dass das kein Problem sei und ich einfach in der Nacht das Zelt nicht verlassen soll, wenn ich draußen etwas höre.

 

Da liegst du dann in deinem Zelt, die Augen auf die Decke gerichtet und im Hintergrund das Gebrüll der Hyänen und Löwen. Ihr könnt euch sicherlich vorstellen, dass ich in den letzten Nächten nicht unbedingt besonders tief geschlafen habe. Ich hab mir auf jeden Fall meinen Hahndrang bis zum Morgengrauen verdrückt, weil alleine vors Zelt treten war absolut keine Option für mich. 

 

Andererseits ist hier jeder Tag extrem aufregend. Insbesondere wenn man sich außerhalb vom Fahrzeug bewegt, mit Kajaks durch den Nationalpark fährt und die Tiere zum Teil zu Fuß beobachtet. Über die Zeit habe ich einen extremen Respekt vor jedem einzelnen Tier entwickelt und hoffe, dass ich keinem der Tiere jemals zu nahekomme. 

 

  • ENERGY Traveller Waibel in Botswana
  • ENERGY Traveller Waibel in Botswana
  • ENERGY Traveller Waibel in Botswana
  • ENERGY Traveller Waibel in Botswana
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  • ENERGY Traveller Waibel in Botswana
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  • ENERGY Traveller Waibel in Botswana
  • ENERGY Traveller Waibel in Botswana
  • ENERGY Traveller Waibel in Botswana
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  • ENERGY Traveller Waibel in Botswana
  • ENERGY Traveller Waibel in Botswana

 

 

16: SImbabwe - Rafting unter den victoria falls

Die Victoria Falls waren wahrscheinlich einer der Orte, auf die ich mich vorab am meisten gefreut habe. Neben dem unglaublichen Naturspektakel, welches sich hier in Simbabwe abspielt, muss es wohl auch recht gute Outdoor-Abenteuer geben, was ich mir natürlich auf keinen Fall entgehen lassen wollte. Also raus aus Botswana und nach dreieinhalb Stunden an der Grenze war ich dann auch schon in Simbabwe.

 

Bereits mehrere Kilometer entfernt habe ich schon ein Art Sprühnebel erkennen können, der von den Victoria Falls in die Luft geschleudert wird und sich langsam in der Umgebung niederlässt. Als ich dann im Bus saß, diesen Nebel gesehen habe, das Rauschen des Wassers erahnen konnte, konnte ich es kaum erwarten, die Victoria Falls endlich live zu sehen. Kurz im Camp eingecheckt und nach einem kurzen Fußmarsch war ich dann auch schon dort... Und da stehst du dann und kannst es kaum glauben, was sich vor dir abspielt. Man könnte meinen, dass jemand Sambia und Simbabwe auseinanderreißen wollte und dadurch diese massive, über 100 Meter tiefe Schlucht entstanden ist. Hinter dem Geländer geht es senkrecht runter und die Wassermassen schlagen mit einer unglaublichen Wucht auf. Es ist unvorstellbar laut und man kann sich kaum mit anderen Leuten unterhalten und ja, es ist feucht... sehr feucht. Nachdem die Kameras in Sicherheit gebracht wurden, konnte ich dann das volle Ausmaß der Wasserfälle anschauen, aber wie so oft muss man dieses Spektakel selbst erlebt haben, um nachzuvollziehen was ich meine.

 

ENERGY Traveller Chris bei den Victoria Falls in Simbabwe

 

Leider bin ich gerade zur Trockenzeit hier in Simbabwe, weshalb ich quasi nur einen Teil der Fälle sehen konnte, jedoch hat es den Vorteil, dass das Rafting besser ist, je weniger Wasser im Sambesi ist. Also auf zum Rafting! Ich habe bereits vor einigen Jahren eine Dokumentation übers raften im Sambesi gesehen und dachte mir schon damals, dass ich das unbedingt einmal in meinem Leben gemacht haben muss. Entsprechend habe ich mich gefreut wie ein Schnitzel, dass dieser kleine Traum jetzt wirklich in Erfüllung geht. Ich wusste ja schon, dass es recht wild wird, aber was dort dann abging, war einfach nur krass.

