#actout: 185 Schauspieler*innen feiern ihr Coming-out

Mit der Initiative #actout outen sich 185 lesbische, schwule, bisexuelle, queere, nicht-binäre und trans* Schauspieler*innen. Damit fordern sie einen offeneren Umgang mit dem Thema in ihrer Branche sowie das Ende der Doppelmoral.

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"Wir sind hier und wir sind viele!"

Zwar kommt das Thema Diversity immer mehr in der deutschen Gesellschaft an, dennoch sind wir von vollkommener Akzeptanz verschiedener sexueller Lebensformen noch weit entfernt. Mit der Initiative #actout wollen deutsche Schauspieler*innen nun sichtbar machen, dass es auch andere sexuelle Identitäten neben der Klassischen gibt. Nun verfassten sie ein Manifest mit der Überschrift: "Wir sind hier und wir sind viele!" Dem Manifest zufolge, das im SZ-Magazin veröffentlicht wurde, werde bislang behauptet, wenn Schauspieler*innen gewisse Facetten ihrer Identität - nämlich ihre sexuelle sowie Geschlechtsidentität offenlegten - mit einem Mal bestimmte Figuren und Beziehungen nicht mehr darstellen könnten. Paradox ist, dass ein Schauspieler, der einen Bösewicht spielt, ja im Privatleben auch kein Mörder sein muss, um seine Rolle gut zu spielen. 

Außerdem wurden die Gesichter der 185 Schauspieler*innen in der aktuellen Ausgabe des SZ-Magazins veröffentlicht. Damit outen sie sich erstmalig zu ihrer sexuellen Orientierung. Das SZ-Magazin bat zudem sechs der unterzeichnenden Schauspieler*innen zum Interview. Jonathan Berlin, Eva Meckbach, Tucké Royale, ­Karin Hanczewski, Godehard­ Giese und Mehmet Ateșc̦i sind sich einig: "Dieses Interview ist für sie eine Lebensentscheidung". Schauspieler Jonathan Berlin, 26 Jahre alt und bekannt unter anderem aus dem Fernseh-Dreiteiler "Tannbach", "Schicksal eines Dorfes" oder "Preis der Freiheit", findet, die Zeit sei nun sehr reif dafür, das Tabu des Versteckens zu brechen. Ihm hätte es als Jugendlichem geholfen, wenn Schauspieler*innen sich geoutet hätten. 

 

Schauspielerinnen müssen vor allem "fuckable" sein

Wie die interviewten Schauspieler*innen berichten, fehlt im deutschen Film-Business jegliche Spur, sich überhaupt outen zu dürfen. "Als ich den Tatort bereits hatte, wurde mir gesagt, ich soll mich nicht outen, bevor ich nicht den Fuß richtig in der Branche habe, und wir wissen ja alle, dass die Leute, die den Fuß so richtig drinnen haben und auch den ganzen Körper, es erst recht nicht tun sollen. Es gibt also nie den richtigen Zeitpunkt", so die 39-jährige Karin Hanczewski. Neben dem Tatort kennen wir sie auch aus ein Fall für Zwei. Hanczewski erklärt außerdem im Interview, wo ihrer Ansicht nach das Problem von Produzenten und Regisseuren mit lesbischen Frauen sind. Schauspielerinnen müssen vor allem "fuckable" sein. Als Lesbe sei man eben "aus dem Pool der für Männer begehrenswerten Frauen oder Frauen­rollen raus".

 

 

Genau hierin liegt die Angst vieler Schauspieler*innen: Dass sie aufgrund ihrer sexuellen Orientierung nicht mehr gebucht werden. Damit soll nun Schluss sein.

 

Autor: 
kp
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