Warum so viele Netflix-Serien nach wenigen Staffeln eingestellt werden

In diesem Artikel erklären wir dir, warum Netflix-Serien oftmals nach zwei bis drei Staffeln bereits zu Ende gehen.

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Öffnet man die Netflix-App, fühlt man sich oft direkt schon wieder vom Angebot des Streamingdienstes erschlagen. Was allerdings auffällt: Viele der neu angepriesenen Serien sind entweder komplett neu oder befinden sich in der zweiten oder dritten Staffel. Falls dir das bisher noch nie aufgefallen ist, achte in Zukunft doch mal darauf.

 

Das alles ist kein Zufall, es ist kaltes Kalkül. Für Fans allerdings kann es allerdings schnell ernüchternd werden, wenn sie sehen, dass ihre Lieblingsserie nicht mehr weitergeht. Die prominentesten Beispiele der jüngeren Vergangenheit sind da beispielsweise die Sci-Fi-Serie "Altered Carbon" (nach zwei Staffeln eingestellt) oder aber Drew Barrymores Zombie-Comedy-Serie "Santa Clarita Diet", die in der dritten Staffel mit einem Cliffhanger aufhörte und nicht weiter fortgesetzt wurde.

 

Da helfen auch keine Rückhol-Kampagnen, die Serien werden trotzdem abgesetzt, denn Netflix geht es am Ende des Tages um Zahlen, denn die lügen nicht. Im Gegensatz zu TV-Sendern, die sich auf relativ ungenaue Messwerkzeuge der Einschaltquoten verlassen müssen, wissen Streaminganbieter deutlich genauer, wie ihre Inhalte beim Publikum ankommen. 

 

Netflix stützt sich dabei vor allem auf drei Werte, das verriet der Konzern letztes Jahr in einer Erklärung ans britische Parlament): Man messe die Zahl der Haushalte, die eine Serie überhaupt anfangen (Starters), die Zahl derer, die sie zu Ende schauen (Completers) und die Gesamtzahl der allgemeinen Zuschauer. Dabei berechnet Netflix die Zahlen einmal sieben Tage und einmal 28 Tage nach Staffelstart, was auch Sinn macht. Denn Hardcore-Fans suchten eine Serien-Staffel gerne mal in wenigen Tagen durch, doch wenn ein Haushalt selbst nach vier Wochen nicht einmal ein halbes bis ganzes Dutzend Folgen einer Serie geschaut hat, spricht das nicht gerade für die Serie - und erst recht nicht für die Zukunft der Serie.

 

Netflix scheint sich bei den erhobenen Zahlen vor allem auf die Completer zu fokussieren. Für die Zukunft einer Serie ist es also entscheidend, ob eine neue Staffel von vielen oder weniger Haushalten durchgeschaut wird. Denn letztlich profitiert Netflix mehr von der breiten Masse als von ausgewählten Fan-Gruppen.

 

Aus wirtschaftlicher Sicht macht das natürlich auch nur Sinn, denn damit sich Produktionen einer Serie lohnen, brauchen sie auch ausreichend Abnehmer, die die Serie am Ende auch schauen. Denn im Gegensatz zu TV-Sendern, die Serien bestellen oder anderen Streaminganbietern wie Amazon Prime Video, die gerne mal eine Folge zum Test kaufen und schauen, wie sie beim Publikum ankommt, produziert Netflix eine ganze Menge selbst; vorausgesetzt, die Serie klingt erfolgsversprechend.

 

Analyst Tom Harrington erklärte gegenüber "Wired", dass Serien für Netflix nach der zweiten Staffel in den Kosten steigen und in der dritten explodieren würden. Dass es meist eine zweite Staffel gibt, liegt an den verhältnismäßig geringen Mehrkosten: Sets und Kostüme sind teilweise schon bezahlt, auch die Personalkosten bleiben mehr oder weniger gleich.

 

Einer der Gründe dafür ist, dass Netflix mit den beteiligten Akteur*innen im Normalfall einen Vertrag über die ersten beiden Staffeln abschließen. Erst danach wird weiterverhandelt (falls die Serie denn weitergeht). Hat man als Beteiligter einer Serie einen Hit gelandet, ist die Verhandlungsposition natürlich deutlich besser. Und weil der prozentuale Bonus auch für spätere Staffeln gilt, steigen die Kosten weiter und weiter. Sprich: Netflix hat deutliche höhere Produktionskosten als seine Konkurrenz und daher lohnt es sich für sie öfter Mal, lieber eine Serie neu zu produzieren, statt eine bereits ältere laufen zu lassen, wo aber die Zuschauerzahlen stagnieren oder gar sinken. 

 

Autor: 
jk
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