50_2019

Plastik Vermeiden

Warum es Hoffnung gibt, dass in Zukunft weniger Plastikmüll produziert wird, verrät dir Marie diese Woche in Green Up Your Life.

Dass Plastik schlecht für die Umwelt ist, wissen wir ja mittlerweile. "Papier statt Plastik“ lauten Werbeslogans für Einkaufstüten aus Papier, die helfen sollen, weniger Kunststoffmüll zu verursachen. Eine Papiertüte oder ein Jutebeutel ist aber nur dann nachhaltiger, wenn du sie mindestens 170 mal benutzt.
Doch es gibt noch mehr innovative Möglichkeiten, dazu beizutragen.
                                            
Es dauert mindestens 450 Jahre, bis beispielsweise eine Plastiktüte zersetzt wird. Und selbst dann bleibt immer noch ein kleiner Rest zurück, sogenanntes Mikroplastik, deren Partikel von Meerestieren, aber auch von uns unbewusst verzehrt werden. Es ist unmöglich, einmal entstandene Mikroplastik aus der Umwelt zu entfernen, weshalb es umso wichtiger ist, dieses giftige Material so gut es geht von vorn herein zu vermeiden.
Wusstest du, dass sowohl an Wurst und Käse, als auch an Schokolade und einfachem Tafelsalz (abgesehen von der Verpackung!) verstecktes Plastik nachgewiesen wurde? Sogar im Mineralwasser lässt sich Mikroplastik finden.  Sodass Forscher schätzen, dass jeder von uns eine "Kreditkarte" Microplastik pro Woche zu sich nimmt.

Doch es gibt Grund zur Hoffnung! Ich stelle euch heute acht Initiativen vor, die im Rahmen ihrer jeweiligen Möglichkeiten versuchen, das Plastikproblem anzugehen.

 

#1 Plastikboykott

Hans-Peter Kastner, Besitzer eines Stuttgarter Getränkemarkts, geht das Risiko ein, pleitezugehen, denn er verzichtet seit August diesen Jahres in seinem Laden komplett auf Plastik.
Innerhalb von gerade einmal 12 Wochen sammelte sein Team 52 Säcke mit je 200 Plastikflaschen und Dosen. Deshalb entschied er sich kurzerhand völlig auf diese umweltschädliche Verpackungsart zu verzichten, und erhält dafür Unmengen an Zuspruch via Social Media sowie direkt vor Ort. Er postete ein Foto der gesammelten Flaschen auf seiner facebook-Seite. Ihm ist klar, dass es nur dann einen großen Unterschied macht wenn jeder Hersteller diese Arbeitsweise unterstützt, das Projekt den erwünschten Erfolg erzielt.

#2 Flasche aus Algen

Eine Flasche, die sich selbst zersetzt? Tatsächlich. Der Produkt-Design-Student Ari Jónsson aus Island entwickelte eine Flasche, die zu 100 Prozent biologisch abbaubar ist. Um diese Eigenschaft zu erreichen, kombinierte er Rotalgenpulver mit Wasser und kreierte so die "Algen-Flasche“. Die galleartige Substanz wird erhitzt und in eine flaschenförmige Form gegeben, anschließend wieder ausgekühlt. Solange die Flasche mit Wasser gefüllt ist, behält sie ihre Form, danach beginnt die Zersetzung.
Übrigens: In London wurde eine ebenfalls aus Algen bestehende essbare Flasche entworfen. Ein DIY zum Thema "Essbare Wasserflasche/-Blase“ findest du zum Beispiel bei Youtube.

 

 

#3 Coca Cola aus dem Meer

Das Thema Nachhaltigkeit und Plastikvermeidung ist mittlerweile auch bei den großen Konzernen angekommen. Coca Cola hat zum Beispiel ein türkises Modell als "Durchbruch beim Recycling“ vorgestellt. Die neue Getränkeflasche soll zu einem Viertel aus Meeresplastik hergestellt werden, was dadurch sowohl den Müllanteil der Meere, als auch den Gebrauch von Neuplastik verringern soll. Als "Enhanced Recycling“ wird der Prozess betitelt. Informationen zum Prozess gibt Coca Cola auf seiner Webseite. Aktuell ist diese Alternative noch nicht marktreif, allerdings sprechen selbst Kritiker des chemischen Recyclings immerhin schon von einer Vision, die die Plastikherstellung deutlich reduzieren könnte.     

