Warum Homeoffice genial ist - jedoch längst nichts für jeden

Arbeiten von zuhause. Das klingt für viele nach der perfekten Kombination. Allerdings hat die Sache auch Haken - eine Menge sogar.

HomeOffice_Infotext_Teaser.jpg

Gib es zu: Auch du hast schon mal darüber nachgedacht, von zuhause aus zu arbeiten. Hast dir vorgestellt, wie verdammt cool es wäre, erst um halb acht aufzustehen, sich Kaffee zu machen und dann im Schlafanzug vor den Computer zu schleichen - ohne Stau, ohne Umsteigen, ohne das ganze Nerv-Nerv, das zum "normalen" Arbeitsplatz dazugehört. Aber hast du dir bei all diesen Vorteilen auch mal überlegt, dass die Sache vielleicht Nachteile hat? Falls nicht, lies dir diesen Artikel genauer durch. Da beleuchten wir nämlich beide Seiten der Medaille und eins sei bereits verraten: Jeder einzelne Punkt ist gleichzeitig Vor- und Nachteil.

Vorteil 1: Keine Kollegen

Sind wir ehrlich: Kollegen können nervig sein - egal ob im Zweimannbüro oder im XXL-Großraum-Office. Kommt folgendes nicht jedem ein bisschen bekannt vor?


•    Sie klappern genau dann mit der Tastatur, wenn man sich konzentrieren will.
•    Irgendwie telefonieren sie immer dann (und zwar in Kasernenhof-Lautstärke), wenn man bei irgendwas genau hinhören muss.
•    Mit der Zeit ragt ihr Arbeitsberg immer in die eigene Tischzone.
•    Sie haben immer absolut unterschiedliche Vorstellungen von Komforttemperatur und Luftqualität, als man selbst.
•    Entweder ist ihr Sauberkeitssinn total unterirdisch oder alternativ selbst für den OP-Tisch übertrieben.


Wer all das kennt, darf sich im Homeoffice echt gratulieren. Denn da existieren die Kollegen höchstens via Telefon, Skype oder E-Mail. Da kann man genau so arbeiten, wie man es für optimal hält.

Nachteil 1: Keine Kollegen

Vor allem diejenigen, die vollkommen von zuhause aus arbeiten, können ein Lied davon singen: Nach den ersten Wochen, in denen man sich ob der himmlischen Ruhe und der totalen (Kollegen-)Freiheit noch pudelwohl fühlte, kommt für viele, wenngleich nicht alle, das große Tief. 


Denn dann stellt man fest, dass man mutterseelenallein ist. Kein grinsender Schnack über den neuesten Flurfunk, kein "Was machste am Wochenende"-Quatschen, keine gemeinsame Mittagspause. Entweder trickst man dann die Einsamkeit weg oder man wird mit der Zeit richtig übellaunig. Bei vielen ist letzteres der Fall, die flehten ihren Chef geradezu an, wenigstens einige Tage in der Woche wieder in der Firma sein zu können. Allerdings: Wenn du sowieso nicht so der soziale Charakter bist, dann wird dieser Nachteil dich kaum betreffen.

Homeoffice

Irgendwer nervt im normalen Büro doch immer. Im Homeoffice hingegen kannst du dich voll auf deine Sachen konzentrieren: Produktivität.

Vorteil 2: Freie Einrichtungs-Hand

Kennen wir es nicht alle? Kein externer Arbeitsplatz ist so, wie man es selbst braucht. Da ist vielleicht selbst die gesetzlich vorgeschriebene Ergonomie nur in rudimentären Grundzügen vorhanden -  und dekorativ frei entfalten kann man sich auch nicht. 


Und dann Homeoffice. Es fängt schon bei deinem Büro an: Willst du es lieber in der Wohnzimmer-Ecke einrichten oder doch eher im Schlafzimmer? Soll es der fette Boss-Chrom-Schreibtisch sein oder reicht dir der Esszimmertisch? Ach je, und die Deko: Kein Chef, der einem da was vorschreibt. So viele Blumen wie du willst.

 

Dein Rücken wird jubeln, denn du musst nicht mehr auf vom günstigsten Anbieter gekauften Stühlen deine Wirbelsäule malträtieren, sondern kannst dir selbst die perfekte Ergonomie aussuchen. 

Nachteil 2: Freie Einrichtungs-Hand

Doch wo man sich im "normalen" Arbeitsplatz in ein gemachtes Nest setzt, muss man sich das zuhause erst mal zurecht machen. Und da kommt gleich der Nachteil, dass es keine Rechtssicherheit zur Kostenübernahme gibt. Nur wenn man per Arbeitsvertrag gezwungen wird, von zuhause aus zu arbeiten, muss der Chef die Einrichtung bezahlen. 


Und es geht noch weiter: Denn mit dem, was bei Ikea und Co. so an Büro-Utensilien verkauft wird, kommt man als Homeoffice-Profi nicht weit. Klar, wenn du täglich zwei Stunden am Computer spielst, reicht auch Bürostuhl "Daddel", aber wenn man sich nicht acht oder mehr Stunden täglich die Knochen demolieren will, sollte man sich im Sortiment der Profis umschauen. Und das gilt bei allen Einrichtungsgegenständen, man muss sich auch fürs Homeoffice professionelles Material zulegen, weil man ja schließlich da auch professionell arbeitet (oder es zumindest will). Ein kleiner Vorteil hier: Die meisten Händler bieten mittlerweile ebenfalls alles vom Stuhl bis zur Heftklammer - und verkaufen es auch an Privatleute. Das war früher nicht der Fall.