 

Als ich die Stromschnellen von oben gesehen habe, wusste ich schon, dass das jetzt kein Zuckerschlecken wird, aber wenn du dann in deinem Schlauchboot sitzt und geradezu auf diese massiven Wasserwalzen zufährst, dann geht dir schon mal die Pumpe. Aber so nach drei oder vier Stromschnellen kommt schon eine gewisse Routine rein und man hat das Gefühl das Ganze doch halbwegs unter Kontrolle zu haben. Aber genau DANN zeigt dir Mutter Natur, dass du doch nur eine kleine Spielfigur auf dieser Erde bist. Als wir nämlich in die nächste Sektion eingefahren sind, hat es unser Boot um 90 Grad gedreht und aufgestellt. Ich bin über das komplette Boot ins Wasser geflogen und wusste in diesem Moment überhaupt nicht was abgeht. Nach ein paar Sekunden unter Wasser wusste ich zumindest wo oben und unten ist und wollte möglichst schnell auftauchen... aber immer als ich kurz vor der Oberfläche war, hat es mich wieder in die nächste Wasserwalze reingezogen. Wenn du dann fast zehn Sekunden unter Wasser bist und versuchst aufzutauchen und das nicht möglich ist, bekommst du einfach nur Panik. Panik!!! Diese paar Sekunden haben sich angefühlt wie Minuten und ich hab innerlich schon mit meinem Dasein abgeschlossen. Nach einigen Sekunden war dann aber Gott sei Dank die Sektion zu Ende und ich konnte endlich wieder auftauchen, um nach Luft zu ringen und mir ein Bild von der Umgebung machen.

 

Was ich aber vorfand war reinstes Chaos. Überall sind Paddel rumgeschwommen, Leute waren zum Teil noch im Wasser, manche wurden von anderen Booten aufgenommen und jeder schreit dich an, was du machen sollst und wo du hinschwimmen sollst. Nach ein paar Minuten waren wir dann aber wieder organisiert, denn die nächste Stromschnelle hat schon auf uns gewartet.

 

Nach acht Stunden Rafting, Adrenalin und Action war ich dann einfach nur durch mit der Welt. In dieser Nacht hab ich geschlafen wie ein kleines Baby und war froh, dass ich endlich wieder festen Boden unter den Füßen hatte. Im Nachhinein muss ich sagen, dass es eines der geilsten Action-Abenteuer war, die ich je gemacht habe und muss das erstmal Revue passieren lassen. Also wenn ihr mal richtig Raften gehen wollt, dann kommt nach Simbabwe - der Sambesi ist auf jeden Fall eine Challenge.

 

Schaut euch hier noch das krasse Video an:

Datei Traveller_VictoriaFalls.mp4
ENERGY Traveller Chris beim Raften bei den Victoria Falls

17:  Simbabwe - auf der Suche nach Geld und Benzin

Bereits an der Grenze zu Simbabwe hab ich gemerkt, dass hier die Uhren etwas anders ticken. Es hat mich einige Tage und einige US-Dollar gekostet, bis ich gecheckt habe, was hier eigentlich abgeht. Als ich vor einigen Tagen eingereist bin und in den Supermarkt gegangen bin, um ein paar Lebensmittel zu kaufen, musste ich erstmal kräftig schlucken. Fünf Dollar für 'ne Dose Thunfisch, zwei Dollar für 'nen Apfel, zwei Dollar für 'nen Bier... Zwei Dollar für ein BIER??? Aber ich dachte mir schon, dass das nicht sein kann und hab mich mal schlau gemacht, was es mit den hohen Preisen so auf sich hat.

 

Vor einigen Jahren wurden aufgrund einer Hyperinflation sogenannte Bond Notes eingeführt, die den gleichen Wert wie US-Dollar haben sollen. Sprich an der Bank, im Supermarkt oder an der Tankstelle kann eins zu eins entweder mit US-Dollar oder mit Bond Notes bezahlt werden. Jedoch hat natürlich niemand Vertrauen in die neuen Bond Notes und aufgrund ein paar anderer Gründe ist die offizielle, neue Währung viel weniger Wert, als der US-Dollar. So, jetzt steh ich da mit meinen US-Dollar, die ich Gott sei Dank mitgebracht habe, da man hier nirgends Geld abheben kann und brauche lokale Währung, damit ich mir was zu Essen kaufen kann. An der Bank oder in der Wechselstube bekomme ich aber genau so viele Bond Notes wie US-Dollar. Ein paar Locals haben mir dann aber erklärt, dass ich auf den Schwarzmarkt gehen muss, um Geld zu wechseln. Die Kurse wechseln täglich, aber in der Regel bekomme ich für einen US-Dollar drei Bonds und zack, kostet das Bier im Supermarkt nur mehr 70 Cent.

 

Nach ein paar Bier war ich dann schon wieder beruhigt und habe mich mit einem Freund aus Harare getroffen, der zur selben Zeit auch die Victoria Falls besucht hat. Er hat mir angeboten mit nach Harare, der Hauptstadt zu fahren, aber zuvor müssen wir noch irgendwo Benzin auftreiben. Ich schaute ihn kurz an und meinte: "Ok, dann lass uns zur Tanke fahren." Danach lachte er kurz, klopfte mir auf die Schulter und meinte, dass ich noch einiges über Simbabwe lernen müsse. Das Land ist wirklich pleite und alles andere als liquide. Entsprechend gibt es kaum Benzin, Medikamente oder Cash bei den Banken. Sobald es also Benzin gibt, stürmen alle Einwohner zur jeweiligen Tankstelle und warten Stunden, manchmal sogar über Nacht an der Tankstelle, damit sie Treibstoff bekommen. Wir hatten Glück, da mein Freund gut vernetzt war und nach drei Tagen hatten wir unser Auto und einige zusätzliche Kanister vollgetankt.

