Studie zu Sexualität und Gesundheit in Deutschland

Forscher haben knapp 5.000 Menschen in Deutschland zu Themen der sexuellen Aktivität, Zufriedenheit und Gesundheit befragt und dabei auch Aufschluss über Probleme beim Sex erhalten.

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Die Thesen kennt wohl jeder: Junge Menschen haben häufiger Sex als ältere, langjährige Paare nur noch stelten. Doch stimmt das wirklich? Diesen und noch viel mehr Fragen sind die Sexualforscher um Peer Briken aus dem Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf auf den Grund gegangen und liefern uns nun einenen kleinen Einblick ins deutsche Sexualleben.

 

eckdaten zur studie

Für die "Gesundheit und Sexualität in Deutschland" (kurz: Gesid), die am Mittwoch in Hamburg vorgestellt wurde, wurden insgesamt 4.955 Männer und Frauen repräsentativ für die deutsche Bevölkerung im Alter von 18 bis 75 Jahren in einem zweistufigen Verfahren befragt. Die Befragungen fanden zwischen Oktober 2018 und September 2019, also noch vor der Corona-Pandemie, statt. Ziel der Studie war, Zusammenhänge zwischen Sexualität und Gesundheit zu erfassen und damit auch Ärzte für das Thema zu sensibilisieren.

 

Denn der Praxisalltag bei Ärzten zeigt, dass über das Thema nur selten gesprochen wird, schreibt Sabine Kliesch in einem Editorial zu den zwei Gesid-Arbeiten, die am heutigen Freitag (25. September) im deutschen Ärzteblatt erschienen sind (hier geht's zum ersten Teil und hier zum zweiten). Mit ihrem Fragenkatalog wollen die Sexualforscher Ärzten für ihren Praxisalltag ein Instrument an die Hand geben, mit dem diese schnell Informationen über eventuelle sexuelle Probleme bei ihren Patienten erhalten können. Denn eine als befriedigend empfundene Sexualität nehme einen großen positiven Einfluss auf die Lebensqualität und eine gestörte Sexualität wirkt sich nicht nur aufs eigene Wohlbefinden aus, sie kann sogar auch Vorbote für andere Erkrankungen, beispielsweise im Herz-Kreislauf-System sein. 

 

die wichtigsten erkenntnisse

Wie zufrieden Menschen mit ihrer Sexualität sind, hängt laut der Studie zufolge hauptsächlich von zwei Faktoren ab: vom Beziehungsstatus und der eigenen Gesundheit. Sexuell aktive Singles sind demnach mit ihrer Sexualität viel unzufriedener als Befragte in einer festen Partnerschaft. Das Alter spielt dabei aber keine Rolle.

 

Sex in den letzten vier Wochen

  • Männer zwischen 36 und 45 Jahren und Frauen zwischen 26 und 35 Jahren waren im Vergleich zu den anderen Altersgruppen am aktivsten (80 Prozent aktive Männer, 81 Prozent aktive Frauen)
  • Mit zunehmendem Alter nahm die sexuelle Aktivität ab, und zwar deutlich: Nur noch 26 Prozent der Frauen zwischen 66 und 75 Jahren waren sexuell aktiv und 51 Prozent der Männer
  • 34 Prozent der männlichen und 15 Prozent der weiblichen Singles waren sexuell aktiv im Vergleich zu 92 beziehungsweise 91 Prozent derjenigen, die in einer weniger als zwei Jahre andauernden Beziehung lebten
  • Von den Männern und Frauen, die in einer mehr als fünf Jahre anhaltenden Beziehung lebten, hatten 81 beziehungsweise 74 Prozent in den letzten vier Wochen Sex

 

sex und gesundheit

In diesen Untersuchungsteil zur sexuellen Zufriedenheit wurden nur Teilnehmer*innen miteinbezogen, die in den vergangen zwölf Monaten Sex hatten - was nur Sinn macht, weil die meisten Menschen, die keinen Sex haben, mit diesem Zustand unzufrieden sind.

 

  • Weder bei Frauen, noch bei Männern gibt es einen deutlichen Zusammenhang zwischen dem Alter und der Zufriedenheit mit der eigenen Sexualität
  • Sexuell aktive Singles sind wesentlich häufiger unzufriedener mit ihrem Sexualleben als Menschen in Beziehungen
  • Mit zunehmender Beziehungsdauer sinkt die sexuelle Zufriedenheit
  • Je schlechter die Befragten ihren Gesundheitszustand bewerten, umso unzufriedener waren sie auch mit ihrem Sexleben
  • Befragte mit riskantem Alkoholkonsum waren unzufriedener mit ihrem Sexualleben

 

Sexuelle probleme

In einem weiteren Ergebnisteil schätzten die Forscher anhand der vorhandenen Daten ab, wie häufig sexuelle Probleme bei Männern und Frauen in Deutschland vorkommen. Dafür gaben die Befragten in einem Katalog, der mit der WHO entstanden ist, Auskunft über sexuelle Funktionsstörungen.

 

  • 33 Prozent der Männer, die in den letzten zwölf Monaten vor der Befragung Sex hatten, hatten mindestens ein sexuelles Problem, bei den Frauen sind es sogar 46 Prozent
  • Als größtes Problem bei den Mänern gelten Erektionsprobleme und eine verfrühte Ejakulation
  • Erektionsprobleme betrafen Männer mit zunehmendem Alter immer häufiger, beispielsweise das Problem, einen Orgasmus zu bekommen, nahm mit dem Alter immer zu
  • Bei den Frauen schätzen sich ingesamt 18 Prozent als stark beeinträchtigt beim Sex ein, sie berichten vor allem von vermindertem Verlangen nach Sex, Schmerzen beim Geschlechtsverkehr und Orgasmusstörungen
  • Am höchsten lag die Quote bei Frauen mit reduziertem Sex-Verlangen mit 33 Prozent bei den 26- bis 35-Jährigen
  • Verspannungen und Schmerzen beim Sex betreffen vor allem junge Frauen im Alter von 18 und 25 Jahren (16 Prozent)

 

Autor: 
jk
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