Tomaten: Wie nachhaltig ist das beliebteste Gemüse der Deutschen wirklich?

Wie hängen die Begriffe Ausbeutung, Umweltverschmutzung und Tomaten miteinander zusammen? Marie klärt dich auf!

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Tomaten stehen bei den Deutschen auf Platz eins der beliebtesten Gemüsesorten. Insgesamt werden hier im Jahr knapp 27 kg Tomaten verspeist. Davon werden hierbei 2/3 als Ketchup oder aus der Dose gegessen.
Meist kommt die rote Gemüsesorte jedoch nicht aus dem Inland, sondern wird beispielsweise aus den Niederlanden, China oder Spanien importiert, da dort die Produktionskosten oft günstiger sind. Immer seltener werden die Tomaten im Ausland von Ackern gepflückt und verkauft. Vielmehr werden sie in Gewächshäusern oder Tunneln angebaut. Das bedeutet in der Konsequenz aber auch, dass die leckeren Tomaten bereits lange, CO2-intensive Transportwege hinter sich gelegt haben, bis sie letztendlich in unseren Supermärkten landen.

 

Woran liegt das?

Für einen guten Reifungsprozess benötigen Tomaten gleichmäßig hohe Temperaturen sowie eine stetige Wasserversorgung und Nährstoffzuführung. In Zentraleuropa startet aus diesen Gründen die Tomaten-Saison erst im Juli und endet dann vier Monate später im Oktober. Jedoch werden Tomaten ganzjährig in den Supermärkten angeboten, wodurch sie dementsprechend das ganze Jahr lang gezüchtet werden müssen.

 

Wieso ist das problematisch?

Außerhalb der Saison verbraucht 1 kg Tomaten unter klinischen Bedingungen in beheizten Gewächshäusern knapp 9,3 kg CO2. Unbeheizt liegt dieser Wert bei 2,3 kg CO2, wodurch er dann vergleichbar ist mit dem Wert von einem Liter Kuhmilch. Dazu kommt, dass der ganzjährige Verkauf zu einem enormen Plastikverbrauch führt. Aber nicht nur die Verpackungen verursachen große Müllhaufen, sondern auch die Plastikplanen, die für die Gewächshäuser mit vielen toxischen Chemikalien und Pestiziden angereichert werden, führen zu enormen Plastikansammlungen. Obwohl die Plastikplanen dann eher unter Sondermüll fallen, werden sie nach dem Gebrauch meist verbrannt oder illegal auf Deponien gelagert. Dadurch entweichen die giftigen Stoffe in die Luft, versickern im Erdboden und verschmutzen in der Konsequenz das Grundwasser.


Auch problematisch sind die Arbeitsbedingungen, unter denen Erntehelfer*innen in beispielsweise den Gewächshäusern in Spanien oder Italien arbeiten müssen. Neben einem Tageslohn von weniger als 25 Euro pro Tag sind die Arbeiter*innen dann oft auch noch abhängig von kriminellen Organisationen wie der Mafia. In China verdienen die Landwirt*innen für den Anbau von 1 kg Tomaten beispielsweise nur 1 Cent. Darüber hinaus wohnen die Erntehelfer*innen oft in aus Müll erbauten Hütten ohne Strom- und Wasseranschluss und arbeiten beim Nutzen der giftigen Spritzmittel ohne Schutzkleidung.

Heißt das, dass du jetzt auf Tomaten verzichten musst? Nö !

Natürlich solltest du nicht auf leckere Tomaten verzichten. Gerade innerhalb der Saison kannst du die Freiland-Biotomaten ohne schlechtes Gewissen genießen. 1 kg dieser verursacht hier nämlich lediglich 0,035 kg CO2.


Im Winter kannst du zum Beispiel eine Tomaten-Sugo vorkochen und einfrieren. Beim Wocheneinkauf wäre eine Möglichkeit, nach den Bio-Tomaten zu greifen, weil diese nicht mit Pestiziden bearbeitet werden dürfen.

Auch kannst du einfach mehr darauf achten, woher denn die Tomaten-Produkte kommen.

 

Die Alternative: Tomaten aus der Dose! Hier ist aber besondere Vorsicht gefragt.

Wusstest du schon, dass es für Konservendosen keine genaue Herkunftspflicht gibt, im Gegensatz zu frischem Gemüse? Das bedeutet, dass beispielsweise Tomatenmark oder Dosentomaten oft gar nicht aus dem angepriesenen Herkunftsland kommen.

Hinweise wie beispielsweise "Herkunftsland Italien" sind nicht zureichend! Das kann auch bedeuten, dass das Produkt nur in Italien verarbeitet wurde und eigentlich beispielsweise aus China stammt. Achte hierbei darauf, dass die Tomaten zu "100% aus Italien stammen" - dann bekommst du tatsächlich ein europäisches Produkt. Bei einem Bio-Siegel erkennst du auch auf einen Blick, woher das Produkt stammt. Hier muss vermerkt sein, ob das Produkt aus einem EU-Land oder einem Nicht-EU-Land stammt.

 

Wie du siehst, musst du auch im Winter nicht unbedingt auf Tomaten verzichten. Mit Marie's Tipps fällt dir der Tomatenkauf aber auch im Winter leichter.

 

Du interessierst dich für weitere Themen rund um Nachhaltigkeit? Dann schau doch mal bei Green Up Your Life vorbei. Auf unserer Webseite findest du alle Podcasts und Themen, die Marie bisher behandelt hat. 

 

Autor: 
hr/sb
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