 

ENERGY Traveller Chris in Simbabwe

 

Wie ihr seht, ist es ein echtes Abenteuer hier einkaufen zu gehen bzw. an Geld zu kommen. Anfangs ist es ja recht lustig und spannend sich hier durchzuschlagen, aber nach einigen Tagen wird es dann doch eher mühsam, immer wieder neu um den US-Dollar-Kurs zu verhandeln oder nach Benzin Ausschau zu halten. Es ist einfach alles sehr kompliziert und ehrlich gesagt hab ich das ganze System immer noch nicht so ganz verstanden.


 

Simbabwe - Eastern Highlands

Wie ich schon mehrmals erwähnt habe, ist Simbabwe vermutlich bisher das spannendste, komplizierteste und auch eines der schönsten Länder, welches ich auf meiner Weltreise bisher besucht habe. Aufgrund der wirtschaftlichen und sozialen Anspannungen im Land, ist der Tourismus hier auch noch nicht wirklich angekommen (abgesehen von den Victoria Falls), was man auch anhand der touristischen Infrastruktur merkt. Aber genau das gibt dem Land diesen "unberührten" Charakter.

 

Nach Harare, der Hauptstadt von Simbabwe, habe ich mich weiter auf den Weg nach Mosambik gemacht. Auf den Weg zur Grenze muss ich jedoch die Berglandschaften im Osten des Landes durchqueren, weshalb ich mich entschlossen habe ein paar Tage in Mutare zu bleiben, um ein paar Bergtouren zu unternehmen. Das Ganze war aber mal wieder ein bisschen komplizierter als angenommen. Da meine Freunde in Simbabwe geblieben sind, musste ich wieder auf die Öffentlichen umschwenken und rausfinden, wie ich in die Berge komme. Das Internet, falls man mal Empfang hat, bietet kaum Informationen, weshalb man sich durchfragen muss, wie und wo man am besten hinfährt. Das meistgenutzte öffentliche Transportmittel sind die sogenannten Chapas (Minibusse) und das ist beim besten Willen kein Spaß. Die Minibusse sind alt, dreckig, überfüllt und unbequem. Aber mangels Alternativen musste ich da dann mal wieder durch. Nach einer Stunde Suche am "Busbahnhof" habe ich dann endlich den richtigen Minibus gefunden. Es gibt keinen Fahrplan, da die Chapas erst losfahren, sobald sie voll sind. Und mit voll ist nicht gemeint, sobald alle Sitzplätze belegt sind, sondern sobald jeder Kubikzentimeter mit Gepäck und Personen gefüllt ist. Sprich dein Backpack und ggf. zusätzliches Gepäck wird auf deinem Schoß verstaut und im Gang sitzen mindestens noch fünf weitere Personen und ggf. ein paar Hühner. Zusammengefasst, saß ich dann also mal wieder in einem alten, rostigen Chapa...., das Innenfutter meines Sitzes war quasi nicht mehr vorhanden, meine Knie auf der Höhe meiner Ohren, mein Backpack und mein Rucksack auf meinem Schoß, mein Kopf gegen die Fensterscheibe gedrückt, extrem laute Musik (nach der Auswahl der Fahrers) und fünf Stunden katastrophale Straßen vor mir... Na Bravo!

 

Gegen Mittag bin ich dann endlich angekommen. Nach kurzer Orientierung habe ich auch das einzige Guest House in der Stadt gefunden. Ich war der einzige Gast dort, aber die Familie der Haushälterin war sehr nett und hat mich auch gleich zum Abendessen eingeladen. Dort habe ich einen sehr interessanten Menschen kennengelernt: Takunda. Er ist der Sohn der Haushälterin und organisiert hin und wieder Bergtouren für die Gäste im Hostel. Folglich hat er auch mich mit in die Berge genommen und am nächsten Tag sind wir in die Bvumba Mountains (Nebelberge) aufgebrochen. Die Tour durch die sanften, grünen Hügellandschaften hat richtig gut getan, nach den recht komplizierten Tagen in Harare. Die Umgebung ist geprägt von zahlreichen Wasserfällen, wo wir uns immer wieder abgekühlt haben - Mangobäumen, von welchen wir uns bedient haben und unglaublich schönen Aussichten auf die verschiedenen Täler der Eastern Highlands.