Homeoffice
Mit "Laptop am Küchentisch" ist es nur dann getan, wenn dir Ergonomie egal ist. Ansonsten musst du auch das Homeoffice professionell einrichten. 

Vorteil 3: Freie Arbeitsgestaltung

Zunächst müssen wir mal mit einem verbreiteten Irrglauben aufräumen: Nur weil man zuhause sitzt, bedeutet das nicht, dass im Homeoffice geradezu anarchistische Zustände herrschen. Allerdings muss man einfach folgendes zugeben:


•    Zuhause platzt garantiert kein Vorgesetzter unangekündigt rein.
•    Man kann konzentriert seine Sachen so abarbeiten, wie man es für richtig hält.
•    Der generelle Störfaktor à la "kannst du das schnell zwischenschieben?" ist einfach wesentlich geringer.
•    Es fällt nicht auf, wenn man zwischendurch mal eine "Kreativpause" einlegt, eine rauchen geht oder ein bisschen im Web surft.
•    Niemanden interessiert es, in welchem Look man vor seinem Rechner sitzt. Im Homeoffice glänzen jegliche kleidungstechnischen Arbeitskonventionen durch Abwesenheit. Und hey: Für wichtige Videokonferenzen kann man sich Hemd und Sakko überwerfen.

 

Und für die allermeisten Homeoffice'ler resultieren diese Freiheiten in einer echt gesteigerten Arbeitsleistung. Das nervige Drumherum fällt weg, man kann sich vollends auf den Job konzentrieren.

Nachteil 3: Freie Arbeitsgestaltung

Allerdings ist es mit dem "sich auf den Job konzentrieren" bei einigen so eine Sache. Denn wenn du zu den Charakteren gehörst, die ohne Kontrollorgan im Nacken dazu tendieren, über die Stränge zu schlagen, dann wird Homeoffice zum echten Endgegner für dich. Denn über all den genannten Vorteilen schwebt als fette Leuchtreklame "Selbstdisziplin"


Klar kriegt es im Homeoffice keiner mit, wenn du auf Facebook surfst. Wenn du dich aber dazu verleiten lässt, dort den halben Vormittag zu verbringen, gehen deine Arbeitsleistungen in den Keller. Und glaub nicht, dass du vor den ganzen Ablenkungen gefeit wärst. Klingt folgendes bekannt?

Homeoffice

Klar kriegt niemand mit, wenn du die Homeoffice-Zügel mal schleifen lässt. Doch geschieht das mangels Disziplin zu oft, fliegt's auf.  

•    Ich könnte ja schnell die Spülmaschine ausräumen.
•    Ob einer mitbekommt, wenn ich einkaufen gehe?
•    Blumengießen während der Arbeitszeit...
•    Was Amazon wohl heute für Sonderangebote hat?

 

Um es klar auszudrücken: Im Homeoffice sind tausende Ablenkungen jederzeit präsent und man bekommt sie nur dadurch in den Griff, indem man sich gnadenlos selbst organisiert. Und der wohl wichtigste Schritt dazu ist wieder der Arbeitsplatz. Denn so schön "mit dem Laptop von der Wohnzimmercouch aus" auch klingt, für die Selbstdisziplin ist das Gift - schon weil die Fernbedienung immer griffbereit liegt. 


Nein, im Homeoffice musst du dir einen eigenen Arbeitsbereich schaffen. Am besten einen, den du nur zum Arbeiten betrittst. Das hat nämlich auch den Vorteil, dass dann deine Work-Life-Balance nicht leidet. Denn wenn du aus deinen normalen "Freizeiträumen" aus agierst, macht dein Gehirn irgendwann keinen Unterschied mehr; es glaubt sich also nach Feierabend noch im Arbeitsmodus. Und apropos Feierabend: Auch dafür brauchst du Disziplin. Denn "ach, schnell noch ein paar Mails raushauen" ist im Homeoffice wesentlich präsenter als dort, wo um fünf Uhr die Kollegen alle gleichzeitig ihre Sachen packen und den Mail-Checker ziemlich einsam zurücklassen. 


Unser Fazit

Homeoffice kann genial sein. Aber nur für einen bestimmten Menschenschlag. Du musst definitiv mit der Einsamkeit nicht nur klarkommen, sondern sie wirklich mögen. Und sie darf dich auch in keinem Fall dazu verführen, die geringere Kontrolle zuhause auszunutzen. Im Prinzip sind die optimalen Homeoffice-Menschen mit hoher Selbstdisziplin gesegnete Einzelgänger - reife Charaktere, die selbst ihren Kram sortieren können und dazu keinen Vorgesetzen benötigen. Gehörst du dazu? Dann kannst du die Sache echt genießen und alle Vorteile rausziehen. Lässt du dich jedoch schnell ablenken, dann ist das Homeoffice leider eher nicht so dein Ding.  


 

Autor: 
ENERGY Media
_self

DAS KÖNNTE DICH AUCH INTERESSIEREN

MEHR NEWS