Bewusster Smartphone-Kauf

Marie hat sich diese Woche ein neues Smartphone gekauft und nimmt euch auf ihrem Weg bis zur Kaufentscheidung mit.

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Mein Smartphone informiert mich regelmäßig über meine Bildschirmzeit. Diese Funktion, würde ich eigentlich lieber ignorieren. Sie erinnert mich doch daran, wie süchtig ich und wahrscheinlich wir alle nach den Dingern geworden sind.
Und weil man so viel Zeit damit verbringt, möchte man auch gerne eines mit der neuesten Technik haben. Die durchschnittliche Lebensdauer eines Smartphones liegt mittlerweile bei unter 2 Jahren. Ich habe einen kleinen Sohn und meine Ausrede sind die schönen Erinnerungsbilder, die ich mit einer noch besseren Kamera machen kann. Nachdem das Handy meiner Mutter diese Woche kaputt gegangen ist, habe ich die Gelegenheit ergriffen, ihr meines anzubieten und habe mir ein neues Smartphone gekauft. Meine Entscheidung und der Weg dorthin war dieses Mal aber anders als sonst. Ich habe mich bewusst damit auseinander gesetzt, wie mein Wunschgerät produziert wird und was es für Alternativen gibt.

 

Warum sind Smartphones eigentlich schlecht für die Umwelt?

Smartphones bestehen aus vielen Einzelteilen und kostbaren Metallen, wie Gold, Erze oder seltene Erden, die aufwendig und teuer gewonnen werden müssen. Dabei bekommen wir den grauenhaften Krieg um die Vorherrschaft über Minen in Europa nicht mit. Bei der Produktion werden in den seltensten Fällen, Umweltstandards und Arbeiterrechte berücksichtigt. Der überwiegende Anteil der mineralischen Rohstoffe stammt aus Abbaustellen, in denen die Förderung durch bloße Handarbeit erfolgt. Die Arbeitsbedingungen sind meist unzumutbar. Beim Abbau wird zum Beispiel Mineralstaub freigesetzt, der die Lungen der Arbeiter belastet. Auch Kinder arbeiten in diesen Minen, weil sie ihre Familien finanziell unterstützen müssen. In Asien werden die Rohstoffe dann zu den Einzelteilen verarbeitet. Die Teile werden zusammengesetzt und das fertige Handy in die Abnehmerländer geschifft. Der ökologische Fußabdruck ist enorm. Jetzt kommen wir nochmal ins Spiel - die Konsumenten, denn das neueste Modell kam ja raus und jeder will es haben. Das alte fristet meistens sein Dasein in irgendeiner Schublade. Wenn das Smartphone nicht richtig entsorgt oder aufbereitet wird, werden Giftstoffe freigesetzt. Beim Recyceln müssen die Geräte aufwändig in ihre Einzelteile zerlegt und nach den verschiedenen Materialien getrennt werden. Doch das ist kosten- und arbeitsintensiv. Daher wird trotz des "Entsorgungsgsetz für Elektronischrott“ in Deutschland ein großer Teil in Entwicklungsländer wie Afrika, Indien oder China exportiert, wo der Elektroschrott einfach verbrannt wird, um an die wertvollen Metalle im Inneren zu kommen.
Da fragt man sich natürlich, was kann man als „kleiner Mensch“ in Europa tun, um diesen Teufelskreis zu umgehen?

Alternativen

#1 Gebrauchte Geräte

Es gibt Firmen, die nachhaltigere Alternativen anbieten, zum Beispiel Fairphone oder Shift. Die beiden Firmen gewinnen Rohstoffe ohne Kinderarbeit. Sie legen Wert darauf, dass die Arbeit in den Minen sicherer ist. Außerdem werden faire Löhne bezahlt. Zwar werden die Handys in China produziert, doch bleibt der ökologische Fußabdruck kleiner, denn die Verarbeitung bleibt vor Ort. Im Gegensatz zu konventionellen Herstellern. Da werden die Einzelteile überall in der Welt produziert. Die Unternehmen haben Produktionsstätten bereitgestellt, in denen die Handys gefertigt werden. Somit werden gleich vor Ort bessere Arbeitsmöglichkeiten geschaffen. Die Angestellten von Shift haben zum Beispiel eine 40-Stunden-Woche und werden dafür, laut eigenen Angaben, über dem Mindestlohn bezahlt. Es wird Wert darauf gelegt, Produkte mit längerer Lebensdauer zu entwickeln, die leichter zu reparieren sind. 100 % faire Smartphones gibt es bisher nicht. Auch konventionelle Hersteller achten mittlerweile mehr auf faire Arbeitsbedingungen in der Herstellung ihrer Produkte.
Der größte Unterschied zu herkömmlichen Handys ist, dass sie modular aufgebaut sind, das heißt du kannst alle Komponenten einzeln austauschen und selbst reparieren.
Du kannst dir die Ersatzteile online bestellen und es gibt eine Hotline, bei der dir Mitarbeiten helfen, das Telefon zu reparieren. Ein nachhaltiges Smartphone ist außerdem nicht teurer als ein Konventionelles. Dafür haben die Alternativen häufig noch mit technischen Problemen zu kämpfen und lange Wartezeiten bei Ersatzteilen. 

#2 Reuse

Alle, die so wie ich ein bestimmtes Smartphone ins Auge gefasst haben, können sich ein gebrauchtes Gerät kaufen. Das hat den Vorteil, dass man nicht nur Geld spart, Ressourcen schont und CO₂-Emissionen reduziert. Gleichzeitig vermindert man durch den Kauf schädlichen Elektroschrott und das ist immer nachhaltiger als ein neues Produkt zu kaufen. Denn egal wie fair und nachhaltig die Produktionskette gestaltet wurde, werden dabei Ressourcen und Energie verbraucht.

Es gibt mittlerweile generalüberholte Smartphones die "refurbished“ wurden. Unternehmen wie „refurbed“, "asgoodasnew“ oder "rebuy“ bieten diese Art von Smartphones mit einer Garantie von mindestens einem Jahr an. Das ist sicherer, als ein Gerät von einer Privatperson zu übernehmen.
Dabei solltest du aber Folgendes beachten: Es sollte ein Widerrufsrecht von 30 Tagen auf den Kauf und mindestens ein Jahr Garantie auf das Gerät geben. Ob ein Shop seriös ist, kannst du auch oft daran erkennen, ob du verschiedene Zahlungsmethoden zur Auswahl hast. Bei Online-Bezahldiensten wie Paypal kannst du zum Beispiel dein Geld zurückverlangen, wenn das Produkt Mängel oder Ähnliches hat. Die Erneuerung eines alten Handys erspart laut einer Studie des Fraunhofer Instituts 14 kg Rohstoffabbau und 58 kg Treibhausemission.

Ich habe mich am Ende für ein refurbed Smartphone entschieden und sogar eines gekauft, das noch günstiger war, weil es einen Kratzer an der Seite hat. Super praktisch! Wer mich kennt, weiß dass ich sonst die Kratzer selber reinhaue und so ärgere ich mich nicht über den ersten Kratzer, er ist ja schon da ;)

Weitere Tipps hat übrigens das Umweltbundesamt zusammengefasst.

Du interessierst dich für andere nachhaltige Themen? Dann schau mal bei Green Up Your Life vorbei.

 

Autor: 
lk
_self

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