Studie: Sichere Konzerte auch während Corona möglich

Mit dem November startet auch der sogenannte Lockdown Light und trifft nicht nur Gastronomie, sondern auch die Veranstaltungs- und Kulturbranche hart. Die Ergebnisse der Studie des "Corona-Konzerts" mit Tim Bendzko lassen allerdings aufhorchen.

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August 2020: Großveranstaltungen in vollen Hallen erschienen schon fast wie ein Relikt der Vergangenheit, alle Events waren längst abgesagt und doch spielte Tim Bendzko ein Konzert vor tausenden Zuschauern in einem geschlossenen Raum - zum Zwecke der Wissenschaft.

 

drei mal "kurz die welt retten"   

Genauer gesagt: Tim Bendzko spielte drei Konzerte. Pro Konzert-Block wurde eine andere Situation simuliert. Von den paar tausend Freiwilligen vor Ort, die vorher alle ein negatives Covid-19-Testergebnis nachweisen mussten, trug jeder Maske und einen Tracker um den Hals, der die Kontakte der einzelnen Personen aufzeichnete.

 

Mit dem Testen von verschiedenen Szenarien und einer aufwendigen Strömungssimulation, um die Verteilung der Aerosole zu untersuchen, erhofften sich der Studienleiter Dr. Stefan Moritz und sein Team der Universitätsmedizin Halle (Saale) Erkenntnisse, wie sich solche Veranstaltungen epidemiologisch auf die Ansteckungen in der Region Leipzig niederschlagen würden. 

In Szenario 1 wurde das Konzert unter "normalen" prä-Corona-Bedingungen simuliert - ein während Corona-Zeiten nicht mehr mögliches Szenario, wie die Auswertung der Kontakte ergab. Für das zweite Konzert wurden die Sitze der Zuschauer (und damit die Gäste) um die Hälfte reduziert. Im dritten Szenario durften dann immer zwei Zuschauer nebeneinander sitzen, mit 1,5 Metern Abstand zu anderen Besuchern drumherum.

 

konzerte generell möglich

"Ja, es kann während einer Pandemie Großveranstaltungen geben", sagt Studienleiter Dr. Moritz nach Auswertung der Daten. Doch müssen einige Punkte beachtet werden.

 

Die Ergebnisse der bisher einzigartigen Studie ergaben, dass die Gesamtzahl der kritischen Kontakte durch ein Hygienekonzept erheblich reduziert werden können. Dieses muss vor allem auch während des Einlasses und während der Pausenzeit gelten, denn gerade da finden viele Kontakte statt. Ist ein ausreichendes Hygienekonzept während einer Veranstaltung vorhanden und wird auch konsequent umgesetzt, seien die zusätzlichen Auswirkungen auf die Pandemie als gering bis sehr gering einzuschätzen.

 

Die Hygienekonzepte umfassen idealerweise das Bereitstellen von mehreren Ein- und Ausgängen, Wartezonen im Freien und Maskenpflicht für die gesamte Dauer der Veranstaltung. Überdies empfehlen die Forscher, den Bestuhlungsplan und die Gästezahl an das örtliche Infektionsgeschehen anzupassen und das Essen nur an den eigenen Sitzplätzen zu erlauben, um Grüppchenbildung und Gedränge an Imbissen zu vermeiden. Stehkonzerte sind in diesen Konzepten übringens nicht vorgesehen.

 

ohne richtige belüftung geht's nicht

Die Untersuchung und Simulation zur Verteilung von Aerosolen in der Halle ergaben deutlich: Ohne eine ausreichende Belüftungstechnik ist das Ansteckungsrisiko deutlich höher. Arenen und Veranstaltungshäusern empfiehlt das Forscherteam eine Technik, die einen regelmäßigen Raumluftaustausch ermöglicht und fordert eine gute Belüftung der Event-Location. 

 

chance für veranstaltungen?

Die Ergebnisse der Studie kommen ausgerechnet zu einem Zeitpunkt, in dem durch den Lockdown Light wieder die gesamte Veranstaltungsbranche lahmgelegt ist. Bis der Lockdown zu Ende ist, wird sich daran vermutlich erstmal nichts ändern. Darüber hinaus aber bieten die Ergebnisse der Studie immerhin einen kleinen Lichtblick für die Zukunft, auch wenn für extra Belüftungsanlagen und ausgeklügelte Hygienekonzepte erstmal Investitionskosten auf die Veranstalter zukommen würden. 

 

Autor: 
ld
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