Instagram: Brisante Nacktheits-Studie aufgetaucht

Eine neue Studie bringt Instagram und seine Algorithmen in die Bredouille. Zudem kündigte CEO Adam Mosseri an, dass das Unternehmen seine Richtlinien und Algorithmen auf den Prüfstand stellen werde, um die Benachteiligung schwarzer User künftig verhindern zu können.

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Algorithm Watch hat zusammen mit dem European Data Journalism Network, einem Netzwerk von Datenjournalisten, in einer Studie herausgefunden, dass Bilder von Frauen in Bikinis oder Unterwäsche oder Männern mit nackten Oberkörper priorisiert im Feed angezeigt werden, als eigentlich nötig. Sprich: Mehr Haut = höhere Priorität = gleich höhere Reichweite.

 

Um diesen Algorithmus zu untersuchen, haben die Forscher*innen 26 Freiwillige gebeten, ein Browser Addon zu installieren und danach bestimmten Accounts auf Instagram zu folgen. Was das Addon im Hintergrund tat: Es öffnete automatisch in regelmäßigen Abständen die Instagram-Website und merkte sich, welche Beiträge ganz oben im Feed angezeigt wurden. Damit wurde festgehalten, welche Beiträge als "relevant" bezeichnet wurden. 

 

Die Annahme der Studie war, dass wenn Instagram sich nicht in den Algorithmus einmischen würde, sollte die Vielfalt der Beiträge im Feed der Testpersonen auch die Vielfalt der Beiträge der Inhaltsersteller entsprechen, denen sie folgen würden. Und wenn Instagram den Feed jedes Nutzers nach dem jeweiligen Geschmack personalisiert, sollte die Vielfalt der Beiträge im Feed für jeden Nutzer auf eine andere Art und Weise verzerrt sein. Doch diese Annahmen konnten nicht bestätigt werden.

 

Für die Studie wurden Profile von 37 Personen (23 Frauen und 14 Männer) aus zwölf verschiedenen Ländern ausgewählt, die Instagram dafür nutzen, um für Marken zu werben oder neue Kunden für ihr Unternehmen zu gewinnen. Die Profile waren hauptsächlich in den Bereichen Lebensmittel, Reisen, Fitness, Mode und Schönheitspflege aktiv. Für die Studie wurden zwischen Februar und Mai 2020 1737 Beiträge und 2400 Fotos analysiert, welche von den 37 ausgewählten Accounts veröffentlicht wurden. Ein Computerprogramm erkannte, dass 21 Prozent der Beiträge Frauen in Bikins oder Unterwäsche oder Männer mit nacktem Oberkörper zeigten. In den Feeds der Testpersonen machten diese Bilder jedoch 30 Prozent aller Beiträge aus. Somit wurden vermehrt eher freizügige Fotos angezeigt, als eigentlich nötig gewesen wäre.

 

Die Erkenntnis der Studie war, dass nicht nur der persönliche Geschmack darüber entscheidet, welche Inhalte einem bevorzugt präsentiert werden. Dies könnte zum Einen die Wahrnehmung der Welt der Nutzer*innen beeinflussen und auf der anderen Seite könnte dies auch Anreize für professionelle Instagramer darstellen, sich den Normen des Social Mediums anzupassen, um mehr Reichweite zu generieren.

 

Instagram hat sich bereits auch schon zur Studie geäußert und die Haltbarkeit der Studie abgestritten. Laut Instagram wäre die Stichprobe der Studie viel zu klein gewesen, welche die Art der Inhalte, die untersucht wurden, zum Vorschein gebracht habe. Die Studie sei zudem fehlerbehaftet und zeige nicht, wie Instagram funktionieren würde. In den kommenden Wochen möchte Instagram noch weitere Informationen zum Thema veröffentlichen, welche Beiträge eher priorisiert angezeigt werden und welche nicht.

 

Doch Algorithm Watch wies Instagrams Kritik bereits ebenfalls zurück. Zwar sei ihnen bewusst, dass die Ergebnisse keine vollständige Prüfung des Feed-Algorithmus seien und die Datengrundlage dafür sehr klein gewesen wäre, verwies allerdings auch auf die verschlossene Struktur und die unterbliebene Mitarbeit des Mutterkonzerns Facebook. Algorithm Watch hätte trotz allem Gründe zur Annahme, dass die Ergebnisse repräsentativ für die allgemeine Funktionsweise von Instagram seien.

 

CEO KÜNDIGT RICHTLINIEN- UND ALGORITHMUS-PRÜFUNG AN, UM SCHWARZE COMMUNITY BESSER ZU UNTERSTÜTZEN

 

Mit dem neuen Check möchte Instagram-CEO Adam Mosseri mögliche Benachteiligungen schwarzer User*innen künftig verhindern. Dafür sollen Schritte eingeleitet werden, konkret sollen dabei vier Kernpunkte untersucht werden.

 


1. Belästigung

Mögliche Lücken, die dazu führen, dass einige Gruppen vermehrt belästigt werden als andere, sollen geschlossen werden.

 

2. Account Verifizierung

Die Kriterien zur Verifizierung von Accounts sollen überprüft werden. Um so inklusiv wie möglich zu werden, soll gecheckt werden, ob diese Leute Kriterien einige Gruppen bevorzugen würden.

 

3. Distribution

Auwahl und Filterung von Inhalten auf den Explore- und Hastagseiten sollen überprüft werden, um mögliche Verzerrungen zu erkennen. Darunter fällt auch das "Shadowbanning", das Begrenzen der Sichtbarkeit einzelner Inhalte ohne ersichtlichen Grund.

 

4. Voreingenommene Algorithmen

Algorithmen bergen die Gefahr, Muster einer voreingenommenen Gesellschaft zu wiederholen. Daher will Instagram seine Algorithmen auf mögliche Verzerrungen überprüfen. 


 

Mosser betonte zudem, dasa all diese Maßnahmen Zeit in Anspruch nehmen werden und kündigte regelmäßige Updates zum Fortschritt an. Eine Lösung über Nacht werde es also nicht geben. 

 

 

Autor: 
jk
_self

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