 

Datei Video_1_Bvumba_Mountains_Webseite.mp4
ENERGY Traveller Chris bei den Bvumba Mountains

 

Mit Abstand am interessantesten waren jedoch die Gespräche mit meinem Guide. Takunda ist 25 Jahre alt und muss mit den täglichen Herausforderungen in Simbabwe klar kommen. Er kommt aus schwierigen Verhältnissen, da er ohne Vater aufgewachsen ist, seine Onkel waren Alkoholiker und er selbst ist Legastheniker und hat entsprechend kaum Schulbildung genossen und wurde oft von seinem Umfeld als "dumm" angesehen. Das alles ist natürlich ein großes Problem in einem Land, in welchem eine Arbeitslosenquote von über 90% besteht.

 

Nichtsdestotrotz ist Takunda in meinen Augen ein sehr intelligenter Typ. Er reflektiert sich unglaublich viel und möchte von jeder Erfahrung und von jedem Touristen lernen. Er trinkt keinen Alkohol, da er nicht so sein will, wie seine Onkel und möchte auch seinen Nachnamen nicht verraten, da er den Namen seines Vaters nicht weiterführen möchte. Er will in Zukunft für seine Familie da sein, Verantwortung übernehmen und sich besser verhalten, als es sein Vater getan hat. Er hat sich in den letzten Jahren selbst Englisch beigebracht und verdient mit seinen geführten Touren mehr Geld als viele seiner ehemaligen Schulkollegen. Jedoch ist ihm Geld nicht besonders wichtig. Er will einfach nur glücklich sein, was er allem Anschein nach auch ist.

Hier ein kurzes Interview mit Takunda:

 

Datei Video_2_InterviewTakunda_Webseite.mp4
ENERGY Traveller Chris interviewt Takunda

Leider gab es in den letzten Tagen vermehrt Unruhen und Demonstrationen in Simbabwe, da die Benzinpreise stark angestiegen sind, was wiederum zu einer starken Unzufriedenheit in der Bevölkerung geführt hat. Da ich sowieso kaum mehr Bargeld habe und ich hier auch keins mehr bekommen werde, mach ich mich nun auf den Weg nach Mosambik. Ich wünsche Takunda und seiner Familie alles Gute für die Zukunft und werde mit Sicherheit weiterhin mit ihm in Kontakt bleiben.



 

18:  Mosambik - schnorcheln im paradies

Endlich wieder Meer! Das letzte Mal, als ich in die Wellen springen konnte, war in Kapstadt. Und jetzt steh ich hier auf der anderen Seite des Kontinents und blicke auf den türkisblauen, warmen indischen Ozean und kann es irgendwie kaum glauben, dass ich schon so weit gereist bin. Die letzten Wochen und Monate waren sehr intensiv. Ich habe extrem viel unternommen, war Surfen in Südafrika, bin durch die Wüsten von Namibia gereist, habe exotische Tiere in Botswana beobachtet und die beeindruckenden Wasserfälle, Schluchten und Berglandschaften in Simbabwe besucht. Zeit, endlich mal wieder ein bisschen zu entspannen und zu entschleunigen. Und dafür gibt es vermutlich kein besseres Land als Mosambik.

 

Ich bin seit mittlerweile einer Woche in einem kleinen Fischerdorf Namens Vilankulos. Im Gegensatz zu Südafrika ist das Meer hier sehr warm und man kann auch ohne Neoprenanzug ins Wasser. Wenn ich hier in der Hängematte liege und die Landschaft betrachte, kommt es mir fast so vor, als würde ich das Motiv einer Postkarte anschauen. Der weiße feine Strand, die Palmen mit den Kokosnüssen und die unzähligen alten Fischerboote aus Holz am Horizont, die täglich aufs Meer fahren. Es ist wirklich idyllisch und bereits nach einer Woche sind meine Batterien schon wieder voll aufgetankt.

 

Während meiner Zeit hier in Afrika habe ich bereits viele Orte besucht. Viele waren sehr touristisch und etwas anstrengend, wie beispielsweise die Garten Route, andere Orte waren hingegen unberührt und schwierig zu bereisen, wie teilweise in Simbabwe. Hier in Mosambik ist meiner Meinung nach die perfekte Mischung vorhanden. Es gibt teils touristische Strukturen, aber man hat immer noch authentischen Kontakt mit den Einheimischen, kauft den Fisch direkt vom Boot und handelt auf dem Markt die Preise für das Gemüse. Auch wenn du kein Portugiesisch redest, sind die Locals super geduldig und mit Händen und Füßen hat man sich ja schon immer am besten verstanden. Ich fühl mich hier auf jeden Fall pudelwohl und werde mein Visa für diese Land definitiv ausreizen, um möglichst viel von diesem schon fast karibischen Flair mitzunehmen.

