Golden Globes massiv in der Kritik: Tom Cruise gibt Awards zurück

Eine berühmte Film- oder Musikpreis-Institution zu sein und sich auf dem Image auszuruhen, reicht mittlerweile nicht mehr aus. Das bekommen aktuell vor allem die Grammys, aber auch die Filmauszeichnung Golden Globes zu spüren.

Auch Preisverleihungen müssen sich weiterentwickeln, mit der Zeit gehen und alte Strukturen aufbrechen. Das jedenfalls fordern in letzter Zeit immer mehr Stars, die mit ihrer Kritik an den Verleihungen und den "Hinterzimmer-Absprachen" nicht mehr hinter dem Berg halten. 

 

grammys: Boykott und viel unmut

Deutlich wurde diese zunehmende Unzufriedenheit über die großen Award-Shows an dem Wirbel um die diesjährige Grammy-Verleihung, wo vorab von Bestechung und Rassismus die Rede war. The Weeknd kündigte daraufhin einen Boykott an, weitere Stars machten ihrem Unmut über die Nominierungen im Netz Luft und die "Recording Academy" beugte sich jüngst dem Druck und kündigte an, das "Geheime-Komitee" aufzulösen - was allerdings eher nur ein Tropfen auf den heißen Stein sein wird. The Weeknd hat bereits angekündigt, das sei kein Grund für ihn, seinen Grammy-Boykott zurückzunehmen

 

golden globes: diskriminierung und korruption?

Noch bevor die renommierten Auszeichnungen dieses Jahr Ende Februar verliehen wurden, häuften sich kritische Stimmen. Nachdem die L.A. Times unter anderem aufdeckte, dass sich unter dem Auswahl-Komitee keine einzige Person mit schwarzer Hautfarbe befinde, sahen sich die Organisator*innen nicht nur Diskriminierungs-, sondern auch Rassismusvorwürfen gegenüber. Auch von Bestechung, Intransparenz und Korruption war die Rede. Bei den diesjährigen Nominierungen war beispielsweise keine einzige Produktion von oder mit schwarzen Filmemacher*innen nominiert, zahlreiche Nominierungen konnte stattdessen die - von vielen als eher mittelmäßig empfundene - Netflix-Serie "Emily in Paris" einheimsen. Für viele waren diese Entscheidungen nicht nachvollziehbar. 


sender stellen zusammenarbeit ein

Einfach weitermachen wie bisher, das wird die Hollywood Foreign Press Association (HFPA), das Auswahl-Komitee der Golden Globes, nicht mehr machen können - vielmehr steht sie jetzt unter immensem Druck. Große Medienkonzerne, wie der Sender NBC sowie Streaming-Giganten Netflix und die Amazon Studios haben angekündigt, die Preisverleihung unter diesen Umständen nicht mehr senden oder unterstützen zu wollen. Das könnte im schlimmsten Fall dazu führen, dass die Golden Globes schlichtweg irrelevant werden - viele der nominierten Filme oder Serie stammen nämlich mittlerweile entweder aus dem Hause Amazon oder Netflix, mal völlig abgesehen davon, dass eine Award-Show auch davon lebt, dass man sie sich ansehen kann.

 

tom cruise gibt seine golden globes zurück

Auch die ganz großen Stars fordern vehement eine Änderung der intransparenten Hinterzimmer-Absprachen. Schauspielerin Scarlett Johannson, die aufgrund häufiger sexistischer Fragen an sie nicht mehr an Pressekonferenzen der HFPA teilnimmt, sagte gegenüber Variety, es seien wirklich grundlegende Reformen nötig. Schauspielkollege Tom Cruise legte jetzt noch eine Schippe drauf und hat aus Protest gegen die HFPA sogar seine drei Golden Globes zurückgegeben


änderungen: halbherzig und nicht weitreichend genug

Aufgrund all der Kritik wurden zwar jüngst erst einige Änderungen um die Handhabe der Golden Globe Nominierungen verabschiedet, diese gehen den Kritiker*innen allerdings nicht weit genug und kommen zu spät.  Die angekündigten Veränderungen - wie mindestens 20 neue, idealerweise nicht-weiße Mitglieder*innen und ein Verbot der Annahme von Werbegeschenken - sollen nämlich erst ab frühestens Herbst gelten. Das würde bedeuten, dass sich für die Golden Globes 2022 kaum etwas ändern würde, aufgrund der Vorlaufzeit der Nominierungen. 

 

Unter dem Hashtag #ChangeIsGolden veröffentlichte Schauspieler Mark Ruffalo ein Statement und bemängelte dass die HFPA, welche erheblich von Filmemacher*innen und Schauspieler*innen profitiere, jetzt die große Veränderung verweigert, die von ihr gefordert wird. Ruffalo gewann selbst in diesem Jahr eine der einst so beliebten Golden Globes, könne aber "weder stolz noch glücklich" über diesen Award sein. 

 

 

 

 

 

Autor: 
ld
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