#4 Es werde Licht

Das Projekt "Liter of Light“ ist nicht nur gut für die Umwelt, sondern auch für uns. Freiwillige der Organisation zeigen Menschen in Ländern, die auf alternative Lichtquellen angewiesen sind, wie sie selbst Lampen herstellen können – und dabei auch noch Plastik wiederverwerten! Aus einer Plastikflasche, Wasser, verzinktem Stahl, Bleichmittel und Sonnenlicht wird eine Solarlampe, die noch dazu die Umwelt schont. Bereits in 15 Ländern und 353.000 Haushalten bewies die Idee seine Funktionalität.

 

 

#5 Plastik aus Hanf

Aus den Strängen der Pflanzen kann etwa 77% Zellulose gewonnen werden, die zur Herstellung von biologisch abbaubarem Plastik genutzt werden können. Noch dazu bindet das Gewächs CO2 und hilft somit gleichzeitig, dem Klimawandel entgegen zu wirken. Das Problem dabei ist nur, dass aktuell in vielen Teilen der Welt der Anbau von industriellem Hanf noch verboten ist.
Es gibt aber noch weitere Alternativen: Zum Beispiel kann aus den fadenförmigen Zellen von Pilzen sowie aus Stärke von Mais oder Kartoffeln ebenfalls umweltfreundliches Plastik hergestellt werden.

#6 Viva l‘Italia

Rom geht mit gutem Beispiel voran: öffentliche Verkehrsmittel können dort mit Plastikflaschen bezahlt werden. Recycelt man PET-Flaschen in den dafür vorgesehenen Automaten, bekommt man ein Guthaben für Bus- oder Bahntickets. Damit wird sowohl ein Ansporn zum Recycling geliefert, als auch der öffentliche Verkehr gefördert, was den CO2-Ausstoß des Verkehrs verringert.

 

#7 Zero Waste

Zero Waste? Gar kein Müll? Diese Vorstellung ist ein bisschen zu utopisch. Allerdings funktioniert diese Müll-Diät, was der Zero Waste Lebensstil eigentlich ist, wirklich. Achtet man darauf, was man kauft und verbraucht, kann ein Großteil des alltäglichen Abfalls vermieden werden. Und das klappt sogar im Café. Kathrin Saffer, Wirtin des "Café Kirsch" in Nürnberg, zeigt uns wie das geht: Hausgemachte Marmelade statt abgepackter Gläser, mitgebrachte Tortenverpackungen statt beschichteten Einwegkartons und  - das Wichtigste – Milch in Pfandflaschen vom Biobauern ums Eck statt Tetrapacks!

In Berlin hat vor einiger Zeit auch das erste vegane Zero Waste Restaurant aufgemacht. Selbst was auf den Tellern übrig bleibt,  landet in der hauseigenen Kompostmaschine. Die TAZ schreibt über das Frea "Wenn alle Restaurants wie das Frea wären, würde die Welt bestimmt ein guter, friedlicher Ort sein. Ein Paradies".

#8 Project Wings

Das gemeinnützige Projekt möchte auf der indonesischen Insel Sumatra das größte Recyclingdorf der Welt bauen. Aus sogenannten Eco-Bricks werden die Wände der Häuser gebaut. Plastikflaschen werden mit anderem Plastikmüll gefüllt und so in die Wände integriert. So soll ein Bewusstsein für das Müllproblem nicht nur für Touristen, sondern auch die Einheimischen geschaffen werden. Die ´´´EInheimischen bekommen für einen Eco-Brick umgerechnet eine Mahlzeit.

 

 

Es gibt noch viel mehr Initiativen und Ideen wie wir unsere Umwelt in Zukunft vor der Plastikflut bewahren können. Am meisten inspirieren mich die kleinen Projekte und Maßnahmen, einzelner Menschen, die einen Unterschied machen wollen. Ich habe mich für den Green Up Your Life Podcast mit Verena, Philipp und Micha von Bambuddy unterhalten. Die drei haben neben der Arbeit ein eigenes Produkt zu Müllvermeidung entwickelt. Was das mit betrunkenen Vögeln zu tun hat und warum sie mit viel Humor an das Thema Nachhaltigkeit rangehen, hört ihr in dieser  Podcast Folge.

 

 

 

Autor: 
lk
_self

DAS KÖNNTE DICH AUCH INTERESSIEREN

MEHR NEWS