 

  • ENERGY Traveller Chris in Mosambik
  • ENERGY Traveller Chris in Mosambik
  • ENERGY Traveller Chris in Mosambik
  • ENERGY Traveller Chris in Mosambik

 

Natürlich habe ich es mir nicht nehmen lassen, die verschiedenen Inseln und Archipels zu erkunden. Hierfür haben wir uns ein Boot und einen Skipper gemietet, Fisch eingepackt und sind losgefahren. Es hat schon was, wenn man an einem einsamen Strand liegt, den Duft des gegrillten, frischen Fischs in der Nase hat und im Anschluss in den farbenfrohen Riffs zwischen den Inseln schnorchelt. Die Unterwasserlandschaft hier in Mosambik ist wirklich einmalig. Wenn du hier schnorcheln gehst und deinen Kopf unter Wasser hältst, betrittst du eine andere Welt. Auf einmal ist alles leiser und langsamer und man checkt erstmals, was unter seinen Füßen so alles passiert. Ich hab in meinem Leben noch nie so viele unterschiedliche Lebensformen unter Wasser gesehen. Ich könnte stundenlang die farbenprächtigen Fische beobachten, die sich durch die unendlichen Korallen schlängeln. Besser als jedes Aquarium und die perfekte Gelegenheit, sich einen satten Sonnenbrand auf dem Rücken einzufangen. ;-)

 

Wie ihr also seht, ist es hier gerade recht gechillt und ich kann mich nicht beklagen. In den nächsten Tagen werde ich weiter in den Süden an der Küste entlang reisen und weil ich so angetan von der Unterwasserwelt war, spiele ich mit dem Gedanken hier in der Nähe einen Tauchschein zu machen. Ich halte euch auf jeden Fall auf dem Laufenden....

Hier noch ein paar Eindrücke von der Unterwasserwelt:

 

  • ENERGY Traveller Chris beim tauchen in Mosambik
  • ENERGY Traveller Chris beim tauchen in Mosambik
  • ENERGY Traveller Chris beim tauchen in Mosambik
  • ENERGY Traveller Chris beim tauchen in Mosambik
  • ENERGY Traveller Chris beim tauchen in Mosambik
  • ENERGY Traveller Chris beim tauchen in Mosambik
  • ENERGY Traveller Chris beim tauchen in Mosambik
  • ENERGY Traveller Chris beim tauchen in Mosambik

19: Tofo - Surfen, schnorcheln und Kokosnuss schlürfen

 

Ich muss ja schon sagen, dass mir der Abschied von Vilankulos recht schwer gefallen ist. Die Leute, die Natur und die Erlebnisse, die ich dort hatte, waren schon einmalig, aber der nächste Küstenort hat ja schon auf mich gewartet. Hört sich alles super an, wenn da nicht das altbekannte Problem gewesen wäre: Öffentliche Transportmittel. Leider ist es meist recht kompliziert von A nach B zu kommen, wenn man nicht ein Vermögen für ein privates Shuttle ausgeben möchte. Tofo und Vilankulos sind circa sechs Stunden voneinander entfernt, man muss zwei Minibusse und eine Fähre nehmen, um dort endlich anzukommen.

 

Wäre eigentlich alles nicht so dramatisch, wenn ich Trottel nicht verschlafen hätte, um meinen Bus zu erwischen, was das Ganze nochmals etwas komplizierter machte. Aber wie so oft beim reisen, muss man dann einfach ein bisschen improvisieren. Als ich mit meinem gesamten Gepäck an der Bushaltestelle stand, wollte ich zunächst anfangen zu trampen, aber hab das dann relativ schnell aufgegeben, da mein Ziel doch zu spezifisch und die Distanz einfach zu groß ist, um vor Anbruch der Dunkelheit anzukommen. Scheinbar muss ich recht hilflos und verzweifelt ausgeschaut haben, da nach einigen Minuten bereits einige Leute auf mich zukommen und mir ihre Hilfe angeboten haben. Nach einer Stunde standen sicher zehn Afrikaner um mich rum und haben versucht einen Transfer zu organisieren. Das passiert dir in Deutschland auf jeden Fall nicht. Und tatsächlich kannte einer meiner Helfer jemanden, der wiederum Carlos kannte, der am selben Tag noch nach Tofo musste und mich entsprechend für ein kleines Entgelt (sogar weniger als der Bus) mitgenommen hat.

 

ENERGY Traveller Chris in der Mitfahrgelegenheit nach Tofo

Gegen 23 Uhr kam ich dann auch endlich im Hostel an und konnte noch gar nicht so richtig wahrnehmen, wo ich mich gerade befinde. Als ich dann aber am nächsten Tag vom Vogelgezwitscher aufgewacht bin und das Rauschen der Wellen schon hören konnte, hat sich sofort ein großes Grinsen in meinem Gesicht breit gemacht. Ich also auf in die Boardshorts und bin vor die Tür getreten. Als sich dann endlich meine Augen an das Licht gewöhnt hatten und ich massive Wellen vor mir sah, Locals mit großen Obstkörben an mir vorbeiliefen und der Typ von der Beachbar einfach nur meinte, dass ich aussehe, als könne ich einen Kaffee vertragen, wusste ich, dass das hier eine ziemlich gute Zeit wird.

