Ist Klickscham die neue Flugscham?

Warum das Internet ähnlich viel C02 verbraucht wie der gesamte Flugverkehr und was man dagegen tun kann.

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Gleich nachdem der Wecker klingelt, erstmal die Nachrichten checken, der besten Freundin noch das lustige Foto von gestern Abend weiterleiten und auf dem Weg in die Arbeit ein IGTV -Video  anschauen. Das alles ist mittlerweile ganz normal. Was wir dabei aber nicht bedenken, ist, dass die vielen Daten, die ständig übertragen werden einen nicht unerheblichen CO2-Ausstoß bedeuten. 

Laut dem ZDF produziert die Internetnutzung in Deutschland jedes Jahr so viel CO2 wie der gesamte Flugverkehr. Und von Jahr zu Jahr wird es mehr. Was es ausmachen kann, wenn jeder ein wenig auf seinen Datenkonsum oder sein Postfach achtet, zeigt dieses Experiment eines Mailanbieters. Der rief seine Nutzer dazu auf, ihre unnötigen Mails zu entfernen. Daraufhin löschte jeder User im Schnitt 11 Mails. Macht das jeder ein Mal am Tag, können bis zu 91.000 Tonnen CO2 pro Jahr gespart werden.

Laptop mit Tee und Buch

 

 

Server

Doch was haben Mails mit CO2-Ausstoß zu tun?
Schreibt statt einem Brief eine Mail, spart man zwar Ressourcen wie Papier und Tinte. Aber die Daten werden in einer Cloud oder auf einem Server gespeichert. Das verbraucht eine riesige Menge Strom und bei der Kühlung eines Servers zusätzlich Wasser. IT-Geräte und -Anwendungen produzieren weltweit ca. 800 Millionen Tonnen CO2 pro Jahr - das entspricht in etwa den Gesamttreibhausgas-Emissionen Deutschlands.
Appropos Deutschland: Hier verbrauchen Rechenzentren aktuell 40 Prozent mehr Resourchen als noch im Jahr 2010. Die französische Fernsehanstalt France Télévisions hat berechnet, dass Angestellte mit einem durchschnittlichem E-Mail-Verkehr täglich genauso viele Treibhausgase produzieren, wie eine 11 km Strecke mit dem Auto. 12 Liter Wasser für die Kühlung der Server kommen hinzu. Krass, oder? Wenn man das weiß, dann spart man sich in Zukunft vielleicht die ein oder andere eMail, indem man dem Kollegen vielleicht kurz persönlich Bescheid gibt.

Weitere Lösungsansätze:  
#1 Newsletter abbestellen!
Durch unnötige Newsletter, die man abonniert hat, könnte jeder von uns einiges an Daten einsparen. Ich deaktiviere zur Zeit jeden Tag mindestens einen Newsletter (Über die Jahre hat sich bei mir einiges angestaut) und nutze die "Aufräum-Funktion" meines Postfachs.  
#2 Wichtige Daten könnt ihr auch auf externen Festplatten speichern anstatt sie jahrelang auf einer Cloud liegen zu haben.  So werden die Server entlastet.
#3 Weniger googlen und mehr selbst nachdenken. Ich konnte es selbst nicht glauben und musste diese Information nochmal googeln. Angeblich braucht es 23 Bäume um eine Sekunde Suchanfragen weltweit wiedergutzumachen.
#4 Doch auch die Unternehmen können etwas tun. So kühlen immer mehr Firmen ihre Server mit Wasser anstatt auf Klimaanlagen zu setzten oder nutzen den Verdunstungseffekt im Sommer. Dass man die Wärme der Server auch nutzen kann, damit beschäftigt sich das Projekt reuseheat.eu

Hände auf Laptop

 

Zeitung auf Laptop

Wenn ihr euch noch näher mit dem Thema beschäftigen wollt, hier ein weiterer Tipp: Es gibt zum Beispiel auch grüne Webhosts, die ihre Server mit Ökostrom betreiben. Anbieter sind hier u.a. posteo.de, mailbox.org und Tutanota. Diese Anbieter kosten übrigens weder Geld noch wird Werbung angezeigt. Tutanota gibt es z.B. in einer Freevariante, in der aber nicht alle Funktionen verfügbar sind. Aber zum Testen bietet es sich aber auf jeden Fall an.

Am Ende ist es mit der Klickscham, wie mit der Flugscham. Ein negativ behafteter Begriff, der aber nur ausdrückt, dass wir immer besser darüber informiert sind, welche Auswirkungen das eigene Handeln hat. Eine tolle Chance, denn so können wir unser Handeln danach anpassen und ein wenig E-Mails löschen tut ja keinem weh.  


Du interessierst dich für andere nachhaltige Themen? Dann schau mal bei Green Up Your Life vorbei.

 

Autor: 
kmk
_self

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