An der Uhr gedreht: Warum wir immer noch die Zeit umstellen

Die Blätter verfärben sich bunt und die Tage sind merklich kürzer geworden. Damit steht uns kommendes Wochenende wie jeden Herbst seit 1980 ein für viele mittlerweile lästiges Ritual bevor: die Zeitumstellung! Doch sollte die nicht eigentlich abgeschafft werden? Warum drehen wir immer noch zweimal im Jahr an unseren Uhren herum und irritieren damit unseren Bio-Rhythmus?

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Achtung, nicht vergessen, es ist wieder soweit! In der Nacht vom 30. auf dem 31. Oktober stellen wir unsere Uhren wieder zurück auf Winterzeit. An der Uhr gedreht wird pünktlich um 3 Uhr zurück auf 2 Uhr. Wir gewinnen also für eine Nacht eine Stunde Schlaf dazu. Soweit so gut. 

 

mehrheit für abschaffung

Bereits 2018 startete die EU-Kommission eine Online-Befragung zur Zeitumstellung, an der 4,6 Millionen Menschen teilnahmen - die meisten davon waren aus Deutschland. Das Ergebnis schien eindeutig: Die überwiegende Mehrheit der Teilnehmenden forderte mit 84 Prozent eine Abschaffung der Zeitumstellung. 

Eigentlich wollten die EU-Mitgliedsstaaten die Zeitumstellung bis Ende 2021 ad acta legen. Das hat offensichtlich nicht geklappt und so müssen wir auch dieses Jahr davon ausgehen, dass irgendjemand im Freundeskreis die Zeitumstellung verbummelt - wobei sich ja mittlerweile zum Glück alle smarten Geräte von alleine umstellen.


ewiger winter oder für immer sommer?

Woran hapert es also? Im Grunde ist es ganz simpel: Die EU-Staaten können sich nicht einigen. Die elementare Frage in der Debatte ist die darüber, welche Zeit in Zukunft als "Normalzeit" gelten soll: die aktuelle Winter- oder die Sommerzeit? Können sich die Staaten nicht einigen, droht die EU zu einem Zeitzonen-Flickenteppich zu werden. Das wäre nicht nur extrem verwirrend für Urlauber*innen, sondern auch ein Problem wenn es um Flug- und Bahnverbindungen oder Arbeitszeiten in der EU geht. Momentan gilt übrigens die Winterzeit als "normale" Mitteleuropäische Zeit, die Sommerzeit ist die Abweichung davon. 

 

zu früh, zu spät, zu dunkel 

Übrigens wird die Debatte um die Zeitumstellung fast nur in Deutschland so emotional geführt, andere Staaten sehen die aktuelle Regelung nicht so wild. Sollte sich allerdings etwas an der Situation ändern, wittern sie Probleme und stellen sich deshalb quer. Bei einer dauerhaften Winterzeit würde es zum Beispiel in Griechenland im Sommer viel früher dunkel werden - darin sieht das Land Probleme für die Tourismusbranche. Bei einer dauerhaften Sommerzeit würde hingegen im Winter in Madrid die Sonne erst extrem spät aufgehen. Beides nicht ideal. Auch bei uns würde sich was ändern. Bei einer dauerhaften Sommerzeit wäre es zwar im Sommer schön lange hell, aber dafür müssten wir im Winter immer im Stockdunkeln aufstehen. 

 

Wann es in der Causa Zeitumstellung zu einer Einigung kommt, kann man aktuell nicht vorhersagen. Bis dahin müssen wir uns eben zwei Mal im Jahr mit dem großen Gähnen arrangieren. Übrigens: Wenn dich der Mini-Jetlag durch die Umstellung auf Winterzeit auch immer so mitnimmt, empfehlen Schlafmediziner*innen einfach in den Tagen vor der Umstellung sukzessive immer etwas später ins Bett zu gehen.  

 

Autor: 
ld
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