Mit der Selbstständigkeit zur Selbstverwirklichung?

Die Arbeitszeit selbst gestalten, der eigene Chef sein und sich mit den eigenen Projekten selbst verwirklichen - diese Motive sind nur ein kleiner Auszug aus der Vielzahl an Gründen, aus denen sich Menschen für die Selbstständigkeit entscheiden.

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Laut dem Gründermonitor der KfW ist die Zahl der Neugründungen 2014 im Vergleich zum Vorjahr gestiegen. Insbesondere im Bereich der Unternehmensberatungen wagen immer mehr Menschen den Schritt in die Selbstständigkeit. Trotz des wirtschaftlichen Risikos steht bei den meisten die Selbstverwirklichung im Vordergrund und die Überzeugung, ein gutes Produkt oder eine gute Dienstleistung anbieten zu können, die gebraucht und gewollt werden.
 

Was braucht es zur Selbstständigkeit?

Nicht jeder Mensch ist gleichermaßen für die Selbstständigkeit geeignet. An Unternehmensgründer wie Freiberufler stellt sie nicht unerhebliche Ansprüche, nicht nur, was das nötige Kapital angeht, sondern vor allem auch bezüglich der Persönlichkeit. Bevor also der Geschäftsplan ausgearbeitet wird, sollten angehende Gründer einen kritischen Blick auf sich selbst werfen und dabei sowohl ihre Erfahrungen als auch ihren eigenen Charakter auf den Prüfstand stellen. Eine grobe Checkliste, wie sie beispielsweise hier zu finden ist, kann dabei helfen, sich selbst zielsicher auf die wichtigsten Punkte hin einzuschätzen. So ist es zum Beispiel sinnvoll, auch die eigenen Hintergründe des Gedankens der Gründung abzufragen. Wird die Selbstständigkeit als Fluchtweg aus dem alten Arbeitsplatz angesehen oder ist sie generell eine Reaktion aus Frustration heraus, dann kann sich das stark auf den Erfolg des Unternehmens auswirken.


Selbstbestimmtes Leben und Arbeiten macht für viele Selbstständige die Mehrarbeit wieder wett
Darüber hinaus kommt mit der Selbstständigkeit in den ersten Monaten und Jahren eine große Herausforderung auf den Gründer zu. Das Arbeitspensum erhöht sich in der Regel mindestens in der nächsten Zeit drastisch. Das muss nicht zwangsläufig negativ sein, immerhin gründen Menschen in der Regel in einem Bereich, den sie mit großem Interesse verfolgen. Dennoch stehen Selbstständige stets vor der Herausforderung, selbst eine gesunde Work-Life-Balance herstellen zu müssen. Dazu gehört auch, sich feste Ziele zu stecken, ausreichend Erholungsphasen einzuplanen und diese auch wahrzunehmen. Tatsache ist, dass Selbstständige im Schnitt deutlich mehr arbeiten als Angestellte. Durchschnittlich sind sie dafür aber auch sichtbar zufriedener mit ihrer Arbeit, schreibt wirtschaftspsychologie-aktuell.de. Insbesondere die eigene Autonomie ist ausschlaggebend für dieses Ergebnis, denn Selbstständige nehmen sich und ihre Arbeit als wichtigen Teil ihres Lebens wahr und wissen, dass sie zu jeder Zeit für sich selbst arbeiten.


Zudem ändern sich mit der Selbstständigkeit auch Ansprüche an die eigene Absicherung. Während als Angestellter zumindest eine private Haftpflichtversicherung und gegebenenfalls eine Risikolebensversicherung Pflicht sind, machen zusätzliche Versicherungen wie etwa eine Berufsunfähigkeitsversicherung oder eine private Rentenversicherung Sinn. Hier finden sich weitere Informationen zu diesem Thema. Je nach Lebenssituation, ob beispielsweise Kinder vorhanden sind oder eine Immobilie, ändert sich der Absicherungsanspruch und die Risiken werden anders gewichtet.


Richtig finanzieren

Insbesondere Businessplan und Finanzierung sind für viele Gründer eine sehr große Herausforderung. Ein großer Teil der neu gegründeten Unternehmen kann sich deshalb nicht halten, weil Kosten unterschätzt wurden und die Reserven zu knapp geplant waren. Darüber hinaus wird oft in Dinge investiert, die noch gar nicht notwendig sind, wie etwa eigene Büroräume. Zu Beginn ist ein Arbeitsraum in der eigenen Wohnung in der Regel völlig ausreichend und verursacht darüber hinaus keine zusätzlichen laufenden Kosten. Büroräumlichkeiten müssen meist für mehrere Jahre verbindlich gemietet werden, sodass die langfristigen Verpflichtungen ein zusätzliches finanzielles Risiko darstellen.

Der Erfolg eines jungen Unternehmens hängt zum Großteil von einem gut durchdachten Businessplan ab und der passenden Finanzierung
Hier gilt es, Prioritäten zu setzen und vor allem genügend finanziellen Spielraum übrig zu lassen, um auch unerwartete Kostenfaktoren ausgleichen zu können. Je gründlicher die Planung, desto weniger unangenehme Überraschungen kommen auf den Gründer zu.