 

Nach einigen Tagen hat hier schon fast ein Tagesrhythmus eingesetzt: Aufstehen, Kaffee, surfen, Mangos essen, surfen, schnorcheln und danach jeden Tag eine Kokosnuss beim Marktstand meines Vertrauens. Also 'ne richtig gute Nummer, was dazu geführt hat, dass ich mich noch mehr in Mosambik verliebt habe. Tofo ist darüber hinaus sehr bekannt für Walhaie, die ich unbedingt sehen wollte, weshalb ich auch fast täglich beim schnorcheln war. Leider habe ich nach nun fast einer Woche hier keine Wale gesehen, aber vielleicht muss ich einfach nur ein bisschen hartnäckiger bleiben. Ich bin jedenfalls extrem fasziniert von dieser Unterwasserwelt, den farbenfrohen Fischen, der Vielfältigkeit und der Ruhe, die unter der Wasseroberfläche herrscht.

 

  • ENERGY Traveller Chris am Tofo Beach - Mosambik
  • ENERGY Traveller Chris am Tofo Beach - Mosambik
  • ENERGY Traveller Chris am Tofo Beach - Mosambik
  • ENERGY Traveller Chris am Tofo Beach - Mosambik
  • ENERGY Traveller Chris am Tofo Beach - Mosambik

Nach drei Tagen hier in Tofo hatte ich mal wieder ein altbekanntes Problem: Kein Cash mehr! Natürlich gibt es hier keinen Bankautomaten und nur an sehr ausgewählten Plätzen kann man mit Kreditkarte zahlen, die einem natürlich auch satte Gebühren aufschlagen, sollte man mit Plastik zahlen. Sprich ich musste in den nächsten Ort fahren, um wieder flüssig zu werden. Ich hab natürlich (mal wieder) den Bus verpasst und musste notgedrungen (mal wieder) trampen. Da ich ein bisschen Zeit hatte, habe ich euch einen kleinen Ratgeber fertig gemacht, was man beim Trampen so alles beachten sollte. ;-)

Datei Traveller_Hitchhiking_Guide.mp4
ENERGY Traveller Chris - Hitchhiking Guide

Nach einer Woche hier in Tofo muss ich sagen: Sensationell!!! Ich möchte die Wellen unbedingt noch ein bisschen nutzen und den Ozean noch genauer entdecken. Deshalb werde ich noch eine Woche hier bleiben und habe mich zudem gestern für einen Tauchkurs angemeldet. Ich bin gespannt, was ich dort so alles erleben werde und melde mich dann hoffentlich nächste Woche als qualifizierter "Open Water Taucher" bei euch.

 

  • ENERGY Traveller Chris in Tofo
  • ENERGY Traveller Chris in Tofo
  • ENERGY Traveller Chris in Tofo

     

20: Tofo - Unterwasserwelten

Wie schon im letzten Artikel angekündigt, war ich diese Woche das erste Mal in meinem Leben beim Tauchen. Also ich hatte ja von Anfang an ziemlichen Respekt vor diesem Sport, was sicherlich auch berechtigt ist, aber jetzt nach dieser Woche bin ich richtig angefixt und die Tauchlehrer tun sich schwer mich jeden Tag aus dem Wasser zu bekommen!

 

Gerade in Afrika hatte ich zunächst bedenken, was das Material und die Sicherheitsvorkehrungen angeht, aber ich muss sagen, dass das mal wieder nur eines meiner Vorurteile war. Ich habe meinen Tauchkurs hier mit der Liquid Dive Family gemacht und war wirklich mehr als zufrieden. Natürlich ist der Tauchsport nach wie vor ein absolutes Abenteuer, dennoch würde ich behaupten, dass es trotz allem ein Sport für jedermann ist. Das vermutlich schwierigste an dem Ganzen ist zu jeden Zeitpunkt cool zu bleiben und überlegt zu handeln, worauf mich die Liquid Dive Family aber mehr als gut vorbereitet hat.

 

Die letzten Tagen waren recht intensiv. Mein Tagesrhythmus hat sich von Surfen, Schnorcheln und Kokosnuss schlürfen zu Theorie lernen, Tauchen, Theorie lernen geändert. Aber ohne Theorie geht es nun mal nicht... Nachdem ich die ersten Theorieeinheiten hinter mir hatte, ging es zunächst in den Pool, wo ich den Umgang mit dem kompletten Equipment gelernt habe. Bereits hier werden erste Notfallsituationen und Prozedere durchgespielt und verschiedenste Übungen absolviert. Und dann war es so weit: Mein erster Tauchgang auf dem Meer....

