Gleich zwei Unwörter des Jahres 2020

"Corona-Diktatur" und "Rückführungspatenschaften" wurden zu den Unwörtern des Jahres 2020 gekürt. Das teilte die Jury am Dienstagmorgen mit.

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Normalerweise vergibt die Jury der Aktion "Unwort des Jahres" den Negativtitel nur an ein Wort, doch für das Jahr 2020 wurden erstmals zwei Wörter ausgewählt. Wie am Dienstag (12.01.2021) mitgeteilt wurde, sind die Wörter "Corona-Diktatur" und "Rückführungspatenschaften" beide zum Unwort des Jahres 2020 gekürt worden.

 

Die Jury besteht aus Sprachwissenschaftler*innen und Publizist*innen. Mit der sprachkritischen Aktion soll auf unangemessenen Sprachgebrauch aufmerksam gemacht werden und eine Sensibilisierung stattfinden. Kritisiert werden dabei Wörter, die gegen die Prinzipien der Menschenwürde oder Demokratie verstoßen, die gesellschaftliche Gruppen diskriminieren oder die euphemistische, verschleiernde oder irreführende Formulierungen bedeuten.

 

Das Unwort des Jahres wird seit 1991 gekürt, 2019 war der Begriff "Klimahysterie" mit dem Negativtitel ausgezeichnet worden.

 

Die Begründungen der jury im wortlaut:

"Mit 'Rückführungspatenschaften' (41x vorgeschlagen) wurde im September 2020 von der EU-Kommission ein neuer Mechanismus der Migrationspolitik bezeichnet: Die EU-Staaten, die sich weigern, Flüchtlinge aufzunehmen, sollen ihrer 'Solidarität' mit den anderen Mitgliedern der EU dadurch gerecht werden, dass sie die Verantwortung für die Abschiebung abgelehnter Asylbewerber übernehmen. Dies als 'Rückführungspatenschaften' zu bezeichnen, hält die Jury für zynisch und beschönigend: Der ursprünglich christlich geprägte, positive Begriff der Patenschaft steht für Verantwortungsübernahme und Unterstützung im Interesse von Hilfsbedürftigen. In der Zusammensetzung mit dem - ebenfalls beschönigend für 'Abschiebung' gebrauchten - Wort 'Rückführung' wird suggeriert, 'dass Abschieben eine gute menschliche Tat' (Zitat aus einer Einsendung) sei."

 

Das Wort 'Corona-Diktatur' (21x vorgeschlagen) wurde seit Beginn des öffentlichen Diskurses um den politischen Umgang mit der Pandemie von der selbst ernannten 'Querdenker'-Bewegung und insbesondere von deren rechtsextremen Propagandisten gebraucht, um regierungspolitische Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie zu diskreditieren. Dass der Ausdruck auf Demonstrationen verwendet wird, die - anders als in autoritären Systemen! - ausdrücklich erlaubt sind, stellt schon in sich einen Widerspruch dar. Zudem verharmlost der Ausdruck tatsächliche Diktaturen und verhöhnt die Menschen, die sich dort gegen die Diktatoren wenden und dafür Haft und Folter bis hin zum Tod in Kauf nehmen oder fliehen müssen. Dies erscheint umso problematischer, als das Schlagwort oft von denen verwendet wird, die - wie es in einer Einsendung heißt - 'ja selbst und zum Teil ganz offen auf die Abschaffung der bürgerlichen Freiheiten und der sie repräsentierenden Verfassung zielen'. Der Ausdruck macht es zudem schwieriger, berechtigte Zweifel an einzelnen Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie offen und konstruktiv zu diskutieren."

 

Autor: 
kk
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