Die Finanzierung eines Start-ups erfolgt meist über eine Kombination verschiedener Finanzierungsmöglichkeiten. Im besten Fall kommt ein großer Teil aus Eigenkapital zusammen, beispielsweise aus der Familie oder mit der Unterstützung von Business Angels, die nicht nur mit einem Teil des Kapitals helfen, sondern häufig auch noch mit dem eigenen Know-how beratend zur Seite stehen. Doch meist ist es unumgänglich, auf Fremdfinanzierung zurückzugreifen. Diese kann in Form von klassischen Krediten und Darlehen erfolgen, aber auch über öffentliche Fördermittel. Neben dem bekannten KfW-Gründerkredit ist hier zum Beispiel das Gründerstipendium EXIST zu nennen. Eine Auflistung der verschiedenen Fördermöglichkeiten nach Fördergebiet, -art und –bereich findet sich in der Förderdatenbank des Bundes. Meist sind an die Förderung bestimmte Bedingungen geknüpft oder die Finanzierung muss innerhalb eines bestimmten Zeitraums wieder vollständig zurückgezahlt werden.


Start-up? Freiberufler? Franchise?

Es gibt viele Möglichkeiten, sich selbstständig zu machen. In erster Linie hängt die Geschäftsform von der eigenen Geschäftsidee ab, aber natürlich auch vom eigenen Gründertyp. Je nach Idee kann es auch sinnvoll sein, mit mehreren Gleichgesinnten gemeinsam zu gründen. Hierbei sollte darauf geachtet werden, dass alle Gründer gemeinsam die wichtigsten Kompetenzfelder abdecken und ihre Fertigkeiten nicht nur in einem Punkt vereinen. Kenntnisse in der Buchhaltung sind beispielsweise unabdingbar und auch eine Vertriebspersönlichkeit sollte vorhanden sein. Je mehr davon sich in einer Person findet, umso besser.


Bei künstlerischen freien Berufen ist meist eine ganz andere Selbstverantwortung notwendig als bei einer Unternehmensgründung
Journalisten, Künstler, Schriftsteller, aber auch Steuerberater und Ärzte beispielsweise fallen unter die Freiberufler. Für sie gelten besondere steuerliche Rahmenbedingungen, dafür ist die Standortwahl häufig freier als das bei Gründungen etwa im Einzelhandel der Fall ist. Wer viel vom Computer aus arbeitet, ist meist standortungebunden und auch zeitlich flexibler als jemand, der eine Filiale vor Ort führen muss.


Eine weitere Möglichkeit für die Selbstständigkeit ist die Gründung in Partnerschaft mit einem Franchise-Geber, das Franchising. Bei dieser Variante nutzen angehende Gründer das bewährte Konzept und die Etablierung von starken Ketten und eröffnen in Zusammenarbeit mit diesen eine eigene Filiale. Der Franchise-Geber unterstützt den Franchise-Nehmer mit klaren Anweisungen hinsichtlich des Konzepts, hilft bei der Standortsuche und bietet teilweise auch Trainings an. Die Umsetzung am eigenen Standort erfolgt dann allerdings eigenständig vom Franchise-Nehmer.


Immer mehr Gründerinnen

Gerade auch viele Mütter denken über einen Einstieg in die Selbstständigkeit nach, zumindest im Nebenerwerb. So können Geschäftsideen ausprobiert und bei Erfolg ausgebaut werden, ohne dass Noch immer sind viele Arbeitgeber für junge Familien zu unflexibel und es herrscht nach wie vor eine Knappheit an Betreuungsplätzen für Kinder. Viele Mütter möchten sich aber dennoch nicht ausschließlich auf ein Dasein als Hausfrau beschränken, wie auch viele prominente Powerfrauen beweisen. Die Vereinbarkeit von Beruf und Familie finden immer mehr Frauen eher in einer Selbstständigkeit als beim Wiedereinstieg in den Beruf. Mehr Frauen als Männer gründen auch aus der wirtschaftlichen Notwendigkeit heraus, beispielsweise wegen bestehender Arbeitslosigkeit oder durch den Ausfall des Einkommens während der Mutterschaft.


Statistisch gründen Frauen bevorzugt im persönlichen Dienstleistungssektor, etwa als Friseurin, Tagesmutter oder Physiotherapeutin. Männer dagegen steigen häufiger bei wirtschaftlichen Dienstleistungen ein und gründen beispielsweise als Softwareentwickler, Rechtsberater oder Immobilienvermarkter.

Der Weg zum Erfolg ist harte und konstante Arbeit, unabhängig von der Art der Selbstständigkeit
Generell werden etwa 70 Prozent der neuen Unternehmen im Bereich der Dienstleistungen gegründet. Dabei sind sowohl Gründerinnen als auch Gründer gleichermaßen erfolgreich; die Branche selbst, in der gegründet wird, hat insofern keinen Einfluss auf den letztendlichen Erfolg des Unternehmens.


Erfolgreiche Start-ups

Einige Gründungsideen treffen so genau den Zeitgeist, dass es sie innerhalb kürzester Zeit zum Erfolg bringt. Beispiele aus der jüngeren Vergangenheit hierfür sind Twitter, Snapchat, AirBnB oder WhatsApp Insbesondere im Bereich Internet, Medien und Technik können Unternehmen, die die richtige Marktlücke für sich beanspruchen, geschickt planen und agieren, derzeit schnell großes Wachstum verzeichnen. Was nach außen hin häufig nach einem Glückstreffer aussieht und einem Erfolg über Nacht, ist meist im Gegenteil gründlich durchdacht und langfristig angelegt gewesen und natürlich spielt auch die eigene Motivation eine erhebliche Rolle.


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Autor: 
ENERGY Media

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