 

5 Uhr Morgens klingelte mein Wecker und ich war bereits seit 10 Minuten vorher wach. Das ist wirklich was Außergewöhnliches für mich, das ich alles andere als ein Morgenmensch bin. Leise kroch ich aus meinem Stockbett und hab meine fertig gepackte Tasche umgehangen und bin zur Tauchschule gelaufen. Neoprenanzug an, Tauchzeug vorbereitet und einige Minuten später waren wir dann schon im Boot auf den Weg zum Tauchspot. Anfangs ist die Stimmung auf unserem Schlauchboot immer noch gelassen – der Wind weht dir um die Ohren, die Sauerstoffflaschen liegen vor dir und die ersten Sonnenstrahlen wärmen dein Gesicht. Doch sobald der Skipper dann den Motor abstellt und das Boot langsam zum Stillstand kommt, weiß jeder was er zu tun hat. Du holst deine Flossen und Maske, deine Tauchweste und Sauerstoffflasche wird angezogen und alle Instrumente werden nochmals gecheckt. Jeder ist ruhig und konzentriert. Nach wenigen Minuten sitzen dann zehn Leute, still sitzend auf dem Schlauchboot und die Stimmung ist angespannt. Der Skipper startet erneut die Motoren und bringt uns direkt über den geplanten Tauchspot. Alle Taucher starren auf den Boden und warten bis wir die richtige Stelle erreicht haben. Dann das Kommando: "Masks on... Regulators in... 3...2...1...GO! Ich lass mich nach hinten fallen und schlage mit meinem Stahlzylinder als erstes auf der Wasseroberfläche auf und betrete im selben Moment für eine knappe Stunde eine neue Welt.

 

Mein Tauchlehrer Andre hat mich und die anderen Tauchschüler sofort eingesammelt und wir sind gemeinsam circa 20 Meter in die Tiefe getaucht. Es ist ein komisches Gefühl sich so tief am Meeresgrund aufzuhalten, mit dem Wissen, dass du nicht einfach sofort auftauchen kannst, da es ansonsten zu gravierenden Lungenverletzungen kommen kann. Also cool bleiben und langsam und gechillt weiteratmen. Andre hat immer via Zeichensprache klare und konkrete Ansagen gemacht, was zu tun ist und was wir in diesem Tauchgang üben werden, was dazu führte, dass ich nach der ersten viertel Stunde komplett entspannt im Wasser getrieben bin und auch erstmals meine Umgebung bewusst wahrnehmen konnte. Bis auf dein Atmen und das dumpfe Motorgeräusch vom Boot, hörst du nichts. Um dich rum ist ein unglaublich farbenfrohes Ökosystem mit Korallen, Fischschwärme und Schildkröten und ich mitten drin, schwerelos im Wasser und überblicke all diese unglaublich faszinierenden Dinge. Bei meinem ersten Tauchgang war ich viel zu aufgeregt und fand alles so toll und beeindruckend, dass mein Sauerstoff nach einer halben Stunde fast schon leer war und wir dann entsprechend rechtzeitig auftauchen mussten.

Obwohl es für den ein oder anderen erfahrenen Taucher vermutlich ein eher normaler, vielleicht sogar unterdurchschnittlicher Tauchgang war,  kam ich hingegen mit weit aufgerissen Augen und einem großen Lachen zurück ins Liquid Dive Center und konnte es nicht erwarten auf den nächsten Tauchgang zu gehen. Ich war einfach nur fasziniert, was da gerade passiert ist und fand es einfach nur geil!

 

Das Prozedere haben wir für die folgenden Tagen wiederholt und gestern habe ich auch meine Theorieprüfung erfolgreich abgelegt. Ich könnte mir also ab jetzt offiziell als Open Water Taucher ansprechen. ;-)

 

Tofo ist wirklich ein toller Ort zum Tauchen, aber auch um einfach zu entspannen und seinen  Urlaub zu genießen. Falls ihr euch als entscheiden solltet, einmal nach Mosambik zu reisen, dann kann ich euch nur empfehlen, euch ebenfalls von der Liquid Dive Family die Unterwasserwelten Afrikas zeigen zu lassen. Es lohnt sich!

 

  • ENERGY Traveller
  • ENERGY TRaveller
  • ENERGY Traveller

     

21: Ponta do Ouro - Mein Frieden mit den Haien!

In meinen vergangenen Beiträgen habe ich ja schon mehrmals über meine Ängste und Erfahrungen mit Haien berichtet. Da ich ja seit letzter Woche sehr viel am Tauchen bin, ist mir natürlich bewusst, dass ich durchaus einem Hai unter Wasser begegnen könnte, was auch der Fall war...
 
Nach einer unglaublichen Zeit, tollen Bekanntschaften und vielen Tauchgängen in Tofo war es Zeit weiterzuziehen... mal wieder mit den öffentlichen Verkehrsmitteln. Nachdem ich dann nach zehn Stunden eingepfercht im Minibus ankam, musste ich erstmals einen Tag ruhen, da ich weder meine Beine noch meinen Arsch spüren konnte, da ich das Glück hatte neben drei Big Mamas im Minibus zu sitzen.


