Deutschland führt ab 2020 die Kassenbon-Pflicht ein

2020 werden Kassenzettel in Deutschland für Einzelhändler verpflichtend. Primär soll das dazu dienen, Steuerhinterziehung zu verhindern. Dabei gäbe es auch deutlich umweltfreundlichere Methoden, diese zu bekämpfen.

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Die Kassenbon-Pflicht ist Teil der neuen Kassensicherungsordnung, die die Arbeit von Steuerbetrügern verhindern soll. Durch eine spezielle, technische Sicherheitseinrichtung sollen Ladenkassen dadurch fälschungssicher gemacht werden. Doch die ganze Sache hat viele Haken.

 

Zum einen ist das Ganze wohl mit erheblichem bürokratischen Aufwand und hohen Kosten verbunden. Einzelhändler sehen sich durch die neue Verordnung mit erheblichen Kosten für Papier, Druck und Entsorgung liegengelassener Kassenbons konfrontiert. Zudem soll laut ersten groben Berechnungen des Handelsverbands Deutschland (HDE) die technische Umstellung der Kassen zwischen 300 und 500 Euro pro Kasse kosten. Eine Kassenbon-Pflicht sorgt zudem für neue Unmengen an Müll, Steuerexperte Ralph Brüggelmann des HDE sagt dazu: "Im Einzelhandel rechnen wir mit mehr als zwei Millionen Kilometern zusätzlicher Länge an Kassenbons im Jahr." Nur zur Vorstellung: mit zwei Millionen Kilometern könnte man fünfzig Mal den Äquator umrunden. Besonders betroffen davon wären Läden, die viele günstige Produkte in ihrem Sortiment anbieten.

 

Kassenbons bestehen aus Thermopapier. Dieses ist immer wieder umstritten, darf beispielsweise nicht im Altpapier entsorgt werden, da es chemische Weichmacher enthält. Umweltfreundlich ist diese neue Verordnung also schon mal nicht. Zwar entgehen dem deutschen Staat laut Berechnungen des Rechnungshofs zehn Milliarden Euro durch Steuerbetrug an der Ladenkasse, doch eine Kassenbon-Pflicht würde Steuerbetrug gar nicht beeinflussen, denn die technische Umstellung der Kassen genüge bereits, wie Brüggelmann ausführt: "Mit dem ersten Tastendruck beim Kassieren wird eine Transaktion eröffnet, die sich bei einer mit einer TSE ausgerüsteteten Kasse nicht mehr ohne Spuren löschen lässt. Ob dann der Kunde einen Beleg bekommt oder nicht, ist unerheblich."

 

Kassenbons könnte man zudem auch digital erstellen, sie könnten auf Kundenkarten oder E-Mails ausgelagert werden. Dies hatte Rolf Buschmann, Experte für Abfall und Ressourcen beim BUND (Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland) vorgeschlagen. Der Einzelhandel hat nun bis September 2020 Zeit, die Umstellungen der Kassen durchzuführen.

 

Autor: 
jk
_self

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