Trotz sozialer Phobie und Schwerhöhrigkeit ins Radio
Mental Health geht uns alle etwas an. ENERGY Moderator Joe bricht das Tabu und lässt Menschen mit ihren Geschichten zu Wort kommen.
✌🏻 Meine Geschichte
Meine Schwerhöhrigkeit wurde in der dritten Klasse festgestellt. Eine eindeutige Ursache wurde jedoch nie gefunden, vermutlich ist sie angeboren. Da ich allerdings bereits mehrere Jahre mit einem fast tauben Ohr gelebt hatte, fühlte sich ein Hörgerät für mich immer wie ein Fremdkörper an. Plötzlich war alles viel zu laut, ungefiltert und überfordernd. Mit einem Ohr komme ich deshalb bis heute deutlich besser zurecht.
Nachdem ich den M-Zweig an der Paul-Ritter-Schule (Hörgeschädigtenschule) in Nürnberg absolviert hatte, begann ich eine IT-Ausbildung. Während dieser Zeit wurde ich psychisch krank. Die soziale Phobie und Depressionen wurden so stark, dass ich die Ausbildung abbrechen musste. Es folgte ein Jahr intensiver Therapie.
"Die Krankheit schlummerte wohl schon immer in mir, denn auch als Kind habe ich soziale Kontakte eher gemieden."
Als ich psychisch wieder stabil war, nahm ich an einer Jobfindungsmaßnahme des Arbeitsamts teil, um wieder Fuß im Berufsleben zu fassen. Dort erwähnte eine Sozialarbeiterin, ich hätte eine angenehme Stimme und solle es doch einmal beim Radio versuchen. Was zunächst wie ein Scherz für mich klang, brachte mich zum Nachdenken. Menschen im privaten Umfeld mit Blödsinn zu unterhalten, hat mir schon immer Spaß gemacht.
Ich absolvierte insgesamt ein Jahr Praktika bei verschiedenen Radiosendern. Anschließend begann ich ein zweijähriges Volontariat bei ENERGY Nürnberg und wurde danach mit einer festen Nachmittagssendung übernommen. Auch dort kommunizierte ich sofort von Anfang an, dass ich mit psychischen Problemen zu kämpfen habe, denn mein Lebenslauf war für mich eindeutig erklärungsbedürftig.
Der Weg dorthin war nie angstfrei!
Telefonate mit Fremden, Gespräche auf Pressekonferenzen oder neue soziale Situationen sind für mich bis heute kleine Herausforderungen. Schwitzige Hände, Herzklopfen und kreisende Gedanken gehören zu meinem Alltag.
Doch jedes Mal, wenn ich eine dieser Situationen meistere, bin ich erleichtert und stolz: Ich habe gelernt: Angst bedeutet nicht, dass ich etwas nicht kann. Sie bedeutet nur, dass ich mich überwinde - und dass ich danach umso mehr stolz auf mich sein kann nicht eingeknickt zu sein.
Offen mit meiner Erkrankung umzugehen, hilft mir seit Jahren. Deshalb möchte ich meine Geschichte zu unserer gemeinsamen machen. Mentale Gesundheit kann jeden unvorhergesehen treffen. Das Tabu muss gebrochen werden. Mehr Toleranz und Aufklärungsarbeit ist deshlab umso wichtiger. ♥️
"Auch wenn man sich selbst einweisen muss - das ist keine Schwäche - das ist Stärke!"
- Hörerin Daniela im Interview -
✒️ Ein Tattoostudio als Safespace
Als Alina aus Bergisch Gladbach auf Grund ihrer psychischen Krankheit kurz vor der Erwerbsminderungsrente stand, hat sie einen letzten Versuch gewagt und mit ihrer besten Freundin ein Tattoostudio eröffnet. Extra für chronisch und psychisch erkrankte Menschen.
In ihrem Tattoostudio wird auf jede Krankheit individuell geachtet.
Wenn sie Kunden empfangen, die unter Migräne leiden, dann wird am Abend vorher extra auf Putzmittel mit starken Gerüchen verzichtet.
Bei Kunden mit Sozialstörungen, werden auch gerne Termine erst um 21 Uhr vereinbart, damit der Kunde nicht unter zu vielen Menschen ist.
Keine schiefen Blicke!
Die Tattoo-Artisten, die bei Happytattss arbeiten, sind selbst psychisch vorbelastet oder chronisch krank. Das macht sie umso einfühlsamer auf die Kunden.
"[...] Wenn ein Kunde kommt, der drei Tage nicht geduscht hat, weil er es psychisch einfach nicht geschafft hat, dann lache ich und sag: "Ist doch nicht schlimm."[...]"
🏃🏻➡️ 100 Meilen für psychische Gesundheit
Manu und Tim aus Feucht und Wendelstein laufen für den guten Zweck. 100 Meilen (umgerechnet rund 161 km) wollen sie gemeinsam am 16. Mai schaffen und den Rothsee umrunden. Nicht aus Spaß - sondern zum Monat der Mental Health Awareness. Egal ob 2, 20, 50 oder 161 km - gemeinsam mit der Robert-Enke-Stiftung soll sich jeder eingeladen fühlen dem Lauf anzuschließen. Großer Zuspruch zeigt sich auch in den sozialen Medien. Die Beiden konnten bereits eine Spendensumme im vierstelligen Bereich erzielen.
Der Startschuss ist jeweils in zwei Gruppen um 0 und 6 Uhr am Strandhaus Grashof.
Um auf 161 km zu kommen, drehen sie insgesamt 13,5 Runden um den großen- und kleinen Rothsee.
Finish ist vorraussichtlich zwischen 20:30 und 23:00 Uhr.
Über die Insta-Kanäle der beiden halten sie uns mit einem Livetracking-Link auf dem Laufenden. Somit kann jeder zu jederzeit einfach dazustoßen und mitlaufen.