Kleiner Fun Fact am Rande: Die Minibusse oder Chapas werden meist aus Japan importiert und die Sitzreihen bieten normalerweise Platz für drei Asiaten. Ich als 1,86m großer Europäer muss hier quer sitzen, da die Beinfreiheit nicht ausreicht, um meine Knie direkt vor mir zu positionieren und mein Kopf hat einen ständigen Kontakt mit der Decke des Busses. Die Minibusse werden hier deshalb auch als "My Love" bezeichnet, da sie so voll gepackt werden, also mindestens mit vier Personen pro Reihe, so dass man eine Person zumindest in den Arm oder auf den Schoß nehmen muss, damit alle reinpassen.

 

  • Foto_Ponta-do-Ouro_1
  • Ponta-do-Ouro
  • Ponta-do-Ouro
  • Ponta-do-Ouro


Wie auch immer bin ich letztendlich doch noch in Ponta do Ouro angekommen und hab mir am nächsten Tag erstmal ein Bild von dem kleinen Dorf gemacht. Auch wenn es sehr klein ist, ist hier einiges los! Hunderte Südafrikaner kommen hier nämlich jedes Wochenende zum feiern, weshalb es schon fast einen Mallorca-Charakter am Strand hat. Beachbars, knappe Bikinis, viel Alkohol und laute Musik. Also definitiv anders als Vilankulos oder Tofo. Außer Party kann man hier jedoch auch surfen und tauchen, was mir natürlich mal wieder sehr getaugt hat. Nachdem ich ja letzte Woche erst meinen Tauchkurs fertig gemacht habe, dachte ich mir, ich vertiefe das Ganze bei dieser Gelegenheit gleich und geh nochmal mit dem ansässigen Tauchcenter ins Wasser. Aber was mich hier erwartet, hätte ich nicht für möglich gehalten: Shark Diving - aber diesmal nicht im Käfig, sondern direkt im Wasser mit den Haien. Ich mein, ich hatte ja schon die eine oder andere Erfahrung mit Haien, aber immer noch einen Heidenrespekt (und vielleicht auch ein bisschen Schiss) vor diesen Tieren. Der Gedanke, direkt neben so einem Hai zu schwimmen hat mir im ersten Moment schon ein mulmiges Gefühl gegeben, aber die Neugier vor dieser Erfahrung war dann doch einfach zu groß.
 
Also ab aufs Boot, Sauerstoffflasche umgeschnallt, Taucherbrille und Finnen an und 3, 2, 1, go! Da war ich nun mit meinem Divemaster mitten im indischen Ozean und dem Wissen, dass hier ziemlich viele Haie rumschwimmen. Als wir circa 30 Meter in die Tiefe getaucht sind, war aber zunächst nicht viel zu sehen. Ein Rochen und zwei, drei Fischschwärme, was mir erstmal die Möglichkeit gab, mit der Gesamtsituation klarzukommen. Nach circa 20 Minuten unter Wasser deutete plötzlich mein Tauchlehrer in die Ferne, wo ich schon einen sehr sehr großen Schatten erahnen konnte und wusste, dass es jetzt so weit ist. Ich also die Kamera ausgepackt und gewartet, dass der Schatten immer größer und größer wird. Als sich der massive Bullenhai dann einige Meter vor uns befand, konnte ich seine Augen, seine Zähne und zum Teil vernarbte Haut im Detail erkennen: Leck mich Jackson!
 
Widererwartend war die Gesamtsituation sehr entspannt. Nach einigen Minuten sind noch weitere Haie vorbeigekommen und haben uns umkreist und waren einfach nur neugierig was hier so los ist. Ich hatte zu keinem Zeitpunkt das Gefühl, dass uns gleich ein Hai angreifen wird. Es war vielmehr ein gegenseitiges Inspizieren und Beobachten. Scheinbar war es für die Tiere recht klar, dass wir kein Futter sind.
 
Alles in allem war es ein außergewöhnliches Erlebnis, was meine Ansicht auf Haie definitiv geändert hat. Haie sind generell friedfertige Tiere, die prinzipiell keine Gefahr für Menschen darstellen. Selbst als ich aufgetaucht bin und noch einige Minuten an der Wasseroberfläche verbrachte, rumpaddelte und meine Tauchsachen auszog, hatte ich keine Angst (okay vielleicht ein bisschen), dass mich gleich ein Hai am Fuß packt, da ich wusste, dass sie mir gar nichts antun wollen... ich habe also definitiv meinen Frieden mit diesen Tieren gemacht.
 
Nach nun einem Monat hier in Mosambik läuft mein Visa leider aus, weshalb es nun Zeit ist, das nächste Land auf meiner Reise zu erkunden: Das Königreich Swaziland! Ihr hört von mir...

 

Autor: 
kk--
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